Der Tod ist gut fürs Geschäft. Der Wirt hat die Tische zusammengeschoben, die Trauernden haben Hunger. Ganz in Schwarz sitzen sie vor dampfenden Tellern, Rauch hängt in der Luft, Biergläser klingen, ein dicker Mann ruft: "Wo bleibt mein Kalbskopf?" Die Tür zur Küche schwingt auf, die Kellnerin bringt Braten und Kraut. Bevor die Tür wieder zufällt, wird für einen Moment ein kleine, rundliche Frau mit weißer Schürze sichtbar. Das ist Maria Leitmayr.

Sie sagt, manchmal träume sie von ihrer Arbeit. Vor allem von Kartoffeln. Ein, zwei Säcke schält sie am Tag. Sie putzt Gemüse. Sie kratzt altes Fett aus schweren Pfannen. Sie bereitet Salate vor. Nachher, wenn die Trauergemeinde gegangen ist, wird sie die Toiletten schrubben.

Maria Leitmayr ist jetzt Mitte 40. In Landshut, in Niederbayern, ist sie zur Welt gekommen und zur Schule gegangen. Zwei-, dreimal war sie zum Urlaub in Österreich bei ihrer Schwester, ein paar Mal in München. Das ist alles. "Ich bin eigentlich immer in Landshut gewesen", sagt Maria Leitmayr. Immer hat sie in irgendwelchen Küchen gearbeitet, immer als Hilfskraft.

Nur, so wenig wie jetzt hat sie noch nie verdient.

Maria Leitmayr arbeitet 42 Stunden in der Woche. An sechs von sieben Tagen steht sie in der Küche, von morgens um elf bis nachmittags um drei und abends noch einmal, von sechs bis neun. Manchmal, wenn viel los ist im Wirtshaus, muss sie Überstunden machen, aber die tauchen auf ihrem Lohnzettel nicht auf. Dort steht nur eine Zahl. 891,90 Euro. Das ist der Bruttomonatslohn von Maria Leitmayr. Macht nicht einmal 5 Euro pro Stunde. Steuern muss sie bei diesem niedrigen Einkommen nicht bezahlen, aber Sozialversicherungsbeiträge. Es bleiben ihr 697,02 Euro.