DIE ZEIT: Herr Bullerjahn, bisher kam die DDR im Kino als ulkige Veranstaltung daher und die Stasi als harmlos-vertrottelte Karikatur. Warum hat es so lange gedauert, bis sich mit dem Film Das Leben der Anderen zum ersten Mal ein Regisseur ernsthaft damit befasst hat, und dann auch noch einer aus dem Westen?

Jens Bullerjahn: Das ist Kino, das Leben ist meist anders. Bei vielen Ostdeutschen ging und geht es bei dem Thema um die Verteidigung der eigenen Biografie. Leider gibt es zu oft noch reflexhafte Schuldzuweisung statt echter Aufarbeitung. Wer in der SED war, wirft dem anderen vor, dass er in einer Blockpartei war, und umgekehrt. Die Westdeutschen kritisieren die Ostdeutschen, und die fragen, was denn in Westdeutschland nach dem Krieg los war. Die Gerichte versuchen juristisch etwas aufzuarbeiten, was nicht immer gelingt. Ich finde, 15 Jahre nach der Wende sollten wir differenziert mit der Sache umgehen. Dass es in der DDR so weit gekommen ist, ist nicht nur eine Sache von einigen wenigen gewesen.

ZEIT: Sie bezeichnen sich als DDR-Kind.

Bullerjahn: Ja, ich bin im Osten aufgewachsen, ich hatte Brüder, die in der SED waren, ich selbst kenne den Druck der Staatssicherheit. Ich war in keiner Partei, trotzdem glaube ich, ich war ein politischer Kopf. Ich wundere mich, wie viele im Nachhinein mit dem DDR-System angeblich nichts zu tun hatten.

Ich versuche nach vorn zu schauen und zu vermitteln zwischen denen, die damit überhaupt nichts mehr anfangen können, den Jüngeren, wie meinen Söhnen, und denen, die wie ich in der DDR gelebt haben und sich vorwerfen lassen müssen, nichts bemerkt zu haben. Dass es die Stasi gab, war natürlich jedem bekannt.

Über die Komplexität und das Ausmaß war ich im Nachgang erschrocken und erstaunt. Da kommt man auch über sich selbst ins Grübeln, ob man doch zu opportunistisch oder einfach zu desinteressiert war.

ZEIT: Welche Erfahrung haben Sie, als heute 43-Jähriger, mit der Stasi gemacht?