Geheimdienst Stets zu Diensten
Der BND hat sich Unerhörtes geleistet, aber er fand in den Medien leider auch willige Helfer
Neulich in Pullach, so ungefähr dürfte es gewesen sein: Der Bundesnachrichtendienst (BND) ärgert sich über einen Zeitungsartikel, der über eine geheime Operation im Nahen Osten berichtet, und will wissen, wer in der Behörde mit dem Journalisten geplaudert hat. Ein BND-Mann trifft einen ihm bekannten Kollegen des Journalisten und bittet ihn, den Redakteur doch einmal auszuhorchen und dessen Leben auszuforschen. Diese Gefälligkeit solle nicht zu seinem Schaden sein. So wäscht eine Hand die andere. Mal geht ein geheimes Dossier über den Tisch, mal ein dickes Geldkuvert.
Niederträchtige Geschichten wie diese, dachten wir bislang, schrieb nur die Stasi. Doch jetzt steckt auch der BND an seinem 50. Geburtstag inmitten solch einer Affäre. Anscheinend ist jeder Geheimdienst dafür anfällig, selbst ein kontrollierter und der Demokratie verpflichteter. Das Ausmaß und die Auswirkung des Skandals sind noch nicht zu ermessen – weder für den BND und seine einstigen wie gegenwärtigen Vorgesetzten noch für die Medien.
Vor vierzig Jahren hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zur Spiegel-Affäre den Kern der Pressefreiheit so definiert: Eine »freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfene Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates«. Pressefreiheit setzt also zweierlei voraus: dass der Staat nicht die Medien lenkt und sich niemand in den Medien vom Staat lenken lässt. Wer in diesem Licht den BND-Skandal betrachtet, muss feststellen: Er gefährdet die Pressefreiheit doppelt – von außen durch den skrupellosen Nachrichtendienst und von innen durch ebenso gewissenlose Journalisten. Kurzum, wer zu Recht den BND ins Visier nimmt, darf verantwortungslose Medienleute nicht verschonen.
Fest steht bislang: Um seine Geheimnisse zu schützen – ein an sich berechtigtes Anliegen –, hat der BND zwischen 1994 und 2005 zahlreiche Journalisten, die über ihn berichtet haben, bis in ihr Privatleben hinein ausspionieren lassen – nicht nur einmal, sondern immer wieder und ganz gezielt. Die Journalisten wurden allem Anschein nach mit Wissen hoher Vorgesetzter bespitzelt, vielleicht sogar auf deren Anordnung oder zumindest mit deren Duldung. Das muss Konsequenzen haben. Wen, wenn nicht die beiden damaligen BND-Chefs, sollte man hierfür zur Verantwortung ziehen? Der eine, Hansjörg Geiger, ist schon pensioniert. Der andere aber, August Hanning, arbeitet heute als Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Ironie der Geschichte: Beide traten ihr Amt als Aufklärer an und haben tatsächlich ein wenig Licht in den Geheimdienst gebracht.
Was aber die Mittäter aus den Medien angeht: Zumindest einer soll für das Ausspionieren von Journalisten bezahlt worden sein. Fast schlimmer aber noch handelten jene, die nichts Unrechtes dabei fanden, den BND mit ihrem Wissen über Kontakte, Recherchen und private Vorlieben von Kollegen zu speisen. Für sie war es ein Gegengeschäft, vielleicht das Dankeschön für geheimes Material, das ihnen der BND seinerseits für einen Artikel geliefert hat. Meinen doch manche, dass erst eine als »vertraulich« gekennzeichnete BND-Akte ihre Story zur wirklichen Enthüllungsgeschichte macht. Und manches Medium zahlt seinen Leuten dafür sogar eine Prämie.
Hier offenbart sich ein wirkliches Problem – und die Kriminalromane sind voll davon: Geheimdienstler und nach Geheimem suchende Journalisten ziehen einander oft magisch an. Natürlich lebt auch die Demokratie davon und nützt es ihr, wenn Staatsunrecht verraten wird. Doch manches Mal entsteht Kumpanei, wo Distanz und Misstrauen herrschen sollten. Keine Zeitung, kein Magazin, kein Radio, kein TV-Sender ist davor gefeit. Das Do-ut-des-Geschäft hat seinen Preis, und es ist schwer, sich dessen Verlockungen immer zu entziehen.
Am Ende braucht also nicht nur der BND neue Regeln. Richtlinien – aber besser noch die eigene Berufsehre – könnten auch Journalisten davor bewahren, sich mit den Geheimen gemein zu machen.
- Datum 17.05.2006 - 03:40 Uhr
- Quelle DIE ZEIT 18.05.2006 Nr.21
- Kommentare 4
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Einfach mal ´n paar Headlines.
Hm... Spricht es nicht für sich selbst?
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Stern (19.5.2006)
§ Viel Schweiß statt kühler Cocktails
§ "Nirgendwo ist das Bier so billig"
§ Auch Affen können Sätze bilden
§ Die Hoffnung stirbt zuletzt
§ "Zu viel Schuld, zu wenig Genuss"
Die Zeit (19.5.2006)
§ In einem Raumschiff
§ AKW in Gefahr?
§ Selbst gebaute Falle
§ Planlose Affen?
DEUTSCHLAND
§ BND-Affäre Journalisten bespitzeln Journalisten »
§ Geheimdienste Wer kontrolliert den BND? »
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§ BND-Skandal Der Geheimdienst fand in den Medien willige Helfer »
§ mehr » [wirklich?]
§ Mensch und Affe ... sind sich näher als bisher angenommen »
§ Ihre Meinung Was tun gegen Spam? »
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Antwort: Wenn Ihr schon schreiben müsst, dann gestaltet es uns wenigstens angenehm ...
Vater zum Sohn: "Für so ein schlechtes Zeugnis müsste es eigentlich Prügel geben!!" "Genau, stimmt der Junge zu, "ich weiß auch, wo der Lehrer wohnt."
In der Religionsstunde fragt der Lehrer: "Was passiert, wenn du die Zehn Gebote brichst?" Der Schüler überlegt: "Dann sind es nur noch neun ..."
Eine graue Zelle kommt per Zufall in das Gehirn eines Mannes. Alles ist dunkel, leer, ohne Leben. "Huhu!" ruft die graue Zelle. Keine Antwort.
"Huhu!" wiederholt die graue Zelle. Da erscheint plötzlich eine andere graue Zelle und fragt : "Was machst du denn so ganz alleine hier, komm mit, wir sind alle unten!"
"Was ist eigentlich ein Nettoeinkommen, Papa?" "Ganz einfach, mein Sohn, das ist die Provision, die dir der Staat für gezahlte Steuern zugesteht!"
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Vielleicht können diese Ereignisse die Grundlage für die grundsätzliche Frage nach der Existenzberechtigung eines Geheimdienstes in einer demokratischen Gesellschaft sein.
Wenn die STASI nach der Wende abgeschafft wurde, so braucht es keinen Geheimdienst mehr wie den BND.
Soche Institutionen sind überholt, da sie gerade in Grauzonen wirken denen ein Abrutschen ins Totalitäre und das Mißachten von Rechten inne wohnt.
Demokratie lebt von Mündigkeit, und die steht im Gegensatz zur Bespitzelung.
Dr. Roland Borowka
In welcher Zeit leben sie eigentlich. Wenn auch der Stasi offiziell abgeschafft wuirde, so existieren die alten Seilschaften noch. Glauben Sie an Demokratie und an einen mündigen Bürger? Die letzten Wahlen haben doch deutlich gezeigt, wie dumm die Bürger eigentlich sind, denn wieder haben sie den gewählt, der am meisten verspricht. Die sogenannte Demokratie führt doch dazu, dass der Mehrheit der Wahlstimmen entsprochen werden muß um wieder gewählt zu werden und nicht den eigentliche Erfordernissen des Landes Rechnung trägt. In der heutigen Zeit des ausgeprägten sozialen Gefälles ist auf einen Geheimdienst nicht zu verzichten. Die Terroristen jedenfalls würden sich über Ihre Idee freuen.
Zitat: "Neulich in Pullach, so ungefähr dürfte es gewesen sein: Der Bundesnachrichtendienst (BND) ärgert sich über einen Zeitungsartikel, der über eine geheime Operation im Nahen Osten berichtet, und will wissen, wer in der Behörde mit dem Journalisten geplaudert hat. Ein BND-Mann trifft einen ihm bekannten Kollegen des Journalisten und bittet ihn, den Redakteur doch einmal auszuhorchen und dessen Leben auszuforschen. Diese Gefälligkeit solle nicht zu seinem Schaden sein. So wäscht eine Hand die andere. Mal geht ein geheimes Dossier über den Tisch, mal ein dickes Geldkuvert."
Saubere Hände, stets zu Diensten, schön ... na, wenn sich Freunde so gut verstehen. Dickes Kuvert, wer hätte das nicht gern.
Nur, was sagt das Finanzamt dazu?
(pst... alles ehrlich versteuert 7%. Vor Steuer Abzug. Aber auch Lohnnebenkosten gezahlt?)
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