Sucht Kleiner Selbsttest
Sind Sie alkoholsüchtig?
Rund 1,7 Millionen Menschen gelten in Deutschland als alkoholabhängig. Damit sind allerdings nur die harten Fälle erfasst, die einer stationären Behandlung bedürfen. Daneben gibt es noch jene, die einen »missbräuchlichen« oder »riskanten« Konsum betreiben – die Grenzen sind dabei im wahrsten Sinne des Wortes fließend. Das Münchner Institut für Therapieforschung (IFT) schätzt die Zahl der Alkoholkranken und -gefährdeten insgesamt auf fast 14 Millionen Menschen, demnach hätte jede/r sechste Deutsche ein Alkoholproblem.
Ostdeutsche trinken in der Regel häufiger als Westdeutsche, doch in der Zahl der Tage, an denen sie betrunken sind, liegen sie gleichauf. »Im problematischen Konsum herrscht deutsche Einigkeit«, sagt Roland Simon vom IFT. Besonders gefährdete Berufsgruppen sind naturgemäß »alkoholnahe« Berufe (Brauer, Winzer, Gastwirte) und »Durstberufe« (Köche, Metallgießer), die unter besonders heißen Bedingungen ausgeübt werden. Auch Hafen-, Bau- und Metallarbeiter greifen häufig zu mehr als einem Feierabendbier. Und dann wären da noch die so genannten Kontaktberufe: Vertreter, Journalisten, Schauspieler, Unternehmer, Politiker – kurzum alle, die viel unterwegs sind und häufig Menschen treffen.
Was als »moderater« oder gesundheitlich unbedenklicher Alkoholkonsum gilt, ist Definitionssache. Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) hält bei Frauen zwei »Alkoholeinheiten«, bei Männern drei Einheiten pro Tag für »risikoarm«, wobei als Alkoholeinheit jeweils ein Achtel Wein oder ein kleines Bier gilt; ein Glas Schnaps oder andere harte Getränke zählen als 1,5 Einheiten. Doch diese Mengen sagen über das individuelle Suchtverhalten wenig aus. Denn das bemisst sich weniger nach der Trinkmenge, als vielmehr danach, ob man seinen Konsum selbst kontrolliert – oder von ihm kontrolliert wird.
Zur schnellen Diagnose, ob ein Patient auf dem Weg in die Sucht ist, nutzen Ärzte den so genannten Cage-Test, der sich an vier (englischen) Stichwörtern orientiert:
C für cut down drinking : Haben Sie jemals daran gedacht, weniger zu trinken?
A wie annoyance : Haben Sie sich jemals über andere Menschen geärgert, weil diese Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?
G wie guilty : Haben Sie sich jemals wegen Ihres Trinkens schuldig gefühlt?
E für eye opener : Haben Sie jemals morgens Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren oder einen »Kater« loszuwerden?
Wer mindestens zwei dieser Fragen mit Ja beantwortet, hat mit großer Wahrscheinlichkeit ein Alkoholproblem. Wer drei oder alle vier Fragen bejaht, sollte dringend mit einem Suchttherapeuten reden.
- Datum 18.05.2006 - 03:33 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 18.05.2006
- Kommentare 6
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Ich weiß,ich bin ein Pharisäer. Ich sage nämlich stets: 1) Ich bin noch nie angetrunken gefahren. 2) Mir kann das nicht passieren. 3) Suchtabhängige sind charakterschwach.
Leider erklärt mir dann meine Tochter (Psychologiestudentin), dass ich in meiner Einschätzung völlig falsch liege, wenigstens bezüglich des Punktes 3). Suchtkrankheit ist ein sehr komplexes Thema und ich soll mich da zurückhalten! Aber wie zum Teufel kommt man dazu, sich immer wieder zu betrinken und nichts dazuzulernen? Ich wüsste es gerne und schon wieder kommt bei mir der Pharisäer und meldet sich.
Ich bin auf einer lustigen Feier; Ich habe durst und meiner Frau schmeckt der Wein.
Frau: Ich kann nicht mehr fahren.
Mann: Ich eigentlich auch nicht.
Frau: Na gut, dann muss ich wohl aufhören den guten Wein zu trinken... Der Ton und die Körpersprache sagten alles
Mann: Kein Problem ich fahre...
3 Stunden später steigen wir ins Auto, nach 10 Minuten begegnet mir ein freundlicher Beamter der auf der Straße Nachtschicht schieben darf und ich Denke über 4 Fragen nach:
C für cut down drinking: Haben Sie jemals daran gedacht, weniger zu trinken?
-> Ja
A wie annoyance: Haben Sie sich jemals über andere Menschen geärgert, weil diese Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?
-> Ja (da jetzt meine Frau sagt: "Du hättest nicht so viel trinken sollen")
G wie guilty: Haben Sie sich jemals wegen Ihres Trinkens schuldig gefühlt?
-> Ja, aber es nützt nix
E für eye opener: Haben Sie jemals morgens Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren oder einen »Kater« loszuwerden?
-> Das werde ich morgen tun, nachdem der Beamte mir meinen Lappen weggenommen und mir Blut abgezapft hat und meine Frau nach einem Test der Beweist, dass Sie nur 0,2 Promille hat, uns Nachhaus fahren wird.
ist für Ehemänner leicht erreicht. Wie ich hörte, bin ich keine Ausnahme, sondern ein Normalfall, wenn meine Frau schon meckert, wenn ich einmal die Woche (gemütlicher Sonntag) ein Achtel geniese. Wegen einer wirklichen Kleinigkeit angemeckert zu werden, ärgert einfach.
@schmidtvogel dann hättet Ihr eben ein Taxi genommen.
ob sie (ich reagiere mal auf ihr, hoffentlich fiktives, personalpronomen) süchtig sind, weiss ich nicht -- ein akuter fall von asozialität aber schon!
wenn sie auf einer feier stundenlang alkohol trinken und sich hinterher an's steuer setzen, sind sie schlicht kriminell.
dass das nur mit führerscheinentzug und nicht mit schlimmerem endete, liegt ganz gewiss nicht an ihren fahrkünsten.
Weshalb enthält der Artikel keine klare Angabe, was eine "Alkoholeinheit" darstellt? Was ist ein achtel Glas Wein? Welcher Wein, wieviel Prozent? Wie groß darf das Glas sein? Ist die "Zeit" damit überfordert, das in Zentilitern auszudrücken, oder fürchtet man, die Leser damit zu überfordern? "Metrische" Maße haben wir in Europa ja erst seit ca. 300 Jahren...
MfG
Johannes Schneider
Zunächst @5 : Es wäre schön exakte Maße und Zahlen zu hören....wenn es sie denn gäbe !Es gibt mindestens x³ mal soviele unterschiedliche Alkohol-Sucht- oder Problemkategorien wie es Menschen auf diesem Planeten gibt. Die Individualität von biologischen, chemischen und physischen Prozessen des menschlichen Körpers (Gewicht, allg. Gesundheitszustand, Metabolismus, Ernährung, psychische Verfassung, etc, etc) multipliziert mit Umweltfaktoren (Temperatur, begleitende Aktivität, Stimulation, etc, etc), multipliziert mit individueller Sozialisation, usw und sofort...ergeben eine solch unüberschaubare Anzahl an Faktoren und Korrelationen, daß es unmöglich ist sinnvolle allgemeine Sucht- oder Problemgrenzen des Alkoholkonsums zu etablieren.Nehmen wir Thomas Mustermann : er trinkt an 3 Tagen die gleiche Menge Alkohol der gleichen Sorte. Das innere Erleben des Rausches wird jeweils unterschiedlich sein. Daher wird auch die Exteriorisierung des Rausches 3x unterschiedlich sein. Und zu allem Überfluß würden sogar 3 verschiedene Blutalkoholkonzentrationen gemessen werden - selbst wenn Thomas das gleiche ißt und gleich ausgeruht ist.Kennt jeder selbst : Mal kann man gar nichts vertragen, andernmal säuft man alle unter den Tisch.Und warum vertragen einige "von Natur aus" Alkohol überhaupt nicht und andere wie Wasser. Und warum werden einige durch Alkoholkonsum immer aggressiv, andere lustig und wieder andere romantisch ?Fakt ist, daß die gesundheitlichen und psychischen Schäden, die Alkohol anrichten kann, genauso wie die Kollateralschäden (betrunken Autofahren>Unfall), nicht nur von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind, sondern auch situativer Varianz unterliegen.Wer möchte also sagen, daß für europäische Männer von 80-85kg 0.66l Bier pro Tag und nach 18:00 Uhr unbedenklich sind, 0.99l Bier allerdings Sucht bedeutet ?Nö, nö, da müssen andere Kategorien her, und zwar nicht a-priori sondern ex-posteriori : Wenn jemand täglich eine halbe Flasche Korn trinkt, aber allen beruflichen und sozialen Verpflichtungen nachkommt, nie betrunken Autofährt, immer lustig ist - ja dann laßt ihn / sie doch.Wenn allerdings jemand kaum Alkohol trinkt, aber jedesmal, wenn es privat Probleme gibt, sich betrinkt und dann die Tische fliegen - tja, dem muß man Alkohol verbieten.Die Eingangsfrage "cui bono" beantworte ich daher, wie die Debatte um rauchfreie Kneipen : eine Gesellschaft im Gesundheitswahn, stimuliert durch gierige Krankenversicherungen, versucht durch arbiträre Alkoholsuchtgrenzen den Konsum durch soziale Stigmatisierung einzuschränken.
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