Pop Uncool heißt jetzt coolSeite 2/2

Die Stärke von Phoenix ist zweifelsohne ihr Mangel an Eitelkeit. Sie findet eines ihrer vielen Echos in den Promo-Texten des Labels, die in anderen Fällen vor kritikfreien Elogen an die musikalische Exklusivität ebenso strotzen wie vor griffigen Genrebezeichnungen. An keiner Stelle der PR findet sich eine andere Umschreibung als die Zahl der Musiker (vier) und deren Herkunft (Frankreich/Paris). Dies aber fällt in Permanenz, als müsste man dem Publikum die Englisch singende Band aus einem Land, in dem selbst für Tie-Break eine Übersetzung gefunden wurde, ständig genau erklären; als stünde Frankreich wie in den Sechzigern per se für anspruchsvolle Musik und ihre Protagonisten grundsätzlich für deren Prototypen.

Das ist Musik für warme Sommertage und gewisse Stunden im Winter

Immerhin: Thomas Mars sieht mit Bubikopf, dunklen Augen und einem irgendwie haarlosen Dreitagebart derart französisch aus, wie man es eigentlich schon seit den Tagen von La Boum – Die Fete nicht mehr gewohnt ist. Schon seltsam, dass Phoenix das fluffigste ihrer Alben im technoiden Ambiente der Ostberliner Planet-Roc-Studios eingespielt haben. Man könnte vermuten, sie wollten sich in der eher düsteren germanischen Metropole ein paar Kanten ins Repertoire hauen, um sich daheim im beschaulichen Versailles wieder davon zu befreien – vom Schatten auf dem Sonnenscheingefühl einer Platte nämlich, die sie ausgerechnet in den Mai entlassen. Dazu passt, dass die Vier in derselben Wohngemeinschaft leben und sogar ihre Plattensammlung miteinander teilen sollen. Auf die Freundschaft! Wenn I t’s Never Been Like That eine moderne Platte sei, heißt es im Klappentext, dann »einzig und allein deshalb, weil Integrität gerade wieder modern ist«. War das jetzt Analyse oder Appell?

Wohl eher Zweites. Die französische Musikszene ruft gern mal zum nationalen Neustart mit globaler Wirkung auf. Vor rund 25 Jahren mit einer Elektro-Welle, vor 15 mit einer HipHop-Welle, vor knapp fünf mit einer Rock-Welle, zwischendurch mit einer House-Welle. Und nun also mit einer Folkpop-Welle? Bitte nicht! Noch alle französischen Bewegungen hatten bislang das Potenzial zur grenzübergreifenden kulturellen Einflussnahme und damit – Stichwort Air, MC Solaar, Daft Punk – oft überrascht. Doch diese hier birgt eher die Qualitäten von Sunshine Reggae. Für warme Sommertage und ein paar Stunden im Winter, die daran erinnern sollen, bestens geeignet, jedoch alles in allem zum schnellen Verzehr empfohlen. Ach ja: In Deutschland sind Phoenix vornehmlich auf Open-Air-Festivals live zu sehen. Und da ist’s ja bekanntlich auch am schönsten, wenn die Sonne scheint.

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Phoenix: It’s Never Been Like That
(EMI)

 
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