Evolution Doch so nah?
Mensch und Affe verbindet eine äußerst unordentliche Familiengeschichte, sagen Genetiker und legen peinlich genaue Erbgutanalysen vor
Bisher war die Distanz zwischen Affe und Mensch angenehm groß. Vor mehr als 6,3 Millionen Jahren haben wir uns auf immer voneinander gelöst. Die Gattungen Pan und Homo, Schimpanse und Mensch, gingen fortan getrennte Wege. So weit der bisherige Stand der Forschung. Amerikanische Wissenschaftler stellen dieses beruhigende Weltbild nun von Grund auf infrage (Nature, Bd. 441,18. Mai 2006). Nach der ersten Trennung unserer Vorfahren von denen der Schimpansen könnten sich beide Linien noch Millionen Jahre lang immer wieder gekreuzt haben. Erst vor gut zwei Millionen Jahren scheint die Aufspaltung endgültig gewesen zu sein. Wie bitte?, fragt sich da der Mensch, so nah sind mir die haarigen Verwandten?
Die Forscher verglichen die Genome von Mensch, Schimpanse, Gorilla und entfernten verwandten Primaten. Dabei stellte sich heraus, dass die Unterschiede in der Erbsubstanz von Genregion zu Genregion stark schwanken. Die geringsten Unterschiede finden sich auf dem X-Chromosom, dem Chromosom also, das unter anderem das Geschlecht des Nachwuchses festlegt.
Für die Genetiker sind unterschiedlich starke Abweichungen im DNA-Code gleichbedeutend mit unterschiedlich langen Zeitspannen, die zwei Arten ohne Gen-Austausch nebeneinander existieren. Denn sie gehen davon aus, dass die zufälligen Mutationen, die, summiert über die Jahrtausende, Evolution erst möglich machen, im Mittel über die Zeit etwa gleichmäßig verteilt auftreten. Je mehr Unterschiede im Code auftreten, desto länger muss also der letzte Gen-Austausch, die letzte Paarung, zurückliegen.
Für Evolutionsbiologen heißt das, dass Artbildung auch bei Tieren offensichtlich wesentlich unordentlicher ablaufen kann als vermutet. Bisher waren Mischlinge als Motor der Entstehung neuer Arten nur aus dem Reich der Pflanzen bekannt. Unseren Ahnenforschern geraten dank der neuen Erkenntnisse einige sicher geglaubte Wahrheiten durcheinander. Bislang als Hominiden eingestufte Fossile, die aus dem langen Zeitraum stammen, in dem sich Affe und Mensch immer wieder folgenreich nahe kamen, müssen vermutlich ganz neu in den ohnehin rätselvollen Stammbaum einsortiert werden.
- Datum 18.02.2009 - 15:03 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 18.05.2006
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Das menschliche X-Chromosom ist das Geschlechtschromosm, das NICHT das Geschlecht bestimmt, denn beide Geschlechter haben mindestens eins davon. Ich nehme entsprechendes für sonstige Säugetiere an. - Auch verstehe ich das Argument nicht, warum Ähnlichkeiten im X-Chromosom mehr oder weniger über Artverwandtschaft aussagen als solche in irgendeinem anderen. Bitte nachbessern.
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