War es nicht komisch? Wie Erregung ausbrach zur Frage, ob Väter in Deutschland wickeln sollen? Ob ihnen Elternurlaub zumutbar sei, ob zwei Monate pro Kind abzuzweigen wären im Rahmen einer durchschnittlichen Kinderzahl von 1,3 und einer männlichen Lebenserwartung von 75,9 Jahren, genauer gesagt also ob 10,4 Wochen von möglichen 3943 Männerlebenswochen umgewidmet werden könnten zu Väterwochen? Ein Heulen brach los. Ein Lästern, ein Befürchten, ein heilloses Feilschen. O liebe Papa-papa-gene! Wo ist das Problem? Was geht hier vor? Die Antwort findet sich vielleicht bei Norbert Bolz.

Norbert Bolz ist Professor für Medienwissenschaft. Und Vater von vier Kindern und Ehemann einer Hausfraumutter, so bekennt er im Vorwort seines schmalen Buches Helden der Familie. Ja, eine kleine Mutprobe, so weit d’accord, im Land der Political Correctness zu verbreiten, wie schön es doch ist, eine zu haben, die einem zu Hause alles abnimmt, weshalb man versucht ist, Norbert Bolz leise ein »Glück gehabt!« zuzuraunen.

Das wäre natürlich unpassend. Denn so hat Bolz das ja nicht gesagt. Und er ist im Übrigen auch nicht glücklich, er hat 119 Seiten der Klage geschrieben, über »Kulturkampf«, das Ende der Zivilisation, eben den Niedergang der Familie. Es ist eine Anklage, weil nicht alle so leben wie Bolzens. Es aber sollen! Das Buch ist bemerkenswert, aus mehreren Gründen.

1. Es zeigt, ein Vorurteil kommt selten allein. Wo Frauen berufstätig sein wollen, sind der Softie wie die antiautoritäre Plage nicht fern, und die Töchter der Alleinerziehenden verfolgen »sexuelle Kurzzeitstrategien«. Der Sozialstaat will Muttererziehungsarbeit honorieren, schon ist Mann nicht mehr Mann. Ein Vorurteil krallt sich ans andere. Es entstehen so Cluster von Unterstellungen. Das bedeutet für den öffentlichen Diskurs: Wird auch nur eines der Themen angeschlagen, ergießt sich eine Kaskade von Befürchtungen, Verdächtigungen, Anschuldigungen über alle Vernunft. S. o., Vätermonate.

2. Bolz sagt schöne Dinge über die Familie. Kinder haben gilt ihm als »Abenteuer«. Eltern, die unter widrigen Umständen Familie leben, sind »die modernen Helden«. Das geht uns natürlich runter. Aber er spricht doch meist von Müttern und Kindern. Kaum von Vätern. Im Herzen dieses Buchs über die Familie wird eine tiefe Kluft zwischen den Geschlechtern verteidigt. Da ist eine Leere der Stille, inmitten der Familie, und in ihr versteckt sich, geschützt durch Nichtthematisieren, der Vater. Unantastbar. Nicht hinterfragbar. Jedenfalls nicht zuständig, so wie Mutter, schon gar nicht für den Niedergang der Familie, auch dafür zeichnet sie verantwortlich, heißt dann aber erwerbstätige Mutter.

Die Frau will nicht Sexualobjekt sein? Auch nicht Hausfrau? Ja, was denn?

3. Da ist so ein besonderer Ton. »Kinder sind dauerhafte Konsumgüter, die psychische Befriedigung verschaffen.« Oder: »Intimität ist die stabile Illusion geglückter Selbstdarstellung.« Die Frau will weder Sexualobjekt noch Hausfrau sein? »Aber was sonst?«, fragt Bolz eine Spur zu laut. Zu wem spricht einer so? Vielleicht zu potenten Mitdiskutanten, die Rede ist von Methusalem und Oswald Spengler, von Kant, Horkheimer und Freud, Emile Durkheim und Max Weber, er zitiert auch schon mal Barbara Ehrenreich, sogar Shulamith Firestone, vor allem aber verständigt er sich innerhalb der akademischen Männerhorde. Was womöglich das Gefühl vertieft, Mann zu sein, würde Bourdieu sagen, um auch mal einen Mann zu zitieren. Bolz führt vor, wie man sich heldisch dem Zeitgeist entgegenwirft, den Blick starr gerichtet – ja wohin? In eine Nostalgie von gestern.