Fußball "...und Papa steht im Tor"

Jens Lehmann über den Tag, an dem er deutscher Nationaltorwart wurde und die Herausforderung, seinem Sohn das Wort "Weltmeisterschaft" zu erklären

DIE ZEIT: Herr Lehmann, neulich war in einer Boulevardzeitung ein grobkörniges Paparazzo-Foto abgedruckt: der neue deutsche Nationaltorwart mit Familie und Kinderwagen beim Einkaufen in London. Gehört so ein Bild nun zu den höchsten Weihen?

Jens Lehmann: Mir kam es sehr ungelegen.

ZEIT: Weil Sie jetzt zur obersten deutschen Prominenzkaste um Boris Becker, Verona Pooth und, ja, Oliver Kahn gehören?

Lehmann: Jetzt, wo Sie es sagen… Mein Unbehagen bezog sich bislang eher auf das Motiv. Ich telefoniere, ist Ihnen das aufgefallen? Mir ist es schon so immer peinlich, wenn ich mit meiner Frau durch die Stadt gehe und dann mal telefonieren muss. Das sieht schlecht aus.

ZEIT: Ignorant?

Lehmann: Ignorant. Machomäßig. Nach Chefgehabe innerhalb einer Beziehung, einer Familie.

ZEIT: Genau dies soll unser Thema sein: inwieweit Ihre Rolle als Fußballspieler, als Nationaltorwart, Ihre eigene Persönlichkeit prägt.

Lehmann: Ich fürchte, mehr, als mir lieb ist. Und sicher mehr, als ich weiß.

ZEIT: Sie sind 36 Jahre alt – inwieweit glauben Sie, hat das jahrelange Wollen und Warten in Ihrer Karriere Sie verformt?

Lehmann: Ich glaube, ich bin wahnsinnig diszipliniert, vermutlich zu diszipliniert. Ja, vielleicht bin ich ein bisschen zu zielstrebig geworden: immer ein neues Ziel setzen, immer die Treppe rauflaufen, niemals runter, auch nicht geradeaus. Man setzt sich ja nicht zum Ziel, schlechter zu werden. Das prägt. Nicht immer zum Positiven.

ZEIT: Zum Beispiel?

Lehmann: Meine Frau hat vor einigen Wochen das dritte Kind bekommen, Lieselotta. Wenn Lieselotta nachts um fünf anfängt zu schreien, gehe ich in ein anderes Zimmer und schlafe da weiter. Das entspricht eigentlich nicht meinem Idealbild gemeinsamer Elternschaft.

ZEIT: Aber das Fußballvolk wird beruhigt sein.

Lehmann: Ich hoffe.

ZEIT: Sie haben auch zwei Söhne. Was ahnen die beiden von dem, womit ihr Vater in diesem Sommer beschäftigt sein wird?

Lehmann: Lasse, er ist das erste Kind meiner Frau, ist schon neun – der weiß alles über Fußball. Mats, unser gemeinsamer Sohn, ist erst fünf. Der ahnt nichts von dem, was uns im Sommer bevorsteht. Wir haben bislang nicht darüber gesprochen.

ZEIT: Aber er weiß, dass Sie Fußballer sind?

Lehmann: Ja, natürlich.

ZEIT: Was ist das für einen fünf Jahre alten Sohn: ein Fußballer?

Lehmann: Für meinen bedeutet das, dass er mir vor kurzem gesagt hat: »Papa, ich bin jetzt für die Tottenham Hotspurs.« Für den Lokalrivalen. Weil seine Schulfreunde das auch sind. Und als erste Opposition zum Vater vermutlich. Er weiß aber auch, dass er von mir Trikots kriegen kann, Trikots von Real Madrid, Juventus Turin. Er verkleidet sich gern.

ZEIT: Hat er auch eins mit »Lehmann«?

Lehmann: Lehmann auch, ja. Wenn er mich ärgern will, sagt er immer: »Du bist luschig.« Letztes Jahr nach dem englischen Pokalfinale hat er gefragt: »Sag mal, Papa, warum hast du nur einen Elfmeter gehalten?« – »Weiß ich auch nicht.« – »Du bist luschig.«

ZEIT: Aber davon, dass jetzt eine WM ansteht, bei der der Vater das Tor des Gastgebers hütet, ahnt Ihr Sohn nichts?

Lehmann: Er weiß ja noch gar nicht, was eine WM ist. Er weiß nur, dass er diesen Sommer wohl schon vor den Ferien aus der Schule genommen wird, um mit seiner Mutter und seinen Geschwistern Urlaub bei den Großeltern in Deutschland zu machen. Wir wollen, dass unsere Kinder diese WM erleben. Weil das ein Ereignis ist, das in Deutschland in den nächsten zehn, zwanzig Jahren einmalig bleibt.

ZEIT: Wie werden Sie Ihrem Sohn die WM erklären?

Lehmann: Ganz einfach. Er weiß ja, dass wir in einem anderen Land wohnen als unserem, als Deutsche in England. Er weiß auch, dass seine Spielkameraden in London aus wieder anderen Ländern kommen. Ich werde ihm einfach sagen: »Eine WM ist, wenn die besten Fußballer vieler Länder gegeneinander spielen, und Papa steht bei Deutschland im Tor.«

ZEIT: Wie oft ist in den Gesprächen zwischen Vater und Söhnen der Name Kahn gefallen?

Lehmann: Nicht oft. Allerdings weiß sogar Mats schon, dass entweder sein Papa oder Oliver Kahn für Deutschland spielen soll. Beide zusammen geht nicht, dessen ist er sich bewusst.

ZEIT: Der Tag, an dem sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann für Sie als Stammtorwart entschied, ist der Öffentlichkeit erstaunlicherweise nur aus der Perspektive des Verlierers bekannt. Wie war das aus Ihrer Sicht?

Lehmann: Mittlerweile habe ich den Eindruck, ich habe als einer der Letzten davon erfahren. Ich war bei Arsenal zum Training, und da ist Handyverbot. Nach dem Training habe ich dann auf dem Parkplatz mein Handy angemacht. Etliche Anrufe, wie immer. Zudem hat mir jemand von der Arsenal-Pressestelle gesagt, ich solle mal bei der »German Football Association« zurückrufen, die meinten den DFB. Da war eine Nummer hinterlegt, von der ich dachte, es sei Klinsmanns. Aber Andy Köpke ging dran, unser Torwarttrainer, und er fing in einem Tonfall an, wo ich gedacht habe: »Dann bin ich’s wohl doch nicht.« Er hat gesagt: »Ja, Jens, wir haben jetzt die Entscheidung getroffen, es fiel uns sehr schwer…« Und ich: »Oh, Scheiße.« Und er: »…und wir haben uns für dich entschieden. Der Oliver war gerade hier im Hotel.« Danach habe ich noch mit Jürgen Klinsmann gesprochen. Ich wollte natürlich sofort meine Frau anrufen, aber von dem Moment an kamen immer Anrufe auf mein Handy. Und dann kann man nicht telefonieren. Man kann selbst nicht telefonieren, wenn man dauernd Anrufe reinkriegt, wussten Sie das? Die Erfahrung hatte ich auch noch nie gemacht. Es hat eine Viertelstunde gedauert, bis ich meine Frau erreicht habe. Sie war gerade in Deutschland. Und bevor ich was sagen konnte, hat sie gerufen: »Jens, du bist jetzt Nummer eins! Hier im Fernsehen ist der Teufel los!«

ZEIT: Es gibt viele Menschen in der Fußballbranche, die raunen, Sie hätten Klinsmanns Entscheidung lange im Voraus gekannt.

Lehmann: Nach dem Confed-Cup hat er doch noch gesagt, wenn nichts Großes passiert, bleibt Kahn die Eins. Insofern kann das nicht stimmen.

ZEIT: Was haben Sie nach der Entscheidung getan? Vor Freude gegen den nächstliegenden Türrahmen getreten?

Lehmann: Gar nichts eigentlich. Ich glaube, ich habe kurz gelächelt. Dann bin ich nach Hause gefahren, habe mich ins Bett gelegt und geschlafen.

ZEIT: Das ging?

Lehmann: Eine halbe Stunde vielleicht.

ZEIT: Mit Ihrer Berufung ins Tor der Nationalelf sind Sie ja nicht bloß vom Keeper Nummer zwei zur Nummer eins geworden, sondern in der Hierarchie der Mannschaft sehr weit aufgestiegen. Müssen Sie jetzt noch die Rolle des großen Motivators trainieren, der sein junges Team antreibt?

Lehmann: Ich glaube nicht. Ich denke, dass in die Entscheidung des Trainerstabes der Eindruck mit hineingespielt hat, dass ich auf dem Platz so bin, wie ich bin. Jürgen Klinsmann hätte sich doch nicht für mich entschieden, wenn ich da eklatante Defizite hätte. Und wenn ich jetzt extra mehr tun wollte – das wäre nur Quatsch, da ginge der Schuss nach hinten los. Ich werde mich innerhalb der Mannschaft genauso verhalten wie bisher. Ich denke, da haben die Medien auch einen naiven Blick. Motivieren muss sich ein Einzelner in einer Nationalelf doch gar nicht großartig. In so eine Mannschaft zu kommen setzt schon so viel Motivation voraus, so viel Arbeit. Gegen wie viele andere musste man sich dafür durchsetzen? Da wird Motivation nicht der Punkt sein.

ZEIT: Was dann?

Lehmann: Erfahrung und Leistung. Was bringt es mir, wenn ein Spieler eine Superpersönlichkeit ist und wie ein Verkehrspolizist gestikuliert, aber seine Leistung nicht abruft? Was hilft es, wenn ich jetzt dauernd rufe: »Hey, ich bin 36, ich steh im Tor, ihr müsst jetzt machen, was ich sage?« Im Übrigen ist Fußball keine Einbahnstraße. Als Torwart muss man zwar viel sprechen, ab und zu erzählt man auch mal Quatsch, vergreift sich im Ton – aber genauso sagen die Feldspieler mir doch auch: »Pass den Ball schneller!« Wir müssen jetzt mal langsam wieder davon runterkommen, dass die Deutschen sich auf ihren Torwart fokussieren. Einige meiner Mitspieler haben ja am Ende schon gesagt: »Das geht uns auf die Nerven mit euch beiden.« Peinlich war das. Wir reden ja immer noch darüber, hier und jetzt.

ZEIT: Haben Sie seit der Entscheidung vor einem Monat mit Oliver Kahn geredet?

Lehmann: Nein.

ZEIT: Aber es gibt hoffentlich die stille Sehnsucht nach einem versöhnlichen Bier?

Lehmann: Im Moment nicht. Bier geht derzeit sowieso nicht.

ZEIT: Dann vielleicht Apfelschorle?

Lehmann: Sicherlich.

ZEIT: Wird sich so etwas während der WM ergeben? Vielleicht haben Sie ja ein paar Fragen an Kahn.

Lehmann: Kann ich mir nicht vorstellen.

ZEIT: Sie wirken jetzt sehr kurz angebunden. Darf man als Torwart noch immer keine Schwäche und Verunsicherung gestehen?

Lehmann: Wie Sie als Journalist das interpretieren, das bleibt Ihnen überlassen.

ZEIT: Dieser Zweikampf mit Oliver Kahn, dessen Auswirkungen Sie peinlich nennen, hat zwei Jahre Ihres Lebens geprägt. Geht die Sache im Kopf noch weiter? Fragen Sie sich manchmal: Spiele wirklich ich am 9. Juni in München? Oder: Was muss passieren, bis Bild beginnt, Kahn zu fordern?

Lehmann: Für mich ruht das jetzt. Ich werde bei der Weltmeisterschaft spielen. Darauf habe ich hingearbeitet. Ich bin sicher, die Entscheidung war mehr als nur ein Etappensieg.

ZEIT: Dennoch: War Ihre Angst vor einer Verletzung jemals größer als heute?

Lehmann: Sagen wir mal so: Das Bestreben, das geistig zu verdrängen, ist größer als je zuvor.

ZEIT: Kolleginnen in unserer Redaktion wollen festgestellt haben, dass Ihr Gesicht zuletzt deutlich gealtert sei.

Lehmann: Das stelle ich leider auch fest. Das ist ein Fußballerphänomen, dieses plötzliche Altern, da müssen Sie mal drauf achten. Wenn ich in den Spiegel gucke, denke ich: »Mensch, Jens, bist du verhärmt.« Das wird sich aber wieder ändern.

ZEIT: Mit dem Karriereende?

Lehmann: Mit ’ner guten Creme!

ZEIT: Haben Sie Angst vor Volkes Stimme, die nach der WM sagen könnte: »So, jetzt hat er gehabt, was er wollte, nun wollen wir einen Neuen sehen.«

Lehmann: Nein. Überhaupt nicht. Angst habe ich schon mal gar nicht.

ZEIT: Ach ja, dürfen Sie nicht haben…

Lehmann: Ich habe keine.

ZEIT: Dennoch – bei allem gegenwärtigen Glück: Ihnen ist doch bewusst, dass Sie es im hohen Sportleralter von 36 nicht mehr sehr lange werden genießen können.

Lehmann: Mit diesem Denken kommt man nicht weit. Glück spielt sich einzig im Kopf ab, und den kann jeder selbst beeinflussen.

ZEIT: Gibt es schon ein definiertes Ende Ihrer Nationalmannschaftskarriere?

Lehmann: Nein, aber einen zweiten Anfang.

ZEIT: Der kam so spät, so kurz vor der WM, dass Sie bei der ganzen Vorab-Mythologisierung nicht dabei sind. Die Bierwerbung im Fernsehen etwa setzt immer noch auf Oliver Kahn im Mannschaftskreis.

Lehmann: Ich war an dem Drehtag ja nur deshalb nicht da, weil ich mit Arsenal ein Spiel hatte. Aber das ist mir nicht so wichtig, dieses Vorher. Schön wäre, wenn ich nachher auf den Bildern einer hoffentlich erfolgreichen Nationalmannschaft bin.

ZEIT: Wenigstens gibt es Sie jetzt auf der Cola-Dose.

Lehmann: Hab ich gesehen, ja. Bei meinen Kindern.

ZEIT: Gerade Torhüter sind in Deutschland oft mit Namen und Attributen belegt worden. Turek war der »Fußballgott«, Maier die »Katze von Anzing«, Schumacher der köllsche »Toni«, Kahn war »Titan«. Wer werden Sie im Rückblick sein, Herr Lehmann?

Lehmann: Da müssen Sie mal überlegen. Das sind doch Begriffe, die von den Medien kreiert wurden, nicht von uns Spielern.

ZEIT: Einen Wunsch haben Sie frei.

Lehmann: Die Null würde viel Spielraum für Interpretationen geben.

ZEIT: Als 1974 zuletzt eine Fußball-WM in Deutschland stattfand, posierte Günter Netzer neben seinem Ferrari, und Franz Beckenbauer präsentierte sich im Pelzmantel. Heute fällt auf, dass viele Nationalspieler sich extrem aus der Öffentlichkeit fernhalten, auch Sie. Woran liegt das?

Lehmann: Ich kann als Spieler, wenn ich konstant und dabei noch gut spielen will, nicht Werbetermine, Partys, Fernsehauftritte und sonst noch etwas machen. Das sehen Sie immer wieder.

ZEIT: Aber Sie haben noch nicht mal eine eigene Internet-Seite, anders als eigentlich alle Ihre Kollegen.

Lehmann: Weil bei mir in England jedes Wort vom Boulevard aufgegriffen und verdreht werden würde.

ZEIT: Und doch öffnen Sie sich jetzt – quasi pünktlich zum Anpfiff. Hier mit diesem Interview, und im Magazin stern waren neulich sogar Fotos Ihres Londoner Hauses zu sehen: eine heimelige Backstein-Welt mit Kerzen und Klavier, mit einem großen Familienholztisch, im Garten knorrige Obstbäume, ein Trampolin für die Kinder. Was erzählt das über Sie?

Lehmann: Das ist mein Familienleben, es wird mehrheitlich von meiner Frau geprägt. Ich find’s schön. Ich komme gerne nach Hause.

ZEIT: Lässt sich in Ihrer Wohnungseinrichtung ein Streben nach Normalität erkennen?

Lehmann: Ich denke schon, dass ich normal bin.

ZEIT: Den Tisch haben Sie mit ausgesucht?

Lehmann: Ja, zusammen mit meiner Frau.

ZEIT: Und? Sollen wir ihn jetzt zum Gegensymbol zum aufgeregten Fußballkosmos überhöhen?

Lehmann: Um ihn herum spielt sich unser Familienleben ab. Wenn Freunde von uns kommen, die auch drei Kinder haben, brauchen wir viel Platz. Er ist standfest. Aus Eiche, wenn ich mich nicht irre. Sehr robust. Und Flecken kriegt man sehr gut weg.

ZEIT: Klinsmanns Mannschaftspsychologe würde all das im Vergleich zu Netzers Extrovertiertheit 1974 vermutlich als Rückzug in eine Art neue Bürgerlichkeit deuten, oder?

Lehmann: Als Spießbürgertum bestimmt.

ZEIT: Und aus den Namen Ihrer Kinder – Lasse, Mats und Lieselotta – ließe sich dann noch eine gewisse Empfänglichkeit für die überschaubare Bullerbü- Welt der Astrid Lindgren lesen?

Lehmann: Ja. Meine Frau und ich haben die Bücher als Kinder vorgelesen bekommen und lesen sie jetzt wieder unseren Kindern vor. Wir finden das schön.

ZEIT: Spielen Sie überhaupt auf dem Klavier, das in Ihrem Haus steht?

Lehmann: Leider nicht. Vielleicht lerne ich es noch.

ZEIT: Und wann haben Sie zuletzt eigenhändig den Rasen vor Ihrem Haus gemäht?

Lehmann: Daran kann ich mich nicht erinnern.

ZEIT: Aber Sie spielen Fußball mit Ihren Kindern?

Lehmann: Ja. Im Garten. Mats, Lasse und ich.

ZEIT: Lassen Sie mal absichtlich einen rein, wenn Sie im Tor stehen?

Lehmann: Eigentlich andauernd. Ich mache es aber so, dass sie es nicht merken.

ZEIT: Würden Sie Ihren Söhnen abraten, Torwart zu werden?

Lehmann: Ja.

ZEIT: Warum?

Lehmann: Druck zu groß.

ZEIT: Das war jetzt ein Oliver-Kahn-Satz.

Lehmann: Kann sein.

Das Interview führte Henning Sußebach

Jens Lehmann wird bei der Fußball-WM als neuer Torwart der Nationalelf antreten – und damit eine quasi staatstragende Rolle übernehmen. Nur folgerichtig, dass er in der vergangenen Woche einige Medien zur Lagebesprechung in ein Hamburger Hotel eingeladen hat. Im Foyer warten das Fernsehen, die ZEIT, sogar ein Frauenmagazin hat sich angemeldet. Das Interesse an Lehmann ist groß, das Wissen über ihn klein: Er ist Keeper bei Arsenal London, in Interviews nach Spielschluss wirkt er oft spröde, gerade stand er als einziger Deutscher im Champions-League-Finale (n. Red.-Schluss). Lehmann entschuldigt sich eine Minute lang dafür, dass er nur 30 Minuten Zeit hat. Also los. Also schnell. Man weiß ja nicht viel.

 
Leser-Kommentare
    • iceman
    • 23.05.2006 um 18:29 Uhr

    Tja, das war schon etwas anderes als ein Kurzinterview im Focus oder in der Sportbild.
    Sicherlich profitiert die ZEIT in solchen Fällen auch von ihrem Nimbus, weil sich die Interviewten Mühe geben, authentische Antworten zu geben, um die Erwartungen zu erfüllen.
    Hier wurde eine wichtige Lücke gefüllt, weil man Jens Lehmann als Privatmann bislang nur vage einschätzen konnte (dass er keine homepage hat, war mir auch schon aufgefallen).
    Das Interview hat gezeigt, dass er ein Typ ist, der den permanenten Druck bewältigt hat durch Abschotten der Privatsphäre.
    Anders geht es in diesem Geschäft nicht, es sei denn, man gehört zur seltenen Spezies des leichtfüssigen Optimisten, wie Franz Beckenbauer, der sich mit einem hohen Grad an Leichtfüssigkeit und Lockerheit durch´s Leben bewegt (wie macht der das?).
    Extrem positives Denken und die totale Negation jeder eigenen Schwäche nach aussen ist wohl eine Voraussetzung, um auf diesem Level bestehen zu könnnen - zumal in der Zentralposition des Torwarts, und gegen einen "Titan".
    Die Position der Nr.1 konnte Jens Lehmann nur durch die hundertprozentige Ausschöpfung seines eigenen Potentials erreichen, und musste dadurch vielem entsagen (für Kahn gilt aber das gleiche, da würde man wohl ein ähnliches Psychogramm erhalten).
    Wer ein so hohes Ziel, unter so schweren Bedingungen, nur erreichen kann, indem er jahrelang im eigenen Grenzbereich arbeitet, der leidet normalerweise Schaden.
    Bei Lehmann scheint das, auch wenn er an der einen oder anderen Stelle etwas zugeknöpft erschien, nicht der Fall zu sein.
    Die Freuden des Lebens wird er erst nach seiner Karriere entdecken, wenn sich nach dem "grossen Loch" die Fähigkeit einstellt, sich zu entspannen und das Leben zu geniessen.
    Vorher wird er uns bei der WM ganz sicher noch viel Freude machen.
    Alles Gute, Jens!

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