Träume haben für mich schon immer eine große Rolle gespielt. Als ich 1964 begann, mit den Kinks Platten aufzunehmen, waren wir alle Träumer. Wie jede junge Generation glaubten wir fest daran, die Welt verändern zu können. Wir träumten davon, eine bessere Gesellschaft zu erschaffen. Die Chancen schienen gut zu stehen – wir hatten Möglichkeiten zur Verfügung, die keine Generation vor uns hatte. Der britische Pop wuchs zu einem weltweiten Phänomen an, Grenzen wurden durchbrochen, Bands wie die Beatles und die Stones wurden auf der ganzen Welt gehört und verstanden. Die Jugend ging auf die Straße und meldete sich zu Wort. Für eine kurze Zeit, für einige wunderbare Monate, sah es so aus, als sei alles möglich, als könnte der Traum wahr werden. BILD

Aber wir hatten uns getäuscht. Vielleicht haben wir es geschafft, die Sensibilität einiger Menschen zu verändern. Aber es ist uns nicht gelungen, zum Kern der Gesellschaft vorzudringen. Inzwischen glaube ich: Als Musiker einen radikalen Gesellschaftswandel erreichen zu wollen ist leider illusorisch.

Ich bin aber immer noch ein Träumer, und ich schreibe meine Stücke auch heute noch für Träumer. Jeder, der über die Fähigkeit verfügt, sich für einen Moment über die Realität zu erheben – sei es mit Hilfe eines Popalbums oder eines Gemäldes–, entwickelt einen Traum.

Wenn ich schon nicht die Gesellschaft verändern kann, würde ich zumindest gern die Leute um mich herum glücklich machen. Im direkten Kontakt gelingt mir das leider sehr selten. Ich bin gut darin, sie zu beobachten und Lieder über sie zu schreiben. Aber mich unter sie zu mischen und mit ihnen zu kommunizieren, das fällt mir extrem schwer. Das schaffe ich eigentlich nur über meine Songs.

Ich komme nicht gut mit Menschen zurecht. Ich habe zwei gescheiterte Ehen hinter mir, schwere Lebenskrisen, Tablettenmissbrauch, es gab Phasen voller Selbsthass und einen Selbstmordversuch. Die Beziehung zu meinem Bruder war geprägt von Wut und Gewalt.

Lange Zeit habe ich davon geträumt, ein ausgeglichener, gefestigter Mensch zu sein. Bedauerlicherweise führt der Beruf, dem ich nachgehe, nicht gerade auf den Pfad der Glückseligkeit.

Vor drei Jahren war es besonders schlimm. Damals schien mein gesamtes Leben auseinander zu fallen: Mein neues Album wurde einfach nicht fertig, die Arbeit daran hatte schon fünf Jahre gedauert. Im Studio lief alles sehr zäh, und ständig gab es Probleme mit Musikern, Technikern und Produzenten. Nach und nach verlor ich die Liebe zur Musik. Ich wurde immer ungeduldiger und reizbarer, nicht nur im Studio. Auch meine Beziehung litt, mit meiner Freundin hatte ich dauernd Streit. Wir standen kurz vor der Trennung.