Johannes B. Kerner will in diesen Tagen mit Thomas Bellut, dem Programmdirektor des ZDF, zusammenkommen, um ein gut geprobtes Stück zu geben. Reue im Öffentlich-Rechtlichen werden sie es später nennen. Auch der Text ist kein Geheimnis. Umstrittene Werbekampagnen wie die von Kerner für Air Berlin zum Börsengang soll es in Zukunft nicht mehr geben.

Danach allerdings wird umgeschaltet – ins reale öffentlich-rechtliche Leben.

Im Wesentlichen wollen die beiden nämlich abstimmen, wie Kerners neuer Vertrag aussieht. Wozu gehört, was dort über Nebenjobs steht, ohne die Freiheit des Moderators einzuschränken. Dass er beim Zweiten bleibt und weiter Reklame machen darf, steht außer Frage. Zu tief sitzt beim ZDF die Überzeugung, dass man ihn halten will und muss.

Genau in diesem Wollen und Müssen liegt das Verstörende der "Affäre Kerner". Es gehört zu einem großen Ganzen, genauer gesagt zum selbstzerstörerischen Umgang der Öffentlich-Rechtlichen mit Werbung. Kerners ZDF-Verträge entstehen aus dem gleichen Geist wie der Schleichwerbeskandal in der ARD, das Sponsoring beinahe jeder Sendung und die ständige Eigenwerbung in den Nachrichten. So sicher wie das Wetter die Tagesschau beendet, so selbstverständlich kündigt ihr Sprecher sonntags an, worüber Sabine Christiansen eineinhalb Stunden später reden lässt. Der Sicherheit halber noch einmal als Frage: Ist das eine Nachricht?

In jedem dieser Fälle geht es um eine Vermischung von öffentlich-rechtlichem Programm, Image oder Glaubwürdigkeit mit Werbung. Derweil nennen die jeweils Verantwortlichen ihre faktische oder gefühlte Grenzüberschreitung gerne "Realismus" oder "Wirklichkeit" oder "eine Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit".