Rassismus Von wegen Hysterie
Ausländerhass und soziale Fragen gehören zusammen. Die Warnungen kommen zur rechten Zeit
Ja, es gibt
in Deutschland. Es gibt Orte, welche Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe für Fremde gehalten werden können, dringend meiden sollten, »weil sie die möglicherweise nicht wieder lebend verlassen«. So hat es Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye formuliert. Die Kenner der Aggressionsgeografie der Republik hatten schon seit langem geklagt, eine Art Schweigekartell decke diese bittere Wahrheit zu – bis auf Momente konjunktureller Erregung, zuletzt nach dem Überfall auf Ermyas M. in Potsdam.
Ein Einzelfall, hieß es abwiegelnd. Auch der Überfall auf den Abgeordneten der Linkspartei Giyasettin Sayan in Berlin-Lichtenberg, seinem Wohnort und Wahlkreis, ist einmalig, erstmalig. Seit dreißig Jahren lebt er in Deutschland, ein Kurde. Engagiert im Kampf gegen Rechtsextreme, mutig. Aber die »Einzelfälle« summieren sich zu einem Politikum sondergleichen. Etwas ist nicht geheuer. Die alltägliche Wahrheit und die Medienerregungen passen nicht zueinander. Wenn es aber eine Bronx oder ein Harlem bei uns gibt, verdient dies vorbehaltlose Aufmerksamkeit. Wer der Wahrheit nahe kommen will, sollte den Menschen mit anderer Hautfarbe zuhören.
Ungewöhnlich eindrucksvoll und unaufgeregt hat Hindia Kiflai Monim diese unspektakuläre, dramatische Seite der Realität in der Welt am Sonntag beschrieben: Eine 29-jährige Journalistin, die in Halle an der Saale arbeitet. Bei Heye bedankte sie sich. Als schwarze Frau, seit 25 Jahren in Deutschland, ermahne sie sich ständig, ihren Unsicherheitsgefühlen nicht nachzugeben, wenn sie durch die Straßen ihrer neuen Heimat gehe. Aber sie versuche, sich fern zu halten aus den Gebieten der »gewaltbereiten Rechten«, und so führe sie eine »freiwillige Apartheid« ein, »ihr dort und ich hier« . Um diese freiwillig-unfreiwillige Apartheid als Grundmuster geht es. Darin steckt das Problem. Wie über die Bedingungen zur Integration geredet wird – Leitkultur, Sprache, Werte, Islam –, das verdichtet sich zu dem Eindruck: Fremde sind eigentlich unerwünscht!
Tatsächlich wird in dieser Kontroverse über die »Fremden« vieles auch instrumentalisiert. Fehler machen ohnedies beide Seiten. Der Fall des sechsjährigen Joseph Abdullah, der nicht von Neonazis umgebracht wurde, wie anfangs gemutmaßt, sondern am 13. Juni 1997 im sächsischen Sebnitz im Freibad ertrank, wird gern angeführt als Beispiel für überzogene Empfindlichkeiten von »Gutmenschen«. Wenn eine »fremdenfeindliche« Tat vorgeschützt werde, heißt es, sei das Wasser auf die Mühlen derjenigen, die alles nur für eine hysterisierte Debatte halten. Auf der politischen Bühne wird auch dieses Argument gern dramatisiert, und damit verstärkt sich noch der Eindruck von Defensive. Die Gewichte würden eher zurechtgerückt, wenn Innenminister, statt »Haltet den Dieb!« zu rufen, ruhig auch mal die Medien mahnten, die vergessenen Alltagsdramen ernster zu nehmen.
Gehört zu dieser verdrängten Realität, dass es ein spezifisches Ostproblem gibt? Generell gibt es das nicht. Aber auch Gutwillige haben sich zu lange schützend vor »den Osten« gestellt, wo sich die unglückseligen Bedingungen häufig addieren. Historisch wurde er doppelt bestraft, und nun soll er auch noch moralisch ausgegrenzt werden? Richtig bleibt: Der Westen zeigt gern mit dem Finger auf »den Osten« – das verschafft dieses wundersam reine Gewissen. Und zugleich erspart man sich ein genaueres Hinsehen insgesamt, vor allem darauf, dass der soziale Abstieg in weiten Teilen Ostdeutschlands noch erheblich dramatischer ausfällt als in den ärmsten Weststädten.
Da aber beginnt das No-go-Problem, in Ost und West: Die Bundesrepublik bekommt ein neues Klassenproblem. Von der Rechten wird daraus wie üblich ein Rassenproblem gemacht, besonders im Osten. Über den Zusammenhang von beidem muss man reden.
Nationale PR hatten wir nun genug! Zur Wirklichkeit gehört der Befund, dass Europa grenzenlos ist, dass wir eine multikulturelle Gesellschaft sind, dass in dieser aber
tatsächlich No-go-Zonen existieren
und echte Apartheidsgefühle – im stolzen Du-bist-Deutschland-Land. Dazu gehört auch, dass solche Untragbarkeiten soziale Ursachen haben, die gern ausgeblendet werden. Zu reden ist somit nicht allein über Rechtsradikale in Springerstiefeln, sondern über Ängste und Ressentiments, die weit hineinreichen in die Mitte der Gesellschaft. Zu reden ist über die Liberalität der Republik.
Lesen Sie hier mehr Artikel zum Thema und sehen Sie unsere Videoreportage über Angsträume.
- Datum 23.05.2006 - 14:24 Uhr
- Quelle DIE ZEIT 24.05.2006 Nr.22
- Kommentare 25
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Molinocampo hat völlig Recht. Ihre Beobachtung was den Prenzlauer Berg angeht, habe ich genauso vollzogen wie sie. Es ist so, dass dort meist Akademiker oder Leute mit Geld wohnen und auch weiterhin dort hinziehen. Der Kinderreichtum ist dort mit der Stärkste in ganz Deutschland, d.h. es ist tatsächlich noch ein deutscher Bevölkerungsdruck vorhanden - undenkbar in den meisten Regionen des Landes. Nun würde ich sagen, dass die meisten die dort wohnen sich als links" oder SPD-nah einschätzen würden. De facto leben sie aber in einer homogenen Gesellschaft, abgegrenzt von den Problembezirken Berlins. D.h. niemand dieser Leute würde seine Kinder nach Moabit oder in den Wedding in die Schule / Kita schicken. Ihre Beobachtung stimmt hundertprozentig. Was heisst das also? Heutzutage verhält man sich anders, als man vielleicht nach aussen hin tut: Alle diese Leute sind natürlich für Multikulti - aber bitte keine Experimente mit den eigenen Kindern. Es wird in Zukunft Inseln innerhalb der Städte geben, in denen wieder mehr oder weniger homogene Gesellschaften existieren - meiner Meinung nach ist das voll nachvollziehbar, ich würde das genauso machen. Mein Bruder z.B. hat seinen älteren Sohn im Kindergarten und es ist kaum vorstellbar, aber die Probleme mit den kleinen Türken beginnen schon in diesem Alter. Ob man das glauben möchte oder nicht, sie werden dazu erzogen, sich auf Kosten der deutschen Kinder durchzusetzen - sie können natürlich nichts dafür, ihre Eltern handeln verantwortungslos.Übrigens beteiligen sich die Mütter dort auch nicht an den gemeinschaftlichen Aktionen des Kindergartens - also wie meist überall: Leistung entgegen nehmen ohne einen Finger zu rühren. Ich kenne eigentlich linke Sozialarbeiter, die im Laufe der Jahre frustriert sind und mittlerweile einen Türkenhass" schieben - sämtliche Ideale verloren haben.
OK, die Idealisten werden sagen, das wären Einzelfälle - das Gegenteil wird wohl eher der Realtiät entsprechen.
Um diesen Frust zu vermeiden ziehen übrigens auch viele Familien, sobald sie Kinder haben, aus Kreuzberg, Neuköllln usw. weg. Der Vorredner hat völlig Recht: Wir sind auf dem Wege in eine Balkanisierung Deutschlands, d.h. es wird ethnisch streng voneinander getrennte Gebiete geben - dort mit Moscheen und eigenen mafiösen Milizen, woanders die bürgerlichen Gruppen die noch auf die Polizei setzen. Auch Auseinandersetzungen auf der Strasse sind denkbar, wenn es wirtschaftlich noch mehr bergab geht, auch dort hat der Vorredner völlig Recht. Und ich sehe genau in diesen Verhältnissen den Grund für das Erstarken der Rechten - es ist eine Mischung aus Ohnmacht, Enttäuschung von der Politik, die es nicht schafft, die Einwanderung zu regulieren und ständig falsche Zeichen setzt. Und letztlich auch Angst um die eigenen Kinder ier muss die Politik ansetzen, wenn sie der Rechten den Wind aus den Segeln nehmen möchte. Auch Journalisten könnten daran mitwirken, indem sie die Wirklichkeit darstellen - und zwar in alle Richtungen.
Das Wort "Gesocks", mit diesem Wort allein entlarven sie sich!
Was ist das "Gesocks"?
Menschen die schlechter sind als sie, wollen sie doch wohl sagen!
Ich persoenlich bin auch Unterschicht, Arbeitersohn und muss mich herumtreten lassen mit Worten von Menschen, die einfach wissen: ich bin besser!
Aber ich bin "Gesocks"!
In der Tat! Was mich aber stört ist, dass fast nur der gewalttätige Ausländerhass diskutiert wird. Die Journaille ist halt süchtig auf "bad news" - "Schlag"-zeile passt hier ganz gut. Aber wenigstens kann das "Igitt-Thema" auch vom klassischen Mittelschichtsjournalisten nicht mehr verleugnet werden! Ich vermute, weil das Thema Gewalt generell geleugnet wird, entsteht in der öffentlichen Rezeption eben auch ein Hype, der die Erklärung auch von "alltäglicher" Gewalt immmer an spektakuläre Affekte zu binden versucht (dann wohnt das Böse ja nicht in uns "Normalen").
Hinter dem Ausländerhass oder gar Gewalt gegen Ausländer (wo jeder Deutsche natürlich qua eigener Geschichte schon höchst allergisch reagieren müßte) steht tatsächlich ein grandioses soziales Problem. Direkter Ausländerhass gehört zur Unterschicht - kennen Sie einen rechten Schläger aus einem Ingenieurshaushalt? Aber dort gibt es eben auch noch Gewalt in der eigenen Familie usw. In der wegrutschenden, verunsicherten bürgerlichen Mitte äußert sich die Existenzangst (noch) versteckt als Antipathie gegenüber Fremdem (fremd=unsicher).
Zur Entwicklung der sozialen Frage im Osten: Als ich 1990 nach Ostdeutschland zog, schlug einem Wessi noch maximale Sympathie entgegen. Der Westen stand für lang ersehnte Freiheit und versprach Wohlstand. Um 1995 zeichneten sich dramatisch die negativen sozialen Folgen ab: Arbeitslosigkeit und unsichere Zukunft. In dieser Zeit hatte kaum ein Wessi in unserem Betrieb mehr eine Chance auf Einstellung!
Mir ist ein kluges Wort eines alten Frankfurter Juden im Gedächtnis geblieben, ein Überlebender, mit dem ich im KZ Langenstein gesprochen hatte: "So lange es den Deutschen gut geht, muss man sich nicht vor ihnen fürchten!" Ich ziehe meine eigenen Umkehrschlüsse. Ich fürchte mich nämlich vor zwei Dingen: Einmal der weiteren Deklassierung unserer Unterschicht und der weiteren Demontage der Mittelschicht. Aber ich fürchte mich fast noch mehr vor dem oberen Viertel unserer Gesellschaft (im Westen wie im Osten!), das im wesentlichen damit beschäftigt ist, es sich gut gehen zu lassen, allen Wohlstand an sich zu saugen und sich zum großen Teil nicht im Mindesten für soziale Fragen (außer der eigenen) interessiert. Es ist diesen Leuten - den Leitfiguren unserer Gesellschaft! - größtenteils nicht bewusst, welchen verheerenden Eindruck sie machen und welche Ignoranz sie ausstrahlen. Insofern finde ich, dass die Diskussion um "Klassenkampf" nicht nur berechtigt, sondern nötig ist.
PS
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin kein PDS-Anhänger, sondern Unternehmer.
Fremden- und Ausländerhass sowie Antisemitissmus basieren auf Ideologien. Die Nazi-Ideologen argumetieren rational und wissen aber, auch, daß sie, um auch in der Breite der Bevölkerung nachhaltige Wirkung erzielen zu können, die Gefühle der Bürger ansprechen müssen. Die These, daß Ausländerhass und soziale Fragen zusammen gehören, ist nur sehr eingeschränkt gültig. Es gibt keine Automatik, daß z.B. arbeitslos und damit in der Regel arm zu sein bedeutet, ein Nazi zu sein oder es zu werden. Es gibt in Deutschland glühende Nazis in allen Bevölkerungsschichten, vielfach mit den feinsten Villen im Süden oder in den USA. Tatsache ist, daß die Nazi-Ideologen vor allem das 'Gesocks' in unserer Bevölkerung ansprechen. Das gelingt in der ehemaligen DDR leichter, weil es dort keine Regeln und Maßstäbe in der Bürgerschaft gibt, die unser Grundgesetz eigentlich verlangt. Eine Ursache dafür ist u.a. das Versagen aller Ministerpräsidenten und Bürgermeister - besonders auch der ehemaligen - der neuen Länder. Gewählte Politiker haben wohl nicht die Kraft dem Nazi-Gesocks die Meinung zu sagen und treten dem Nazi-Pöbel nicht offen entgegen, obwohl sie selbst auf den 'Liquidations-Listen' des Nazi-Pöpels stehen. Also liebe MP's und OB's, macht weiter so, dann seid ihr bald selbst dran.
Was bitte ist ein No-go-Area??? Haben die Autoren der "Zeit" die deutsche Sprache verlernt? Oder ist ein Beharren auf die Verwendung der Landessprache ein bedenkliches Zeichen latenter, rechtsextremer Gesinnung?
Paradoxe Welt. Eine deutsche Zeitung, die immer öfter die eigene Sprache verunreinigt, daß die Redakteure des hauseigenen Feuilletons das Grausen packen müßte.
Paradoxe Welt. Die Gegner des Rassissmus werden zu den besten Verbündeten der Rassisten. Die Gegner des Rassissmus entpuppen sich als die größten Rassissmus.
Die Grundrechte des Grundgesetzes werden willkürlich außer Kraft gesetzt. Gewalttaten werden nur noch in rechtsextremem Zusammenhang wahrgenommen. Gewalttaten werden auf eine rechtsextreme Gesinnung reduziert.
Nein. Nein. Und noch mals NEIN. Gefährliche Stadtbezirke waren schon immer ein großes Problem. Die Gewalt sucht nicht nur dunkelhäutige, andersfarbige Opfer. Die Gewalt geht nicht nur von Rechtsradikalen aus.
Rentnerin überfallen, Frau im Park vergewaltigt, Schüler auf offener Straße verprügelt, Tankstelle zum dritten Mal in einem Monat überfallen ... Keine Meldungen mit Ausnahmecharakter. Keine Meldungen, die besonders neu sind.
Jahrelang wurden Gewalttaten als subjektiv empfundene Bedrohungen kleingeredet. In Hessen wurde die Polizei einer Billigpolizei mit Ehrenamtcharakter geopfert.
Ein dunkelhäutiger Mensch wird an einer Bushaltestelle überfallen. Ein ehemaliger Regierungssprecher lebt öffentlichkeitswirksam seine Profilneurose aus.
Nein. Nein. NEIN. Nicht die rechtsradikale Gewalt ist das Problem in diesem Land. Die Zunahme der Gewalttaten insgesamt, die Hilflosigkeit der Opfer, die Hilflosigkeit der Strafverfolger, die Hilflosigkeit der rechtsprechenden Zunft sind unsere Probleme.
In wenigen Welt ist die Welt zu Gast bei Freunden. Wirklich bei Freunden?
Eher müßte der Spruch heißen:
Die Welt zu Gast bei Irren!!!
korfstroem
Sehr geehrter korfstroem,
Der Begriff "no-go-area" wird im ersten Satz des Artikels genannt, im zweiten sauber erklärt - und zwar in gutem Deutsch. Der Leser sieht sich also keineswegs mit sinnentleertem Denglisch gequält, sondern hat sogar noch ein neues Fremdwort gelernt. Ob er es denn selber benutzen möchte, ist ihm hingegen völlig freigestellt - und das ist ja auch gut so. Ich sehe ehrlich gesagt nicht, wie man angesichts dieser journalistischen Praxis so erbost sein kann.
Übrigens, wenn Sie schon auf unsere großen Dichterfürsten Bezug nehmen, so sei Ihnen folgendes Zitat von Johann Wolfgang von Goethe ans Herz gelegt:
"Die Macht einer Sprache zeigt sich nicht darin, wie
sie fremdes abweist, sondern wie sie es verschlingt."
Heute würden die meisten vermutlich "integriert" sagen, statt "verschlingt". Womit klar sein dürfte, dass sich Goethes Ausspruch nicht nur auf die Sprache allein beziehen muss.
Die Sprache Goethes, Schillers, von Thomas Mann bis Günther Grass sollte wortreich genug sein, um mit dem eigenen Vokabular unsichere Gegenden und Stadtbezirke beschreiben zu können.
Sofern "Die Zeit" sich der Pflege der eigenen Landessprache nicht mehr verpflichtet fühlt, sei ihren Journalisten und Redakteuren die Veröffentlichung einer durchgehend englischsprachigen Zeitung empfohlen.
Denn mit diesem Kauderwelsch, das alle Pisa-Befürchtungen offenbar werden läßt, ist weder den Lesern noch der sachlichen Diskussion gedient.
Die Kollegen von der "Frankfurter Rundschau" teilten heute mit, daß die Stadt Haiger die vorgeschlagene Großleinwandveranstaltung zur WM abgesagt hat. Aus Angst vor Gewalttätern (neudeutsch: Hooligans). Hier liegt das Kernproblem unseres Landes.
Der Staat ist nicht mehr in der Lage die Sicherheit für seine Bürger zu gewährleisten. Weder für Ausländer, noch für Inländer. Der Verteidigungsminister läßt Deutschland im Kongo verteidigen. In deutschen Großstädten trauen sich die Polizisten nur noch zu dritt auf die Straße. Gewalttätige Fußballanhänger können Wochenende für Wochenende Züge beschädigen, Bahnhöfe verwüsten, ..., Schulen werden zu Horten der Kriminalität, ohne daß die Polizei Mittel und Mannschaften hat, Einhalt zu gebieten.
Die Errichtung eines publizistischen Sprachfriedhofs hilft bei der Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme sicher nicht.
korfstroem
U.a. der Sozialforscher Wilhelm Heitmeyer weist darauf hin wie wichtig es für Menschen ist soziale Anerkennung zu finden. Man kann dieses Bedürfnis gar nicht hoch genug einschätzen. In dieser Gesellschaft ist Anerkennung aber kaum anders zu erreichen als über den Arbeitsmarkt. Was aber, wenn der Zugang bzw. die Perspektive zu dem allgemein anerkannten Weg Anerkennung zu finden, verstellt ist oder verstellt scheint? Dann entwickelt man womöglich Minderwertigkeitsgefühle und versucht diese zu kompensieren, z.B. indem man sich mit anderen zusammenschließt und wahllos oder gezielt Menschen angreift. Denn Gewalt ist bekanntlich eine Ressource, die jedem zur Verfügung steht. Gemeinsam kann man dann für kurze Zeit ein Machtgefühl ausleben - der Schwache, am Boden liegende ist unterlegen. Im Osten sehe ich durch verschiedene Umstände diese Anfälligkeit für Minderwertigkeitskomplexe wesentlich größer. U.a die misslungene ökonomische Einheit, ungleiche Löhne/Renten auch bei gleicher Produktivität lassen, ob nun richtiger- oder falscherweise das diffuse Gefühl bei vielen aufsteigen, Bürger zweiter Klasse zu sein. So viel zu "meiner" These. Kritik ist erwünscht.
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