Bachelor Auf der Überholspur

Der Widerstand gegen den Bachelor schwindet. Plötzlich kann es vielen Hochschulen nicht schnell genug gehen

Es gab eine Zeit, und die ist gerade ein gutes Jahr her, da musste FU-Präsident Dieter Lenzen mitten durchs Sperrfeuer. Dozenten zogen in ihren Vorlesungen über den vermeintlichen Reformunsinn her, Erstsemester maulten über das Kurs-Chaos, und dann funktionierte auch noch diese neue Benotungssoftware nicht. Alles nur, weil Lenzen sich in den Kopf gesetzt hatte, den Diplomabschluss zu eliminieren. Schneller als die anderen. Und den Magister gleich dazu. Und das Staatsexamen. »Das Konzept der FU als internationale Netzwerkuniversität« erfordere die Eile, sagte er damals. Immer wieder. Jetzt hat sich Lenzen durchgesetzt. Von 2007 an wird es an der Freien Universität nur noch europaweit gültige Bachelor- und Masterprogramme geben. Drei Jahre vor dem Stichtag. Die Kritiker sind verstummt. Oder sie haben aufgegeben. Der Berliner gefällt sich in der Rolle des Musterschülers: »Wir sind da. Erschöpft, aber zufrieden«, sagt Lenzen vieldeutig.

Doch so außergewöhnlich ist die Leistung des FU-Präsidenten auch wieder nicht. Die Stimmung an Deutschlands Hochschulen hat sich gewendet. Bis vor wenigen Semestern schien es nahezu ausgeschlossen, dass der Totalumbau aller Studiengänge, die größte Hochschulreform der vergangenen Jahrzehnte, tatsächlich pünktlich bis 2010 abgeschlossen sein könnte, wie es Europas Bildungsminister 1998 in der italienischen Stadt Bologna vereinbart hatten. Internationaler, vergleichbarer und transparenter sollte das Studium durch die neuen Abschlüsse werden, dabei schien es lange so, als könnte die ambitionierte Reform am Widerstand vieler Hochschullehrer scheitern. Doch der Bologna-Zug hat Fahrt aufgenommen. Laut HRK ist mehr als ein Drittel aller deutschen Studienangebote bereits umgestellt. Fast 3800 Bachelor- und Masterprogramme gibt es zurzeit, und das ist erst der Anfang: Der entscheidende Schub steht unmittelbar bevor, mehrere große Universitäten werden große Teile ihres Studienangebots bereits zum kommenden Wintersemester umstellen. »Das Wachstum verläuft exponentiell«, sagt Ludwig Voegelin vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), das Bertelsmann und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) finanzieren.

So wie vor wenigen Jahren die paar Bologna-Begeisterten als Fanatiker abgetan worden sind, geraten nun die Traditionsbewussten in Erklärungsnot. »Die Ingenieure sind ein wenig zäh, die Mediziner wissen von nichts, und die Juristen wehren sich mit zum Teil ungewöhnlichen juristischen Winkelzügen«, sagt Voegelin. So urteilten die besten deutschen Technischen Universitäten, die so genannten TU 9, im vergangenen Jahr den Bachelor, der das Erststudium auf drei Jahre verkürzen soll, einhellig als »Schmalspur«-Abschluss ab und schworen dem guten alten Ingenieurdiplom ihre Treue (siehe auch Seite 90). Ebenso heftiges Kopfschütteln lösten Bund und Länder mit ihren Doppelstandards aus. Als »krassen Widerspruch« kritisiert der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) das Verhalten der Minister, einerseits die Hochschulen zur Bologna-Begeisterung zu mahnen und andererseits gerade die Staatsexamensfächer nicht oder nur zögerlich umzustellen. Und dann ist da die ewige Bachelorfrage. Ein vollwertiger, berufsqualifizierender Abschluss soll er sein. »Aber sobald der Staat selbst verantwortlich ist, macht er Zicken und stellt nur Leute mit Master ein«, sagt DAAD-Gruppenleiter Sebastian Fohrbeck. »Lehrer-Bachelor oder Jura-Bachelor? Undenkbar!«

Doch während Juristen- und Mediziner-Lobby weiter mauern, fängt die Abwehrfront der TU 9 schon kräftig an zu bröckeln. Der Präsident der TU Darmstadt, Johann-Dietrich Wörner, will jetzt bis 2008 mit der Umstellung fertig sein. Auch seine Beschreibung des Bachelorabschlusses hört sich anders an als noch vor einem Jahr. Eine »Drehscheibe« sei der und ermögliche auch den Berufseinstieg, sagt Wörner. Das gelte sogar für den Bachelor in den Ingenieurswissenschaften. »Aber der Wert der Berufsqualifizierung und des Regelabschlusses bleibt dem Master vorbehalten«, sagt Wörner – und nimmt so nebenher tapfer Abschied vom Diplom. »Wir sollten die Änderung des Brandings jetzt aktiv vorantreiben.«

Zuerst stieg die Zahl der Studiengänge, jetzt folgen die Studenten. Lange Zeit war die Zahl der Bachelorabsolventen verschwindend gering, doch die großen Jahrgänge werden schon in zwei, drei Jahren auf den Arbeitsmarkt treffen, und die ersten Studien zeigen: Der Einstieg scheint zu gelingen. »All die Unkenrufe, sie hätten keine Chance im wirklichen Leben, haben sich nicht bewahrheitet«, sagt Kolja Briedis vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover. Immerhin 25 Prozent der Bachelorabsolventen mit Uni-Abschluss verzichten auf den Master, bei den Fachhochschülern sind es sogar 50 Prozent: Sie lassen sich lieber von Jobangeboten locken.

»Bachelor welcome« auch bei kleinen Unternehmen

Bei den meisten Arbeitgebern sind die neuen Titel ein Begriff, und das längst nicht nur bei den großen Konzernen, die schon vor zwei Jahren die viel beachtete Initiative »Bachelor welcome« gestartet hatten. Auch die kleinen und mittelständischen Unternehmer warten gespannt auf die Neuen. »Der Bachelor bietet die Chance, einige Studiengänge mal richtig zu entrümpeln«, sagt Ansgar Kaupp, Chef der Hamburger High-Tech-Firma Eye-C mit zehn Mitarbeitern, darunter ein Bachelorabsolvent in technischer Informatik. Bei den Großen klingt das genauso. »Wir machen keinen Unterschied zwischen Diplom und Bachelor«, sagt Anja Flatken von der Shell Deutschland. »Bei uns bekommt jeder eine Chance, der das nötige Talent hat.« Im vergangenen Jahr hat der Konzern in Deutschland im Bereich Betriebswirtschaft 20 Berufseinsteiger eingestellt. Die Hälfte von ihnen waren Bachelorabsolventen.

Doch auch wenn die Bachelorbilanz 2006 durchweg positiv ausfällt, sie ist mit Vorsicht zu genießen. Der echte Test für die neuen Abschlüsse kommt erst in den nächsten Jahren, wenn sie sich unter den Bedingungen der Massen-Uni bewähren müssen. Alle Hoffnungen, das ist schon heute klar, wird die Studienreform nicht erfüllen können.

Selbst ein reformiertes Studium kann keine Stellen herzaubern

Beispiel Job-Chancen: Es stimme schon, die Berufsaussichten in den Geisteswissenschaften seien mit dem Bachelor genauso gut wie beim Magister, sagt Ludwig Voeglin. »Doch genauso gut heißt in dem Fall oft auch genauso schlecht.« Zwar hat das CHE geisteswissenschaftliche Bachelorstudiengänge prämiert, die die Studenten mit innovativen Angeboten fit für den Job machen sollen. Einen Stellenmarkt herzaubern können aber auch sie nicht. Etwas bessere Chancen immerhin gestehen Experten künftigen Absolventen zu – allein schon aus dem Grund, weil sie früher abschließen.

Und dann ist da die viel gelobte internationale Mobilität, die Bologna ermöglichen soll. Richtig ist zwar, dass zurzeit 42 Prozent der Masterstudenten in Deutschland aus dem Ausland stammen, eine sensationell gute Zahl. Auch belegt eine noch unveröffentlichte, europaweite Umfrage des DAAD, dass die große Mehrheit der für den Studentenaustausch zuständigen Uni-Mitarbeiter äußerst zufrieden ist mit den neuen Möglichkeiten, die der Bachelor bietet. Doch viele Studenten machen immer noch die gleiche frustrierende Erfahrung, wenn sie sich an ihrer Heimat-Uni Leistungen aus dem Ausland anerkennen lassen wollen. Die Eigenwilligkeit mancher Professoren ist eben stärker als Bachelor und europäische Transfer-Kreditpunkte. »Der Geist von Bologna bedeutet eigentlich, dass die Erbsenzählerei aufhört. Aber in der Praxis ist das leider oft nicht so«, sagt Sebastian Fohrbeck.

Gefährden können derlei professorale Sondernummern den Bologna-Prozess längst nicht mehr. Früher waren es die Bachelorstudenten, die verunsichert zu den zahlreichen Bachelor-welcome-Veranstaltungen an Deutschlands Hochschulen pilgerten und bange Fragen an die Personalleiter der großen Konzerne richteten. Das war einmal. In Freiburg meldete sich kürzlich ein junger Mann und fragte ängstlich: »Ich studiere auf Diplom. Was kann ich damit eigentlich noch werden?«

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Leser-Kommentare
    • sbo78
    • 28.05.2006 um 23:53 Uhr

    Im bisherigen Reformeifer wurde eine wichtige deutsche Spezialität übersehen: die klassische Lehre im Dualen System. Es wird dringend Zeit, die dortigen Ausbildungsinhalte so neu abzustimmen, dass dafür ebenfalls ECTS vergeben werden können und so ein Abiturient (der zum Beispiel eine "Bachelor-Option" wählt) bereits in einer praktischen Lehre Punkte für's Studium sammeln kann.

    Bisher ist es für Lehrlinge (Auszubildende) möglich bei entsprechender Vorbildung relativ problemlos eine Verkürzung der Ausbildungszeit zu erreichen. Beispiel Industriekaufmann: 3 Jahre reguläre Dauer abzüglich mittlere Reife = -1/2 Jahr oder Abitur = -1 Jahr, Notendurchschnitt nach dem ersten Jahr besser 2.0 = -1/2 Jahr => reale Dauer 1 1/2 bis 2 Jahre.

    Statt dieser Verkürzungen könnte man motivierten Auszubildenden anbieten, statt des normalen Berufsschulunterrichtes anspruchsvollere Kurse zu besuchen (zum Beispiel als Blockunterricht zentralisiert) und entsprechend ECTS zu sammeln. Mit der Abschlussprüfung nach zwei Jahren wird dann der IHK / HWK-Abschluss erreicht, nach einem weiteren Jahr Vollzeitstudium oder zwei Jahren Teilzeit kann der Bachelor gemacht werden. So würden die Ausbildungsberufe auch für High-Potentials interessant und die Unternehmen hätten die Chance auch motivierten Auszubildenden ohne Hochschulreife mittels zusätzlicher Samstagskurse einen Bachelor zu ermöglichen. Diese Kombination aus Praxis und international bekanntem Abschluss ermöglichte den Absolventen eine unschlagbare Position auf dem internationalen Arbeitsmarkt!

    Gleiches gilt eine Stufe höher: die klassischen deutschen Meistertitel sind prädestiniert um mit dem Zusatz Master international als das gesehen zu werden, was sie vom Anspruch her sind: Graduate-Titel.

    Ein weiterer Schwachpunkt im System:

    Bisher ist es so, dass mit unterschiedlichen Zugangsberechtigungen (Abitur, Fachabitur...) die unterschiedlichsten Niveaus an Vorbildung das Grundstudium belasten. So haben zum Beispiel Studierende mit abgeschlossener Lehre oder fachgebundener Hochschulreife oft ein bedeutendes Vorwissen in fachspezifischen Grundlagen aber ggf. Mängel im allgemeinen Bereich (wie Statistik, Mathe, Physik, Sprachen).

    Da das Studium jetzt um ein Jahr gekürzt wurde, sollte überlegt werden unterschiedliche Eingangskurse anzubieten und andere Fächer aus Vorleistungen anzuerkennen. So könnte die Leistungsdichte im Grundstudium erhöht werden, da z. B. kaufmännisch Vorgebildete sich im Grundstudium Rechnungswesen und ABWL sparen, dafür verstärkt in Mathematik / Statistik / Englisch gefordert werden. Andersrum Abiturienten: diese bekommen die Grundlagen kaufmännischer Tätigkeit vermittelt und sparen sich Mathematik / Statistik und Englisch (sofern sie die entsprechenden Abiturprüfungsfächer belegt hatten). Für Studierende mit Mankos in mehreren Bereichen wäre das Angebot von intensiven Vorkursen (z. B. im September vier Wochen Mathematik und/oder Englisch) interessant, da so die Studiendauer ohne Einbußen verkürzt werden kann.

    Besonders profitieren würden auch in diesem System Studierende, die nach dem Abitur eine fachbezogene Lehre absolviert haben und so bereits viel Zeit in die ausbildungsrelevanten Fächer investiert haben.

    Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Mit einer besseren Koordinierung der Ausbildungsinhalte vor Studienbeginn hätte ich mir nach Lehre und Ausbildung folgende Fächer im BWL-Studium sparen können: Englisch 4 Semesterwochenstunden (SWS); Informatik 3 SWS; ABWL 3 SWS; Rechungswesen 1 SWS; Mathematik, Finanzmathematik und Statistik I 4 SWS, Privat- und Gesellschaftsrecht 2 SWS. Das sind in Summe 17 SWS, was annähernd einem Semester entspricht (eine SWS entspricht etwa zwei Stunden wöchentlicher Arbeitsbelastung).

    Um diese Einsparungen zu erreichen wären nur minimale Veränderungen nötig gewesen, es fehlten aus der Ausbildung vor allem Details in den Bereichen ABWL und Recht, das Rechnungswesen könnte im Studium von den Grundlagen befreit werden. Die mathematischen Fächer hätte ich in meinem Fall in einem kurzen Vorkurs wieder auffrischen müssen. Die Einsparung in Englisch setzt einen Leistungskurs voraus, Informatik hätte in der Ausbildung begleitend etwas intensiver gemacht werden sollen. Zu erwähnen ist, dass ich bereits eineinhalb Jahre der Ausbildungszeit gespart habe, da ich entsprechend verkürzen konnte und dass der Berufsschulunterricht ohne Mehrstunden deutlich mehr Stoff hätte vermitteln können, wenn nicht in so gemischten Klassen unterrichtet würde (Haupt- und Realschüler mit Abiturienten - schon hier wurden unterschiedliche Vorbildungen z. B. in Englisch und Rechnungswesen deutlich).

    Alles in allem bietet das Bachelor / Master System viele Vorteile. Nur müssen wir Deutschen es schaffen, unsere tradierten Bildungssysteme von Grund auf daran auszurichten: Abitur nach 12 Jahren und Ausbildung oder Grundstudium von drei Jahren Dauer ergibt einen Bachelortitel statt des bisherigen Gehilfen-/Gesellenbriefes; weitere zwei Jahre Hauptstudium ergeben einen Masterdegree, was einem herkömmlichen Diplom oder Meisterbrief entspricht.

    Denn es darf nicht vergessen werden, dass ein sechssemestriger Bachelorstudiengang (oft incl. eines Praxissemesters) eher einer dreijährigen Ausbildung als einem neunsemestrigem Unidiplom entspricht. Und eben dieses Diplom deutlich näher am zehnsemestrigen Master angesiedelt ist. Soviel zur Wertigkeit der bisherigen Deutschen Ausbildung im Vergleich zu Bologna: Ausbildung knapp unter Bachelor, FH-Diplom genau zwischen Bachelor und Master!

    Insofern ist die Ausbildung realistisch betrachtet sogar länger geworden für Deutsche! Was durch eine Verlegung von Abiturinhalten (Staatsbürgerkunde, Fremdsprache, gewisse mathematische Inhalte) in die (Bachelor-)Ausbildung ausgeglichen werden kann. Ganz nebenbei: Bachelor sollte dann ab Mittlerer Reife plus Grundausbildung zugänglich sein.

    • Locke1
    • 29.05.2006 um 20:38 Uhr

    Angeblich ist es doch einer der großen Vorteile des Bachelor, dass man Studiengänge international vergleichen kann - am besten auch noch über Fächer hinweg. Meinem Eindruck nach ist dieses Projekt gründlich gescheitert, da ja nichteinmal die Studiendauer (oder villeicht sinnvoller) die Anzahl der zu leistenden Semesterwochenstunden international festgelegt sind.

    Meiner Meinung nach kann man eine "Vergleichbarkeit" von Abschlüssen sowieso nur sehr schlecht herstellen. Warum sollte auch ein deutscher Jurist mit einem spanischen Juristen vergleichbar sein? Soweit ich weiss, gibt es doch sehr frappierende Unterschiede im Rechtssystem, wozu also ein gleicher Abschluss? Das Gleiche gilt auf vielen anderen Gebieten: Es erwägt doch nun wirklich niemand, der in Deutschland Pädagogik und Deutsch auf Lehramt studiert hat, dies nun in Griechenland zu unterrichten. Es ist ja schon schwer genug, in ein anderes Bundesland zu wechseln!

    Natürlich ist es im Sinne der Übersichtlichkeit wünschenswert, die Gesamtanzahl zu erreichender Abschlüsse auf eine möglichst kleine Zahl zu minimieren - aber es ist doch die Frage, ob diese Zahl nicht unterschritten wurde, und ob man sich wirklich vom Standpunkt der umfasenden Bildung in seinem Fach auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen musste.

    Klar ist, dass vielen Studiengängen eine "von Grund auf" Umstrukturierung nicht schaden kann - nur Schade, wenn man sich dabei nicht von Inhalten, sondern von einer zu verkürzenden Studiendauer leiten lassen muss.

    • cdpxe
    • 30.05.2006 um 17:01 Uhr
    3. \N

    Vor Studienbegin hatte ich die Wahl zwischen vier FHs, davon 3 mit Bachelor- und eine mit Diplomabschluss. Die Wahl fiel klar auf die mit dem Diplomabschluss.

    Auch wenn das Studium länger dauert überwiegen die Vorteile:

    * Man lernt mehr, da das Studium nicht einfach nur länger dauert, sondern auch mehr Fächer beinhaltet. Viele Hochschulen haben bei der Umstellung auf den BA einige Fächer rausgeschmissen.

    * Ganz gravierend ist der Vorteil der Studiengebühren. Bisher muss ich keine Studiengebühren zahlen, um nach dem Bachelor den Master zu machen würde sich das jedoch ändern. Mit dem Diplom erreiche ich Master-Niveau ohne extra in die Tasche greifen zu müssen.

    * Das Einstiegsgehalt beim Diplom ist höher als das beim Bachelor.

    * Insgesamt studiert man an einer Fachhochschule mit Diplom(FH)-Abschluss übrigens nicht so lange, als wenn man an einer FH Bachelor+Master absolvieren würde, da das Diplom 8 Regelsemester umfasst. Der Bachelor aber 6-7 und der Master nochmals drei. Wir erinnern uns, dass man beim Bachelor allerdings in der gleichen Zeit weniger Stoff bewältigen muss -- das war bei allen FHs, die ich mir ansah der Fall.

  1. Der Abschluss Bachelor hat sich schon seit jahrzehnten bewährt. Deshalb versteh ich nicht, weshalb immer die Rede davon ist, er müsse sich erst bewähren. Es sind wohl eher die Unis, welche sich mit dem neuen System newähren müssen.

    Ich selbst studiere einen Bachelor, interdisziplinär. Es ist lustig: ich sitze in einer Vorlesung für Politikwissenschaften mit Studenten aus: Magister (Grund/Hauptstudium), Diplom (Grundstudium, Vordiplom), Bachelor (Grund- Hauptstudium), Master. Dass das nicht nur an meiner Uni so ist, haben mir bereits viele Studenten anderer Universitäten versichert.
    Damit dürfte das Argument "Diplom is besser als Master" und Magister is besser als Bachelor weitgehend entkräftigt werden.

    Ein ganz anderes Problem macht sich jetzt bemerkbar: Manchmal kommen Sudenten in die Studienberatung und fragen wie sie ihre Punkte aus dem Ausland wieder in Deutschland anrechnen lassen können (ECTS: European Credit Transfer System). Wohlgemerkt, selber Studiengang und auch Bachelor.
    Meine Uni hat sich da ein halbwegs vernünftiges System ausgedacht und die Credits anhand von Arbeitsstunden ausgerechnet (wie bei Diplom und Magister üblich). Da gibt es aber Unis, welche irgendwelche x-beliebigen Werte rannehmen und nicht wissen, wie sich diese eigentlich zusamensetzen.

    Es gibt aber auch Beispiele, wo alles einwandfrei funktioniert. Ob ich nun ein Bachelor oder Magister mache, die Arbeit ist für mich als Student die selbe. Entspannt euch also mal (ich meine damit nicht die ZEIT).

  2. Ich bin froh, noch ein Diplom zu bekommen. Angeblich sei das ja nicht bekannt im Ausland. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Dipl.Ing. eine der stärksten internationalen Marken für Fachkräfte im technischen Sektor darstellt. Woran ich das sehe? Naja, vielleicht daran, dass sich alle anderen (internationalen) Bachelor-, Master- und was weiss ich-Bewerber ganz weit hinten anstellen mussten. Praktika bei Boeing, Airbus oder Lockheed? Kein großes Problem mit Dipl.-Studiengang und guten Noten.

    Und diese Marke zerdeppert von ein paar Politikern ohne viel Hirnschmalz geschweige denn Erfahrung in dieser Richtung? Tja, schade drum.

    Das kommt davon, wenn man Leute Politik machen lässt, die von der Sache keine Ahnung haben. Willkommen in der EU.

    • tzeuch
    • 30.05.2006 um 1:48 Uhr

    In seiner Einseitigkeit und seinem fast naiv zu nennenden Wunschdenken ist der Zeitautor Wiarda wirlich nicht zu überbieten. Widerstand gegen den Bachlor bröckelt ?? Fakt ist: Unter dem eiserenen Finanzdiktat der Wissenschaftsministerien werden die Hochschulen zum Bachelor erpresst! Natürlich verlängern sich Studiennzeiten, werden Hochschulwechsel sogar innerhalb der Bundesländer erschwert, da jede Uni sich ihren eigenen Bachelor bastelt: "major/minor", 70/30-Fächerverhältnis Lehramtsbachlor in Braunschweig, 50/50 Bachelor in Göttingen, Vergleichbarkeit? Eine hohle Parole der Wissenschaftspolitiker, die diese Totgeburt verantworten. Sicher wird sich nach einer Übergangsphase der Unibetrieb auf die neuen Bedingungen einstellen. Nur kostet das jetzt schon unendlich viel Zeit und Kraft bzw. unbezahlte überstunden bei miesesten Rahmenbedingungen und krankhaft bürokratischen Vorgaben. Unendlich frustrierend. Einige Studiengänge werden sicher auch aufgewertet. Die Gefahr sehe ich für die Massenunis, dort entscheidet sich aber der Erfolg dieser Blaupausen-Reform völlig ohne Rückkopplung. Manche Nebenwirkung wird überraschen. Das Masterauswahlverfahren inklusive Quotierung kann zu Massenstudienortwechseln in Panik hundertausender Studenten führen !!!! Unis werden in Fosrchungsunis und Restverwerteranstalten segregieren. US-Verhältnisse von unserer werten "Brain Up Bulle" herbeireformert. Aber was soll´s. Ich denke, ich sollte das sinkende Schiff schnell Richtung Industrie oder Forschungsinstitut verlasen.
    Ich bin schon jetzt gespannt auf die Bestandsaufnahme, die man aber wohl realistisch erst in 6/7 Jahren durchführen kann. Den Dipl. Ing. abzuschaffen ist eine Versündigung an der deutschen Hochschultradition und am Standort. Da sind Buhlman, Wiarda und Genossen auf Honecker/Ulbricht-Kurs, was die die Ausrottung deutsche Symbole im ideologischen Eifer angeht.

  3. Man sollte den Bachelor nicht ueberbewerten. Er wurde von den US-Universitaeten vor vielen Jahren eingefuehrt, um mit neuen Studiengaengen und Titeln mehr Geld zu verdienen. Heute macht man in den USA nach dem Staatsexamen einen Master und anschliessend einen Doktor. Das schaffen aber nur die wenigsten, denn die Aufnahmepruefung fuer ein Masterstudium and einer renommierten Universitaet ist fuer normal Begabte kaum zu schaffen. Ausserdem muss Papi auch noch mind. Usd 20,000 pro Sememster an Studiengebuehr in der Tasche haben.

  4. Die Tendenz dieser Artikel scheint ja auf ein erwartungsfrohes Hochjubeln hinauszulaufen -- leider kann ich mich dieser Tendenz keineswegs anschliessen.
    Im Gegenteil, ich sehe in der Umstellung einen riesengroßen Feldversuch mit offenem Ausgang, dessen Rechnung gerade unsere mittelständische Industrie zu zahlen hat.
    Als Dozent für Medizintechnik an der kleinen, aber recht gut im CHE Ranking bewerteten Universität zu Lübeck habe ich inzwischen beide Tracks (BS/MS und Diplom) in meinen Prüfungen.
    Auffallend ist dabei, dass die Bachelor/Master-Studenten durch die Kompaktheit des Studiums überhaupt keine Möglichkeit haben Zusammenhänge fächerübergreifend zu finden und "lose" Enden zu Kreisen zu schliessen! In Ihrem Artikel behaupten Sie, dass das dann im Beruf und im Rückblick passiert... Ich behaupte die Bachelor-Studienart führt nur zu Schubladenwissen und verhindert gar diese Entdeckung der interdisziplinären Zusammenhänge.
    Das sieht bei Diplom-Absolventen ganz anders aus: Diese bereiten sich intensiv und ausführlich auf die Abschlussprüfung vor und finden also lange vor ihrer Berufsrelevanz diese Zusammenhänge.

    Nun ja, die Diplomer werden aussterben - aber ich fürchte auch die Innovationskraft im Mittelstand... denn dort hilft eben dieses Schubladenwissen nicht weiter.
    Schade - die Rechnung bekommt bekommt erst die übernächste Generation präsentiert... Ich hoffe sie wird nicht zu hoch.
    Beste Grüsse!

    ulrich hofmann

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