Stammzellen Neubeginn im Klonlabor
Die Versuche zum therapeutischen Klonen gehen weiter, und diesmal liegt ein Deutscher vorn. Angesichts der hiesigen Gesetze grenzt das fast an Ironie, kommentiert
Die Schockstarre weicht. Vor Monaten wurden die Stammzellforscher vom größten Fälschungsskandal der Biologie erschüttert: Der Koreaner Hwang Woo-Suk hatte seine Erfolge beim Klonen menschlicher Stammzellen herbeifabuliert. Nun proben die Forscher den Neustart. Sieben Forschungsteams – drei in den USA, drei in Europa und eines in China – kündigen Versuche an, patientenspezifische Stammzellen aus geklonten Embryos herzustellen. Auch das US-Unternehmen Advanced Cell Technology nimmt sein Programm wieder auf; es war nach den angeblichen Erfolgen Hwangs gestoppt worden.
Diesmal sind nicht Newcomer wie Hwang am Werk, es ist die erste Liga der Stammzellforschung, darunter Dolly-Schöpfer Ian Wilmut. Und ihr Elan ist nicht nur wissenschaftlichem Ruhmesstreben geschuldet, es geht auch um Geld. Womöglich sehr viel Geld. Allein bei Medikamententests mit geklonten Zellen dürften Milliarden umgesetzt werden.
Die Prognosen sind allerdings zurückhaltend, denn im Jahr eins nach Hwang steht die Klonforschung am Menschen fast wieder bei null. Und zur moralischen Frage, ob dieses Treiben zulässig ist, kommt ein weiteres medizinethisch zwiespältiges Problem. Die einzige gesicherte Erkenntnis aus Hwangs Forschungen besagt: Erfolge wird es nur geben, wenn die Kloner für die Experimente sehr frische Eizellen von Frauen unter 30 benutzen können – innerhalb einer Stunde nach der Entnahme aus den Eierstöcken.
Weil die Technologie – eine Körperzelle wird in eine entkernte Eizelle übertragen – bislang höchst ineffizient ist, wird man sehr viele Eizellen benötigen. Eispendeprogramme aber sind zu Recht umstritten: Die erforderlichen Hormonbehandlungen können schwere Nebenwirkungen bei den Spenderinnen nach sich ziehen. Bezahlt man die Frauen für dieses Risiko, handelt man sich den Vorwurf ein, materielle Notlagen auszunutzen. Die Eispende gegen Geld gilt in der Stammzellforschung daher als Sündenfall.
Der Ausweg aus dem Dilemma ist die Spende überzähliger Eizellen aus Fruchtbarkeitsbehandlungen. So ist es ironischerweise ein Deutscher, der nun beste Chancen hat, als Erster Erfolge beim Klonen zu melden: Miodrag Stojkovic. Er leitet die Stammzellforschung am neuen Principe Felipe Centro de Investigación. Lächelnd erzählt Stojkovic, dass neben seinem Arbeitsort eine Fruchtbarkeitsklinik steht, die jährlich 3000 IVF-Behandlungszyklen durchführt und mit der er ein Eispendeprogramm vereinbart hat. Noch 2006 will der Deutsche mit den Klonversuchen anfangen, sobald die Regierung das therapeutische Klonen endgültig erlaubt hat.
Damit ist natürlich nicht die Bundesregierung gemeint. Wie der Name des 200 Millionen Euro teuren Instituts vermuten lässt, steht Stojkovics neue Heimstatt in Spanien, in Valencia. Deutschland mit seinem restriktiven Stammzellimportgesetz hat er vor Jahren verlassen. Obwohl er nirgendwo lieber forschen würde als hier.
- Datum 31.12.1899 - 01:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.05.2006
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