Interview »Der ideale Standort«
Wie ein neuer Masterstudiengang die internationale Elite nach Hamburg lockt. Ein Gespräch mit dem Juraprofessor Clifford Larson
DIE ZEIT: Normalerweise pilgern deutsche Wissenschaftler in die USA. Sie gehen den umgekehrten Weg und kommen von Washington nach Hamburg, um den Masterstudiengang Law and Business aufzubauen. Warum?
Clifford Larsen: Viele US-amerikanische Programme sind sehr gut, immer aber steht das heimische Recht im Vordergrund. Unser Masterstudiengang aber, der von der Bucerius Law School und der WHU-Otto Beisheim School of Management getragen wird und im Herbst startet, lehrt juristisches und betriebswirtschaftliches Wissen international vergleichend. Deutschland ist dafür der ideale Standort – es hat eine lange Tradition in der Rechtsvergleichung.
ZEIT: Die Verbindung von Wirtschaftswissenschaft und Jura gibt es schon länger, etwa im Studiengang Wirtschaftsrecht. Was also ist neu an dem Programm?
Larsen: Ich glaube, es gibt weltweit kaum ein Programm, das Recht und Wirtschaft wirklich systematisch miteinander verzahnt und auch noch international ausgerichtet ist. Unser Programm ist fachübergreifend konzipiert und verbindet verschiedene Aspekte des internationalen Wirtschaftsrechts und des internationalen Managements. Die Teilnehmer sollen juristische Fragen und unternehmerisches Handeln im internationalen Kontext analysieren. Der Unterricht findet auf Englisch statt.
ZEIT: Die Bucerius Law School und die WHU sind Privathochschulen. Was kostet der Master in Law and Business?
Larsen: Das einjährige Studium läuft von Anfang September bis Ende Juli und besteht aus drei Trimestern – inklusive acht Wochen Praktikum. Die Studiengebühren betragen 15000 Euro. An einer amerikanischen Hochschule müssen sie mehr als das Doppelte bezahlen…
ZEIT:… in Deutschland aber klagen die Studenten schon über die angepeilten 500 Euro Studiengebühr pro Semester.
Larsen: Auch einige staatliche Universitäten in Deutschland erheben für international ausgerichtete Masterprogramme ähnlich hohe Studiengebühren. Übrigens: Meine Eltern waren keine Akademiker. Ich selbst konnte nur im Ausland studieren, ein Jahr auch in Hamburg, weil ich ein Stipendium hatte. Deshalb ist es mir wichtig, dass auch Menschen, die es sich eigentlich nicht leisten können, zu uns kommen können. Wir haben zum Beispiel eine sehr qualifizierte Bewerberin aus Afrika, die die Studiengebühren nicht bezahlen kann. Da werden wir aktiv. Für diese und andere Bewerber werden wir uns um Stipendien bemühen.
ZEIT: Bis Ende Mai noch können Bewerbungen eingereicht werden. Was müssen die Kandidaten mitbringen?
Larsen: Das Programm richtet sich hauptsächlich an Akademiker, die schon einen juristischen oder betriebswirtschaftlichen Abschluss haben. Aber auch andere haben eine Chance. So wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine Frau dabei sein, die Politikwissenschaft studiert und schon in den unterschiedlichsten Ländern in Waisenhäusern gearbeitet hat. Sie schreibt in ihrer Bewerbung, dass sie davon träumt, eine Nichtregierungsorganisation, eine NGO, zu gründen. Dafür möchte sie die juristischen und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen verstehen lernen. Ich denke, sie wird eine Bereicherung sein.
ZEIT: Die wenigsten werden eine NGO gründen. Wo sollen die Absolventen später arbeiten?
Larsen: Der Bedarf an Führungskräften, die sowohl die rechtlichen als auch die wirtschaftlichen Fragestellungen beherrschen, wächst stetig. In eigentlich allen internationalen Unternehmen und Kanzleien werden juristische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse gebraucht. Als Jurist wird man die Probleme eines Mandanten nicht lösen, wenn man den betriebswirtschaftlichen Hintergrund nicht durchschaut. Und Betriebswirte müssen die juristischen Rahmenbedingungen kennen, wenn sie Entscheidungen treffen. Im Zuge der Globalisierung wird das immer wichtiger.
Interview: Madlen Ottenschläger
- Datum 23.05.2006 - 04:29 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 24.05.2006
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