Die großen Hände eines Bauern. Die heisere Stimme eines Predigers. Der himmelblaue Trainingsanzug der argentinischen Nationalmannschaft: José Pekerman, Trainer der argentinischen Nationalmannschaft, empfängt draußen in Ezeiza, im Trainingszentrum der argentinischen Auswahlmannschaften, wo die Gärtner der unendlichen Pampa ein Dutzend Fußballfelder abgezwackt haben. Satt und hoffnungsfroh wie frisch gewaschene Tücher liegen sie in der dürren Landschaft. Drinnen, im Gebäude des Fußballverbandes, hängen die Bilder vergangenen Ruhms, farbig und schwarzweiß; Weltmeister 1978, Weltmeister 1986, Finalist 1990. Mit ihnen die wehmütige Erinnerung an die berauschende Identifikation eines Landes mit dem wilden Stolz und der erbarmungslosen Kampfkraft ihrer Fußballer, das, was Jorge Valdano, Mittelstürmer an der Seite Maradonas, danach ein glänzender Sportjournalist, die natürliche Arroganz des Siegers nannte. Nicht immer siegte Argentinien. Aber selten fehlte es an Arroganz. Und manchmal blieb davon nur die Allüre des schlechten Verlierers. Argentiniens Trainer Jose Pekerman gibt die Richtung vor BILD

Bis José Pekerman kam und begann, den Jungen die Tugenden der Bescheidenheit und der Selbstbesinnung zu predigen. Er war es, der den argentinischen Fußball vom Ruch des groben Spiels und vom Ruf der schmutzigen Tricks befreite. Die Frage ist, ob er als Trainer der Nationalmannschaft mit seinen Methoden eine WM gewinnen kann, die César Menotti mit dem Heimvorteil einer Militärdiktatur und Carlos Bilardo mit der gütigen Mithilfe der Hand Gottes erobert haben.

»Mich hat«, sagt José Pekerman, »weder Menotti noch Bilardo geprägt. Der Fußball hat sich längst globalisiert. Es gibt tausend taktische Möglichkeiten, aber am Schluss entscheidet immer die Fähigkeit und das Talent des Spielers.«

Die Ahnen jüdische Einwanderer aus Osteuropa, die sich in Ibicuy niederließen, Provinz Entre Rios an der Grenze zu Paraguay. Der Vater Landarbeiter, der später in das Umland von Buenos Aires zog, um dort eine bessere Arbeit zu finden. Mit sieben verkaufte José Eiscreme auf dem Dorfplatz. Als er im Erstligateam von Argentinos Juniors Aufnahme fand, arbeitete er nebenbei als Verkäufer in einem Kleiderladen. Sein erstes Profispiel, 12. Juli 1970, ging mit 0:4 verloren. Mittelfeldspieler. Vier Jahre lang bei Independiente Medellìn, wo er keine bleibende Erinnerung hinterließ. Verletzung. Taxifahrer, Barkeeper, Apothekergehilfe, während er als Nachwuchstrainer zu arbeiten begann.

Warum wird man Fußballlehrer, José Pekerman?

»Es begann als Spiel mit viel, viel Enthusiasmus und wurde dann zum Beruf. Und es gibt keine größere Befriedigung, als seine Leidenschaft auszuleben. Auch wenn immer klar war: Zur Leidenschaft muss die Disziplin kommen, die Hingabe, der Wunsch, noch mehr zu lernen. In diesem Sinn habe ich immer die Lehren meiner Meister mitgenommen und Erfahrungen, viele Erfahrungen. Zuerst vor allem mit Diego Armando Maradona. Ich spielte bei den Argentinos Juniors und sah diesen kleinen Zwölfjährigen, was er mit dem Ball alles konnte, und überlegte mir, was es wohl braucht, damit aus dem Jungen etwas wird. Da fühlte ich bereits diese Bestimmung als Trainer. Denn es wimmelt von Jungen, die alles machen mit dem Ball. Aber das reicht nicht. Es braucht viel, viel mehr.«

Mit Maradona fing Pekermans Karriere an, obwohl er ihn nie trainiert hat. 1994 wurde Maradona, mit Kokain im Blut, von der WM in den USA nach Hause geschickt. Im selben Jahr holte der Verband Pekerman als Juniorentrainer. Denn die Teams, die er als Nachwuchscoach bei den Argentinos Juniors trainiert hatte, waren alle durch ihre Erfolge und durch ihr vorbildliches Auftreten aufgefallen. Mit Pekerman wurde die argentinische U-20-Auswahl dreimal Weltmeister, und dreimal gewann die Mannschaft auch den Fairplay-Cup.