Die Nacht, in der das Leben von Franz Beckenbauer einstürzt, beginnt mit einem fröhlichen Fest. Es ist der 13.Juli 2002, ein Samstag, und gerade ist in Bad Griesbach das jährliche Golfturnier der Franz-Beckenbauer-Stiftung zu Ende gegangen. Beckenbauer ist gelöst, er scherzt, wie viel tausend Euro diesmal wieder zusammengekommen sind, weil seine Freunde so schlecht Golf spielen. Dann erreicht ihn ein Telefonanruf. Der Mann am Ball BILD

Robert Schwan ist tot. Sein Manager. Sein engster Vertrauter. Sein Vaterersatz. Beckenbauer will sofort weg, dorthin, wo Schwan starb. Minuten später rasen zwei schwere Limousinen auf der B20 in Richtung Kitzbühel. Den ersten Wagen fährt Beckenbauer selbst, den zweiten lenkt Wilfried Krebs, sein Finanzberater. In Kitzbühel angekommen, bricht Beckenbauer zusammen. Noch in der Nacht schwört ihm Krebs ewige Treue und dass er die Geschäfte für ihn weiterführt, irgendwie.

Und doch: Zum ersten Mal ist Beckenbauer allein. Es ist das Ende und der Anfang zugleich.

1974, 1990, 2006 – bei drei Weltmeisterschaften hat sich Franz Beckenbauer einen Titel geholt: als Spieler, als Trainer, als Organisator der WM im eigenen Land. Jedes Mal war er Teil eines Teams, und jedes Mal überragte er die anderen. Zufall sieht anders aus. Kaum ein Sportler hat seiner Karriere so nahtlos den Aufstieg als Geschäftsmann und Funktionär folgen lassen. Die Marke Beckenbauer lebt – und es lebt sich glänzend von ihr.

Du bist Deutschland? Beckenbauer ist es nur halb. Sein Fußballspiel, leicht und elegant, wirkte eher brasilianisch. Deutsch ist sein Pflichtbewusstsein. Und seine Spießigkeit.

Einiges verbindet ihn mit anderen Führungspersönlichkeiten. Die Begabung und der Wille. Das Charisma und die Fähigkeit, sich Mitstreiter auszusuchen. Nicht zuletzt das Glück. Und trotzdem ist er anders: Beckenbauer leitet keine große Institution, er organisiert die Welt um sich herum für seine Ziele. Schon auf dem Platz hatte er Leute, die ihn glänzen ließen und davon profitierten. Auch heute hat er sie, Mitarbeiter, Vertraute. Sie beraten ihn. Sie verhandeln seine Verträge. Sie garantieren, dass er so leben kann, wie er will. Und sie alle überlassen ihm das Rampenlicht. Es wäre falsch, diese unsichtbare Organisation als modernes, offenes Netzwerk zu beschreiben. Eher schon ist sie ein Club mit lebenslanger Mitgliedschaft – in ihrem Mittelpunkt der sanfte Pate, der die Mitglieder geschickt auswählt und der nichts mehr verabscheut als hässliche Konflikte.

Was man braucht, um so zu werden, wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Franz Beckenbauer musste lernen, und er lernte schnell.