Penelope Lively wurde 1933 in Kairo geboren und verbrachte ihre ersten zwölf Lebensjahre in Ägypten. Da ihre Eltern nur wenig Zeit für sie hatten, verlebte sie nach eigener Auskunft eine einsame Kindheit, die sie vor allem mit Lesen und dem – da von der Schulleitung verbotenen – heimlichen Schreiben von Gedichten ausfüllte. Von 1945 an besuchte sie eine Schule in England (Sussex). Nach dem Studium der modernen Geschichte am St. Anne’s Col-lege in Oxford betreute sie Radiosendungen über Kinderliteratur bei der BBC und verfasste Kinderbuch-Rezensionen für verschiedene bekannte Wochenzeitungen. 1957 heiratete sie den in Oxford lehrenden Politologieprofessor Jack Lively.

Erst als ihre beiden Kinder herangewachsen waren, begann sie mit dem Schreiben von Kinderbüchern. Für The Ghost of Thomas Kempe (Der Geist des Apothekers, 1972) erhielt sie 1973 die Carnegie Medal, 1976 kam dieser Kinderroman auf die Ehrenliste des Hans-Christian-Andersen-Preises.

Die bereits in diesem Werk anklingende Begeisterung für die englische Landschaft und für erinnerungsträchtige historische Gebäude bestimmte auch ihre nachfolgenden Kinderbücher The House in Norham Gardens (1974) und A Stitch in Time (1976). In den nächsten Jahren schrieb Lively weitere preisgekrönte Romane für Kinder, da-runter The Revenge of Samuel Stokes (1981) und Fanny’s Sister (1985). Für ihre Enkeltöchter verfasste sie außerdem mehrere Bilderbücher.

Seit Ende der 1970er Jahre wandte sich Lively mehr und mehr der Literatur für erwachsene Leser zu. Ihr Roman The Road to Lichfield (1979) wurde für den Booker Prize nominiert. Sie wurde in die renommierte Royal Society of Literature aufgenommen und erhielt als Würdigung für ihr literarisches Gesamtwerk zwei Ehrendoktortitel (Tufts University, Massachusetts, 1992; Warwick University, 1998). Lively hat 2005 einen weiteren Roman veröffentlicht und lebt mittlerweile in London.

Die fast allen ihren Kinderbüchern zugrunde liegende Thematik ist die historische Kontinuität, dargestellt in der Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. In Der Geist des Apothekers steht das alte Haus East End Cottage im Zentrum des magischen Geschehens. Die Geschichte des Gebäudes ist geprägt durch seine Bewohner, die über Generationen hinweg in einer magischen Beziehung zueinander stehen. Die humorvolle und originelle Darstellung eines Poltergeistes, der sich zwar nicht zeigt, aber durch irritierende Handlungen bemerkbar macht, kontrastiert mit den weniger erfreulichen Folgen seiner Aktivitäten für den Jungen James Harrison, der dieser Taten verdächtigt wird und weder bei seiner rational denkenden Familie noch bei seinem skeptischen Freund Verständnis findet. Wie ein Detektiv erforscht James die lokale Geschichte, wobei ihn die Spurensuche bis weit ins 17. Jahrhundert zurückführt; in die Zeit, als Thomas Kempe als angesehener Apotheker in Ledsham lebte. Während dieser Roman in England und auch in den USA überaus populär ist und kontinuierlich neu aufgelegt wird, hatte er – trotz Übersetzungen in mehrere Sprachen – in anderen Ländern nur einen Achtungserfolg und geriet dort alsbald in Vergessenheit.