Einer jener jungen Löwen, die schon in frühen Jahren ihre Mitwelt durch geniale Taten in Erstaunen setzen, war er sicher nicht. Handwerkliche Solidität und wohldosierter Wagemut, das waren seine Tugenden. Dazu kam ein Talent für Gefälliges, das sich immer inniger mit wachem Geschäftssinn verband. Seine lange und gediegene Ausbildung absolvierte er in der väterlichen Werkstatt, seine Schulkenntnisse überstiegen das zu jener Zeit Übliche.

Entschlossen zum Erfolg, wählte der Spätstarter für seinen Auftritt in der Welt mit sicherem Gespür eine blühende Metropole, in der er keinen ernsthaften Konkurrenten zu befürchten hatte. Dort suchte er die Nähe namhafter Vertreter einer neuen Gelehrtengeneration. Diese ihm wohlgesonnenen Männer des Aufbruchs und ihre Schirmherren beeindruckte er durch expressive Darstellungen, romantische Stimmungen und geheimnisvolle Szenerien.

Das Ansehen, das er bald genoss, brachte ihm ein ungewöhnlich lukratives Vertragsangebot ein. Bis zu seinem Lebensende band er sich damit an ein Amt mit vielfältigen Aufgaben, das ihm jedoch genug Zeit und Gelegenheit für andere Aktivitäten ließ.

Zwar war er nur die zweite Wahl hinter einem grüblerischen Genie gewesen, doch nutzte er geschickt seine dominante Stellung als Allround-Gestalter, um eine florierende Werkstatt aufzubauen, mit der er prompt und tadellos Aufträge für Innendekor oder Karnevalsmasken, für religiösen Bedarf und weltliche Selbstrepräsentation, für neue Pfefferkuchenformen oder die Ausstattung von Festen erledigte.

Mit etwa vierzig Jahren heiratete er die ebenfalls nicht mehr ganz jugendliche Tochter eines wohlhabenden und angesehenen Bürgers. Wir wissen wenig über sie, erstaunlicherweise ist nicht einmal ein Porträt überliefert. Ein Trauergedicht von beachtlicher Länge rühmt ihre hausfraulichen Tugenden, preist das ungetrübte eheliche Glück des Paares und hält sich damit in den engen Grenzen der Konvention.

Auf jeden Fall förderte die Heirat seinen sozialen Aufstieg. Er baute oder erwarb planmäßig fünf Häuser; die Mieten, ein Schankrecht für Wein und die Genehmigung, eine Apotheke zu führen, sorgten für ansehnliche Einkünfte.

Ertragreicher als Besitz, Handel und Werkstatt erwies sich freilich sein Engagement in einer jungen Branche, deren Boom er vorausahnte: der Buchproduktion. Auch hier verknüpfte er wirtschaftlichen Spürsinn mit dem Bemühen um Qualität. Die sorgfältig hergestellten Erzeugnisse seiner Druckerei vertrieb er über eine eigene Buchhandlung, die nebenbei noch Grafiken und Papier anbot. Außerdem heuerte er bedürftige Studenten als mobile Buchhändler an und schickte kistenweise Bücher an einen wichtigen Kunden, der ihn beauftragt hatte, ihm »alle guten und leswürdigen« Werke zu besorgen.