"Spiele fallen mir leicht. Alle. Nicht dass ich sie nur leicht erlerne. Das kann jeder. Ich meine erfolgreich, mit klarer Überlegenheit. Die meisten denken, es gehe nur ums Spielen an sich. Aber dann kannst du nur zufällig gewinnen. Solche Leute sind Dummköpfe. Wirkliche Spieler dringen von Anfang an in die tiefsten Geheimnisse ein." Diese nicht gerade bescheidenen Worte Anatolij Karpows treffen auch auf Irina Levitina zu, wie Gennadij Sosonko in einem eindrucksvollen Artikel über diese in New in Chess schreibt.

Früher gab es bei Schachturnieren häufig Bridgerunden am Abend, oft bis tief in die Nacht, die Weltmeister Lasker, Capablanca, Aljechin und Karpow spielten Bridge ebenso wie Kortschnoj und viele andere. Emanuel Lasker schrieb sogar zwei Bücher darüber, Capablanca meinte, es sei spannender als Schach, Napoleons General Deschapelles war beim Schach und Bridge einer der Besten der Welt, wobei er mit Bridge (nicht Schach) ein Vermögen verdiente – nach ihm ist beim Whist (einem Vorläufer von Bridge) sogar der "Deschapelles-Coup" benannt.

Doch niemand von all diesen Herren dürfte mit Irina Levitina mithalten, die nicht nur den Großmeistertitel in beiden Disziplinen errang, sondern auch, noch als Sowjetrussin, 1984 das WM-Match gegen die Georgierin Maja Tschiburdanidse erreichte (und knapp verlor) und schon als US-Bürgerin die Bridge-Weltmeisterschaft gewann.

Wie konnte Irina Levitina bei einem Turnier 1970 in der Sowjetunion als Weiße den Angriff eines gewissen Stanislav Savchenko auf ihre Dame ignorieren und sofort gewinnen?

Helmut Pfleger