Medizin Halbgötterdämmerung
Es geht nicht nur ums Geld. Der Ärztestreik zeigt auch: Viele Mediziner haben sich vom traditionellen Berufsbild längst verabschiedet
Dieses Haus dürfte es gar nicht geben. Zumindest, wenn man der Logik der landesweit streikenden Ärzte folgt. Hier nörgelt niemand über unbezahlte Arbeitsstunden, die Mitarbeiter stöhnen nicht über ausufernde Bürokratie, kein Arzt meint, er verdiene zu wenig. Im Polikum im Berliner Stadtteil Friedenau arbeiten 40 Mediziner zufrieden unter einem Dach – in demselben Gesundheitssystem, das ihre Kollegen in den Ausstand treibt.
Von außen wirkt das Gebäude wie ein normales Ärztehaus, in dem sich einige Kassenärzte zusammengefunden haben, um sich die Geräte zu teilen. Aber die 40 Mediziner sind keine selbstständigen Unternehmer, wie es dem traditionellen Rollenverständnis der Ärzte entspricht. Sie sind Angestellte. Das Polikum ist ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). Und holt damit ein Stück DDR zurück in die bundesrepublikanische Gegenwart: die Poliklinik. Dort arbeiteten früher Fachärzte aller Art, sie waren für die ambulante Versorgung zuständig. Nach dem Fall der Mauer wurden die Polikliniken abgewickelt, die ärztlichen Standesorganisationen des Westens verteidigten erfolgreich ihr System der Einzelpraxen. Es war die vorübergehende Rettung des alten deutschen Ideals vom unternehmerischen Arzt, dem jeder Einfluss durch den Staat ein Gräuel ist. Doch was die Ärzte über einhundert Jahre am meisten fürchteten, holt sie jetzt ein. Halbgötterdämmerung.
Überall in Deutschland streiken Zehntausende Klinikärzte, an ihrer Seite, scheinbar solidarisch, gehen auch die niedergelassenen Ärzte auf die Straße. Es ist eine paradoxe Kombination. Denn während die Klinikärzte zum ersten Mal massenhaft für ihre Arbeitnehmerrechte fechten, verteidigen die niedergelassenen Ärzte ihr Unternehmertum. Diese Einzelkämpfer-Existenz wiederum ist vielen Klinikärzten fremd geworden: Sie kämpfen nicht für die eigene Praxis, sondern – wie andere Angestellte auch – für mehr Freizeit und mehr Geld.
Es ist das Ende des Mythos vom Arzt als charismatischem Heiler, der ganz allein, mit heroischem Arbeitseinsatz und kraft seiner akademischen Weihen die Kranken kuriert. Den jungen Ärzten erscheinen heute gute Arbeitsbedingungen und Teamwork viel lohnender. Und ausgerechnet die wieder entdeckten Strukturen der DDR ermöglichen ihnen das. So könnte der Streik der Ärzte am Ende viel mehr bringen als nur eine Neuregelung der Arbeitszeit in den Krankenhäusern: Erstmals könnten die verkrusteten Strukturen im deutschen Gesundheitssystem wirklich aufbrechen.
Erst im Herbst hat das Polikum eröffnet, doch schon jetzt ist klar, wie viel straffe Strukturen den Patienten und Ärzten bringen können. »Wir haben dramatisch weniger Papierkram«, sagt die Internistin Susanne Schwarz, die Gründungsmitglied ist. Die Ärzte müssten viel weniger telefonieren, wenn ein Patient von verschiedenen Kollegen im Haus behandelt wird – jeder Arzt hat Einblick in die zentrale elektronische Akte. Im Bedarfsfall werden Krankengymnasten, Wundspezialisten, eine Psychologin oder eine Podologin, Spezialistin für die Pflege schlecht durchbluteter Füße, zu Rate gezogen. Die Patienten schätzen das, immerhin müssen sie nicht mehr quer durch die Stadt von einem Facharzt zum anderen fahren.
Die Wartezimmer sind nüchtern und klein, die Patienten müssen ohnehin nicht lange warten. Jedes Sprechzimmer ist nur 16 Quadratmeter groß: ein geschwungener Tisch, eine Untersuchungsliege, ein Waschbecken, die Wände schmucklos weiß. »Ein Mitarbeiter hat nach Orange gefragt«, sagt Susanne Schwarz, »aber das passt nicht ins Konzept. Jedes Sprechzimmer wird maximal genutzt und sollte deshalb auch für andere Kollegen akzeptabel sein.«
Im ganzen Haus stehen nur zwei Ultraschallgeräte. »Normalerweise hätte jeder zweite Arzt hier ein eigenes«, sagt Stephan Kewenig, ein Gastroenterologe, »und die stehen dann nur rum und werden nicht ausgelastet.« Auch Kewenig entschied sich für das Angestelltenverhältnis in diesen effizienteren Strukturen, im Krankenhaus hielt ihn nichts mehr. »Nach zehn Jahren musste einfach mal Schluss sein«, sagt er. Er habe immer mehr Arbeit für immer weniger Geld leisten müssen. »Dort herrscht ein aufgeplustertes und ineffizientes System«, so der Arzt. »Jeder verteidigt mit aller Macht das, was er hat. Die Strukturen verändern sich nur sehr langsam. Das ist extrem unerfreulich.«
Dass er jetzt »nur« Angestellter ist, empfindet Kewenig nicht als Makel. »Der eigenständige Arzt, der allmächtig dem Patienten gegenübertritt und völlig intransparente Entscheidungen trifft, gehört entmystifiziert«, sagt Kewenig. »Hier haben wir gegenseitige Kontrolle und Qualitätsmanagement und beraten uns untereinander.«
420 Medizinische Versorgungszentren gibt es inzwischen in Deutschland, das Polikum in Berlin ist das größte. Ihre Entstehung hat das Gesundheitsmodernisierungsgesetz ermöglicht, das im Januar 2004 verabschiedet wurde. Zunächst wurde diese Chance kaum genutzt, doch das hat sich geändert. »80 Prozent aller Kliniken tragen sich mit dem Gedanken, ein MVZ anzugliedern«, sagt Reinhold Altendorfer, der selbst Arzt und Jurist ist und Medizinische Versorgungszentren in Bayern berät. »Den Krankenhäusern geht es in erster Linie darum, die Patientenströme in ihre Klinik zu leiten, sie wollen ihre Stationen voll haben.«
Für die Fachärzte in den Einzelpraxen brächen deshalb schwierige Zeiten an, meint Altendorfer. Wenn von fünf Gynäkologen im ländlichen Bereich in Nordbayern zwei oder drei an die Klinik gingen, hätten die beiden übrigen ein Problem. »Wenn ich 40 Jahre alt wäre und mich gerade niedergelassen hätte«, sagt Altendorfer, »dann hätte ich große Existenzängste. Sicher würde ich irgendwann an das Krankenhaus herantreten und sagen: Bitte nehmt mich auf.« Als angestellter Arzt sei ein sicheres Einkommen von bis zu 80.000 Euro Jahresgehalt drin, sagt Altendorfer, »plus Gewinnbeteiligung«.
Noch sind die MVZ und ihre angestellten Ärzte ein Randphänomen. In den 420 Versorgungszentren arbeiten nur 1648 Ärzte, davon 960 als Angestellte – angesichts von 130000 niedergelassenen Kassenärzten des alten Typs eine geringe Zahl. Doch ihre Zahl steigt. Und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die einst der Totengräber der Polikliniken war, fürchtet um ihre Pfründe.
Noch vorvergangene Woche, auf dem Ärztetag in Magdeburg, verteidigte Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe das »Leitbild der Freiberuflichkeit« und geißelte die »Versozialrechtlichung des Arztberufes«. Intern freilich werden die Töne bereits moderater. »Wir haben heute schon über 1000 unbesetzte Arztpraxissitze, bei denen kein Nachfolger in Sicht ist. Da kann es sein, dass alternative Organisationsformen die herkömmliche Praxis ersetzen werden«, sagt KBV-Sprecher Roland Stahl. Der Standesorganisation der niedergelassenen Ärzte bleibt auch nichts anderes übrig, als einzulenken. Sie muss die medizinische Versorgung flächendeckend garantieren – und ohne die MVZ ist das im Osten Deutschlands kaum möglich.
Die neuen Zentren sind erst der Anfang. In Zukunft wird noch viel mehr Bewegung in die ärztlichen Arbeitsverhältnisse kommen. Gerade hat das Bundeskabinett das neue Vertragsarztrechtsgesetz verabschiedet, das 2007 in Kraft treten soll. Es erlaubt niedergelassenen Ärzten, Filialen zu gründen, Ärzte anzustellen oder in der Praxis und parallel dazu im Krankenhaus zu arbeiten. Nachdem die KBV jahrelang den freien Beruf in eigener Praxis verteidigt hat, überlegt man deshalb nun, eine neue Mitgliedschaft für niedergelassene angestellte Ärzte anzubieten.
Die Entvölkerung im Osten beflügelt das neue Denken in der Medizin. »Wir im Nordosten sind ein Experimentierlabor für alles, was im Westen auch geschehen wird, nur eben fünf bis zehn Jahre später«, sagt Wolfgang Hoffmann, Epidemiologe an der Universität Greifswald. Die Überalterung der übrig gebliebenen Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern bilde eine ganz neue medizinische Herausforderung. Hoffmann rechnet die kommende Misere vor: 30 Prozent mehr Krebspatienten, also 30 Prozent mehr Schmerztherapien, ein Drittel mehr Schlaganfälle und Herzinfarkte, erheblich häufiger Osteoporose, Diabetesspätfolgen und Demenzen. »Die Patienten müssen oft zu Hause versorgt werden. Denn 70 Prozent der über 70-jährigen Frauen leben allein irgendwo auf dem Land, wo nur noch einmal am Tag ein Bus hinfährt«, sagt Hoffmann. »Weil sie dort nicht mehr wegkommen, brauchen sie Hausbesuche ohne Ende.« Gleichzeitig schätzt die Kassenärztliche Vereinigung, dass in den kommenden fünf Jahren allein in Mecklenburg-Vorpommern 340 Hausarztpraxen dichtmachen werden. »Bestenfalls können wir davon vielleicht 20 besetzen, die anderen sind dann weg«, sagt Hoffmann. Einzige Chance: den verbliebenen Hausärzten unter die Arme zu greifen.
Dies könnte zum Comeback der DDR-Gemeindeschwester führen. Während das Westfernsehen den paternalistischen Professor Brinkmann in der Schwarzwaldklinik als medizinischen Prototyp feierte, ratterte Schwester Agnes in der gleichnamigen DDR-Serie mit ihrem Dienstmoped übers Land und prägte das Bild der Ostmedizin. Vorbild waren die Gemeindeschwestern, die in dünn besiedelten Regionen die medizinische Versorgung aufrechterhielten. Es waren Krankenschwestern wie Heidrun Messing, die mit 21 Jahren ihr Dienstmoped Marke Schwalbe erhielt.
Messing betreute 900 Menschen in fünf Dörfern südlich von Rostock. Sie maß den Blutdruck, füllte den Medikamentenvorrat auf, stellte die Medikamentendosis ein, impfte gegen Grippe. Einmal am Tag traf sie sich mit einer Hausärztin und besprach die Fälle, einmal pro Woche hielt sie in der Gemeindeschwesterstation Sprechstunde. »Auch zu DDR-Zeiten waren Hausärzte auf dem Land selten«, sagt Messing. »Und kurz vor der Wende war der Engpass so groß, dass ich fast wie ein Hausarzt arbeiten musste.« Sie übernahm sogar die Bereitschaftsdienste der Ärzte.
Nach der Wende aber war das vorbei. Denn anders als in Schweden, Norwegen oder den Niederlanden war und ist in Westdeutschland sehr strikt geregelt, was ärztliche und was nichtärztliche Tätigkeit ist. Ärzte und Schwestern wachen streng darüber, dass diese Grenze nicht überschritten wird. Die Gemeindeschwestern passten nicht in dieses Konzept und mussten ihren Job aufgeben. Heidrun Messing wechselte in einen ambulanten Pflegedienst.
»Man kann schneller einhundert Schwestern ausbilden als einhundert Ärzte«, sagt Wolfgang Hoffmann von der Universität Greifswald. Im Rahmen eines Forschungsprojekts namens Agnes hat er die Möglichkeiten für eine moderne Form der Gemeindeschwester ausgelotet. Eine Schwester fuhr dabei übers Land und betreute acht Monate lang 50 Patienten. Im Gepäck: ein funkvernetzter PC, über den sie jederzeit die Daten der Patienten an den Hausarzt senden konnte. Das Pilotprojekt stößt vor allem in den neuen Bundesländern auf Interesse. In diesen Wochen zieht Hoffmann von einem Gesundheitsministerium zum nächsten: Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg. In Brandenburg soll noch im kommenden Monat ein größeres Projekt ins Leben gerufen werden mit drei Schwestern, die bei einem MVZ angesiedelt sind.
Zwar sind viele rechtliche Probleme und Finanzierungsfragen ungelöst, aber das ist nicht das größte Problem. Wer auch immer sich anschickt, die etablierten Grenzen zwischen den medizinischen Berufsgruppen zu durchbrechen, stößt in Deutschland auf Widerstände. Sogleich wittern die Hausärzte Konkurrenz, genau wie die Pflegedienste. Dabei sollen die Gemeindeschwestern nur die übrig gebliebenen Ärzte entlasten, und die ambulanten Dienste können sich weiterhin die echten Pflegefälle kümmern.
Es ist das Revierverhalten von Kampfhähnen. Dieses männliche Dominanzverhalten aber könnte nun durchbrochen werden: durch die Feminisierung der Medizin. 1975 studierten noch doppelt so viele Männer wie Frauen Medizin, inzwischen sind es weitaus mehr Frauen als Männer. In Jena liegt der Anteil an weiblichen Studierenden der Medizin bereits bei 83 Prozent. »Und die Frauen«, sagte ein männlicher Studentenvertreter auf dem Deutschen Ärztetag, »haben andere Lebensentwürfe.« Nicht mehr arbeiten bis zum Umfallen, sondern mehr Zeit für die Familie.
Doch auch die männlichen jungen Ärzte sehen die Arbeit kaum noch als einzigen Lebensinhalt, wie der Streik beweist. »Es ist ein Abschied vom Bild des Doktors, der immer im Dienst ist, der keinen Beruf hat, sondern eine gesellschaftliche Rolle«, sagt der deutsche Volkskundler Eberhard Wolff, der am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich arbeitet. »Mit dem Streik erkennen die Ärzte an, dass sie im selben System arbeiten und leben wie die Müllabfuhr.« Auch die Grenze zwischen Arzt und Nichtarzt löst sich auf. Die privaten Helios-Kliniken etwa lassen Narkosen heute von speziell qualifizierten medizinischen Assistenten für Anästhesiologie überwachen – natürlich unter erheblichem Protest der Ärzteschaft.
Die ersehnte Entlastung bringt das vor allem für flexible Ärzte. Marc Oliver Grad, angestellter Kardiologe im Berliner Polikum, genießt die neuen Möglichkeiten. Einen Tag pro Woche steht er im Herzkatheterlabor des Unfallkrankenhauses Marzahn und absolviert dort auch Bereitschaftsdienste, den Rest der Woche verbringt er im Polikum. »Das hält mich fachlich frisch«, sagt Grad, »und außerdem will ich den Duft der Action im Krankenhaus langsam runterdosieren, damit ich nicht in den Entzug komme.«
Die Patienten werden entspanntere Mediziner treffen, aber vielleicht seltener den väterlichen Typus Professor Brinkmann. Das hat seinen Preis. »Je mehr wir uns verhalten wie andere Arbeitnehmer auch, desto mehr entmystifizieren wir unseren Beruf«, sagt Streikführer Frank Ulrich Montgomery vom Marburger Bund. »Das tut dem Patient-Arzt-Verhältnis nicht gut. Es schadet dem Vertrauen.« Was er nicht sagt: Das Vertrauen in übermüdete Ärzte und niedergelassene Doktoren, die nur noch drei Minuten für jeden Patienten Zeit haben, hat ohnehin stark nachgelassen.
Noch in anderer Hinsicht könnten die neuen Strukturen einiges ändern: Angestellte Ärzte lassen sich besser dirigieren als 130.000 praktizierende Einzelunternehmer. »Die Krankenkassen schauen, wer Leistungen vorhalten kann«, argumentiert der Arztrechtler Reinhold Altendorfer. »Für sie sind die MVZ interessant, die am Samstag geöffnet haben und auch in den Sommerferien oder zu Weihnachten. Der Einzelkämpfer ist dann meist nicht da, und die Patienten müssen zu einem anderen Arzt gehen. Das kostet.« Wenn aber die Krankenkassen direkt mit den Leistungsanbietern verhandeln, erübrigen sich die kassenärztlichen Vereinigungen als Mittler. Das führt dazu, dass die Kassen sehr viel direkter Druck auf die Ärzte ausüben können – und, über sie, auch die Politik.
Sind die festgezurrten Strukturen erst einmal geknackt, sind die Regulierungsmöglichkeiten vielfältig. Staatliche Gesundheitssysteme wie in Großbritannien, Schweden oder Norwegen zeigen: Überall dort, wo der politische Zugriff auf das Gesundheitswesen sehr groß ist, liegen die öffentlichen Ausgaben für die Gesundheit niedriger. Es gibt wesentlich weniger Ärzte, dafür sind allerdings die Wartezeiten für die Patienten lang. Gefährlich für die Menschen muss das nicht sein. »Auch nach jahrzehntelanger Beobachtung«, sagt Bernard Braun vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, »hat noch niemand beweisen können, dass die Wartelisten die Therapieergebnisse negativ beeinflussen.«
Weitere Informationen unter
www.zeit.de/arbeit
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- Datum 08.06.2006 - 11:08 Uhr
- Quelle DIE ZEIT 08.06.2006 Nr. 24
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1) Jede Medizin ist Reparaturmedizin, was nicht heisst dass man sich nicht auch nett mit dem Patienten unterhalten kann. Entweder der Arzt kann eine Krankheit diagnostizieren und kennt eine passende Behandlung. Oder er muss dem Patienten klar sagen, dass er nicht weiss was ihn fehlt oder wie man das Leiden beseitigen kann.
Der Arzt ist kein Märchenerzähler, zu dem man gehen kann, wenn man sonst niemanden zum Reden hat. Falls jemand absolut nicht in der Lage ist einen anderen Gesprächspartner als seinen Hausarzt zu finden, sollte man diese Person vielleicht besser zu einem Psychiater schicken.
Die Idee der innigen über Jahre aufgebaute Freundschaftsbeziehung zum Arzt ist Müll. Um Vertrauen zu meinem Arzt zu haben, muss ich ihn nicht jahrelang kennen, sondern nur den Eindruck haben, er weiss schon was er tut. Wenn nach einem Autounfall der ADAC Hubschrauber neben ihnen landet, sagen sie ja auch nicht: "Tut mir leid, ich möchte auf meinen Hausarzt warten."
2) Dieses 'merkwürdige Vertragsdreieck' ist kein Dreieck sondern eine Kette. Zwischen Arzt und Patient besteht überhaupt keine vertragliche Beziehung. Der Patient hat keine Möglichkeit selbst einzuschätzen, welche Behandlung überteuert ist und welche nicht, das kann nur die Kasse. Der Patient sucht sich eine Kasse aus, weil ihm das Logo gefällt oder weil sie ihm Bekannte empfohlen haben. Erst die Kasse beauftragt den Arzt. Sie ist also der Kunde des Arztes und damit sein König und der Patient ist der König der Kasse.
Wenn sie ein Auto kaufen, suchen sie sich die Bremsscheiben ja auch nicht selber aus. Sie kaufen einen VW oder einen BMW und erwarten, dass er bremst. Vielleicht haben beide die gleichen Bremsscheiben von Bosch. Aber wenn der Wagen nicht bremst, rennen sie doch nicht zu Bosch, sondern zu VW und bechweren sich. Das machen drei Kunden, dann steht VW aber bei Bosch auf der Matte und sagt: "Leute so geht das aber nicht. Entweder die Bremsscheiben sind ab jetz in Ordnung oder ich such mir einen anderen Zulieferer." Und - oh Wunder - es funktioniert. Wenn die Qualität der Teile nicht genügt oder das Gesamtpaket am Markt zu teuer ist, wird sofort umstrukturiert, bis der Kunde Autofahrer wieder glücklich ist.
Genauso kann es auch mit Kassen und Ärzten funktionieren, wenn der Patient die Kasse und die Kasse den Arzt frei wählen kann. Weil dies nicht der Fall ist, bleiben alle Qualitätsmängel und Kostenlöcher im Gesundheitssystem auf ewig erhalten.
Darauf angesprochen, kommt von den Ärzten immer die Ausrede: "Gute Medizin ist nun mal teuer." Schwachsinn - würden es unsere Gesetze erlauben, Gesundheitssysteme wie Autos zu importieren, ihre Patienten würden sie kalt stehen lassen und ab sofort mit der Volvo-Krankenkasse fahren. Schneller - Besser - Billiger. Deutsche Krankenkassen sind wie deutsche Laptops: Langsamer - Schlechter - Teurer als die Konkurrenz.
Und wenn die Kassen mit ihren Zulieferern den Ärzten reden, dass sich in der Produktion was ändern muss, kommen nur dumme Sprüche zurück und Forderungen nach Gehaltserhöhung. Schliesslich ist der Arzt eine Fachkraft, die lange studiert hat, um so mieserable Leistungen abliefern zu können. Solange der deutsche Arzt die Kasse nicht als seinen Kunden versteht, den es sowohl bei Preis als auch Qualität glücklich zu machen gilt, wird aus dem deutschen Gesundheitssystem nichts werden.
3) Auch zu meinem Automechaniker habe ich ein Wissens- und Erfahrungsgefälle. Das heisst aber nicht, dass er nicht bei einer Werkstatt angestellt sein kann und dass er sich die teuren elektronischen Geräte nicht mit anderen Mechanikern teilen kann.
Ich muss mich ständig darauf verlassen, dass andere Leute ihren Job, von dem ich nichts verstehe, richtig machen. Ärzte sind absolut nichts besonderes und ganz sicher keine Halbgötter. Wenn der Lebensmitteltechniker meine Salatsoße falsch mixt, kann ich daran genauso sterben. Ich kann ihm nicht mal in die Augen schauen, bevor ich die Salatsoße verzehre und muss mich komplett darauf verlassen, dass die Firma, die ihn beschäftig hinreichende Sicherheitskontrollen fährt.
4) Die intimen Zweierbeziehung mit ihren Patienten sollten sie wirklich bleiben lassen. Das ist ja wiederlich. Wenn sie unbedinkt mit ihren Patienten intim werden wollen, können sie das genauso gut in einer Poliklinik tun, in der noch andere Praxen ansässig sind. Es sei denn, sie wollten es ausgerechnet im gemeinschaftlich genutzten Röntgenzimmer treiben, dann könnten sie natürlich beim Akt gestört werden. Woher ihre Überzeugung kommt, dass angestellte Ärzte mit ihren Patienten nicht intim werden können, bleibt vorerst ihr Geheinmnis.
5) Dasselbe wie Nummer 4. Warum soll ich mich als kritischer Patient in einer Einzelpraxis wohler fühlen, als in einem Klinikum? Weil die ungenutzten Geräte Privatbesitz des Arztes sind?
Rapp Schrieb:
>>> Selbst wenn sich der Großteil (der Niedergelassenen) entschlösse, als Angestellte in MVZs zu gehen, wären und blieben sie ruiniert. Diesen Systemwechsel kann man wollen. Man muß ihn aber finanzieren, indem man die Wechsler komplett entschuldet. Das wäre teuer, aber die Alternative müßte Enteignung genannt werden.
Das ist natürlich kompletter Unsinn. Wenn die MVZs tatsächlich so effizient sind, dass die Niedergelassenen an deren Konkurrenz eingingen, dann wäre das keine Enteignung sondern Marktwirtschaft.
Enteignung wäre es, wenn der Patient die überflüssigen Geräte, die sich die Einzelärzte angeschafft haben auch noch bezahlen müsste. Diese fixe Idee der Ärzte der Patient müsste ihr unternehmerisches Risiko übernehmen, ist schlimmster Sozialismus. Genauso wie die Tatsache, dass heute wieder MVZs eingeführt werden müssen, weil man zur Wendezeit die augenscheinlich viel effizienteren Polikliniken verboten hat.
Diese Denkweise unliebsame Konkurrenz verbieten zu wollen oder sich den eigenen Wettbewerbsnachteil entschädigen zu lassen, kennen wir schon von den Zünften des Mittelalters. Damals wollten einige Schneider sogar die Mode für die nächsten Jahre festlegen lassen, damit sie nicht länger auf den falschen Stoffen sitzen blieben. Tolle Idee.
Die Sache mit den Schutzzöllen einzelner Städte und Länder hatte sich erst erledigt, als die wirtschaftliche Dominanz des auf Fortschritt anstatt auf Besitzstandswahrung bedachten Preussens überdeutlich wurde. Die deutschen Kleinstaaten waren in allen Bereichen so wettbewerbsunfähig geworden, dass sie der deutschen Zollunion zähneknirschend zustimmen mussten. Und siehe da anstatt ohne Zölle zu grunde zu gehen, brach eine Gründerzeit mit nie gekanntem Wirtschaftswachstum aus. Komisch nicht war?
Heute treibt das Zollwesen auf der Ebene der europäischen Nationalstaaten wieder prächtige Blüten. Vergleicht man Deutschland nur mit anderen europäischen Staaten die unter derselben Krankheit leiden, wird der Unterschied kaum deutlich. Vergleicht man es hingegen mit den USA, sieht man wie sehr wir dadurch zurückgefallen sind. Obwohl Pharma und Medizintechnik immer eine der Stärken der deutschen Wirtschaft war. Obwohl deutsch einst Sprache der Medizin war, liegt Deutschland in allen Bereichen nur noch unter ferner liefen. Wir haben die Wahl uns jetzt zu reformieren und den Zunftunsinnn wegzusprengen oder aber auf den Schuldentod zu warten. Egal welchen Weg wir wählen, es dauert nicht mehr lang. Es dauert nicht mehr lang.
Was der Verfasser nicht erwähnt:
Die meisten MVZ werden in den alten Bundesländern zur Zeit von etablierten niedergelassenen Kollegen gegründet, die Zulassungen aufkaufen und auf diesem Weg ganz legal einen oder mehrere Ärzte anstellen. Diese arbeiten für ein Angestelltengehalt, meist niedriger als im Krankenhaus, verfügen über keine eigene Zulassung (diese bleibt beim MVZ), und mehren durch ihre Tätigkeit hauptsächlich den Gewinn des MVZ-Betreibers. In der Tat finden sich in diesen Postitionen meist Frauen, sei es, weil sie das unternehmerische Risiko einer eigenen Praxis scheuen, sei es, weil sie auf diese Art und Weise tatsächlich Beruf und Familie besser vereinbaren zu können glauben. Ob dies auf Dauer der bessere Weg ist, wird sich zeigen. Ohne Frage: für ein garantiertes Jahresgehalt von 80.000 Euro würden die meisten gerne 40 Wochenstunden arbeiten und wären dabei auch noch nett zu den Patienten.
Wenn ein System (das alte, ich wuerde fast sagen, mittelalterliche, paternalistische System von Institutionen) durch ein komplett anderes ersetzt wird, das auf Leistung, Transparenz, Effizienz beruht. Kurzum, ein Modell, das sich eher an oekonomischen Gesichtspunkten orientiert. Wie dieser Artikel dankenswert zeigt, muss das keinen Nachteil fuer die Patienten bedeuten. Im Gegenzug sollte man vielleicht dennoch anfuehren, dass das ALLEINIGE Zugrundelegen oekonomischer Gesichtspunkte zu ganz ekligen Erscheinungen fuehren kann, also aufpassen. Aber dem Herrn Motgomery habe ich als angehender Psychiater tatsaechlich Lust mitzuteilen, dass seine Aussage, die Entmystifierung des Arztberufes wuerde einen unwiederbringlichen Verlust an Autoritaet fuer den Arztberuf bedeuten, zwei Dinge ausdrueckt:
Erstens ein grundlegendes Misverstaendnis von Autoritaet. Wahre Autoritaet fusst einzig und allein auf dem guten Beispiel und Kompetenz, die nicht nur das Fachwissen umfasst. Was Herr Montgomery aber meint, ist Autoritarismus, das Ausueben von MACHT durch eine asymmetrische Beziehung. In Wahrheit hat Herr Montgomery also keine Angst vor Autoritaets-, sondern Machtverlust. Was mich zum zweiten Punkt fuehrt. Im psychoanalytischen Kontext bezeichnet man das als klassisches Beispiel von Kastrationsangst.
Aufpassen, Herr Montgomery! Aerztevertreter wie Sie sind mitverantwortlich dafuer, dass in allen oeffentlich gefuehrten Diskussionen um die Konditionen und Begleiterscheinungen des Arztberufes immer ein gewisses Mass an Schadenfreude und Unverstaendnis fuer die Forderungen gerade der jungen Aerzte mitschwingt. Ich sage: Her mit der Transparenz! Her mit dem Taschenrechner! Weg mit der Mystifizierung, die direkt zur Macht und damit auch zum Machtmissbrauch fuehrt. Der bereits so viele Patienten, die von Ihrer Generation behandelt wurden, so sauer aufgestossen ist. Sowie den zahllosen jungen Aerzten, die unter der feudalistischen Ausbildungsmanier der von Ihnen vertretenen Nachkriegsgeneration zu leiden hatte und hat. Der sich jetzt aus seiner Not heraus wiederwillig vor Ihren Karren spannen laesst. Weil wir jungen Aerzte genau das wollen, was im Artikel durscheint: Gerechte Artbeitsbedingungen. Und eine gerechte Patientenversorgung. IHRE Pfruende sind uns egal. Vergessen Sie bloss nicht, wen Sie hier vertreten, wer die Masse des Protestes traegt! Nehmen Sie und ihre durch das alte System reich gewordenen Konsorten ihr Geld und machen Sie Platz fuer etwas Neues, davon haben und wollen wir nichts. Gehen Sie bitte bald in Rente, damit wir endlich nicht mehr das Gefuehl haben muessen, uns und unser Berufsverstaendnis wegen Leuten wie Ihnen vor der Allgemeinbevoelkerung staendig rechtfertigen zu muessen. Damit endlich etwas mehr Nuechternheit in die Diskussion um unseren Berufsstand einziehen kann. Wie soll denn bitte dieser Berruf sonst auch wieder attraktiv fuer angehende Akademiker werden? Oder sich das Rinnsal an fertig ausgebildeten Aerzten, das zum stetigen Strom angeschwollen ist, die ins Ausland abwandern, wieder verkleinern. Ich gehoere selbst dazu, und ich habe nicht vor, wiederzukommen. Aber vielleicht gibt es Andere, die bei vergleichbar attraktiven Arbeitbedingungen den Schritt machen wuerden. Aber auch nur dann. Mit freundlich Gruessen.
wenn die heute Niedergelassenen sich weigern würden, sich geschlossen enteignen zu lassen. Dann wäre die Flächendeckung weg, Kliniken und Kassen dürften damit beginnen, sich ihre Vertragspartner selbst zu backen. Wollen Sie das ?
Ich nicht. Meine Patienten auch nicht.
PR
Nicht wenig erstaunt verfolge ich nun die Diskussion schon seit einigen Monaten. Um es ein wenig verständlich für das vulgäre Volk zu machen, möchte ich allen eine kleine Geschichte widmen.
Dr. med. univ. Friedrich ein junger Arzt mit 30 Lenzen beschlagen mit all den humanistischen Eigenschaften, welche eines idealen Arztes Grundstein gelten, er sein eigen nennen konnte, machte sich seiner Berufung dem Menschen zu helfen auf den Weg.
Diese Eigenschaften, die tief in seiner Brust verankert waren, begleiteten ihn Zeit seines Lebens, hielten vehement ausgefochtenen Diskussionen stand, waren manchmal kurz davor verworfen zu werden, um dann noch stärker in Fleisch und Blut überzugehen. Der Friedrich entwickelte sich zu einem vorbildlichen Arzt.
Der vorbildliche Arzt ist daran zu erkennen, dass er sein Individuum als Mittel, welches ihm von überirdischer Stelle mitgegeben war, einzig dem Heil der Menschen einzusetzen bereit war.
Dies brachte es mit sich, dass Friedrich eine Aura zu eigen wurde, die menschliches nur mehr wenig besaß, sogleich etwas Wunderbarem, nicht göttlichem, Platz machte, um heilend dem Menschen zu dienen.
Er war sich seiner Ideale bewusst, und er ahnte nicht, dass diese Fähigkeiten ihn zu brechen, Mittel seiner Feinde werden würden.
Friedrich sah die Patienten, gab ihnen Hoffnung, konnte ihnen in ausweglosen Zeiten als Begleiter ein Lächeln abringen, erklärte vieles, manchen reichte er die Hand, überraschte diese damit, andere mahnte er zum Zwecke des Lebens ab.
Täglich gab er ein wertvolles Gut den Menschen, die in der verzweifelten Zeit der Krankheit nach Verständnis, Erklärung und Hoffnung suchten.
Es wurde bald bekannt. Friedrich brachte den Menschen durch seine Berufung, jenes Mittel, welches in der Kiste der Pandora ganz zu unterst versteckt war. Er gab den Menschen Hoffnung.
Dabei schien es gleich, ob nun er der schweren Leiden die Patienten befreite, oder nur eine Geste für so manchen Unglücklichen er stets zu deren Wohlbefinden als Mittel einsetzte.
Nun hatte sich in der Zeit neben der Entwicklung des Friedrich zu diesem besagten Arzt eine rasante Entwicklung in der Gesellschaft vollzogen. Die Zahl der Menschen nahm zu. Gleichheitsprinzipien wurden durchgesetzt, sodass ein Krebsgeschwür keinen Unterschied mehr machte ob der Herkunft der Menschen oder deren Platz in der Gesellschaft. Es gelang auf wundersame Art und Weise jeden Menschen, nicht als gleich, mehr in der Verschiedenheit jedes Einzelnen, als gleich behandelt durchzusetzen.
Diese Errungenschaft, ohne Zweifel eine Große, brachte aber grundlegende Systeme ins wanken. Die Historie verschiedener Gesellschaften mag dies ausdrücklich belegen.
Unter Zugzwang ob der Veränderungen, wurde auch am Bild des Arztes porträtiert. Dabei nahm ein jeder den Pinsel in die Hand, der dazu bemächtigt war, aber eben nicht befähigt. So wurde begonnen den Friedrich Pinselzug um Pinselzug der heutigen Gesellschaftsstruktur anzupassen. Er sollte schnittiger, berechnender, wirtschaftlicher, dynamischer, angepasster, wissenschaftlicher, objektiver und noch mehr werden. Es nahmen bis eben heute viele den Pinsel in die Hand. Sie strichen und pinselten.
Friedrich jedoch war all dies keine allzu große Hürde. Es machte ihm nichts aus, einmal mit blassem ein anderes Mal mit buntem Umhang zu erscheinen. Denn was die Pinselstriche nicht vermochten, war es ihn in seinem Herzen zu übermalen.
Diese Tatsache lag nicht lange im Geheimen. Um international mithalten zu können, musste der Weg mitten in das Herz des Friedrich planiert werden.
Dies gelang wie folgend beschrieben:
Friedrich durfte nicht mehr jeden Menschen behandeln. Auch ein Mensch, der des Rates wegen zum Friedrich kam, musste abgewiesen werden. Er durfte nicht mehr Arbeiten als acht Stunden am Tag, genauso wie sein Kollege von der Post. Er musste seine Behandlungsmethoden anpassen. Dabei galt es dreiviertel der Zeit der Dokumentation und Bürokratie zu widmen, und ein Viertel mit aller Inbrunst und Aufopferung dem Patienten. Ihm wurde zusätzliche Arbeit abgenommen. Allzu lange Gespräche mit Patienten und Angehörigen sind auf Grund der zeitlichen Beschränkung eindeutig nicht erwünscht. Von den Obrigkeiten ist eine eindeutige Abkapselung der pflegerisch Arbeitenden Kollegen zu den Ärzten erwünscht.
Bei der Visite ging Friedrich nun alleine durch die Zimmer. Mitten in der Visite wurde er in den Op gerufen, schnipselte dort schnell ein Darmkrebs weg, um dann kurz auf dem Weg nach oben seinem Kollegen in der Notfallambulanz zur Hand zu gehen. Eine Patientin, die sich einen Kratzer beim Reinigen des Haushaltes zugezogen hatte, musste behandelt werden. Dann ging er daran nach der gleichen Behandlugnszeit bzw. Dokumentationszeit wie für die Darmoperation, mit vollem Elan die Visite fortzuführen.
In Zimmer 4 war da diese alte Dame, allein ohne Angehörige schon im fortgeschrittenen Alter, aber noch voller Zuversicht und Lebensfreude. Da musste er sich heute ein paar Minuten nehmen. Als die Visite noch nicht ganz zu Ende war, wartete vor dem Zimmer eine Angehörige, ihr kleiner Sohn wurde am Blinddarm operiert und war immer noch nicht auf der Station. War was schreckliches passiert? Nein, in seiner allzu menschlichen Art konnte Friedrich die Mutter beruhigen und ihr die grausamen Stunden der Ungewissheit nehmen. Auf irgendeine Art und Weise saß dem Friedrich immer der Teufel im Nacken, er durfte nicht zu viel sagen, seiner Unkenntnis, was gerade an einem anderen Ort als dem seinigen passierte, wegen, aber musste sehr viel beruhigen. Diese Kunst besaß Friedrich.
Eines Tages als Friedrich erwachte, er hatte mit seinem Freund aus Kindertagen in der Kneippe ein paar Bier getrunken und auf alte Zeiten angestoßen, musste er erkennen, dass sich was verändert hatte.
Er war jetzt nicht mehr ein Arzt.
Er wurde ein erfolgreicher Beamter, ein strebsamer Arbeiter, eine Maschine, welche das System ergänzte.
Die Behandlungszahlen stiegen, die Kosten gingen runter und der Friedrich wurde befördert. Bei seinem letzten Dienst als Assistenzarzt, hatte sich Friedrich ein Flasche Sekt mitgebracht um nach seinem letzten Dienst ein Schluck auf seine Errungenschaften zu trinken. Es würde hoffentlich ein ruhiger werden. Irgendwie lief dieser Dienst auch routinemäßig ab.
Viele Patienten, die kamen musste er wegschicken, weil er die nicht behandeln durfte.
Die Mutter musste die Zeit bis nach der Operation abwarten, weil er ihr keine Auskunft geben durfte.
Und vielleicht blieb im Darm noch ein kleiner Rest des Krebses zurück, was aber nicht schlimm war, weil in einer zweiten Operation alles noch besser gemacht und die Zahlen gesteigert werden konnten.
Die wenigen Brüche wurden eingegipst und nach Hause geschickt, die konnten morgen wieder kommen, da war der frische Kollege für sie dann zuständig, um sie für die Operation vorzubereiten. Dem jungen Mädchen, die sich die Pulsadern aufschneiden wollte, hatte er die Narben schön verbunden und sie dann nach Hause zu ihrem Freund geschickt. Es war nicht so klar zu eruieren, wegen der knappen Zeit, ob sie das nun wirklich machen wollen würde.
Der überfüllte Warteraum zeigte nur, dass hier ein ausgezeichneter Arzt Dienst hatte. Er tat sich die Ruhe an, denn die Dokumentation war sehr wichtig. Alles in allem ging dieser Dienst auch routinemäßig vorbei.
Friedrich war auf dem besten Weg ein ausgezeichneter Facharzt zu werden. Er erfüllte all das, was man von ihm erwartete: Wirtschaftlichkeit.
Und Friedrich hatte doch einen Eid geschworen, dieser brachte die Menschlichkeit als Grundvoraussetzung mit.
So hatten die Künstler den Friedrich für ihr Bedürfnisse einem grandiosen Kunstwerk gleich zurecht geschaffen.
Diese kleine Episode soll all jenen Künstlern gewidmet sein, die dieses Meisterwerk vollbracht haben.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Beurteilung eines Kunstwerkes im Auge des Betrachters liegt, und nicht in den Händen des Künstlers.
Wer es wagt aus der Kunst des ärztlichen Handelns, ein Kunstwerk zu errichten, der muss sich der Folgen einer Umwandlung der ärztlichen Berufung in einen Beruf und dem damit verbundenen Verlust jeglichen Raumes für die Kunst des ärztlichen Handelns, in seiner Erwartungshaltung Verantwortung tragen.
„Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.“
Hippokrates griechischer Arzt (um 460 - um 370 v. Chr.)
© bastarx
Rapp schrieb:
>>>"Markt" wäre allerdings auch, wenn die heute Niedergelassenen sich weigern würden, sich geschlossen enteignen zu lassen. Dann wäre die Flächendeckung weg, Kliniken und Kassen dürften damit beginnen, sich ihre Vertragspartner selbst zu backen. Wollen Sie das? Ich nicht. Meine Patienten auch nicht.
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Ob ich das will? Mal kurz überlegen. Will ich mich von Ärzteverbänden bevormunden lassen, anstatt nach meinen Bedürfnissen als Patient zu handeln? Will ich mich von den Kassen zwangsausnehmen lassen, anstatt selber zu entscheiden, ob und wie ich mich versichern will? Will ich mir jedesmal beim Hausarzt eine Überweisung holen müssen, nur um irgendeiner Regelungswut genüge zu tun, obwohl mir mein Tinitus ohnehin schon sagt, dass ich zum HNO Arzt muss. Möchte ich lieber, dass meine Fachärzte über die ganze Stadt verstreut sind, anstatt gebündelt in einer Poliklinik pro Bezirk? Nein das will ich nicht! Ich bin kein Arzt. Ich bin Patient - Aber ich bin nicht blöd.
Ich will mir meine Kasse frei wählen können! Ich will das meine Kasse frei Entscheiden kann, ob sie die Dienstleistung, die sie mir verkauft hat, durch Einzelärzte oder Polikliniken erbringen will! Ich will das der Arzt, sei er Angestellter einer Klinik oder selbstständig praktizierend, seine Leistung seinen Kunden den Kassen verkaufen muss, ohne dass diese gezwungen wären ihn zu beschäftigen! Ich will das bei diesen Verkaufsverhandlungen allein Angebot und Nachfrage regieren und nicht die Zunft der Ärztegewerkschaften!
Dann braucht es keine Enteignung der Ärzte. Sie sind entweder ebenso produktiv wie die MVZs oder sie machen mit ihrer ungenutzten und unnützen Technik einfach Pleite. Ein halbes Jahr echte Marktwirtschaft und es gibt in allen Städten nur noch MVZs. Die Einzelärzte verschwinden völlig oder ziehen sich aufs Land oder in Nieschen zurück, wie die Schönheits-OPs, da gehören sie auch hin.
Das gleiche gilt für diesen Wahnsinn mit den 100.000den überflüssigen Apotheken. Jede einzelne ein eigenes Unternehmen, das nur betreiben darf wer Mitglied der Apothekerzunft ist. Und da gibt es noch Leute, die sich allen ernstes fragen, warum die Medikamente so teuer sind. Es braucht nicht mehr Apotheken als Telefonanbieter. 5 oder 6 Filialnetze reichen völlig für ganz Deutschland. Eigentlich braucht man nur zwei, eine in der untersten Etage jeder Poliklinik und eine Versandapotheke. Allein die explodierende Zahl überflüssiger Apotheken zeigt, dass es in der deutschen Medizin keine Marktwirtschaft gibt.
--- Eine kleine Anekdote:
Es gab einmal ein Forschungsprojekt "Die digitale Patientenakte". Sie hätte den Patienten sein Leben lang begleitet. Jeder neue Arzt, den der Patient besucht hätte, hätte sich über alle Vorerkrankungen und alle Medikamente, die der Patient einnimmt, informieren können. Ein ungeheurer Behandlungsfortschritt, der von den Ärztevertretern grade noch verhindert werden konnte. Es wäre ja auch zu schlimm gewesen, wenn der Patient seinen früheren Ärzten ihre Fehlbehandlung auch juristisch nachweisen könnte. Ausserdem hätten die Kassen auf die Idee kommen können, Ärzte, die durch häufige, unnötige und überteuerte Behandlungen auffällig geworden sind, einfach nicht mehr zu beschäftigen. Gottseidank konnten die Ärzteverbände durch simple Weigerung die Einführung einer digitalen Patientenakte noch verhindern. Ein Fehler der seither ungezählten Menschen das Leben gekostet haben dürfte. Die Macht dazu hatten die Ärzte, weil das Gesetz Patienten und Kassen an die Ärzteschaft fesselt. Der Kunde wird dem Verkäufer quasi per Gesetz zum Ausweiden dargeboten. Das Interesse des Patienten zählt nichts.
Transparenz und Wahlfreiheit ist der Tod des Arztes nach BRD-Modell, weil sich die Medizin dann vielleicht tatsächlich an dem Interesse des Patienten ausrichten könnte. Welch schauderhafte Aussichten, das wäre wirklich ein völlig anderes Land. Ihnen und ihren Patienten wollen wir die krasse Umstellung ersparen. Möge alles so bleiben wie es ist.
gibts nach erfolgter Therapie. Auf Wartelisten erfolgt keine Therapie und gibts keine Therapieergebnisse. Sondern auf Wartelisten erledigen sich teure Problemfälle per Grabschaufel, b e v o r sie die Statistiken versauen.
PR
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