Demografie Aussterben abgesagt
Deutschland hat die Demografie entdeckt – und mit ihr die demografische Katastrophe. Viele Forscher sehen gar keinen Grund zur Aufregung

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Deutschland ohne Kinder?
Eine Serie in vier Folgen. Alle Analysen, Videoreportagen und -interviews sowie zahlreiche Infografiken finden Sie hier.
Wohl dem, der nicht kinderlos ist. Denn wer es ist, muss derzeit als Sündenbock für alles Erdenkliche herhalten. Für den Kollaps des Rentensystems, den ökonomischen Niedergang, die Erosion der Werte, den Verlust von Liebe, Solidarität und Familie und überhaupt für das Aussterben der Deutschen. Und eine wissenschaftliche Autorität wird für das alles angerufen: die Demografie.
Doch die meisten Vertreter dieser Disziplin schütteln über die aktuelle Aufgeregtheit nur den Kopf. Sie wissen, dass die Geburtenrate, die Zahl der geborenen Kinder pro Frau, in Westdeutschland schon seit 30 Jahren etwa bei 1,4 liegt, und damit unterhalb des Wertes von 2,1, der zur Bestandserhaltung der Elterngeneration nötig wäre. Neu ist das nicht. Und auch nicht die Ursache der gesellschaftlichen Probleme hierzulande. Zumindest gibt die ins Feld geführte Wissenschaft keinen Anlass zum aktuellen Alarmismus.
Nehmen wir nur die Behauptung, der Kindermangel führe dazu, dass die Renten nicht mehr stiegen, weil nicht mehr genügend Beitragszahler geboren würden. Unsinn, sagt Axel Börsch-Supan, Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts für Ökonomie und demographischen Wandel. Der Grund für die momentane Stagnation sei allein die schlechte Konjunktur – sie ist belastender als alles andere. Das Rentensystem könne mit einer geringeren Bevölkerungszahl durchaus zurechtkommen, das eigentliche Problem sei das vorübergehende Ungleichgewicht zwischen unterschiedlich starken Geburtenjahrgängen – doch das geht vorüber.
Die Probleme der Gesellschaft werden fahrlässig »demografisiert«. Die Wirtschaft lahmt, der Sozialstaat ächzt, und wer ist angeblich schuld? Die Bürger, die keinen Nachwuchs liefern.
Was nicht heißen soll, dass die Demografie zur Erkenntnis der Probleme nichts beizutragen hätte. Sie kann beispielsweise vorrechnen, dass die massive Steigerung unserer Lebenserwartung eine Belastung des Rentensystems bedeutet. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts werden die Deutschen jedes Jahrzehnt um etwa zweieinhalb Jahre älter, ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. Doch auch hier ist der Ruf nach mehr Kindern sinnlos. Kein Babyboom könnte so viele Geburten bescheren, dass er den Effekt der Alterung ausgleichen würde. Wollte man den prozentualen Anteil der über 64-Jährigen in der Bundesrepublik bis 2050 konstant niedrig halten, müsste die deutsche Bevölkerung bis dahin auf über 180 Millionen Menschen anschwellen. Pro Jahr würden 3,6 Millionen neue junge Mitbürger gebraucht. Wer sollte die alle gebären?
Wie wenig die »Überalterung« mit den Geburtentrends zu tun hat, zeigen auch Forschungsergebnisse des Wiener Instituts für Demografie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Dort rechneten die Wissenschaftler aus, wie sich der Altenquotient – also die Summe aller Alten ab einem bestimmten Jahrgang, geteilt durch die Summe aller Jüngeren – ändert, wenn man die Trenngrenze zwischen Alt und Jung regelmäßig der gestiegenen Lebenserwartung anpasst, sie also erhöht. Der klassische Quotient der über 64-Jährigen zeigt das geläufige Bild der »Vergreisung«: Sind die Alten im Jahr 2000 mit 26 Prozent noch in der Minderheit, so stellen sie im Jahr 2100 mit 80 Prozent den übergroßen Teil der Bevölkerung. Der Quotient mit Altersanpassung hingegen steigt zwar bis auf ein Maximum von knapp 40 Prozent im Jahr 2040, wenn die Babyboomer alt sind. Dann fällt er aber wieder zurück bis auf etwa 30 Prozent am Ende des Jahrhunderts. Und danach wird er weiter sinken. Wenn die Babyboomer sterben, erlebt Deutschland also eher eine ungebremste Verjüngung statt einer Vergreisung.
Übertragen auf die staatliche Altersvorsorge bedeutet das: Eine stetig angehobene Altersgrenze würde das Rentenproblem auf Dauer entschärfen. Politisch mag das momentan nicht sehr populär und wenig opportun sein – doch aus demografischer Sicht wäre es logisch, wenn die Menschen länger arbeiteten. Denn das »gesunde Lebensalter« steigt ebenso schnell wie das absolute: Ein 70-Jähriger ist körperlich und geistig heute so fit wie ein 60-Jähriger im Jahr 1965.
»Die Demografie ist kein Tsunami, der uns alle überrollt, und hinterher sind wir mausetot«, sagt der Mannheimer Ökonom Börsch-Supan. Dieser Eindruck sei vielleicht das Ergebnis der öffentlichen Debatte, aber auf jeden Fall nicht das seiner Modellrechnungen. Die zeigen beispielsweise, dass ein Großteil des heutigen Wirtschaftswachstums auch in 50 Jahren erhalten bleibt – und dass es dafür nur eine untergeordnete Rolle spielt, wie viele Kinder in den nächsten Jahrzehnten zur Welt kommen. Egal, ob die Geburtenrate bei 1,4 bleibt, auf 1,1 absinkt oder in Kürze bis auf 1,8 ansteigt, langfristig bringen alle Prognose-Szenarien das gleiche Wachstum: Das Bruttonationaleinkommen pro Einwohner steigt jährlich um etwa 1,5 Prozent. Die Prognosen sind nicht mehr so rosig wie in den goldenen Siebzigern und Achtzigern, aber auch nicht viel schlechter als der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre mit etwas über zwei Prozent. Wenn es gelänge, den Anteil von Frauen und älteren Arbeitnehmern an der Erwerbsarbeit zu erhöhen, würde der Verlust sogar noch geringer ausfallen.
Aus Sicht von Arbeitnehmern wäre ein Bevölkerungsrückgang sogar positiv. »Die qualifizierte Arbeitslosigkeit erledigt sich durch die Demografie von selbst«, meint der Mannheimer Forscher. Akademiker ohne Job dürfte es in 30 Jahren kaum noch geben. Der neueste Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung und ebenso das Schweizer Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos sagen eine Halbierung der Arbeitslosenzahlen bis 2030 voraus. Bei konstant bleibender Geburtenrate. Wohlstandsverfall durch Kinderlosigkeit? Die Forschung kann diese These nicht stützen.
Christoph Butterwegge, Politologe an der Universität Köln, erblickt in der gegenwärtigen Debatte eine »Biologisierung«, deren Motiv die »Erhaltung des deutschen Genmaterials« sei und nicht etwa die zahlenmäßige Größe der Bevölkerung in Deutschland. Die ließe sich auch durch mehr Einwanderung konstant halten. Die Vereinten Nationen rechnen vor, dass dazu bis 2050 etwa 330000 Menschen jährlich in die Bundesrepublik einwandern müssten – eine Zahl, die keineswegs jenseits des deutschen Erfahrungsrahmens liegt. Dennoch werde Zuwanderung als demografische Gestaltungsmöglichkeit kaum diskutiert, kritisiert Butterwegge. Im Gegenteil: In einem Atemzug würden in der Debatte die niedrigen Geburtenraten mit einer drohenden Überfremdung genannt.
Man mag es für übertrieben halten, wenn der Rechtsextremismusforscher Butterwegge im deutschen Demografiediskurs eine völkische Komponente sieht, die ihn »an die Weimarer Republik kurz vor 1933« erinnert. Aber stutzig macht es schon, wenn man feststellt, wo die semantischen Ursprünge der Auseinandersetzung liegen: Was heute in der Zeitung steht, ist in nicht unerheblichen Teilen das Vokabular Friedrich Burgdörfers. In der Weimarer Republik war er nicht nur einer der prominentesten Bevölkerungsforscher, sondern auch ein Verfechter von Eugenik und Rassenhygiene.
Heute fordert Herwig Birg, derzeit wohl der medial einflussreichste Bevölkerungsforscher Deutschlands, öffentlich ein »ökologisch nachhaltiges Handeln« für den »Menschen als natürliche Spezies«. Insbesondere der Geburtenrückgang in Ostdeutschland sei »schlimmer als der Dreißigjährige Krieg«. Die FAZ räumt Birg gleich eine ganze Serie ein, in der er als alleiniger Autor und ohne Gegenstimme seine Ansichten in einem zehnteiligen Grundkurs Demographie verbreiten darf. Damit ist das Blatt in unguter Gesellschaft: Im Internet findet sich kaum eine NPD-Seite, die nicht vor Äußerungen des Bielefelder Katastrophisten strotzt.
Wer der These vom rechtsnationalen Demografiediskurs nicht folgen mag, könnte es dennoch interessant finden, dass auch das heute oft bemühte Bild von der »Urne«, zu der sich die Bevölkerungspyramide entwickeln könnte, auf Friedrich Burgdörfer zurückgeht, der damit 1932 auf den drohenden Verlust der »physischen Kraft und Gesundheit des Volkskörpers« hinweisen wollte.
Mit der viel zitierten »Pyramide« werde »eine Vorstellung von einem natürlichen Soll-Bild generiert, das nie existiert hat«, sagt der Bevölkerungsgeograf Stephan Beetz. In der Geschichte gebe es schlichtweg keine Gesellschaft, deren Aufbau man als »natürlich« bezeichnen könne. Wenn heute die ehemals so »gesunde« Form der Bevölkerungspyramide nach dem Bild einer Tanne als erstrebenswertes Ideal dargestellt werde, so sei das schlichtweg Unsinn. Bis 1910, als die deutsche Pyramide noch eine Tanne war, hatte sie zwar eine starke Basis aus Kindern, und keine zehn Prozent der Bevölkerung waren älter als 64 Jahre.
»Aber wollen wir wirklich so eine Gesellschaft wiederhaben?«, fragt Beetz. Die Tanne blieb nur deshalb Tanne, weil 1910 jedes sechste Neugeborene bereits im ersten Jahr starb. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer deutschen Frau lag damals etwa bei 45 Jahren. Für Stephan Beetz ist die Tanne deshalb ein Symbol. Sie steht dafür, wie dumm es ist, den Wandel einer freien Gesellschaft entlang einer normativen Demografie zu diskutieren.
Was nicht heißen soll, dass Familienpolitik etwas Schlechtes ist. Doch erst wenn wirtschaftliche und soziale Herausforderungen wieder als solche diskutiert werden – und nicht als Problem der biologischen Reproduktionsrate –, kann die Familienpolitik das tun, was sie eigentlich soll: Menschen die Verwirklichung eines Kinderwunsches ermöglichen. Mehr nicht.
Nur das verspreche langfristig auch mehr Geburten, sagt James Vaupel, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock. Schweden ist in seinen Augen ein gutes Beispiel: Dort hat eine solide demografische Debatte schon vor 30 Jahren zu tiefgreifenden Veränderungen geführt. Zielvorstellung war dabei nicht eine bestimmte Geburtenrate, und es war nicht der schwedische Volkstod, der die Politiker zum Handeln trieb. Sondern die Vision, eine Gesellschaft aufzubauen, in der die Gleichberechtigung – auch der Geschlechter – das oberste Ziel ist. Bis heute bekommt in Schweden jede Frau durchschnittlich mehr als zwei Kinder.
Insbesondere die junge Generation dürfte sich in einer Debatte nach schwedischem Vorbild eher wiederfinden als im gegenwärtigen Panikdiskurs. Der schafft vor allem eins: Verunsicherung. Der Chefdemograf James Vaupel rät darum zu mehr Gelassenheit:
»There is too much angst in Germany – and not enough hope.«
Deutschland ohne Kinder?
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- Datum 09.06.2008 - 14:12 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.06.2006
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Da ist es wieder, das "unwerte" Leben. Heute heisst es "Unterschicht", "Hartz-IV-Empfänger", "Arbeitsloser" etc. Es macht mich schon traurig wie leicht es hier einigen Personen fällt einen ungeheuren Zynismus und Menschenverachtung als Realitätsnähe wahrzunehmen.
Brecht sagte nicht nur zutreffend "Erst das Fressen, dann die Moral", er sagte auch: "Stell' Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin. Dann kommt der Krieg zu Dir."
Wenn diese Gesellschaft immer größere Teile ihrerselbst jeglicher Perspektive beraubt, dann steuert sie unvermeidlich ins Desaster.
Es ist interessant festzustellen, das die "Flüchtigkeit" des Kapitals von vielen als naturgegebene, "physikalische" Eigenschaft erkannt wird. Kapital ist ebenso wie Zahlen ein künstliches Gebilde aus dem Bewusstsein des Menschen. Erfunden und abstrahiert aus Nützlichkeitsdenken, aus dem Wunsch ein universelles Tauschmittel für die Teilnehmer eines Marktes zu haben. Die Spielregeln, nach denen es funktioniert unterliegen IMMER den gesellschaftlichen Kräften. Denn es ist KEINE Naturkraft vergleichbar einem Erdbeben oder Meteoriten. In einer globalisierten und sich weiter globalisierenden Wirtschaftswelt ist es notwendig globale Regeln und Gesetze für das Kapital einzuführen, dies wurde von der Politik auch erkannt, aber es ist schier unendlich schwer diese durchzusetzen. Es geht hier gar nicht nur um Arbeitsplätze. Die Polizeibehörden zahlreicher osteuropäischer Staaten z.B. stehen immer wieder vor einer Schweiz, die sich in Kapitalangelegenheiten jeglicher Zusammenarbeit verweigert. Obwohl diese Behörden Geldflüsse verfolgen, die über den Menschenhandel (Zwangsprostitution) "erwirtschaftet" wurden. Es ist eine Abscheulichkeit, dass schwarze Löcher in der globalen Finanzwelt (wie die Schweiz, Kayman Islands, Monaco usw.) es Mafia-Banden so leicht machen ihre mit unmenschlichster Ausbeutung erworbenen Gewinne in Sicherheit zu bringen. Auch dies ist eine "Nebenwirkung" mangelnder Gesetze im internationalen Kapitalfluss.
Die Aufgabe der Politik ist hier Transparenz und Legalität zu schaffen. Auch wenn besagte Staaten sich dem verweigern. Aber sollte die EU von der Schweiz hier tyrannisieren lassen? Wedelt der Schwanz mit dem Hund? Natürlich gibt es auch hierzulande mächtige Interessenverbände die dem entgegenwirken, aber davon sollte man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen.
Kapital ist von sich aus amoralisch, große Unternehmen verhalten sich wie Psychopathen. Hierzu gibt es einen großartigen Film: "The Corporation".
Eine Firma, ein Konzern kann eine juristische Person sein. Sie hat die gleichen Rechte wie ein normaler Mensch und noch einige mehr. Ich bin kein Jurist, um dies zu erörtern. Was mich interessiert ist, wenn ein Konzern rechtlich einer Person zumindest gleichgstellt ist, gelten für "ihn" auch die gleichen Pflichten und Normen? "The Corporation" beantwortet diese Frage anhand von etlichen Beispielen mit einem eindeutigen "Nein". Trotz teils furchtbarer und andererseits regelmäßiger oder wiederkehrender Geetzesverstöße sind die für schuldig befundenen Konzerne nach wie vor "auf freiem Fuß".
Es gilt eine ganz einfache Rechnung: Sind die Kosten für die Strafe niedriger als die für die Einhaltung einer gesetzlichen Norm dann wird verschmutzt, entrechtet, unterschlagen, Leib und Leben gefährdet um nur Einiges zu nennen.
Beispiel die Bhopal-Katastrophe: Obwohl zur Sicherung der Lagerung des Insektizids Methylisocyanat bei 0 °C ein separates Kühlsystem installiert war, war dies seit etwa fünf Monaten vor dem Unfall abgeschaltet; nach nicht weiter verifizierbarer Quellenlage möglicherweise, weil die verwendeten Fluorchlorkohlenwasserstoffe anderweitig benötigt wurden. Ein Natronlaugenwäscher zur Beseitigung auftretender Gase war nicht nachweisbar funktionsbereit. Eine Gasfackel zur Beseitigung aus dem Wäscher austretender Gase war seit drei Monaten abgeschaltet und die Verbindungsrohre zwischen ihr und dem Wäscher waren offenbar aus Wartungsgründen demontiert. Alle diese Sicherungssysteme wären selbst bei einwandfreier Funktion nicht im entferntesten geeignet gewesen, einen derartigen Störfall abzufangen. Die offiziellen Berichte geben Anlass zur Vermutung, dass außerdem das Anlagenpersonal reduziert und die Sicherheitsausbildung aus Kostengründen stark vernachlässigt gewesen seien. Die Alarmsirene sei zunächst abgeschaltet worden, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen - Ergebnis: 3.800 bis 20.000 Tote, sowie bis zu 500.000 Verletzten, die mitunter bis heute unter den Folgen des Unfalls leiden und qualvoll sterben.
Die Kriterien der WHO (Welt Gesundheits Organisation) für "asoziale Persönlichkeiten" werden im "Corporation" anhand von Beispielen nach und nach mit einem Häkchen versehen. Konzerne seien etwa amoralisch oder kennen kein Schuldgefühl.
Auch die Vergangenheit zeigt, das Kapital geht immer so weit wie es kann. Zur Zeit der Industrialisierung benahm sich "das Kapital" recht erschreckend (aus unserer heutigen Sicht), Beispiel: Die Kinderarbeit in Bergwerken - Kinder sind körperlich klein, man kann mit kleineren Stollen arbeiten und Kosten sparen. Auch Massentierhaltung und Tiertransporte von heute zeigen, wie mitleidlos brutal das Kapital zuschlägt, wenn man es läßt.
ABER das Kapital ist keine Naturkraft. Es können Spielregeln aufgestellt werden, um diese Auswüchse zu verhindern. Das Problem ist, das unsere Politk sich auf den nationalen/europäischen Raum begrenzt, Kapital und Wirtschaft aber international/global wirken und so einen Bieterwettbewerb abhalten können, wo sich Natur und Mensch am preiswertesten zerstören lassen. Auch einige unserer "Spitzenpolitiker" vertreten einen Wettbewerb der Regionen - vielen Dank Herr Stoiber. Das heisst es kommt nicht mehr darauf an ob ein Unternehmen bereit ist sich auf den gesellschaftlichen Konsens einzulassen, sondern dieser wird der Unternehmenspolitik angepasst.
Vielleicht wird da Sklaverei auch wieder zu Option, obwohl, wahrscheinlich sind auch die für ein Unternehmen zu teuer, solange der Staat nicht auch für deren Ernährung, Unterkunft und Entsorgung aufkommt - Aber Hartz IV kommt dem schon sehr nahe (Ein-Euro-Jobs bei denen der Arbeitgeber noch Geld bekommt, zusätzlich zur erbrachten Leistung des "Vermittelten", der ja diese Maßnahme annehmen muss...).
Das Gegenteil von Macht ist Verantwortung. Das Kapital hat in unseren Breiten eine sehr große Macht, diese sollte sich in einem Gleichgewicht mit einer entsprechend großen Verantwortung befinden. Das ist leider nicht der Fall.
Aufgrund mangelnder internationaler Spielregeln können Konzerne weltweit nach Belieben agieren, die Kapitalströme können ganze Volkswirtschaften ins Unglück stürzen, wenn sich Renditeaussichten (nicht tatsächliche Renditen) verschlechtern.
International befinden sich die Arbeitnehmer in einem Wettbewerb der niedrigsten sozialen, ökologischen und ökonomischen Standards. Ohne gemeinsame Spielregeln werden Arbeitnehmer, Rentner, Familien, Behinderte immer verlieren. Im "Survival of the Fittest" des Kapitalismus gibt es keinen Platz für Menschlichkeit, egal was die Ethik-Richtlinien von Konzernen besagen. Daher bedarf es einer international agierenden Politik, die Mindeststandards für Arbeit, Kapital und Produktion definieren muss (ohne natürlich in Protektionismus zu verfallen), damit die Globalisierung (die eigentlich eine positive Entwicklung ist) auch für alle Beteiligten ein Gewinn ist. GATTS und WTO genügen hier nicht, denn hier geht es im wesentlichen nur um die Interessen der Großindustrie, nicht um die der Bevölkerungen.
Der Kapitalismus sollte eine soziale Komponente enthalten, sonst wird er seine Legitimation als Ordnungsprinzip ebenso verlieren, wie der Kommunismus.
Mitmenschlichkeit und Respekt sind keine Luxusgüter, sondern Notwendigkeiten einer funktionierenden Gesellschaft.
Vielleicht klappt es ja dann auch wieder mit Kindern?
es dürfte wohl kaum auf Gegenliebe stossen, wenn sie bemerken das der Ersatz der Kapitalbesteuerung eher ein untaugliches Argument ist.
Ein Grund für den Stillstand hierzulande, weil dies durch die unendlichen Neiddebatten zur einzig politisch akzeptierten Option geworden ist.
Nur das wie wird diskutiert, nicht das ob!
Weshalb die Politik ja auch in solch einem Dilemma steckt und unterm Strich die mittleren Einkommen belastet werden und somit das Problem zusätzlich verschärfen.
Die aktuelle Jobkrise trat ein, als die Großunternehmen anfängigen im Mittelbau kräftig abzubauen, ebenso wie der Mittelstand, der sich interne Dienstleistungen nicht mehr leisten konnte, weil die Wertschöpfung durch abgaben zu gering geworden ist.
Was für ein später aber doch sehr bemerkenswerter Propagandaerfolg des ehemaligen Ostblocks!
Angemerkt sei noch, das die Abwanderung, die Anfang der 90ziger Jahre schon einmal einen Höhepunkt durchschritt aktuell wieder ansteigt. Die Kinder solcher Unternehmer sind häufig längst auf Auslandsschulen untergebracht, was ihre Bindung an dieses Land weiter verringert und Verlagerungen von Produktionsstätten beschleunigen wird.
B Grabe
...und wenn man zu der Erkenntnis gekommen ist, dass man das einer zukünftigen Generation ebenfalls zumuten kann und man mit dem Partner gut klarkommt, lohnt es sich, Kinder zu bekommen. Jedes andere Motiv wäre verantwortungslos. Dass das Rentensystem anderenfalls nicht sofort dem Untergang geweiht ist, hat der Artikel ordentlich dargelegt.
Was das Aussterben der deutschen Gesellschaft angeht:
1. "Nationales Erbgut"? - Meiner Ansicht nach eine kleinkarrierte Denkweise, die unter den bisherigen Kommentaren leider existiert, aber schon vor 60 Jahren hätte abgeschüttelt werden müssen.
2. Wer Kinder deshalb kriegt, um Deutschland zu retten - dem sollte sofort das Sorgerecht wegen mangelnder elterlicher Kompetenz entzogen werden
3. Trotz der überzeugenden Argumente des Artikels appelliert der Staat nach wie vor an die Bürger, um jeden Preis Kinder zu produzieren, um dem Schreckgespenst "Demografie" zu begegnen. Somit wird vom besagten Problem der schwächelnden gezielt Konjunktur abgelenkt und dem Bürger die Schuld für politisches Versagen zugeschoben. Ich sehe daraus zwei potentielle Folgen:
- Wachsende Arbeitslosigkeit, falls die Leute tatsächlich Kinder kriegen sollten (heute gibt es schon Unterbeschäftigung zu Genüge und die Rationalisierung wird auch in Zukunft weiter voranschreiten), sowie
- Auswanderung derer die sich durch diese Kampagne verarscht fühlen.
Um nochmal auf den ersten Absatz zurückzukommen: der einzige vernünftige Grund, Kinder zu kriegen, liegt für mich in einer langfristig absehbaren Liebe zum Partner; alles andere ist für das Kind unzumutbar. Sollte das nicht stattfinden, so hätte ich absolut nichts dagegen, wenn die Kultur der Deutschen ausstirbt. Schließlich ist es erwiesen, dass Kinder, die von nicht harmonisch lebenden, oder alleinerziehenden Eltern großgezogen werden, sehr häufig Persönlichkeitsstörungen davontragen, die sie dann weitergeben. Darauf, dass Deutschland in 50 Jahren aus einem Haufen im Nachhinein ungewollter oder zufällig geborener, beziehungsunfähiger Neuroten besteht, habe ich wirklich keinen Bock.
MfG
Es war klar, was generell in den Medien und der Politik großartig aufgemotzt dahergebracht wird und sachliche Auseinandersetzungen durch emotionale Stimmungen ersetzt, erweist sich wie immer als Moggelpackung.
Seit 1969 oder 1970 ist es zu einem starken Rückgang der Geburtenraten gekommen. Mein Jahrgang galt schon in meiner Schulzeit als der letzte geburtenstarke.
Wenn die Nettoreproduktion wie der Artikel besagt, danach relativ konstant auf niedrigerem Niveau wahr, wird es nach Abbau der geburtenstarken Jahrgänge eben spätestens 2050 -2060 zu einem neuen Gleichgewicht der Generationen kommen können.
Auf Animationen des statistischen Bundesamtes kann man sich schon heute über die voraussichtliche Demographie in Deutschland in diesen Jahren informieren. Wenn man Schwachsinnsfernsehen und Boulevardblätter konsumiert, wird einem der Blick für die gesellschaftliche Realität bezüglich aller gesellschaftlicher Thematiken ewig verschlossen bleiben.
Daneben stehen hinter dem gesamten Demographiethema nur ökonomische Interessen. Man braucht einfach eine Masse an Blöden, die sinnentleert, dafür aber kraftvoll konsumieren, und man braucht eine hohe Arbeitslosenquote, um die Löhne im Keller halten zu können.
Ökologisch und humanistisch betrachtet, böte eine Bundesrepublik, die ja traditionell als dichtbesiedelt gilt, Aussichten auf Reduktion der Zersiedlung durch städtische Ballungszentren, Entsiegelung von Flächen, Schaffung von Naturbereichen zur Erholung etc.
Wenn wir auch endlich damit aufhören die Lebenserwartung des Einzelnen in Zeitintervalle zu verfrachten, wo spätestens das Gehirn mit Demenzerkrankungen die Grenze des Lebenswerten zieht, ist das momentane demographische Problem vielleicht auch viel schneller überwunden.
Menschen, die die eigene Endlichkeit aus ihrem Lebenskalkül verbannen, sind nicht sonderlich ernstzunehmen, und für verantwortliches gesellschaftliches Handeln nicht zu gebrauchen.
So, so, ist ja interessant, was Björn Schwentker so schreibt:
"Wenn die Babyboomer sterben, erlebt Deutschland also eher eine ungebremste Verjüngung statt einer Vergreisung."
So ein Unsinn ist nicht wert sachlich widerlegt zu werden. Jeder erkennt sofort, was das für ein Dreck ist, da brauch ich den Taschenrechner nicht einzuschalten.
Eine der gaaanz wenigen "Vertreter dieser Disziplin", die sich (sicher total unberechtigt) Sorgen machen ist Volkmar Weiss:
[ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]
Es hat lange gedauert bis in der Presselandschaft sachliche Artikel zum Thema Demografie auftauchten!
Weder Der Spiegel oder Der Stern, die FAZ oder die FR haben sich hier mit Ruhm bekleckert.
Aussterben macht einfach mehr her als demografischer Wandel - der letzendlich notwendig ist, um eine totale Übernutzung und Zerstörung unserer Umwelt zu verhindern (...die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur...).
Ebenfalls ist es wichtig einmal darauf hinzuweisen, was tatsächlich die Rentenkasse ruiniert hat:
1. Die Finanzierung der deutschen Einheit (statt über Steuern, über Abgaben - vielen Dank Herr Kohl).
2. Die ständige Erbringung Versicherungsfremder Leistungen.
3. Durch sinkende Reallöhne, sinkende Rentenbeiträge.
4. Durch steigende Lohnnebenkosten, verursacht durch Abgabenerhöhungen (für die Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung) Verteuerung des Faktors Arbeit, wodurch ironischerweise das Beitragsaufkommen sinkt (Arbeitsplatzabbau) und daher die Beitragssätze steigen müssen, um die Finanzierung zu gewährleisten (ein interessanter SNAFU-Effekt, der der Politik natürlich bekannt ist, der aber nicht bekämpft wird, müsste man doch sonst an das Geld jener, die sich durch Lobbyismus ganz ausgezeichnet protegiert wissen, denn die Alternative wäre eine echte Verbreiterung der zu besteuernden Einkommen -> Mieten und Erbschaften z.B.).
Das den Aussagen der Politik in Sachen Zukunft ohnehin nicht zu trauen ist, kann man ja auch am Beispiel der Kohlezechen sehen. Arbeit für die Ewigkeit hiess es. Sieht nicht so aus, als wäre dies zutreffend gewesen (so wie bei Landwirtschaft, Fischerei und Werften).
Die Menschen werden älter und können trotzdem produktiver sein als je zuvor.
Mechanisierung, Automatisierung und Digitalisierung schreiten noch immer voran. Die Robotik wird ihren grossen Beitrag zur Veränderung der Arbeitswelt sogar erst noch leisten. Das einzige, was Roboter daran hindert schon heute massenhaft Arbeit zu übernehmen, ist die Tatsache, dass die Wahrnehmung der Umwelt ein weit komplexeres technisches Problem darstellt, als man je erwartet hat. Aber auch hier zeichnen sich langsam die ersten Durchbrüche ab. Die Frage ist nicht OB Roboter irgendwann massiv in unseren Alltag eindringen werden, sondern nur WANN.
Auch dies wird massive Arbeitsplatzverluste nach sich ziehen (wer braucht schon Taxifahrer, wenn Roboter dieselbe Arbeit zuverlässiger und billiger erledigen, oder Strassenreiniger usw.).
Die Arbeit die bleibt, wird sehr viel mehr administrativ und innovativ sein - die Felder, die dem Menschen wohl erst mal bleiben werden - bzw. im künstlerischen und zwischenmenschlichen Bereich sein. Design, Forschung, Kunst, Entwicklung, Systemverwaltung, Medizin, Tourismus, Informationsaufbereitung- und Analyse, werden wohl die Berufsfelder der Zukunft sein.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, das die Produktivität je Arbeitnehmer durch die unzähligen mechatronischen Helferlein weiter enorm steigen wird. D.h. die Wirtschaftsleistung der Zukunft muss keineswegs sinken, nur weil weniger Menschen im industriellen Produktionsprozess beschäftigt sind.
Wenn diese jedoch nicht sinkt, dann muss der gesamtgesellschaftliche Wohlstand auch nicht sinken. Auch nicht bei sinkender Bevölkerungszahl.
Ich frage mich, wer profitiert davon, dass der Faktor Mensch in der Wirtschaft durch Überangebot entwertet wird? Und wer hat ein Interesse daran, dass das so bleibt? Weltweit ist Armut die direkte Folge von Überbevölkerung (in seltenen Fällen auch mal radikale Entvölkerung). Warum also predigt unsere Politik, das Bevölkerungswachstum die Lösung ist?
Eine echte Lösung wäre die Moderation des unausweichlichen demografischen Wandels (verursacht durch die Steigerung der Lebenserwartung - sollten wir dies nicht begrüssen?) und die Vorbereitung der Gesellschaft auf eine Arbeitswelt, die sich in ihrer Struktur sehr von der heutigen unterscheiden wird.
1. Schweden kann kein Vorbild sein, da es nicht mal 9 Millionen Einwohner hat. Unsere Vorbilder sind China, Indien, USA, Japan, und die Moslemische Weltgemeinschaft.
2. Natuerlich klingt 'Demografie' irgendwie voelkisch und vorweimarer - in Deutschland. Die anderen 99% der Erdbevoelkerung hat ueberhaupt keine Ahnung, was der Deutsche da babbelt.
3. 180 Millionen Deutsche bis 2050? Das waere eine Leistung vergleichbar mit der Bevoelkerungspolitik Mao Zedongs oder Imperial Japan, Kommunist Soviet-Union, Ghandis New India, der Moslemische Weltgemeinschaft, oder Multicultural USA. Gehen tut das also. Da kommen wir aber nicht hin, so leistungsfaehig sind wir nicht. Diese Kulturen spielen einfach in einer anderen Groessenordnung. Wir sollten uns auf Europa konzentrieren und es irgendwie fertibringen unsere Gene zu mischen mit den freundlichen Nachbarn, um das schlechte Abschneiden der einzelnen Gruppen in der Evolutionsgeschichte doch noch zum 'Groesserem Gut', dem gemeinen Europaeer, umzudichten.
4. Deutschland hat die Demografie nicht entdeckt, sondern wiederentdeckt. Das ist ein Selbstfindungsprozess, und alle Deutschen duerfen und sollten sogar dabei mitmachen. Es geht um die Gestaltung Europas und der Welt. Die Frage ist: wollen wir einmal 100 Millionen werden und Europa stabilisieren, oder nicht? Wenn wir nichts tun, dann werden uns die anderen grossen Voelker an die Seite draengen. So einfach ist das.
5. Was auch immer die deutsche Antwort sein wird, in China wird die 1-Kind-Regelung in absehbarer Zeit aufgehoben, Indien, Brasilien, Mexico, die arabische Liga und (leider) auch die afrikanischen Laender, (auch die USA durch Einwanderung), sie alle werden nicht mal im Traum daran denken, den selbstgerechten Deutschen auf hohem moralischen Ross in den Ausguss zu folgen. So einfach ist das.
6. Wer Probleme hat mit der deutschen Vergangenheit (es gibt ja eine ganze Menge Tabu-woerter, -gedanken, -redewendungen, -thorien, -namen etc, der koennte ja mal das Schulsystem ganz auf Englisch einkallibrieren, dann koennten wir endlich wieder frei von der Seele sprechen, ohne bei jedem Satz gleich wieder 'Hakenkreuze an die Wand zu malen'!
Das die Renten finanzierbar bleiben, wennn man das Rentenalöter erhöht, ist nicht verwunderlich. Notfalls kann man das Rentenalter nochmal erhöhen, was aber an der Wirklichkeit vorbei läuft. Das Reale Rentenalter liegt derzeit bei 50+x. Alte werden aktuell nicht mehr eingestellt, sondern gekündigt! Mag sein, dass Akademiker in der Zukunft tatsächlich bis 67 arbeiten können, aber sehr viele werden Gesundheitlich nicht in der Lage dazu sein.
Ein willkürliches Rentenalter zu nehmen, und darauf Rechnungen aufzubauen, die sich mit realen Daten nicht mal ansatzweise bestätigen lassen, ist wenig seriös.
Was weiter völlig unbetrachtet bleibt, ist, dass wir hier Wert durch Angebot und Nachfrage bestimmen. Güter wie Immobilien werden durch die sinkende Nachfrage an Wert verlieren, was wiederum im Kreditwesen spürbar sein wird, weil Hypotheken und Sicherheiten einer Neubewertung unterliegen. Es werden weniger Menschen, und für gleiche Infrastruktur wird der einzelne im Vergleich zu früher mehr ausgeben müssen.
Ob sich eine Industriegesellschaft tatsächlich ohne nennenswerten Wohlstandsverlust eine Volkswirtschaftliche Schrumpfung erlauben kann, das wird sich zwangsläufig zeigen. Voraussagen, die rosig aufgebaut sind, und sich auf unrealistische Annahmen stützen, sind nicht viel wert.
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