Wer ein Herz für die Kleinen hat, gilt gern als großer Retter. Es klingt uneigennützig, diejenigen zu unterstützen, die wichtig sind, aber selbst keine starke Lobby haben. Zu denen gehört der deutsche Mittelstand. Er treibe die deutsche Wirtschaft an, heißt es gern, sei unverzichtbar für das Wachstum. Aber für nötige Innovationen und den Aufbau neuer Geschäftsfelder fehlt ihm allzu oft das Geld. Das hemmt das Wachstum. Deshalb ist eine Reihe von Investoren angetreten, um ihm finanziell unter die Arme zu greifen. BILD

Denn obwohl es vielerlei Starthilfen für Firmengründer und Risikokapital für innovative Geschäftsideen gibt, fällt der alteingesessene Mittelstand, der oft nur ein bisschen erweitern möchte, bei der Finanzierung häufig durchs Raster. Bei einem Kapitalbedarf bis zu einer Million Euro können sich die Unternehmen über Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG) Geld verschaffen. Dabei legen mehrere Mittelständler in einer Art Selbsthilfegruppe zusammen und leihen sich untereinander Kapital. Ab fünf Millionen Euro wird es wiederum für Private-Equity-Gesellschaften interessant, die sich in Unternehmen einkaufen. Aber bei einem Kapitalbedarf zwischen einer und fünf Millionen Euro wird es für die meisten Unternehmen schwierig.

Mittelstandsfonds haben nun diese Lücke entdeckt. Schließlich könnten vom fremdfinanzierten Firmenwachstum letztlich alle profitieren: die Geldgeber über die Renditen; die Fondsverwalter, weil sie für das Einsammeln und Verteilen von Geld Provisionen bekommen; und natürlich die Unternehmen, die endlich wachsen können. Doch was theoretisch gut klingt, kommt in der Praxis nicht an. Das Kuriose: An Geld und risikobereiten Investoren mangelt es nicht. Dafür an Nachfrage aus dem Unternehmerlager.

Drei von vier kleinen Firmen nähmen gern Kapital auf

Dabei würden drei Viertel der kleineren Unternehmen gern Kapital aufnehmen, um Ausbauten, Neuanschaffungen, Forschung und Entwicklung oder auch den Generationswechsel in der Geschäftsführung zu finanzieren, belegt eine Umfrage vom Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft (IKF) der Ruhr Universität Bochum. Bisher wandten sie sich dafür zuerst an ihre Hausbanken, mit denen sie oft jahrzehntelang verbunden sind. Banken boten zudem verhältnismäßig günstige Kreditkonditionen. Trotzdem kommen Bank und Betriebe immer seltener zusammen: Mehr als jeder zweite Mittelständler gibt an, Kreditverhandlungen ohne Erfolg abgebrochen zu haben. Sie bekommen kein Geld – oder nur zu horrenden Zinssätzen –, weil die Banken mangelnde Sicherheiten beklagen. Laut EU-Richtlinie müssen Kreditinstitute von 2007 an vor der Geldvergabe ihre Kunden nach Bonität einstufen und danach den Preis für den Kredit festsetzen. Viele praktizieren das bereits. Doch die Einstufungen haben oft nichts mit der wahren Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zu tun, bestätigt eine Untersuchung der landesgeführten NRW Bank: »Der Zugang zum Kreditmarkt ist häufig restringiert, weil die wahren Kreditausfallrisiken von den Kreditgebern nicht richtig eingeschätzt werden können.«

Deshalb ist Guido Paffenholz vom Institut für Mittelstandsforschung davon überzeugt, »dass der Mittelstand Alternativen finden muss zum Bankkredit«.

Ob er dabei jedoch ausgerechnet den Weg zum Mittelstandsfonds findet, ist fraglich. Die Marktlage ist derzeit so unübersichtlich, dass sie selbst Profis zu schaffen macht: »Die Entwicklung steht noch ganz am Anfang, aber schon jetzt ist die Spielwiese der Beteiligungsmöglichkeiten für den Mittelstand so facettenreich, dass wir selber noch versuchen, das Dickicht zu durchdringen«, gibt IKF-Finanzwirtschaftsprofessor Stefan Stein zu. Seine Forschungsgruppe erfasst derzeit den Markt der Mittelstandsfonds und will einige Dinge klären: Was sind das überhaupt für Konstruktionen? An wen richten sie sich? Und bedienen sie überhaupt die Nachfrage der Geldsuchenden? Obwohl die Arbeit noch nicht fertig ist, hat Stein seine Zweifel: »Wir haben festgestellt, dass bei den Mittelstandsfonds irgendetwas zu klemmen scheint.«