Acht Jahre sind eine lange Zeit. So lange hat es gedauert, bis die Europäische Union ein Paket von Maßnahmen geschnürt hat, das Medikamente für Kinder sicherer machen soll. In der vergangenen Woche war es so weit: Das Europaparlament billigte eine Verordnung, die Pharmafirmen verpflichtet, künftig alle neuen Arzneimittel auch an Kindern klinisch zu testen. Konzerne, die ihre bereits zugelassenen Medikamente nachträglich auf ihre Wirkung beim Kind untersuchen, erhalten eine Verlängerung des Patentschutzes um sechs Monate. Zudem soll aus öffentlichen Mitteln ein Programm aufgelegt werden, um Arzneien, deren Patentschutz bereits abgelaufen ist, auf ihre Verträglichkeit zu prüfen. BILD

Diese Verordnung war überfällig. Seit Jahren klagen Kinderärzte darüber, dass mehr als die Hälfte aller Medikamente nicht für Kinder zugelassen sind – und bis zu 90 Prozent der Mittel für Neugeborene auf Intensivstationen! Den Ärzten blieb es selbst überlassen, die richtige Dosis und Therapie für ihre Patienten zu finden. Dabei wissen sie schon lange, dass sie Kinder nicht einfach wie kleine Erwachsene behandeln können. Es genügt eben nicht, die übliche Medikamentendosis auf Größe und Gewicht der Patienten umzurechnen. Neugeborene zum Beispiel bauen Wirkstoffe sehr langsam ab, weil Niere und Leber noch nicht ausgereift sind. Lebensgefährliche Nebenwirkungen können die Folge sein.

Da stimmt es traurig, dass erst der finanzielle Anreiz einer Patentschutzverlängerung Pharmakonzerne dazu bringen muss, sich für die Gesundheit von Kindern zu interessieren.