Gesundheit Schutz für die Kleinsten
Das Europaparlament will Pharmafirmen verpflichten, neue Medikamente auch an Kindern klinisch zu testen. Das ist richtig so, denn Kinder brauchen eigene Arzneien
Acht Jahre sind eine lange Zeit. So lange hat es gedauert, bis die Europäische Union ein Paket von Maßnahmen geschnürt hat, das Medikamente für Kinder sicherer machen soll. In der vergangenen Woche war es so weit: Das Europaparlament billigte eine Verordnung, die Pharmafirmen verpflichtet, künftig alle neuen Arzneimittel auch an Kindern klinisch zu testen. Konzerne, die ihre bereits zugelassenen Medikamente nachträglich auf ihre Wirkung beim Kind untersuchen, erhalten eine Verlängerung des Patentschutzes um sechs Monate. Zudem soll aus öffentlichen Mitteln ein Programm aufgelegt werden, um Arzneien, deren Patentschutz bereits abgelaufen ist, auf ihre Verträglichkeit zu prüfen.
Diese Verordnung war überfällig. Seit Jahren klagen Kinderärzte darüber, dass mehr als die Hälfte aller Medikamente nicht für Kinder zugelassen sind – und bis zu 90 Prozent der Mittel für Neugeborene auf Intensivstationen! Den Ärzten blieb es selbst überlassen, die richtige Dosis und Therapie für ihre Patienten zu finden. Dabei wissen sie schon lange, dass sie Kinder nicht einfach wie kleine Erwachsene behandeln können. Es genügt eben nicht, die übliche Medikamentendosis auf Größe und Gewicht der Patienten umzurechnen. Neugeborene zum Beispiel bauen Wirkstoffe sehr langsam ab, weil Niere und Leber noch nicht ausgereift sind. Lebensgefährliche Nebenwirkungen können die Folge sein.
Da stimmt es traurig, dass erst der finanzielle Anreiz einer Patentschutzverlängerung Pharmakonzerne dazu bringen muss, sich für die Gesundheit von Kindern zu interessieren.
- Datum 08.06.2006 - 10:07 Uhr
- Quelle DIE ZEIT 08.06.2006 Nr.24
- Kommentare 4
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Übrigens eine schöne Photomontage, so ganz neutral und unpolemisch. Allerdings im Sinngehalt genau dem Artikel entgegengesetzt, der ja schliesslich mehr Arzneimittel für Kinder fordert...
Unethisch ist es, die Augen zu verschließen und somit ganz öffentlich 'unterlassene Hilfeleistung' zu leben!
Unethisch ist es, dass die Anzahl der Betroffenen, wie z.B. beim Tourette-Syndrom, professoral so 'errechnet' wird, daß sie im Orphan-Drug-Status nicht wahrgenommen wird und bei den lukrativen Entwicklungen auch nicht!
Unethisch ist es, sich als Mediziner oder Pharmazeut aus der Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen zu stehlen
Die 'böse Pharma' würde sich wundern, würde sie ernsthaft, sensibel, verantwortungsvoll und penibel zusammen mit Medizinern Medikamente entwickeln, die Kindern mit Tic-Störungen helfen könnten! Sie würde sich wundern, wieviel 'Kunden' sie auf einmal hätte ...
Bis dahin wird es so viel Leid unter den Dächern dieser Welt geben, wie es Ignoranz bei Medizinern und Pharmazeuten geben wird, die nur damit beschäftigt sind ihre Feigheit zu verteidigen.
Schade! Soviel vergeudete Zeit ...
Hallo Astrid Viciano!
Vielen Dank für diesen Artikel! Es sehr wichtig, daß in dieser Hinsicht endlich etwas geschieht! Gerade Kinder brauchen leider oft genug die 'Stütze' von Medikamenten um sozialgerecht ins Leben zu finden, wie z.B. im Thema Tourette-Syndrom! Deshalb sollten Medikamente wirklich gut konzipiert sein, d.h. wenig Nebenwirkungen haben und den kindlichen Organismus so wenig wie möglich schädigen. Aber vor allen Dingen sollte es sie geben, und die Pharma-Industrie sollte sich endlich(!) mit der Ursachen-Forschung in Verbindung setzen um zum Wohle der kleinen Patienten das 'Bestmögliche' herauszuholen!
In diesem Sinne beste Grüße
Verena
Link gelöscht, die Redaktion
Vielleicht hätte ein Blick in das eigene Archiv geholfen:
http://www.zeit.de/1999/2...
Es natürlich wohlfeil, der bösen Pharma den Vorwurf zu machen, aus Geldgier keine Medikamente für Kinder zu entwickeln, aber an de Realität geht das vorbei. Würden Sie ungetestete Mittel bei einem Kind einsetzen? Wohl nicht. Aber diese Tests für Kinder sind sehr schwer durchzuführen: Die Krankheiten sind selten, die Patientengruppen sind also klein, die Probanden können nicht nach ihrer Einwilligung gefragt werden, also ist die ganze Sache schon mal unethisch. Dazu kann eine Pharmafirma mit diesem Mittel zum einen kein Geld verdienen, zum anderen auch keine Lorbeeren ernten, denn wenn mal was schief gehen sollte (was es wird), dann ist der Imageschaden extrem. Ich wundere mich eher, dass überhaupt Mittel für Kinder/Säuglinge verfügbar sind und kann mir das nur mit dem extremen Altruismus der Verantwortlichen erklären. Im Gegensatz zum wohlfeilen Fingerzeigen von Frau Viciano. Vor dem Hintergrund des hohen Risikos und der Nachteile wäre die Entwicklung von Mitteln für Kinder/Säuglonge eindeutig eine Aufgabe der öffentlichen Hand, denn Privatleuten ist das nicht zuzumuten.
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