Verkehr Das rot-grüne Modell
Ein Auto, das nur drei Liter Benzin pro 100 Kilometer verbraucht – prima! 1998 kam es auf den Markt. Warum aber wird es inzwischen nicht mehr gebaut? Eine Testfahrt
Nach zehn Minuten sagt Stibbe zum ersten Mal das Wort, das bei Volkswagen all die Jahre verboten war: »Verzichtsfahrzeug«. Es ist ihm nicht leicht über die Lippen gekommen – und vielleicht auch nur deshalb, weil ihm gerade schon wieder so ein mintgrün glänzender Beetle entgegenkam, ein Genussfahrzeug gewissermaßen, und das auch noch mit offenem Verdeck! Heiko Stibbe hingegen sitzt in einem Lupo 3L TDI, Dach zu, Fenster zu. Es ist das Dreiliterauto, das einmal die Zukunft sein sollte, aber jetzt schon wieder Vergangenheit ist. Stibbes Knie reiben sich am Lenkrad, er ist ein großer Mann, etwas gekrümmt sitzt er da und starrt auf die Verbrauchsanzeige. »Sehen Sie? 1,9 Liter momentan!«, ruft er dann. »1,9 Liter! Sehen Sie das?«
Doch das Wort »Verzichtsfahrzeug«, das kriegt er nicht weg. Ein Jahrzehnt lang hat er gegen dieses verdammte Wort gekämpft. Jetzt sagt er es selbst.
Die VW-Presseabteilung hatte einige Tage gezögert, ehe sie sich entschied, ihr Dreiliterauto noch einmal aus der Garage der Geschichte zu holen und jenen Mann ans Steuer zu setzen, der für das Marketing dieses ersten deutschen Ökomobils zuständig war. Nun, an diesem sommerblauen Morgen in Wolfsburg, war Heiko Stibbe in dunkler Anzughose, blauem Hemd und roter Krawatte aus seinem Büro auf den Parkplatz gekommen. Ein wenig Angst hatte ihm den Rücken durchgedrückt und die Stimme belegt; wer steht schon gern gerade für ein gescheitertes Projekt? Wobei Stibbe das nie so sagen würde: »gescheitert«. Bei ihm wird alles »weiterentwickelt«.
Ein Auto fasziniert offenbar durch Sinnlichkeit, nicht Sinn
Vor sechs Jahren hat Stibbe zum letzten Mal in diesem kleinen Auto gesessen, da war er 33. Jetzt liegt eine schwarze Mappe mit Notizen auf seinem Schoß. »Das liegt ja alles lange zurück und wurde weiterentwickelt«, hatte er beim Einsteigen gesagt und sich noch einmal geräuspert, war vorsichtig angefahren, vorbei an den Kollegen auf der Kantinenterrasse, die in ihren Latte-Macchiato-Gläsern rührten und die Köpfe drehten. Ihre Münder schienen den Satz zu formen: »Dass es den noch gibt …« Stibbe fuhr vorbei an ihren GTIs und Geländewagen. Irgendwo im Parkhaus stand auch sein Familienvan, ein Sharan.
So ging es raus aus Wolfsburg, aufs Land. Kastanienbäume beschatten rote Gehöfte, der Raps blendet, Kühe senken ihre Köpfe in die Weiden. Stibbe lenkt das Auto durch eine Milchtütenlandschaft, aus der am Horizont die vier Schornsteine des VW-Werks ragen, wie eine Erinnerung daran, dass es auch bei dieser Geschichte letzten Endes ums Geschäft ging. Es ist eine Geschichte von deutscher Gründlichkeit, die Stibbe an diesem Tag erzählt, eine Geschichte von Anspruch und Wirklichkeit – vor allem von der großen Lücke, die dazwischen klafft und in die Stibbes Dreiliterauto fuhr, vorgestellt 1998, eingestellt 2005. Es lebte nicht zufällig genauso lange wie die rot-grüne Koalition.
Es begann beinahe euphorisch: »1995 haben wir angefangen«, sagt Stibbe in das leise Brummen des Dieselmotors hinein, »ganz andere Zeit damals«. Helmut Kohl war noch Bundeskanzler, aber etwas geriet in Bewegung. Christo verhüllte den Reichstag, ein Teil der Deutschen Bundespost wurde zur Telekom, und Verbraucher wie Politiker wünschten sich ein Dreiliterauto; sogar die Grünen hielten »verantwortungsbewusste Mobilität« für möglich. In der Schweiz war das Swatch-Mobil in Planung, in Wolfsburg sagte der damalige VW-Chef Ferdinand Piëch, zum neuen Jahrtausend werde sein Konzern das erste serienmäßige Dreiliterauto der Welt vorstellen. Da schien ein Markt zu sein. Und wo ein Markt ist, will ein Unternehmen hin. So begann Stibbes Job.
Drei Liter nur! Was haben sie im Projektteam mit dem »Entwicklungsauftrag 424« diskutiert! Sie waren zu fünft, Stibbe war der Mann für Vertrieb und Marketing, »der Mann für die Kunden«, sagt er; seine Stimme hat sich längst gelockert. Wenn die Ingenieure damals über ein spritsparendes Dreirad sinnierten, sagte Stibbe: »Leute, das Auto muss marktgängig sein.« Bloß kein schmallippiges Ökomobil. »Ich habe immer gesagt: keine Diskriminierung! Es war klar, dass die Leute kein Auto wollen, wo die anderen hinterherfahren und sagen: Vor mir fährt der Drei-Liter-Schleicher.« Stibbes Wagen sollte gute Laune machen. Stibbe wollte ein Auto für Lätta-Menschen, Light-Menschen. »Bloß kein Verzichtsfahrzeug« eben. Ziemlich bald stand fest, dass sie die Drei-Liter-Technik unter dem Blechkleid eines ganz normalen Lupo verstecken würden.
Umweltverbände haben oft kritisiert, das Dreiliterauto sei für VW nur ein Feigenblatt gewesen. Das war es sicherlich. Aber nicht nur, und nicht für seine Entwickler. Einmal stand die Projektgruppe in einer leer geräumten Werkshalle, auf dem Boden lag ein in seine Einzelteile zerlegter Lupo, an jedem Detail ein Etikett mit Gewichtsangabe. Das Auto musste leichter werden. Sie dachten über eine Karosserie aus Titan nach, sehr leicht, sehr teuer. Sie erwogen sogar kurz, dafür russische Atom-U-Boote auszuschlachten. Am Ende nahmen sie Aluminium.
Der Wagen wirkt wie ein hilfloses Elefantenbaby
Stibbe muss jetzt mal anhalten, am Lenkrad lässt sich all das nicht erklären. In Jembke, einem Dorf nördlich von Wolfsburg, fährt er rechts ran und steigt aus. An seinem Hosenbund baumelt der Hausausweis. Stibbe klopft das Auto ab. Tock. Tock. Tack. »Hören Sie?«, fragt er. »Aluminium. Es hallt nicht nach.« Tack. Tack. Tick. »Heckklappe aus Magnesium … Energiesparreifen … geschlossener Kühlergrill für eine bessere Aerodynamik.« Stibbe läuft wie ein Autoverkäufer um den Wagen, geht in die Knie, steht wieder auf, sagt »Pumpe-Düse« und »Tiptronic«. Auf eine Klimaanlage verzichteten sie damals. Und auf elektrische Fensterheber. »Sonst wäre es ja ein Vierliterauto geworden«, sagt Stibbe.
Er guckt noch mal in seine Mappe: Als der Wagen fertig war, hatten sie ihn auf 2,99 Liter Verbrauch runtergehungert. 80 Prozent der Teile waren anders als im Basismodell, was eine eigene Produktionsstraße in Wolfsburg nötig machte. Und viel Handarbeit. »Das Auto ging für 26.900 Mark in den Markt«, sagt Stibbe – das waren 8.000 mehr als ein normaler Lupo. Als VW den Wagen im September 1998 auf dem Pariser Autosalon präsentierte, lag die Bundestagswahl gerade zwei Tage zurück. Stibbe wiederholte dort seine Slogans: »Die Zukunft heute schon erleben!«, »Ab heute ist morgen!« Nicht alles anders, aber vieles besser machen. Sein Wagen war das Auto für Schröders Neue Mitte, zumindest als Zweitwagen.
Und es lief super. Das Auto brachte nicht nur Publicity, es verkaufte sich sogar. Stibbe liest aus seiner Mappe vor: Europaweit 7.300 Stück im Jahr 2000, allein 4.600 in Deutschland. Die Zahlen lagen über den Erwartungen. Doch dann kam der Börsencrash. Der Euro. Die große deutsche Krise.
Auf der Rückfahrt nach Wolfsburg erzählt Stibbe, wie die Kunden in den Autohäusern anfingen, sich über den hohen Preis zu beklagen und nach der fehlenden Klimaanlage zu fragen. »Die sagten: Was bringt mir dieser eine Liter weniger?« Sie sahen nur noch den Kaufpreis, nicht die Folgekosten. Die Rente war nicht mehr sicher, der Arbeitsplatz auch nicht, da kauften die Leute lieber einen Škoda, der das Gleiche kostete, aber mehr bot. Stibbes Lupo war doch noch zum Verzichtsfahrzeug geworden. »Man kam nicht über den Bauch zu diesem Auto, man kam über den Kopf«, sagt er, »unser Auto war eines, das man erklären musste.« Aber es ist schlecht, wenn man ein Auto erklären muss. Ein Auto verkauft sich über Sinnlichkeit, nicht über Sinn. Stibbe beißt sich jetzt auf die Lippen, Kundenbeschimpfung gehört nicht ins Programm eines Marketing-Menschen. Es war wohl zum Verrücktwerden: Immer mehr Deutsche interessierten sich für Öko-Essen, aber das Öko-Auto ließen sie stehen. Im Unterschied zum Bio-Essen war das Bio-Auto mit Verzicht verbunden. So weit wollte dann doch niemand gehen.
Stibbe hat sich den Wagen ja selbst nicht gekauft. Er hat zwei Kinder, seine Frau fährt auch einen Van. »Da können wir einfach ein paar Fahrräder hinten reinstellen und losfahren.« Das Auto ist ein Freiheitsversprechen, nach wie vor.
Mit der Stimmung brachen 2001 auch die Zahlen ein. Das Dreiliterauto war nicht nur teuer für die Kunden, sondern auch für Volkswagen. Bernd Pischetsrieder, der neue Chef, machte es 2004 sogar öffentlich zum Gespött, als er sagte: »Beim Dreiliterauto ist es so: Jeder will es – aber nur auf der Einfahrt des Nachbarn.« Damit hatte er den Wagen abgewürgt. »EOP 26/05« steht in Stibbes schwarzer Mappe. End of production in der 26. Kalenderwoche des Jahres 2005. Zwei Jahre früher als geplant nahm VW den Lupo aus dem Programm.
Drüben, hinter dem Wald, ragen wieder die vier Schornsteine empor; Stibbe geht vom Gas. Er sagt, die Zeiten seien »pragmatischer« geworden, sogar über die Rückkehr der Atomkraft wird gesprochen. Haben sie damals falsch gelegen? Oder werden die Fehler heute gemacht? »Vielleicht ist das eine oder andere damals ein bisschen überspitzt gewesen«, sagt Stibbe. In die eine Richtung. Jetzt geht es in die andere, »die Autos sind heute wieder emotionaler als früher.« Stibbe sieht ja, was an ihm vorbeirauscht: BMW hat seinen Autos einen bösen Blick gegeben, Mercedes kantet seine Limousinen messerscharf. Sein Dreiliterauto sieht dazwischen aus wie ein hilfloses Elefantenbaby, zu gut für diese Welt.
Statt des kleinen Lupos baut VW jetzt den kleinen Fox, in Brasilien. Der Fox soll billig sein, ein Auto für die ganze Welt und nicht für eine deutsche Nische. Es geht nur um den Kaufpreis, sonst nichts. Die Zeiten sind so. Die Globalisierung hat offenbar auch manchen guten Vorsatz verschluckt.
Aber nein: »weiterentwickelt«! Darauf legt Stibbe ja Wert. Eine Stunde hat die Fahrt gedauert, Stibbe ist wieder auf dem Werksparkplatz angekommen. Seine Reise in die Vergangenheit ist beendet, er muss zurück ins Büro, in die Zukunft, die bei VW ab sofort »BlueMotion« heißt. So nennen sie im Konzern jetzt das jeweils sparsamste Modell einer Klasse. Den Polo haben sie schon fertig. Er verbraucht 3,9 Liter – 0,5 weniger als das Basismodell. Er hat etwas schmalere Reifen, eine etwas bessere Aerodynamik, einen etwas anderen Motor. Auf Aluminium haben sie verzichtet, dafür glänzt am Heck dieser Name. »BlueMotion«. Die Umwelt darf jetzt noch nicht mal mehr grün sein. Blau ist die sympathischere Farbe. Blau ist der Himmel. Blau ist das Meer. Blau ist auch eine Parteitagsfarbe. Blau ist ein einziger Kompromiss. Vielleicht ist BlueMotion die Aufgabe einer Idee. Vielleicht ist es ihre »marktgängige« Rettung.
»Wie gesagt: weiterentwickelt«, sagt Stibbe und verabschiedet sich – auch vom Dreiliterauto. Der Wagen, den er heute gefahren ist, kommt in diesem Sommer ins Museum. Einen aber, hat Stibbe noch gesagt, sehe er jeden Morgen bei seinem Nachbarn vor der Haustür. Als Viertwagen.
Mehr zum Thema Auto finden Sie im Auto-Portal unter www.zeit.de/auto
- Datum 08.06.2006 - 03:19 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.06.2006
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Ich bin den Lupo mal als Mietwagen gefahren. Genug Fahrspaß und Platz für 2, das wars dann aber auch. Die Rückbank war zum Sitzen praktisch unbenutzbar, denn in den "Kofferraum" passt selbst ein Blatt Papier nur hochkant, und ich mußte sie umlegen, obwohl ich wirklich nicht viel zu transportieren hatte. Naja vielleicht bin ich verwöhnt, mein Elektroauto hat 3m^3 Laderaum (Renault Express).
Es wäre sinnvoller gewesen, den Lupo als Zweisitzer zu vermarkten und außerdem darauf zu verzichten, mit aller technischen Gewalt die 3l-Grenze unterbieten zu wollen.
Wenn sich realitätsferne Ingenieure an Magnesiumlenkrädern aufgeilen, nur damit für ein paar Gramm Gewichtsreduzierung der Endpreis um ein paar tausend DM steigt, ist das Ergebnis absehbar.
Als 3.2l-Auto hätte der Lupo vermutlich keine 800DM Aufpreis gekostet, und wesentlich mehr Käufer gefunden.
@PrinzVeigel: Es gibt schon längst keinen "Expertenstreit" um die Rolle des CO2 beim Klimawandel mehr. Nur noch eine Handvoll von der Ölindustrie gesponsorte Pseudo-Wissenschaftler, die versuchen, bei unmündigen Bürgern durch lautes mediales Krakeelen genau diesen Eindruck zu erwecken.
Schnell anschauen, bevor der Link wieder gelöscht wird: http://images.ucomics.com... ;-)
Gruß Skarrin
Ich freue mich, dass das 3l Auto nun Geschichte ist. Autos werden immer schwerer (leider, des Fahrspasses wegen) der Sicherheit und dem Komfort zuliebe. In einem Liter Kraftstoff, egal ob Benzin, Ethanol oder Gas steckt nun mal nur eine gewisse Energie die bei der Verbrennung unter Berücksichtung der Wärme und Reibungsverluste freigesetzt wird. Nun möchte ja keiner als Bremse im Verkehr unterwegs sein, deswegen haben die meisten wohl auch mit dem Lupo 3l mehr verbraucht. Denn das Ergötzen an Kraft und Dynamik ist etwas Urmenschliches.
Angesetzt werden muss beim unnötigen zusätzlichen Éinspritzen von Kraftstoff zur Kühlung in "Extremsituationen "(z.B. Fahrten über 120km/h)-zulässig nach EU Recht, ein Voyager verblässt gut und gerne 5l unverbrannt.
Öl gibt es genug, denn nicht nur Erdöl eignet sich als Treibstoff. Außerdem sollte der derzeitige Ölpreis von 70$ eigentlich ausreichen, um aus Kohle und Biomasse Kraftstoff wirtschaftlich zu gewinnen.Und ob nun CO2 gut oder schlecht fürs Klima ist, ist ein Expertenstreit, der so schnell nicht beantwortet sein wird, auch wenn viele meinen, den Treibhauskiller schon gefunden zu haben.
Freie Fahrt für freie Bürger!
Warum eigentlich "... auf der Einfahrt des Nachbarn" bzw. "Verzichtsfahrzeug"?
Okay, als Firmenchef, der 99% Überflussautos verkaufen will, versteh ich diese Haltung.
Aus meiner Erfahrung stellt sich dies ganz anders dar.
Für wen ist denn ein Auto mit den Abmessungen gebaut?
Für die Pendler, die mangels Alternative im öffentlichen Nahverkehr, ein Auto benötigen und die Stadtfahrer die kleine Parklücken ausnützen können.
@PrinzVeigel Im täglichen Stau, an der Ampel und im Parkplatzsuchverkehr hat man jede Menge Zeit, Kraft und Dynamik zu spüren um den Testeronstau abzubauen.
Im Schwäbischen gibt es ein passendes Lied von Wolle Kriwanek "I fahr Daimler..."
Wieviele Tage im Jahr und warum brauche ich die Klima Anlage?
Elektrische Fensterheber? Ein Gräuel für jeden, um bei der Firma zu bleiben, Golf III Fahrer.
Aus meiner Sicht sterben diese Fahrzeuge, auch Audi A2, als Folge einer falschen Preispolitk. 8000.- DM Unterschied da kann ich lange für fahren. Umwelt, Ökologie oder Resourcen sparen, ade.
Wie will man wegkommen, vom Auto als Statussymbol, wenn doch bekanntermassen das Wohl und Weh von der Automobilindustrie abhängt?
Ja, ich gehöre zu diesem zwei Prozent Segment der Ökos. Zu denen, für die der eigene Lebensstil wichtiger ist als die Angleichung an irgendeinen Trend. Die Wohnung ist 20 Jahre nach dem Studium zwar größer geworden, die Möbel sind weitgehend die selben geblieben. Wieso soll ich etwas wegschmeißen, das funktioniert?
Der schonende Umgang mit der Umwelt ist mir wichtig. Ich war ein Kandidat für das Öko-Auto, habe aber keins gekauft. In Friedrichshafen, einer mittelgroßen Industriestadt mit gutem öffentliche Verkehr, leiste ich mir den Luxus, mit Fahrrad und "350 PS Auto mit Chauffeur" auszukommen. Ein Bekannter, Bastler und Ingenieur, fährt ein Elektroauto und einen Mercedes mit Pflanzenölmotor.
Freunde im früheren Studienort haben mit Verzichtsfahrzeugen kein Problem. "Steig rechts ein, die linke Tür geht nicht." Wieso ein Auto wegschmeißen, das noch durch den TÜV kommt? Ihren Spritverbrauch begrenzen sie durch einen entsprechenden Fahrstil und eine Fahrsperre für Strecken unter fünf Kilometer.
Ach ja, Brigitte Wallkam vom B.U.N.D. fährt einen Lupo 3L TDI. Als Lehrerin will sie Vorbild sein. Tatsächlich, ich kenne eine Besitzerin eines 3 Liter Lupos!
Spaß beiseite. Wahrscheinlich war es bereits im Ansatz ein Fehler von Ferdinand Piech, ein Auto für ein Milieu zu entwickeln, das ihm fremd war. Hätte er doch einen "intelligenten" 5 Liter Golf entwickelt! Damit wäre ein ökologischer und ökonomischer Erfolg möglich gewesen. So, wie Toyota es uns mit dem 5,2 Liter Prius, dem "Hybridauto", vormacht. Man könnte in Deutschland ein vergleichbares Vermarktungspaket schnüren: Mit Leichtbau, hervorragender Aerodynamik, minimierten Reibungsverlusten und dem FSI Motor als Symbol für das Marketing.
Hoffen wir, dass dies 5 Liter Auto ein Erfolg wird. Für Menschen mit Designermöbeln.
Stefan Starke
Friedrichshafen
Dipl.-Ing. und Energieberater
Der Artikel gibt Grund zur Kritik und zum Nachdenken.
Zunächst zur Kritik: Schade, das sich der Autor nicht mal selbst hinter das Lenkrad gesetzt hat. Der Lupo bietet vorne ausreichend Platz für 2 Personen, kein stoßen am Lenkrad, die Kopffreiheit ist größer als im Passat und auch den Fahrersitz kann man für Personen bis 185 weit genug zurückschieben (Auch wenn dann kaum noch jemand dahinter Platz nehmen kann.
Zum Bild: Es gibt den 3L-Lupo nicht mit Schiebedach!
Und da bin ich schon bei dem vom Autor aufgeworfenen Sinn statt Sinnlichkeit. Kein Schiebedach macht Sinn, da zusätzliche Dachverstärkungen zusätzliches Gewicht bedeuten. Ich hatte vorher ein Schiebedach und habe es vermisst - doch es macht Sinn, darauf zu verzichten. Das Gleiche trifft auf die getrennt umklappbare Rückbank und eine Klimaanlage zu.
Dagegen konnte ich nur schmunzeln, wenn mir Freunde weiß machen wollten, dass sie sich nicht mehr daran gewöhnen könnten, die Türen einzeln zu öffnen (statt Zentralverriegelung)- daran gewöhnt man sich leicht und auf den Luxus kann ich gerne verzichten.
Ich bin mit dem 3L-Lupo sehr zufrieden, bis auf ein paar Teile, bei denen das Gewichtsparen auf die Qualität ging. Dies betrifft die Tankklappe (Kunststoff - verformt sich leicht und steht dann ab), den Mechanismus zum verstellen der Spiegel von innen (Kunststoff, der mechanisch überfordert ist) und die Radlager vorne (Austausch nach 100.000 km).
Letzte Bemerkung zum Thema weiterentwickeln. Es fehlte von Anfang an ein Rußfilter. Schade, dass dieses Auto nicht weiterentwickelt wurde. Die Automatik erzieht zur sparsamen Fahrweise, die Verzögerung bei den Schaltvorgängen sollte aber kürzer sein.
Fazit: Ein gelungenes Auto, das leider von VW nicht weiterentwickelt wurde und daher auch leider keine Käufer mehr findet. Rechtzeitig hätte man auch ein preiswertere Version nachschieben können: gleiche Technik nur nicht so teure Materialien (diese sind auch weder umweltfreundlich herzustellen noch nachhaltig). Aber in diese Richtung geht ja die "Bluemotion" Reihe. Doch wo bleibt die geniale Technik mit Schubabschaltung?
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