ZUMUTUNG! SAUBANDE! Pardon, liebe Leser – SO NICHT! –, aber diese Kolumne – SAKRADEIFI! – befindet sich in einer Identitätskrise. Sie kämpft mit ihrer verdrängten Wut, IHR PAPPNASEN! Gerade ist uns zugetragen worden, SCHÄMT EUCH!, dass der Zorn – BULLSHIT! – die oberste Tugend des Journalismus ist. Gesagt hat das – HÖR DOCH ZU, LESERPACK! – der Moralphilosoph Kai Diekmann, nebenbei Chefredakteur der führenden Ethikschrift Bild- Zeitung, in einer Rede in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen. Diekmann sagt: »Wir müssen aufheulen, wir müssen anprangern. J’accuse – das ist Zorn plus Neugierde. Die Todsünde des Journalisten ist die Zornlosigkeit.«

Da fiel es uns – UND DAS ZAHLT ALLES DER STEUERZAHLER! – wie Schuppen von den Augen. Der Zorn! Das ist es, was – WIR KENNEN DIE SCHULDIGEN! – dieser Kolumne fehlt, die weiß Gott – LIBERALE WICHSER!– Charisma, Klasse, Eleganz im Überfluss besitzt. In der Tat, diese Kolumne – KLUGSCHEISSER! – hat ein Zorndefizit. Sie rettet sich in die Ironie, den sanften Wahnsinn, anstatt aufzuheulen. So geht das nicht weiter. Doch wir haben unsere Lektion gelernt. In diesem Moment, Leser, fegen wir mit starkem Arm den Computer vom Schreibtisch und ersetzen ihn durch einen Büro-Pranger, Marke Kai 2000X, mit selbstreinigender Tastatur. Wir schalten den Pranger ein. Läuft er? Er läuft. Er vibriert leise, ach, wenn wir gewusst hätten, wie gut das tut, und jetzt heulen wir los: Auuuuuu (wie Franz Josef Wagner)! Houwwwww (wie Graf Nayhauß)! Ojjjjjj (wie Alfred Draxler)! Jetzt den Geifer-Verstärker einschalten: WIR SEHEN UNS DAS NICHT LÄNGER AN! SCHLUSS, AUS! AN DIE WAND!

Oh, oh. Das ging zu weit. Tschuldigung, Leser. Wir ließen uns gehen. Der Zorn ist eine Gabe, ein Geschenk, das wissen wir nun. Aber wir müssen noch lernen, dieses Geschenk zum Wohle unseres Volkes einzusetzen.

Ausdrücklich übrigens pries Kai »Schakühs« Diekmann in seiner Predigt den deutschen Historiker A. Baring. Ja, Baring. Das ist der Wutkopf, der im traditionell sanften ZDF den zornigen Europäer A. Hitler dafür lobte, dass der einst Deutschland »in Schwung gebracht« habe.

Diese Liebe zu Baring verweist auf die zweite Publizistentugend, die Diekmann und sein Blatt so heroisch verteidigen: den Frohsinn. Nicht allein das »J’accuse«, auch das »Ich lach mich weg« zeichnet den großen Journalisten aus. Deshalb singen wir jetzt alle: HIER FLIEGEN GLEICH DIE LÖCHER AUS DEM KÄSE! HELAU! WAT HAM WER JELACHT!

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