Stasi Wer hat Angst vor »Rosenholz«?Seite 3/3
Der Verdacht: 43 Abgeordnete des Bundestags hatten Stasi-Kontakte
Bei der letzten Beiratssitzung Mitte Mai kam es zum Eklat. Bereits mehrmals hatten die Experten um Unterrichtung zu »Rosenholz« gebeten, diesmal durfte Müller-Enbergs sprechen. Auf Kopfschütteln stieß, dass er jetzt am Handbuch arbeiten muss. Hier ließ er Details zum Bundestag fallen: Für die 6. Wahlperiode von 1969 bis 1972 gebe es bei 43 Abgeordneten Hinweise auf Stasi-Kontakte, 30 bei der SPD, zehn bei der CDU und drei bei der FDP. Ein Beiratsmitglied hielt das für so brisant, dass er den Bundestag informieren wollte, was ihm aber untersagt wurde. Und Müller-Enbergs wurde im Nachhinein gedrängt, die Zahl zu widerrufen.
Wie ist all das zu erklären? Allenfalls in Einzelfällen wie »IM Sense« könnte die Angst vor Prozessen eine Rolle spielen, nicht aber bei der historischen Forschung. In der Behörde heißt es über den Verwaltungschef Altendorf, er sei der erste Direktor, der die Aufklärung behindere. Altendorf ist Mitglied der SPD. Altersgenossen in seinem Hamburger Landesverband erinnern sich, dass er in den siebziger Jahren zum Stamokap-Flügel gehörte, der sich »in kritischer Solidarität« zur DDR verortete. Vor zehn Jahren war die Hamburger SPD erschüttert, als ein verdienter Genosse, den Altendorf gut kannte, als »IM Kugel« aufflog. Vielleicht ist der Direktor nur ein korrekter Verwaltungsjurist, der im Zweifel für die Angeklagten entscheidet. Ein Interview lehnte Altendorf ab.
Marianne Birthler ihrerseits kämpft derzeit um den Bestand der Behörde. Ein Großteil der Aufgaben ist 16 Jahre nach dem Ende der DDR erledigt; die meisten Experten favorisieren eine Übergabe der Stasi-Unterlagen an das Bundesarchiv, was den Zugang zu vielen Akten vereinfachen würde. Birthler dagegen wirbt im Bundestag intensiv für einen exponierten Platz unter den DDR-Gedenkstätten. Enthüllungen über westdeutsche Politiker könnten dabei stören.
- Datum 25.06.2006 - 11:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.06.2006 Nr. 26
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Dieses Thema scheint ja auch hier keinen so recht 'hinter dem Ofen' hervorzulocken.
tja, man ist mit "Splitting" doch arg beschäftigt...
... sind halt noch nicht alle wach ;)
Was sich aber ändern könnte, wenn man den Artikel liest - es stellt sich doch geradeheraus die Frage, warum so eine Heimlichtuerei notwendig ist. Es scheint fast, als sollte hier das Bild aufrechterhalten werden, dass es kaum Stasi-IMs im Westen gab und dieses Phänomen hauptsächlich auf den Osten beschränkt war. Dabei wäre auch für die Bevölkerung m.E. durchaus interessant mehr über diesen Teil dieser (auch west-)deutschen Vergangenheit zu erfahren.
bei der "Vergangenheitsbewältigung" und Aufklärung der DDR- Diktatur anders zugehen, als nach dem 2. Weltkrieg mit den Nazis? Es wird verdeckt, gedeckt und behindert. "Kleine Fische" fliegen als Bauernopfer auf, die wirklichen Verbrecher oder zumindest "nützliche" Leute können unbehelligt ihrem Tun weiterhin nachgehen. So auch die STASI- Mitarbeiter, die in Westdeutschland tätig waren.
Es wäre für viele westdeutsche Politiker ziemlich peinlich als MfS- Agenten enttarnt zu werden, bzw. enge Mitarbeiter von ihnen. Oder wer Kontakte zu Herrn Schalck- Golodkowski pflegte usw. All dies sind Dinge, die die politische Fühgrungsriege aus Westdeutschland nicht der Öffentlichkeit mitteilen will.
20% SED- PDS- Wähler wollen sowieso nichts von einer DDR- Diktatur gewußt haben. Die argumentieren inzwischen genauso wie unverbesserliche Alt- Nazis: "Es war ja nicht alles schlecht damals...."
Das die CIA sich diejenigen aus der Rosenstolz- Datei herausgesucht hat, die nützlich für sie sind, auch und speziel in Sachen Wirtschaftsspionage, muß ja wohl nicht extra erwähnt werden.
Das der BND es nicht schaffte sich diese Daten zu sichern und die CIA, der "befreundete" Geheimdienst unseres größten Verbündeten, sie den Deutschen wegschnappte ist dann noch eine andere Sache. Jedenfalls kann man davon ausgehen, das der CIA nun mit dem MfS- Agentennetz in der Bundesrepublik weiterarbeitet, zumindest mit denjenigen, die in brauchbaren Positionen sitzen. Es ist ja nunmal so, das eine deutsche Regierung noch heute sich nicht traut, wirklich mal Tacheles mit ihren US- Freunden zu reden. Es sei denn, ein EX- Kanzler merkt, das er dadurch eine Wahl gewinnen kann.
Diese neue Aufarbeitungsdebatte wird das Klima in Deutschland und auch zwischen den Deutschen in Ost und West für Jahre vergiften. Es wird bezichtigt werden und geklagt. Es wird lancierte Verdächtigungen geben- es fängt ja schon an - es wird Leute geben, die bestimmten wollen,wer nur abgeschöpft und wer wirklich Stasi-Mitarbeiter war.
Es ekelt mich an, wenn ich daran denke. Und im Schatten solcher Skandal-Enthüllungen, die ja niemandem was Neues bringen, kann man allerlei viel unangenehmere Gesetze durchpeitschen. Die Stasi ist schon wieder zu Diensten.
Sicher, es ist ungerecht, so zu argumentieren, aber jetzt mit des Herrn Knabe und der Frau Birthler geballter Macht das Herrschaftswissen zu benutzen, um auch die Bürger der alten Bundesländer klein zu kriegen, das ist einfach nur ein Elend.
Ich bin aus dem Osten,damit keine Mißverständnisse entstehen. Es ist mir nur einfach widerwärtig.
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