Es ist wirklich nicht leicht, ein Beispiel zu finden, das diese These widerlegt, die etwa der amerikanische Historiker Spencer R. Weart in seinem Buch Never at War: Why Democracies Will Not Fight One Another vertritt.

Hier soll es nicht darum gehen, ob es an dem Wesen des demokratischen Staates liegt, dass er andere Demokratien nicht angreift, sondern nur um die Frage: Stimmt der Satz für die bisherige Geschichte? Weart schränkt seine These ein auf »wohletablierte« Demokratien, schließt also ausdrücklich korrupte Oligarchien aus, die sich gelegentlich in zweifelhaften Wahlen bestätigen lassen. Trotzdem gibt es die folgenden Präzedenzfälle:

– Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan um die Provinz Kaschmir zum Beispiel ist schon mehrfach mit kriegerischen Mitteln ausgetragen worden, zuletzt 1999 im so genannten Kargil-Krieg, gleichzeitig die erste bewaffnete Auseinandersetzung zweier Atommächte. Der damalige pakistanische Premierminister Sharif war durchaus demokratisch gewählt worden.

– Bei den Kriegen auf dem Balkan in den neunziger Jahren traten demokratisch gewählte Regierungen gegeneinander an, etwa die von Serbien und Kroatien.

– Zwischen Peru und Ecuador kam es 1995 zu dem dreiwöchigen Cenepa-Krieg, bei dem es um Grenzstreitigkeiten ging. 500 Menschen kamen ums Leben.

Fazit: Es gibt einige Beispiele für Kriege zwischen Demokratien, aber insgesamt sind es erstaunlich wenige. Christoph Drösser

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