New York

So trennt man sich also von 32 Milliarden Dollar. " There we go", "bitte schön", sagte Warren Buffett, als er seine Unterschrift unter die Schenkungsurkunde setzte. Ein paar Scherze, ein paar nervöse Lacher, ein Klickkonzert der Kameras. Dann war es schon passiert: Der zweitreichste Mann der Welt hatte soeben fast sein gesamtes Vermögen dem reichsten Mann der Welt vermacht. Die wohltätige Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates und seiner Frau Melinda erhält den riesigen Batzen Geld. Aber was damit geschieht, wen die Stiftung damit bedenkt aus diesem Geschäft will sich der legendäre amerikanische Großanleger Buffett weitgehend heraushalten. Das Geschick des Ehepaares Gates werde "über der Erde besser sein als meines sechs Fuß unter der Erde", scherzte Buffett angesichts seiner 75 Lebensjahre.

Insgesamt verfügt die Bill und Melinda Gates Foundation nun über schätzungsweise 60 Milliarden Dollar. Das heißt, sie kann Jahr für Jahr etwa drei Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke ausgeben. Die Stiftung kümmert sich um die Eindämmung von Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und Aids, bekämpft Hungersnöte und Armut und nimmt sich im eigenen Land Hunderter maroder Schulen an. Schon bislang war die Bill und Melinda Gates Foundation weltweit die reichste Stiftung. Doch mit dem Vermögen von Warren Buffett sprengt sie alle Vorstellungen.

Der Rekord ist neu, aber die Wohltätigkeit reicher Amerikaner hat Tradition. " Wer reich stirbt, stirbt in Schande", schrieb Andrew Carnegie 1889. Seine Generation schwerreicher Geschäftsleute im gilded age, in der Blütezeit der Eisenbahn-, Stahl- und Ölindustrie des späten 19. Jahrhunderts, hatte eine spektakuläre Welle von Stiftungen ins Leben gerufen. Die Carnegie-Stiftungen, die Rockefeller-Stiftung oder die Stiftungen von Andrew W. Mellon wären heute aus der amerikanischen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Seit dem Börsenboom der späten neunziger Jahre gibt es eine neue Stiftungswelle: Die neuen Reichen des Internet-Geschäfts an der Westküste oder erfolgreicher Hedge-Fonds an der Ostküste sind unter die Spender gegangen. Es gibt nur ungefähre Schätzungen - danach sollen den Stiftungen jedes Jahr rund 250 Milliarden Dollar zufließen. Warren Buffett deutete am Montag an, dass weitere US-Milliardäre ihre Vermögen der Gates-Stiftung bereitstellen könnten. Das britische Magazin Economist sieht bereits eine Ära des "Philanthrokapitalismus" anbrechen.

Die an sich begrüßenswerte Entwicklung hat ihre Kritiker. Ohne die wachsende Ungleichheit, ohne die krassen Einkommensunterschiede in Amerika würde es die Milliardenspenden dieser neuen Mega-Philanthropen kaum geben. Viele Wirtschaftsbereiche gerade im digitalen Geschäft funktionieren nach dem winner takes all-Prinzip: Wer sich im Wettbewerb an die Spitze setzt, wird um ein Vielfaches höher entlohnt als seine nächsten Konkurrenten sei er nun ein Superstar in der Popmusik oder der Schöpfer eines allgegenwärtigen Computerprogramms wie Microsoft Windows von Bill Gates. Und wer wie Warren Buffett erfolgreich an den Kapitalmärkten agiert, kann eine Vielzahl weiterer Anleger hinter sich scharen und mit gewaltiger Hebelwirkung am globalen Finanzmarkt investieren.

"Philanthropie", sagt Warren Buffett, sei wie "das Business"

Dagegen sind die Mittelschichten Amerikas unter Druck. Gewerkschaften lösen sich auf, traditionelle Jobs gehen im Wettbewerb mit Billiglohnländern verloren. In Amerika vertieft der Staat diese wachsende Kluft zwischen Arm und Reich: Nicht erst unter George W.