Besuch ist mit Stress verbunden. Da muss die Wohnung aufgeräumt, müssen die Türklinken aus Messing noch einmal gewienert, die Kinder scharf gekämmt, deren Nasen geputzt, Fingernägel nachgesehen werden auf dass der Besuch an nichts Anstoß zu nehmen habe und im Übrigen glaube: So picobello sieht es hier alle Tage aus

Demnächst kommt der Papst zu Besuch in seine Heimat. Und da muss eben noch einmal gründlich gelüftet werden. Schon als Joseph Ratzinger noch Chef der Glaubenskongregation gewesen war, hatte der Haussegen schief gehangen wegen der Mitwirkung der deutschen Bistümer im System der Konfliktberatung für Schwangere. Das Problem schien fast ausgestanden zu sein, als dann doch der Ausstieg angeordnet wurde. Der Kölner Kardinal Meissner hatte zuvor in Rom interveniert. Jene Katholiken, die gerade in der Konfliktberatung eine Chance sahen, die Zahl der Abtreibungen zu senken, gründeten die Laienorganisation donum vitae.

Rechtzeitig vor dem Papstbesuch mussten nun die deutschen Bischöfe anordnen: Bediensteten der katholischen Kirche ist die Mitarbeit bei donum vitae untersagt.

Die Bischöfe werden Manns genug sein, selbst zu entscheiden, wofür sie stehen wollen. Aber erwachsenen Bürgern und Bürgerinnen bei Strafe des Arbeitsplatzverlustes vorzuschreiben, auf welche Weise sie ehrenamtlich nicht an der Begrenzung der Abtreibungen mitwirken dürfen, schränkt deren Mündigkeit in einem erstaunlichen Maße ein. So jedenfalls kommt Freude auf - vor dem Besuch.