Eingeladen »Wir wollen die Besten ins Land holen«
Ein Interview mit Christian Bode, den Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes
Die ZEIT: Die Zahl ausländischer Studenten liegt auf Rekordniveau. Trotzdem wirbt der DAAD um neues Geld für sein Programm »Profis«, das den Akademikeraustausch intensivieren soll. Brauchen wir noch mehr Gastakademiker?
Christian Bode: Wir brauchen nicht mehr, wir brauchen bessere ausländische Studenten. Möglichst die besten. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, den Anteil ausländischer Studierender auf zehn Prozent zu erhöhen. Das haben wir erreicht, in einzelnen Fächern sind wir sogar weit darüber hinausgegangen. Jetzt wollen wir die Ausländer haben, die bei uns auch erfolgreich sein können. Gleichzeitig müssen wir uns fragen: Behandeln wir sie auch so, dass sie Erfolg haben können? Die Themen Auswahl und Betreuung sind die zwei Schwerpunkte, auf die wir die Hochschulen lenken wollen, indem wir 45 Modellprojekte unterstützen. Dafür ist unser Programm »Profis« gedacht. In Zukunft wollen wir vorzugsweise fortgeschrittene Studierende ins Land holen, also Masterkandidaten oder Doktoranden, bis hin zu den Postdocs. Bislang ziehen die Amerikaner und Engländer weit mehr Graduierte an als wir. Darum müssen wir mehr bieten. Dafür brauchen wir mehr Geld.
ZEIT: Und »Profis« soll das beschaffen?
Bode: Indirekt ja. Wir müssen die Internationalisierung unserer Universitäten professionalisieren. Für den Hochschulaustausch braucht man nicht nur Verständnis von Ländern und Kulturen, man muss auch wissen, wo man Geld bekommt. Dazu brauchen wir Profis in den Uni-Verwaltungen. Gleiches gilt für praktikable Auswahlverfahren, das ist eine Schlüsselfrage, der sich die deutschen Hochschulen bislang viel zu wenig gewidmet haben. Und drittens wird die Alumni-Pflege immer wichtiger, also die Verbindung zu halten zu denen, die die Universität erfolgreich abgeschlossen haben. »Profis« fördert die Entstehung solcher Strukturen.
ZEIT: Viel zu wenig ausländische Studenten schließen bislang ihr Studium auch ab. Ändert sich das jetzt dank der besseren Betreuung?
Bode: Leider fehlen uns noch verlässliche Zahlen, etwa was die Steigerung der Studienerfolgsquote angeht. Das liegt auch daran, dass es keine Vergleichsdaten aus der Vergangenheit gibt. Eines unserer zentralen Projekte war daher, den Hochschulen die nötige Software zur Verfügung zu stellen, um einen besseren Überblick zu bekommen. Vorher haben sie nur ihre Schäfchen gezählt, was aus den Einzelnen wurde, wusste keiner. Der zweite Schritt ist die Mängelanalyse: Woran scheitern die Studenten? Auch da gibt »Profis« Impulse in Form von Sprachunterricht oder Online-Sprachvorbereitung. Die Hochschulen haben sich mit einer Vielzahl von Projekten beworben, die besten fördern wir jetzt in der Hoffnung, dass sie sich auf Dauer irgendwie anderweitig finanzieren.
ZEIT: Demnächst werden auch ausländische Studenten Studiengebühren zahlen müssen. Kann das Programm auch da helfen?
Bode: Wir kennen das vom Ausland. Werden Studiengebühren eingeführt, entwickelt sich eine Stipendienkultur. Auch das ist ein Tätigkeitsfeld, das Know-how erfordert. Die Hochschulen brauchen engagierte Leute, die Stipendien akquirieren bei Stiftungen und Unternehmen. Dabei wollen wir ihnen in der nächsten Phase helfen. Alles hängt davon ab, ob das Programm überhaupt weitergeht.
ZEIT: Viele ausländische Studenten klagen über die sturen Behörden. Können Sie da helfen?
Bode: Unsere Stipendiaten haben da zum Glück kaum Probleme. Das sieht für andere schwieriger aus, speziell wenn sie aus Ländern kommen, die als einwanderungsverdächtig gelten. Generell ist die Lage besser geworden in den vergangenen zehn Jahren. Man muss aber sagen, dass die Praxis regional sehr unterschiedlich ist. Wir haben Ausländerbehörden, die außerordentlich kooperativ sind bis dahin, dass sie wie in Augsburg einen Schalter in die Uni verlegen. Und wir haben auch diese garstigen Fälle, es hängt sehr viel vom Sachbearbeiter ab. Hier kann man die Hochschulen wieder ermuntern: Kümmert euch nicht nur um eure Ausländer, kümmert euch auch um eure Behörden.
Interview: Jan-Martin Wiarda
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- Datum 06.11.2006 - 11:56 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 29.06.2006
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