Wie oft hat er in den vergangenen Jahren damit kokettiert, einfach aufzuhören? Und doch war immer klar: Der da schlecht gelaunt vor einem saß und sich scheinbar nur probeweise in den Gedanken seines eigenen Abgangs verliebte, wollte nichts weniger als Schluss machen mit der Politik. Er wollte ja noch etwas, wusste nur gerade nicht genau, welcher Schritt als Nächstes folgen musste und ob es ihm auch genügend Spaß machen würde, ihn zu gehen. Aber vorzeitig hinwerfen war in seinem Skript nie vorgesehen.

Umso schwerer fiel es, sich vorzustellen, wie er einmal die Kurve kriegen würde. Nun hat er sie gekriegt. Überraschend unprätentiös, mit einem Schuss Wehmut erklärt er seine politische Rolle für beendet und verabschiedet sich mit der Bitte, fortan seinen Status als Privatmann zu respektieren. Wie da einer der prägendsten Köpfe der Republik fast en passant abtritt, ist in seiner unspektakulären Inszenierung schon wieder spektakulär.

Plausibel ist der Abschied ohnehin: Denn der Politiker Joschka Fischer wollte nichts mehr, und das ist ein Zustand, den er nicht kannte, solange er Politiker war. Immer hatte er gewollt und zwar so stark, dass er die, die mit ihm zu tun bekamen, faszinierte, einschüchterte, abschreckte, mitriss oder sonst wie auf seine Linie zwang. Er tat das auf mancherlei Weise, mit Charme, mit Drohungen, mit Witz und manchmal sogar mit Argumenten. Aber die ganze Person schien darauf fokussiert, ihren Willen durchzusetzen.

Wie bei Herbert Wehner, dem anderen großen Überwältiger der Nachkriegspolitik, war auch Fischers ganze Energie auf ein Machtprojekt gerichtet: Wie Wehner seine Partei in die Regierung bringen und dort halten wollte, so hat es Fischer für die Grünen gewollt und erreicht. Zum Abschied hat Fischer jetzt noch einmal seinen Stolz auf die sieben rot-grünen Jahre bekannt die "Erneuerung des Sozialstaats, die Außenpolitik, den Verbraucherschutz". Aber ein anderer Satz klingt interessanter. " Ich bin nicht dafür gebaut, einen Erfolg zu verwalten", erklärt er. Nur, wann während der sieben Jahre ihn dieser Gedanke zum ersten Mal befallen hat, verrät er nicht.

Die Antwort gehörte mit in eine rot-grüne Bilanz. An ihr so viel Einmischung muss sein will auch Joschka Fischer noch mitschreiben.

Die Entscheidung Schröders jedenfalls, mit Neuwahlen das Ende von Rot-Grün besiegelt zu haben, beschäftigt ihn noch immer. Dass ihn das mutwillig beschleunigte Ende seines politischen Lebensprojektes kalt ließe, so viel Distanz wird selbst der politische Pensionär Fischer nicht aufbringen.

Ohne ihn wären die Grünen nie so weit gekommen. Zu dieser Binsenweisheit gehört selbstverständlich die Gegenrechnung: Seinen Abgang haben sie noch lange nicht verkraftet. Zum Abschied erinnert er sie daran, "die Machtfrage nicht aus dem Auge zu verlieren". Das passt, auch wenn Fischer zu dem neuen Machtprojekt nicht mehr beitragen wird. Es handele sich aller Voraussicht nach um "eine Dreierkonstellation" so viel immerhin verrät "der ältere Herr, der nun ein Stück grüne Parteigeschichte repräsentiert".