Zwölf Jahre lang hat Fritz Henn das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim geleitet. Nun kehrt der gebürtige US-Amerikaner in seine Heimat zurück. Wir bitten ihn um eine Bilanz seiner Arbeit in Deutschland und einen Ausblick auf künftige Projekte. Als stille Zuhörerin sitzt auch seine Frau Suella mit am Tisch ("Mein Mann ist zurzeit so viel unterwegs, da höre ich immer gern, was er zu sagen hat"). Die Biochemikerin und Theologin macht sich ihre eigenen Gedanken über die Gesundheit der Seele. Und so entwickelt sich das Gespräch in eine unvorhergesehene Richtung.

DIE ZEIT: Herr Professor Henn, mit 65 Jahren gehen Sie in die USA zurück, um dort noch einmal richtig zu forschen. Wäre das in Deutschland nicht möglich gewesen?

Fritz Henn: Ich könnte als Institutsdirektor noch einige Jahre bleiben. Aber zum einen habe ich am Brookhaven National Laboratory eine tolle Stelle angeboten bekommen - zum anderen sprechen persönliche Gründe für den Umzug: In den USA warten vier Enkelkinder auf meine Frau und mich.

ZEIT: 1994 kamen Sie vom Institute of Mental Health an der State University New York ans Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. War das ein Kulturschock?

Fritz Henn: Die ersten drei, vier Jahre waren unglaublich schwierig.

Deutsche Akademiker, besonders Mediziner, kultivierten sehr stark das hierarchische Denken. Als ich als Direktor ans ZI kam, merkte ich sofort: Wenn das so bleibt, gehen die besten jungen Leute weg. Daher habe ich versucht, diese Hierarchie zu durchbrechen. Zum Beispiel habe ich, weil ich die Sprache nicht richtig beherrschte, absichtlich alle geduzt, auch die Chefärzte. Ich habe die Assistenten aufgefordert, eigene Vorschläge zu machen und ihren Chefs auch mal zu widersprechen.

Und ich habe gute junge Forscher zu Professoren gemacht, selbst wenn sie noch nicht habilitiert waren.