Der Artikel von Susanne Gaschke steckt meines Erachtens voller Widersprüche, und irgendwie habe ich den Eindruck, sie sehnt sich insgeheim zurück nach starken Typen. Weshalb sonst beklagt sie, dass Jungs sich auf dem Schulhof nicht mehr ordentlich prügeln dürfen und die Literatur keine kernigen Vorbilder mehr liefert? Über den "Hermaphroditen aus Jeffrey Eugenides Middlesex" und "die zutiefst depressiven Familienväter aus Jonathan Franzens Corrections" möchte sie nichts lesen. Vermutlich will sie nicht daran erinnert werden, dass es Menschen gibt, die in gar kein gängiges Geschlechterbild hineinpassen und darunter leiden (Middlesex) sowie Männer, die traditionelle Rollen zwar internalisiert haben, aber nicht erfüllen können (Corrections). Dass genau diese Probleme aber heute erkannt und thematisiert werden, ist doch wohl ein großer Fortschritt.

Aus meinen eigenen Beobachtungen schließe ich, dass die Männer einer Generation über mir (also die heute über sechzigjährigen) mit einem viel klareren, aber auch viel reduzierteren Männerbild aufgewachsen sind als meine Altersgenossen und ich. Ihr Verhaltensrepertoire beschränkt sich vielfach darauf, Befehle zu befolgen und weiterzugeben und ihre berufliche Rolle auszufüllen. Sie sind nicht imstande, Motive und Ziele ihres Handelns zu ergründen und mitzuteilen. Das hat sich geändert. Deshalb hat sich eben nicht nur wie Susanne Gaschke meint das Verhaltensrepertoire der Frauen erweitert, sondern auch das der Männer: Ein großer Teil verfügt über viel mehr kommunikative Kompetenzen als ihre Väter. Das dürfte den Frauen und Kindern weit mehr zugute kommen als das traditionelle Marlon-Brando-Männerbild.

Susanne Gaschke schreibt: "Der flexible Single-Mann gilt Personalchefs heute als genauso seriös wie 1960 der junge Familienvater. Aber er ist es nicht." So dreist war die Diskriminierung noch nie. Ich gehe davon aus, dass Gaschke gegen die Benachteiligung von Müttern auf dem Arbeitsmarkt ist, folglich sollte sie auch nicht die Benachteiligung kinderloser Männer propagieren. Die Gründe, Kinder zu bekommen, sind ebenso wenig altruistisch wie der Verzicht auf Kinder. Es handelt sich um eine sehr persönliche Entscheidung, in ihrer Privatheit etwa vergleichbar mit der Frage nach der sexuellen Präferenz. Etwas polemischer ausgedrückt: Von der pauschalen Abwertung kinderloser Menschen ist es für mein Empfinden auch nicht mehr weit bis zur Diskriminierung von Schwulen und Lesben.

Markus Behr, per E-Mail

Männlichkeit kennt keine Grenzen. Am 17. Juni wurde in meiner geliebten Stadt Kiel die Kieler Woche, das weltgrößte Segelfest, eröffnet.

Innerhalb weniger Stunden ist für jeden zu beobachten, was Männlichkeit ausmacht: Junge Männer verschiedenster Nationalitäten torkeln in Gruppen durch Kiel. Hemmungslos werden Frauen "angemacht".

Mit Gegröle geht es weiter durch die Stadt. Zwischendurch wird an Häuser, Straßenlaternen oder auf die Straße gepinkelt. Ist der Pegel entsprechend hoch, kommen gelallte Sexualzoten über die Lippen. Bei den richtigen Männern darf während solch einer an sich tollen Veranstaltung das blau geschlagene Auge nicht fehlen. Leider werden die Männer, die sich bei solchen Gelegenheiten beweisen müssen, immer jünger!