Liebe Journalisten, liebe Boulevardjournalisten! Bitte, gestattet uns ein offenes Wort unter Kollegen. Uns missfällt der elitäre Ton, mit dem Ihr Günther Jauch als Nachfolger von Sabine Christiansen in die Pfanne haut. Das hat er nicht verdient; er ist eine Seele von Mensch, und als Unterhaltungsonkel der beliebteste Deutsche. Frau Christiansens Sendung war zuletzt so abwechslungsreich wie der Speiseplan im Nonnenkloster zur Fastenzeit. Immer wenn es spannend wurde und Hans-Olaf Henkel außer Sicht war, schickte sie ihre Zuschauer ins Bett, zum Beten. Zu Recht betonte der heimliche ARD-Vorsitzende Jobst Plog in einer Sondersendung zur Berufung von Günther Jauch, dieser sei eine gute Wahl, weil die ARD sie persönlich getroffen habe.

Zugegeben, Jauch (49) ist kein politischer Journalist; er kommt aus dem Unterhaltungssektor. Na und? Im Seichten kann man nicht ertrinken, das ist eine alte Weisheit, die die ARD gerade mühsam erlernt. Im Gegensatz zu seinen Gegnern hat Herr Jauch begriffen, dass Politiker in dieser Welt nichts mehr zu bestellen haben. Was uns bleibt, ist ein fröhliches Ratespiel, ein buntes Quiz für die ganze Familie. Raten Sie mit! Wie lange hält die Große Koalition unter Franz Müntefering? Wie krank wird Deutschland nach der Gesundheitsreform? Müssen wir alle sterben? Ist es für Männer in der Politik ein Nachteil, keine Frau zu sein? Wie kurz wird die modische Kurzhaarfrisur bei Kurzhaardackeln in Sabine Christiansens neuem Pariser Hundesalon? Wie oft wird Bundespräsident Köhler noch den Bundestag auflösen, weil deutsche Frauen keine deutschen Kinder kriegen? Ist Deutschland bereit zum Erfolg? Derzeit sind wir Papst und Exportweltmeister: Was müssen wir tun, um weiter am Ball zu bleiben? Politiker haben immer wieder behauptet, Konzerne müssten endlich mehr Geld verdienen, damit Firmen in Deutschland Arbeitsplätze schaffen. Wie hoch muss ihr Nettogewinn dafür sein? Reichen fünf Milliarden? Oder sind zehn nicht besser? Wie stark müssen im Gegenzug die Sozialleistungen sinken, damit ein Arbeitsloser wieder Freude an der Arbeit hat?

Abschließend eine Frage an den Kollegen von der Zeitschrift Stern: Wie lange braucht ein Hartz-IV-Empfänger, um so reich zu werden, dass er mehr Geld in der Tasche hat als sein Frisör Haare auf dem Kopf? Wer wird als nächstes Millionär? Bitte erst nachdenken, dann reden, wenigstens diesmal. Falls Sie nicht weiterwissen, setzen Sie bitte den Joker ein. Danke fürs Zuschauen!