DIE ZEIT: Herr Klinsmann, die WM geht in ihre heiße Phase, Ihre Elf steht im Viertelfinale, der neue offensive Stil wird bejubelt. Der Systemwechsel weg von der Defensive scheint irreversibel zu sein. Da Sie stets betont haben, Ihr wichtigstes Anliegen als Bundestrainer sei genau diese fundamentale Veränderung: Ist Ihre Mission damit jetzt schon erfüllt?Hat gut Lachen: Jürgen Klinsmann BILD

Jürgen Klinsmann: Nein. Keinesfalls.

ZEIT: Sie zweifeln daran, dass die deutsche Nationalelf diesen Stil von nun an dauerhaft pflegen kann?

Klinsmann: In keinster Weise, das wird man schon im Viertelfinale sehen. Und der bisher wichtigste Beleg für die Richtigkeit unserer Spielphilosophie ist sicherlich diese Weltmeisterschaft. Allerdings muss sich eine solche Philosophie trotzdem über Jahre hinweg verinnerlichen.

ZEIT: Die WM ist in gut einer Woche vorüber. Wie kann es danach weitergehen?

Klinsmann: Unser Wunsch war von Anfang an, dass unser System für die Nationalelf auch auf alle übrigen Auswahlmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes übertragen wird. Und: dass auch die Bundesligaklubs diese Spielweise übernehmen. Der Anfang ist gemacht: Jeder sieht bei dieser WM, dass deutsche Spieler ein hohes Tempo spielen können, über 90 Minuten und notfalls auch darüber hinaus. Dass sie schnellen Fußball praktizieren können, mit nur ein oder zwei Ballkontakten. Jeder weiß jetzt: Das alles können deutsche Fußballer! Wenn sie richtig geführt werden und richtig trainieren.

ZEIT: Ist das für Sie die wichtigste Bilanz bisher?