Interview »Ein gewaltiger Ruck«

Vor dem Viertelfinale gegen Argentinien: Bundestrainer Jürgen Klinsmann über die neue Freude am deutschen Fußball, die Irrtümer seiner Kritiker, das Versagen der Bundesliga und den Zwang, ins Endspiel zu kommen

DIE ZEIT: Herr Klinsmann, die WM geht in ihre heiße Phase, Ihre Elf steht im Viertelfinale, der neue offensive Stil wird bejubelt. Der Systemwechsel weg von der Defensive scheint irreversibel zu sein. Da Sie stets betont haben, Ihr wichtigstes Anliegen als Bundestrainer sei genau diese fundamentale Veränderung: Ist Ihre Mission damit jetzt schon erfüllt?

Jürgen Klinsmann: Nein. Keinesfalls.

ZEIT: Sie zweifeln daran, dass die deutsche Nationalelf diesen Stil von nun an dauerhaft pflegen kann?

Klinsmann: In keinster Weise, das wird man schon im Viertelfinale sehen. Und der bisher wichtigste Beleg für die Richtigkeit unserer Spielphilosophie ist sicherlich diese Weltmeisterschaft. Allerdings muss sich eine solche Philosophie trotzdem über Jahre hinweg verinnerlichen.

ZEIT: Die WM ist in gut einer Woche vorüber. Wie kann es danach weitergehen?

Klinsmann: Unser Wunsch war von Anfang an, dass unser System für die Nationalelf auch auf alle übrigen Auswahlmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes übertragen wird. Und: dass auch die Bundesligaklubs diese Spielweise übernehmen. Der Anfang ist gemacht: Jeder sieht bei dieser WM, dass deutsche Spieler ein hohes Tempo spielen können, über 90 Minuten und notfalls auch darüber hinaus. Dass sie schnellen Fußball praktizieren können, mit nur ein oder zwei Ballkontakten. Jeder weiß jetzt: Das alles können deutsche Fußballer! Wenn sie richtig geführt werden und richtig trainieren.

ZEIT: Ist das für Sie die wichtigste Bilanz bisher?

Klinsmann: Ja. Bis kurz vor der WM hat man doch eine ganze Generation deutscher Fußballer im Vorhinein für unfähig erklärt. Die ganzen letzten Jahre hieß es: »Wir haben die Spieler nicht, um so einen Fußball zu spielen, von dem ihr da redet.« Aber wir haben jetzt die Antwort gegeben: »Wir haben diese Spieler doch. Man muss ihnen nur die Möglichkeit geben, sich zu entfalten.« Wenn man Spieler auf die Bank setzt in den Klubs oder ihre Stärken nicht richtig fördert, muss man sich nicht wundern.

ZEIT: Hört sich so an, als sei diese WM auch ein persönlicher Triumphzug für Sie.

Klinsmann: Ich meine es in erster Linie konstruktiv: Dass Spieler wie Schweinsteiger und Metzelder bei der WM so auftreten, wie sie auftreten, das hat auch mit unserer Arbeit zu tun. Das hilft ihnen – und kann auch den Vereinen helfen.

ZEIT: Was konkret ist der Grund dafür, dass beispielsweise Bastian Schweinsteiger in der Nationalmannschaft viel auffälliger spielt als beim FC Bayern?

Klinsmann: Ich stecke nicht drin im Tagesgeschäft des FC Bayern. Ich kann nur sagen, dass wir uns sehr, sehr viel Mühe geben, mit jedem Einzelnen zu sprechen, auf jeden Einzelnen sehr individuell einzugehen. Aber wir sind dabei nicht immer nur nett, das nicht! Das sind oft auch schwierige Gespräche, in denen wir den Jungs sagen müssen: »Wenn ihr nicht auf diesem oder jenem Gebiet besser werdet, dann fährt der Zug ohne euch ab.« Aber wir reden mit ihnen. Die Spieler spüren, dass wir es mit jedem von ihnen als Person ernst und gut meinen. Diese junge Generation, auch Bastian Schweinsteiger, braucht Kommunikation, ehrliche Kommunikation.

ZEIT: Zu dieser Kommunikation gehört auch, dass Sie gesagt haben, ein Ausscheiden für »die Fußballnation« Deutschland im Viertelfinale wäre »eine Katastrophe«. Gilt das auch für Sie persönlich?

Klinsmann: Katastrophe war wohl etwas überzogen, aber ein Ausscheiden jetzt entspricht nicht unseren Ansprüchen, auch meinen nicht. Wenn wir in ein paar Wochen auf die WM zurückschauen und sehen: »Aha, wir sind bis ins Viertelfinale gekommen…« – das kann es nicht sein! Ausscheiden im Viertelfinale, das waren für mich als Nationalspieler die größten fußballerischen Enttäuschungen meiner Karriere. 1998 in Frankreich. Und besonders 1994 in den USA. Ich habe Monate gebraucht, um darüber hinwegzukommen. Allein schon deshalb darf nicht Schluss sein im Viertelfinale.

ZEIT: Das Land scheint schon zufrieden zu sein…

Klinsmann: Fatal! Zum Glück profitiere ich in genau dieser Situation jetzt unheimlich von meiner Erfahrung als Spieler, besonders von meinen drei Welt- und Europameisterschaften. Ich hätte nie gedacht, dass ich von denen mal so profitieren würde. Das lernt man in keinem Trainerseminar des DFB: Ich weiß, was vor einem Viertelfinale in den Köpfen der Spieler vorgeht, was los ist, wenn ringsum so eine Euphorie herrscht. Ich kann meinen Spielern Beispiele nennen: Nach dem Achtelfinale 1990 gegen Holland dachten wir auch, wir sind die Größten – im Viertelfinale haben wir uns dann gegen die Tschechen nur mit einem Elfmeter gerettet. Und ich weiß auch, wie es ist, eine WM einfach wegzuschmeißen, wie es uns im Viertelfinale 1994 passiert ist.

ZEIT: Das klingt, als seien Sie auch schon süchtig geworden nach Adrenalin, nach der Trainerdroge.

Klinsmann: Nach so einer kurzen Zeit kann ich erst einmal nur sagen: Ich gehe auf in dieser Tätigkeit, ja. Auf der anderen Seite lasse ich mich aber nicht auffressen, insofern keine Droge, keine Sucht.

ZEIT: Werden wir irgendwann, irgendwo den Vereinstrainer Klinsmann sehen?

Klinsmann: Das kommt für mich momentan nicht infrage. Da bliebe null Raum für die wichtigen persönlichen Dinge, vor allem die Familie.

ZEIT: Ist es wahrscheinlicher, dass Sie nach der WM einfach wieder in Ihren beruflichen Alltag als Teilhaber Ihrer Firma Soccersolutions nach Amerika zurückkehren, als sei nichts gewesen?

Klinsmann: Jederzeit ist das vorstellbar. Einfach weil ich weiß, was ich in den Jahren davor gelernt und geschätzt habe, an der Arbeit mit meinen Partnern in unserer Firma. Fußball bleibt aber auf alle Fälle das Thema.

ZEIT: Als Sie vor zwei Jahren anfingen, den Trainerjob auszuprobieren…

Klinsmann: …es ging nie ums Ausprobieren, in keinster Weise.

ZEIT: Sie hatten keinerlei Erfahrung.

Klinsmann: Aber ein Ziel. Es war Neuland für mich, das ist richtig. Und ich wusste nicht, ob die Umsetzung gelingen würde. Aber das Ziel und auch der Weg dorthin waren klar, als ich das Engagement angenommen habe: 2006 muss hier was stehen.

ZEIT: Jedenfalls haben Sie als junger Trainer häufig betont, eigentlich komme das Turnier für Ihre junge Elf zu früh. Würden Sie das heute so wiederholen?

Klinsmann: Ich würde das heute relativieren. Richtig ist auch heute noch: Die jungen Spieler werden noch wachsen, sie werden noch besser werden in den nächsten Jahren. Was ich hingegen so nicht vorhergesehen habe, war die bei dieser WM unglaublich starke Präsenz der älteren Spieler. Derjenigen um die 30: Miro Klose, Torsten Frings, Bernd Schneider und Kapitän Michael Ballack. Wie sie diese für sie einmalige Chance, sich international bei der WM im eigenen Land zu präsentieren, ergreifen würden, das war das große Fragezeichen. Das Fragezeichen ist jetzt weg.

ZEIT: Insbesondere hinter Miroslav Kloses Auftritten scheint derzeit eher ein Ausrufezeichen zu stehen.

Klinsmann: Zu ihm haben wir gesagt: »Vergiss die Bundesliga, vergiss dich als Torschützenkönig, vergiss die Champions League. Das ist alles unwichtig und klein gegen eine WM. Das interessiert da keinen. Wenn du eine Marke werden willst im internationalen Fußball, dann geht das nur bei einer WM. Hier entscheidet sich, ob du in Erinnerung bleiben wirst oder nicht.« Offenbar hat er das wirklich verstanden. Darüber freuen wir uns unglaublich.

ZEIT: Doch das Establishment der Bundesliga schweigt weiterhin?

Klinsmann: Ich kann Ihnen sagen, dass uns am Morgen vor dem Spiel gegen Schweden César Luis Menotti besucht hat. Da ist mir aufgefallen: Der war, als er Argentinien 1978 im eigenen Land zum Weltmeister machte, in meinem Alter. Der sagte einfach: »Das Wichtigste ist, dass sich die Spieler in dem Stil, für den die Mannschaft steht, wiederfinden.« Er hatte damals Kempes, Ardiles, Passarella, mit denen konnte er seinen begeisternden Fußball spielen. Zu uns hat er gesagt: »Auch eure Spieler passen zu dem Spielstil, den ihr euch ausgedacht habt.« Er hat allerdings auch zugegeben, dass er viele Spieler vorher gar nicht kannte. Mittlerweile ist er begeistert.

ZEIT: Was würden Sie einem Bundesligatrainer sagen – falls doch mal einer nach Ihren Methoden fragt?

Klinsmann: Es gäbe einiges zu sagen, das hat aber gar nicht so viel mit unserer Arbeit zu tun, sondern mit der Entwicklung des internationalen Fußballs der vergangenen Jahre.

ZEIT: Zum Beispiel?

Klinsmann: Zum Beispiel, dass die Champions League das Maß aller Dinge im internationalen Vereinsfußball ist – und nicht die Tabellenspitze der Bundesliga. In der Champions League sieht man, dass es unerlässlich ist, sein Team als kompakte Einheit zu definieren, in der sich alle Mannschaftsteile gemeinsam verschieben müssen, vorn, hinten, links, rechts, alle zusammen! Viel Arbeit.

ZEIT: Dazu schweigen die Gurus von Beckenbauer bis Netzer aber bisher?

Klinsmann: Ja, und das zeigt, wie zerbrechlich die ganze Sache ist. Obwohl jeder sieht, dass das, was wir tun, was José Mourinho bei Chelsea tut, Frank Rijkaart in Barcelona, Arsène Wenger bei Arsenal, dass das für das Fortkommen des deutschen Fußballs alternativlos ist – richtiger wäre zu sagen: für das Aufholen des deutschen Fußballs alternativlos ist. Alle wissen das. Und trotzdem sage ich Ihnen, wenn wir rausfliegen würden gegen Argentinien, ginge die Diskussion wieder los: Wäre es nicht besser gewesen, abzuwarten? Erst mal hinten dichtzumachen? Auf Konter zu lauern? Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir weiterkommen, noch weiter, bis zum Endspiel. Vor allem, damit dieser Prozess das einzig entscheidende Gütesiegel bekommt: den Erfolg. Und wir werden ihm dieses Gütesiegel verpassen.

ZEIT: Bis dahin scheint Ihnen noch immer ein eisiges Schweigen aus der Bundesliga entgegenzuschlagen.

Klinsmann: Nicht ganz. Thomas Doll macht es vor, wie es gehen kann, er interessiert sich und arbeitet in Hamburg ähnlich wie wir. Auch dass Jürgen Klopp in Mainz sich mit seinem doch offensichtlich begrenzten Kader in der Liga halten kann, hat viel mit seiner Spiel- und Trainingsphilosophie zu tun, die unserer sehr ähnelt. Und auch einige andere Bundesligatrainer gehen neue, verheißungsvolle Wege. Aber klar ist: Wenn wir international den Anschluss nicht auf Jahre verpassen wollen, muss ein gewaltiger Ruck durch Fußballdeutschland gehen. Vor allem der Deutsche Fußball-Bund muss sich bekennen. Er muss sich erklären: Steht er für diese Spielphilosophie? Oder steht er nicht dafür?

ZEIT: Und? Bekennt er sich?

Klinsmann: Im Moment warten alle das Ergebnis der WM ab.

ZEIT: DFB-Chef Theo Zwanziger hat doch gerade gesagt, er wolle Sie unbedingt halten. Wörtlich: »Die Messlatte ist längst übersprungen.«

Klinsmann: Es geht aber nicht um meine Person. Es geht um die Spielphilosophie. Wenn man daran glaubt, muss diese Philosophie in der Trainingslehre, Trainerausbildung, in den Juniorennationalmannschaften des DFB und auch an der Basis in den Landesverbänden umgesetzt werden.

ZEIT: Dennoch: Glauben Sie nach all den Glaubenskämpfen in den vergangenen zwei Jahren, dass Ihnen alle im Verband Erfolg wünschen?

Klinsmann: Das müssen Sie bewerten, ich lasse das mal offen. Jeder hat seine eigene Auffassung von Fußball, das ist auch gut so. Deshalb sagen wir zweierlei, um es den Kritikern leichter zu machen. Erstens – falls es daran liegen sollte: Es geht nicht um Personen, schon gar nicht um meine. Und zweitens: Wir haben das nicht erfunden. Das, was wir machen, ist einfach internationaler Standard, das ist der Fußball vom FC Barcelona, von Arsenal London, von Ajax Amsterdam. Zwischen den deutschen Topteams und diesen Mannschaften liegen Welten.

ZEIT: Folglich müssten Sie Ihren Nationalspielern empfehlen, ins Ausland zu wechseln.

Klinsmann: Wir nehmen es jedenfalls als Kompliment für unsere Arbeit, dass deutsche Spieler jetzt wieder Angebote von internationalen Vereinen erhalten. Das war ja, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, über Jahre nicht mehr der Fall.

ZEIT: Und die Spieler hätten im Ausland den Vorteil, alltäglich mit einer ähnlichen Trainingslehre konfrontiert zu werden wie in Deutschland nur in der Nationalelf? Ist es wirklich so krass?

Klinsmann: Das kommt auf den Klub an. Thomas Schaaf bei Werder Bremen arbeitet zum Beispiel sehr ähnlich wie wir, deswegen fügen sich die Werder-Spieler bei uns so gut ein. Klose, Frings, Borowski – die kennen das: Kopf immer oben halten, Ball annehmen, passen, bum, bum. Das Wichtigste ist nicht, ob einer ins Ausland geht oder nicht. Das Wichtigste an dieser Entwicklung ist, dass wir dem Ausland mit Nachdruck signalisieren: In Deutschland gibt es wieder konkurrenzfähige Spieler. Ich weiß aus meinen persönlichen Kontakten, dass fast alle jungen Spieler, die wir bei dieser WM dabeihaben, inzwischen in der Diskussion sind im Ausland. Fast alle meine ehemaligen Vereine, meistens deren Präsidenten, rufen bei mir an, um sich nach den Jungs zu erkundigen.

ZEIT: Der Chor der wohlmeinenden Öffentlichkeit feiert Sie ja nun dafür, dass Ihr Konzept komplett aufgegangen sei – sogar die unfassbare Anschubkraft der Zuschauer hätten Sie in dieser Gewalt erwartet. Kritiker wenden ein, Ihre Mannschaft spiele erst erfolgreich, seit Michael Ballack auf eine defensivere Spielweise gedrängt hat. Stimmt das?

Klinsmann: Ich weiß nicht, wie Michael das nun definieren würde. Aus Sicht des Trainerstabes war immer klar, dass wir auch immer Wert auf Defensive gelegt haben. In der Öffentlichkeit wurde es dann so dargestellt, als ob Ballack uns diszipliniert hätte.

ZEIT: Die Defensive hat Ballack doch lange zu Recht Sorgen gemacht. Und dem Fußballpublikum auch.

Klinsmann: Und uns auch. Wir wussten immer, dass wir lernen müssen, im Defensivverhalten kompakt zu arbeiten. Alle, auch das Mittelfeld, auch der Angriff. Das war die Diskussion, die wir mit der Mannschaft hatten, nach den zwei Gegentoren gegen Costa Rica: »Was, wenn es die Situation gibt, dass wir in der Abwehr mit vier Spielern auf einer Linie stehen und der ballführende Gegenspieler das Gesicht nach vorn hat? Was muss dann passieren?« Zigmal sind wir das durchgegangen: Einer muss sich absetzen aus der Kette, dann muss sich ein anderer absetzen, um ein Dreieck zu bilden. Und: Wir wollen niemals bewusst auf Abseits spielen, das können wir gar nicht. So verlief die Diskussion, zu der Ballacks Beitrag auch wichtig war.

ZEIT: Bei aller Akribie. Steht nicht trotzdem jedes WM-Spiel wieder auf des Messers Schneide?

Klinsmann: Klar, weil es einen Gegner gibt. Und Gegenspieler. Wie es Zlatan Ibrahimovic bei den Schweden einer war. Wenn der den Ball mit der Brust stoppt und sich dreht, da kann ich Christoph Metzelder vorher erzählen, was ich will, da löst sich in dem Augenblick alles auf, die ganze Vorbereitung, die ganzen zwei Jahre, da entscheiden plötzlich einzelne Spieler. Das kann im nächsten Spiel eine Finte von Lionel Messi sein oder ein Freistoß von Riquelme. Wenn der schießt aus 25 Metern, kann ich vom Spielfeldrand der Mauer »Springt hoch!« zurufen, wie ich will – in einem genialen Moment schießt er da trotzdem drüber, und kurz vor dem Tor senkt sich der Ball. Peng, ist er drin. Das kann aber auch Michael Ballack sein mit einem Kopfball.

ZEIT: Sie sagen, dass es – anders als im Training – jetzt immer einen Gegner gibt. Ist es da nicht schade, dass Sie nun, schon im Viertelfinale, auf den Gegner schlechthin treffen?

Klinsmann: Nein, in keiner Weise. Argentinien kommt genau richtig. Hier können wir uns messen, über uns hinauswachsen. Das ist genau das, was wir jetzt brauchen.

Das Gespräch führten Moritz Müller-Wirth und Henning Sussebach

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Leser-Kommentare
  1. Costa Rica - bemüht aber hilflos
    Polen - ohne Format dafür mit Pech gesegnet
    Ecuador - mit der zweiten Mannschaft und unmotiviert
    Schweden - schlafmützig und einer Verteidigung im Dauerstreik

    Die neue deutsche Großmäuligkeit ist nervig und führt an der Wahrheit vorbei:

    Das Niveau der meisten Spiele der WM ist mäßig. Die bisherigen Gegner der deutschen Mannschaft sind als Mittelmaß noch gut bewertet. Die Champions League und selbst die Bundesliga bieten im Vergleich zur WM Fußball von einem anderen Stern.

    Schon deshalb wäre ein Vereinstrainer Klinsmann mit der wöchentlichen Forderung nach Nachhaltigkeit stark überfordert.

    Die neue Großmäuligkeit der vier Musketiere Klinsi & Co. weist langfristig den falschen Weg. In vier Wochen will Herr Klinsmann alles korrigiert haben, was in den Bundesligavereinen falsch gemacht wird. Zur Zeit fragt sich der Beobachter tatsächlich, was machen die Spieler im Vereinstrainig eigentlich? Sollten sie ihre wertvolle Zeit nicht besser auf DFB-Seminaren und -Lehrgängen verbringen?
    Sollten die Trainer der Bundesliga nicht mehr auf ihre Auswechselspieler setzen?

    Überhaupt ist diese WM befrachtet mit Merkwürdigkeiten: Die Australier werden in letzter Minute ausgeschieden. Die Niederlande scheiden sich selber aus. Die Tschechen ... Die Gruppenzusammensetzung scheint mehr als merkwürdig. Mexico und Argentinien zeigen im Achtelfinale ein Spiel, das eines Halbfinales würdig wäre. Bei der Schweiz und der Ukraine fragt sich der überraschte Zuschauer, wie haben die das überhaupt geschafft?!
    ...
    Wie auch immer, der sportliche Wert der Weltmeisterschaft 2006 kann nur sehr eingeschränkt als solcher betrachtet werden. Der Weltmeister 2006 wird ein Weltmeister der Zufälligkeiten sein - oder etwa nicht?!

    korfstroem

  2. Ja, sie hat nämlich einen Artikel im Online-Angebot, der zu100% mit Zitaten aus diesem Interview gespeist ist:

    {LINK GELÖSCHT)

    Ganz schön einfallslos.

    • Hipper
    • 29.06.2006 um 14:37 Uhr

    Der Schlafwagenfußball des grauen Bundesliga-Alltags wird uns noch früh genug wieder aufgetischt werden, also sollten wir die WM genießen, solange wir können! Wer behauptet, dass die Bundesliga auf internationalen Spitzenniveau mithalten kann, hat den deutschen Vereinsfußball wohl schon länger nicht mehr verfolgt - im UEFA Cup stellen teilweise schon Mannschaften wie z.B. "Metallurg Donezk" nahezu unüberwindliche Hürden für unsere Klubs dar.

    Die Ursachen hierfür, sind u.a. in der mangehaften Jugendarbeit in den 90er Jahren zu suchen. Selbst heutzutage findet man auf diesem Gebiet oftmals noch Zögerlichkeit, Zufallsprinzip und eine "Turnvater Jahn Mentalität"

    In Sachen (Aus-) Bildung, ist der deutsche Fußball in einer ähnlichen Situation, wie die deutsche Gesamtgesellschaft - es muß noch viel getan werden.

  3. 4. \N

    @ korf

    Ihr Kommentar sagt leider gar nix außer Meckerei. Beispiel:

    Weltmeister werden immer per Zufall ermittelt!
    Bsp 1990, da war's ein Elfer
    Bsp 1994 da war's ein Elfmeterschießen
    BSp 2002 da war's ein Kahnfehler und ein Lattentreffer.

    Und:
    Natürlich sind viele Fußballspiele langweilig, was dachten Sie denn? Selbst Championsleague ist meiste nur im Zusammenschnitt interessant.

    Aber:
    Gegen Polen sind die Deutschen gerannt, gegen Ecuador und auch gegen Schweden.
    Andere Mannschaften haben da weit minimalisitischer gespielt - ich bin stolz auf unsere Jungs.

    • zorc
    • 28.06.2006 um 16:50 Uhr

    korfstroem nörgelt: "Das Niveau der meisten Spiele der WM ist mäßig. Die bisherigen Gegner der deutschen Mannschaft sind als Mittelmaß noch gut bewertet. Die Champions League und selbst die Bundesliga bieten im Vergleich zur WM Fußball von einem anderen Stern." -- Wenn die Gegner alle schlechter sind, müssen die Deutschen wohl vergleichsweise gut sein. Und dass Ligafußball und Turniere wie die WM anderen Gesetzen folgen, ist ja nun auch keine tiefe Einsicht.

  4. Die WM ist nicht merkwürdig, sondern eher musterhaft, fast ein Destillat aller WM-Klischees der letzten Jahrzehnte:

    - Italien gewinnt 1:0, in der Nachspielzeit, durch einen zweifelhaften Elfmeter.
    - Mexiko kämpft als Außenseiter groß und verliert dann doch knapp.
    - Die Niederländer scheitern an internen Streitigkeiten und undisziplinierten Fouls.
    - Spanien rauscht durch die Vorrunde und scheidet doch früh aus.
    - Die afrikanischen Teams spielen von Mal zu Mal besser, scheiden aber doch bis auf ein Team in der Vorrunde aus.
    - Ein osteuropäisches Team kommt mit sehr unspektakulärem Fußball durch Vorrunde und Achtelfinale.
    - Deutschland steht (wie immer seit 1954) im Viertelfinale.
    - Unter den letzten Acht sind Argentinien, Beasilien und sechs Europäer.
    - Brasilien spielt die ersten Spiele mit halber Kraft und gewinnt sie doch unangefochten.

    Das einzige, was sich geändert hat: Die deutschen Pflichtsiege sind nicht mehr so gähnend langweilig.

  5. zuerst möchte ich berti vogts danken - berti vogts???

    ohne den kleinen terrier wäre die heutige truppe nicht beisammen. berti hat damals in seiner zeit den jugendbetrieb des dfb unter die lupe genommen und einen totalen umbruch in der struktur herbei geführt, und diese arbeit zahlt sich langsam aus.

    deutschland hat so viele junge talente wie schon lange nicht mehr - evtl. wie noch nie? nie gab es so viele jugendteams in den europameisterschaftsendrunden, nur ein titel fehlte zum glück.

    nun zu klinsi - was wurde nicht alles geschrieben und erdacht, besonders wenn es peinliche ergebnisse gab ( 1:4 italien, 0:2 slowakei ). sein trainerstab galt als zu aufgebläht, seine methoden als nicht effizient oder zu neu, und überhaupt - kann ein trainer trainer sein wenn er mehr bei seiner familie ist?

    aber bis jetzt hat er alles genau richtig gemacht, und fast jeder spieler sagt : ich bin so fit wie noch nie ( vgl. auch deu-jpn - aufholjagd in der schlussphase )

    versteht mich nicht falsch, wir haben lediglich die vorrunde überstanden, und das in der leichtesten gruppe die es bei der wm gibt, aber feiet deutschland nicht besonders diese erfolge weil wir sie haben sonder hauptsächlich WIE wir sie errungen haben? selbst das spiel gg polen das "nur" 1:0 gewonnen wurde hat mehr spass gemacht als fast alle länderspiele der letzten jahre, denn jeder konnte spüren das es nur eine frage der zeit ist wann das tor fällt, und nie hatte ich das gefühl das die polen eins schiessen könnten.

    so etwas gibt selbstvertrauen. ok, die gegner waren keine weltspitze, aber trotzdem ist es beeinduckend in 3 spielen ganze 3 chancen zugelassen zu haben. von den 8 geschossenen sind 6 stürmertore ( wann gab es eine solche quote zuletzt? ), die einwechselspieler fügen sich fast immer natlos ein, verletzungen wuden locker kompensiert.

    langsam verstehe ich warum sich ein oliver kahn auf die bank setzt : hier wächst etwas unglaubliches zusammen, das sind nicht 23 spieler einer zweckgemeinsschaft, das ist EINE gemeinschaft.

    egal wie die wm weitergeht : ich bin stolz auf unsere mannschaft.

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