Im Streit um den Verkauf der Sparkasse Berlin fällt schnell der Vorwurf des Protektionismus. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) droht im Fall des Verkaufs an einen privaten Investor mit dem Rauswurf der Sparkasse aus dem Verband, Kritiker bezichtigen ihn deshalb der Blockadepolitik. Doch zwei Präzedenzfälle aus Baden-Württemberg zeigen, dass bei einem Eigentümerwechsel durchaus ein Wechsel des Bankenverbands die Folge sein kann. BILD

Die Südwestbank zählte zu den traditionsreichen überregionalen Genossenschaftsbanken in Baden-Württemberg, ihre Klientel rekrutierte sie vor allem im Kreis der Landwirte. Nach der Umfirmierung in eine Aktiengesellschaft war sie noch eine Zeit lang mehrheitlich im Besitz der DZ Bank, dem bundesweiten Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken. Doch die verkaufte ihr Aktienpaket im Juli 2004 an die Eigentümer des Hexal-Arzneimittelkonzerns. Die Konsequenz: Mit Wirkung vom 1. Januar 2005 trat die Südwestbank aus dem Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken aus und wechselte in den Bundesverband deutscher Banken (BdB), der die Privat- und Großbanken repräsentiert.

Jener wiederum hatte drei Jahre zuvor ein Mitglied an die Konkurrenz verloren – nämlich die Baden-Württembergische Bank (BW-Bank). Die Bank war ursprünglich aus dem Zusammenschluss privater Banken in Karlsruhe, Heilbronn und Stuttgart entstanden und gehörte zwar mehrheitlich dem Land Baden-Württemberg, agierte jedoch als börsennotierte Privatbank unabhängig von Landesbank und Sparkassen. Das änderte sich im Herbst 2001, als die Landesregierung die Übernahme durch die Landesbank Baden-Württemberg einfädelte.

Pikanterweise war zu diesem Zeitpunkt BW-Bank-Chef Frank Heintzeler Präsident des BdB. Zunächst wollte der Bankenverband die Doppelrolle Heintzelers als Privatbanken-Präsident und Vorstand eines öffentlich-rechtlich dominierten Kreditinstituts akzeptieren. Doch bald beugte sich der BW-Bank-Chef dem Druck der Verbandsmitglieder und zog die Konsequenzen: Sowohl Heintzeler persönlich wie auch das Geldinstitut verließen den privaten Bankenverband.

Heute betreibt die BW-Bank als unselbstständige Geschäftseinheit der Landesbank Baden-Württemberg das Privatkundengeschäft – und das wiederum in Konkurrenz zu den baden-württembergischen Sparkassen. HAM