Was hat sich Finanzminister Peer Steinbrück da bloß einfallen lassen? Unternehmen will er steuerlich entlasten und Zinsen niedriger besteuern als Gehälter. Warum sollen Konzerne wie Siemens und Allianz weniger Steuern zahlen, obwohl sie happige Gewinne machen und ihre Mitarbeiter zu Tausenden entlassen? Und wieso wird ausgerechnet Einkommen aus Vermögen geschont?

Weil das sinnvoll ist. Die Reform der Unternehmensbesteuerung, um die es hier geht, hat vor allem ein Ziel: Wettbewerbsnachteile gegenüber Standorten im Ausland zu korrigieren. Da ist es richtig, den Satz der Körperschaftsteuer zu senken und Zinseinnahmen mit einem einheitlichen Satz zu belasten. Dass gleichzeitig die Gewerbesteuer gestärkt wird, kommt den Kommunen zugute. Andernfalls müsste man ihnen eine andere Finanzquelle erschließen. Da muss der Sozialdemokrat Steinbrück vor allem gegenüber seinen Genossen stur bleiben.

Eine große Reform aus einem Guss wird das nicht, das ist heute schon erkennbar. Aber das Mindeste, worauf sich die Regierung jetzt einigen muss, ist ein mit soliden Zahlen versehenes Konzept. Von Woche zu Woche drückt sie sich vor einer Festlegung. Stattdessen kommen aus den Reihen von Schwarz-Rot immer neue Einwände und Änderungswünsche. Längst wollten die Koalitionäre Klarheit schaffen. Gelingt das nicht vor der Sommerpause, ist der Finanzminister beschädigt und die Wirtschaft verunsichert. Es wäre gut, wenn die Große Koalition wenigstens mit einer begrenzten Steuerreform ihre Handlungsfähigkeit beweisen könnte.