Es ist heiß, das Fußballfieber steigt. Da fällt es schwer, an die Vogelgrippe zu denken, die noch vor wenigen Monaten die Schlagzeilen beherrschte. Doch der Erreger H5N1 macht keine Pause. Er ist immer noch aktiv und tötet in Asien weiterhin Menschen. Nach aktueller Zählung sind weltweit inzwischen 138 Personen an der Vogelgrippe gestorben. Auch ist das Risiko nicht geringer geworden, dass H5N1 von Mensch zu Mensch springt und dann einen weltweiten Seuchenzug, eine Pandemie, auslöst. Zwar sah es schon einige Male so aus, als habe diese Übertragung bereits vereinzelt stattgefunden – aber ausreichend belegt wurde diese Vermutung bisher nicht. Jetzt verkündete die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sie habe in Indonesien erstmals eine solche Übertragung nachgewiesen. Wie schon einige Male zuvor war es eine ganze Familie, die das Virus im April heimgesucht hatte. Von acht Mitgliedern sind inzwischen sechs gestorben. Alle hatten zusammen mit einer kranken Verwandten in einem Raum geschlafen. Weitere nahe Familienangehörige waren nicht erkrankt, woraus WHO-Offizielle schlossen, dass die Mensch-zu-Mensch-Übertragung nach wie vor sehr schwierig sei. Die Alarmstufe wurde nicht erhöht.

Nicht die Tatsache an sich ist beunruhigend, dass bei intensivem Kontakt das Virus von Mensch zu Mensch springen kann, sondern der Umstand, dass es so lange gedauert hat, bis alle Stellen reagierten. Die erste Infektion war Ende April aufgetreten, aber erst am 18. Mai hatte die WHO den Ausbruch bekannt gegeben. »Der Testlauf für die Pandemie«, titelte das Fachblatt Nature anlässlich des Falls, »gibt Grund zur Sorge.«

Auch China geriet gerade wieder in den Verdacht, das wahre Ausmaß der Seuchenausbreitung zu verheimlichen. Einen Tag vor der Publikation ihrer Untersuchung im New England Journal of Medicine versuchten Wissenschaftler offensichtlich, ihren Text über den ersten Fall einer Ansteckung von Menschen in China im Jahr 2003 zurückzuziehen. Offiziell hat China den ersten Todesfall im November 2005 verkündet.

Weitere Informationen im Internet: www.zeit.de/vogelgrippe