Natürlich weiß Matti Taneli Vanhanen, dass alle Welt jetzt auf die übernächste EU-Präsidentschaft wartet, auf die Deutschen, nicht unbedingt auf ihn, bei allem Respekt. Vor den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden im Mai 2007 kann sich in der europäischen Verfassungsfrage nichts bewegen. An der finnischen Präsidentschaft, die am 1. Juli beginnt, geht das zentrale Thema also vorbei. Ist der finnische Ministerpräsident somit zum Pausenmoderator verdammt, der dem Publikum sechs Monate lang die Zeit vertreibt?

Zu seinem Glück ist der 50-jährige Matti Vanhanen durch und durch Realist, ein Mann der Pflicht, ohne Visionen, also auch keiner, der die Menschen von den Stühlen reißt. Langweilig sei er, sagen viele, ein fleißiger und seriöser Beamter. Sein Ehrgeiz gilt dem Machbaren, und das schützt immerhin vor Enttäuschungen, auch ihn selbst.

Einmal hat Vanhanen hoch gepokert, und schon ging es schief. Das war im Herbst vorigen Jahres, als er sich von seiner Zentrumspartei, einer traditionellen bürgerlichen Formation mit agrarischen Wurzeln, dazu überreden ließ, gegen die amtierende Präsidentin Tarja Halonen anzutreten, eine beliebte Sozialdemokratin. Vanhanen, immerhin Ministerpräsident des Landes an der Spitze einer Großen Koalition mit den fast gleich starken Sozialdemokraten, wurde im ersten Durchgang dieser Volkswahl nur Dritter, kam nicht in die Stichwahl und stand dumm da.

Aber in Finnland, sagt er im Gespräch, müsse man nicht den Hut nehmen wie in Frankreich seinerzeit der arme Lionel Jospin , wenn man gegen den Staatschef verliere. Zumal Umfragen gleich danach bestätigt hätten, dass die Bürger ihn als Regierungschef behalten wollten. " Der nächste Ministerpräsident wird diese Erfahrung berücksichtigen."

Sagts und lacht herzlich.

Ein Realpolitiker also: Eine Volksabstimmung über den "EU-Verfassungsvertrag" wird es nicht geben, dafür eine umso größere Mehrheit bei der Ratifizierung im Parlament, gleich nach der Sommerpause. Finnlands Geschenk zum Auftakt seiner Präsidentschaft. Im Übrigen will der Sechs-Monats-Präsident sich auf anderes konzentrieren: auf Energieprobleme, wobei es ihm vor allem um Vertrauensbildung zwischen der EU und Russland geht - auf Bildungs- und Innovationspolitik, wo man von seinem Land einiges lernen könne - auf die Globalisierung, vor der er den Bürgern die Angst nehmen möchte - auf die Agrarpolitik, wo er auf jeden Fall verhindern will, dass die EU und die Welthandelsorganisation WTO sich auf Kosten der finnischen Bauern einigen. Vanhanens Programm läuft, wenn man so will, auf einen Balanceakt hinaus: Er möchte die Welt und das "finnische Modell" in eine dynamische Harmonie bringen.

Dafür will der konservative Ministerpräsident mit der sozialdemokratischen Präsidentin an einem Strang ziehen. Früher, nach der Unabhängigkeit, erst recht zu Zeiten des Kalten Kriegs unter dem legendären Urho Kekkonen, machte der Präsident die Außenpolitik allein. Der Regierungschef war für die inneren Angelegenheiten zuständig, für den Sozialstaat, der da noch längst kein Modell war.