Bei der Frage, ob die Deutsche Bahn AG mit oder ohne das Schienennetz an die Börse gehen soll, klären sich die Fronten. Praktisch aufgegeben ist die Vorstellung, bei einer Privatisierung bleibe das Netz beim Staat und werde auch von ihm betrieben. Abgeordnete von CDU/CSU und SPD einschließlich der Verkehrspolitiker bevorzugen jetzt das Eigentumsmodell: Der Staat bleibt Eigentümer des Netzes, es würde aber von der dann teilprivatisierten Bahn bewirtschaftet. In der Praxis könnte die Bahn wie bisher entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen die Konkurrenz arbeitet. Die FDP, bisher glühende Befürworterin des strikten Trennungsmodells, wird sich damit wohl arrangieren, die Grünen diskutieren noch.

Bahnchef Hartmut Mehdorn beharrt indes darauf, mit dem Netz an die Börse zu gehen. Und er tut so, als sei die Sache so gut wie entschieden zu seinen Gunsten. SPD-Spitzenpolitiker wie Parteichef Kurt Beck, Bundestagsfraktionschef Peter Struck, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee seien auf seiner Seite, aber auch Ministerpräsidenten wie Günther Oettinger (CDU). " Die Behauptung, die Regierung sei auf das Mehdorn-Modell festgelegt, ist eine gezielte Irreführung aus der Abteilung psychologische Kriegsführung", hält der FDP-Verkehrspolitiker Horst Friedrich dagegen. Das letzte Wort hat das Parlament. Es muss das Privatisierungsgesetz verabschieden.