Eigentlich war für den 1. Juli in der Stadt Pforzheim der Beginn einer neuen Ära angesagt. Von diesem Tag an sollte das französische Unternehmen Veolia den kommunalen Nahverkehr betreiben. Der Stadtrat hatte (nach einer europaweiten Ausschreibung) Anfang April mit der Mehrheit von CDU und FDP beschlossen, die Städtischen Verkehrsbetriebe mitsamt ihren 80 Bussen zu 51 Prozent an den privaten Konzern zu verkaufen. Der Grund: das regelmäßige Defizit im Nahverkehr, allein im vergangenen Jahr 5,8 Millionen Euro.

Pforzheimer Bürger wollten den Verkauf verhindern und schlossen sich im Aktionsbündnis "Busse weiter in Bürgerhand" zusammen. Sie sammelten Unterschriften und setzten einen Bürgerentscheid durch. Ihr Argument: Privatisierungen führten erfahrungsgemäß nicht zu den versprochenen Kostensenkungen, sondern hätten stets höhere Preise, schlechtere Leistung und Abbau von Personal zur Folge. Der bereits unterschriebene Vertrag mit Veolia ist damit aufgeschoben, am 23. Juli stimmen die Pforzheimer ab, ob privatisiert wird oder nicht. Die Hürde ist allerdings hoch. Für sein Anliegen braucht das Aktionsbündnis mindestens 21000 Jastimmen, das sind 25 Prozent der stimmberechtigten Bürger. Gelingt das, kann Oberbürgermeisterin Christel Augenstern frühestens in drei Jahren wieder einen Privatisierungsversuch starten.