Stralsund
Westbesuch
Am 14. Juli kommt George W. Bush nach Stralsund. Die Schriftstellerin Ariane Grundies ist dort aufgewachsen. Sie ahnt, was den US-Präsidenten erwartet: Maulfaules Volk, das »Bier der Gerechten« und ein nervöser Bürgermeister
Unmöglich ist in Stralsund eigentlich nur der Bürgermeister. Ansonsten ist in der Hansestadt am Sund beinahe alles möglich, sogar George W. Bush. Am 14.Juli will die Bundeskanzlerin dem Präsidenten hier zeigen, was auf der anderen Seite der Mauer geschafft wurde . In Stralsund hat man es unter anderem geschafft, viele Häuser farbig zu streichen (gerne in Rosa), Handball zeitweise in der 1. Bundesliga zu spielen, die Volkswerft in die Klemme zu bringen, die historische Altstadt dem Unesco-Welterbe unterzujubeln, die Stralsunder Heringe nach original Bismarckrezept von Gerhard Schröder per Brief loben zu lassen, die Arbeitslosenquote auf rund 22 Prozent aufzustocken, die Touristen durch eine neue aufwändige Ortsumgehung ausreichend zu verwirren – endlos ließe sich die Liste fortsetzen. Soll er nur kommen und gucken und staunen.
Ach was, sagen die Stralsunder, der soll bleiben, wo der Pfeffer wächst.
Aber ich kenne die Stralsunder, die sagen das nur so, die ollen Fischköppe. Eigentlich sind sie ganz heiß auf den Besuch. Stolz wie Oskar sind sie, dass ihr hiesiges Katzenkopfsteinpflaster und das hübsche Rathaus darauf bei Uli Wickert im Fernsehen zu sehen sein werden. Stralsund im Fokus der Weltpresse, ganz ohne Vogelgrippe und das ganze Tamtam. Wenigstens Till Backhaus, Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister, müsste das erleichtern. Das Reden vor Fernsehkameras ist nicht so sehr sein Ding.
Warum dieser amerikanische Präsident nicht, wie alle anderen auch, nach Berlin, sondern ausgerechnet nach Stralsund eingeladen wurde, dafür gibt es mindestens vier gute Gründe. Stralsund ist gnadenlos übersichtlich: In der Bürgerschaft gibt es so viele NPD-Sitze wie Einwohner arabischer Herkunft (2), so viele Linkspartei-Sitze wie offenkundige Bush-Anhänger (10). Stralsund ist kritisch: Die PDS möchte bitte schön mal wissen, woher die CDU das Geld nehmen will, um den Besuch zu finanzieren. Stralsund hat Nerven wie Drahtseile. Die Lokalpresse fragt vier Wochen vor dem Großereignis: Wächst Ananas bald in Deutschland? In Stralsund weiß man, worauf man sich verlassen kann: Bei angekündigten Großveranstaltungen – und Demos – kommen erfahrungsgemäß mindestens, aber auch nicht mehr als zwei Dutzend Leute zusammen.
Wie Bush sich die Einladung erklärt, verriet er Sabine Christiansen: It was very kind of Chancellor Merkel – who I call Angela, by the way – to invite me to her residence. (…) I’ll get to know her better and she’ll know me better.
Merkels Residenz ist eine lütte Butze über einer Douglas-Filiale
Ob Bush weiß, dass Angelas Stralsunder Residenz nur eine lütte Anderthalbzimmerbutze über einer Douglas-Filiale ist, wo ihr ständig das Klingelschild gestohlen wird? Aber wie wir wissen, ist die Lage entscheidend, nicht die Größe. Ein paar Tage im Jahr verbringt die Kanzlerin in ihrem Büro in der Ossenreyerstraße, der Stralsunder Flaniermeile, provinzgerecht fest in der Hand von Optikern, Schuhläden und Friseuren. Dank »Bild« wird Bush nun womöglich dort übernachten müssen. Geplant war das Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm, aber gewohnt investigativ hat das Boulevardblatt den streng geheimen Ablaufplan verraten.
Allem Anschein nach freut sich Bush trotzdem auf den Besuch. Er hofft, in Stralsund mehr Menschen wie Merkel kennen zu lernen. Zu diesem Zweck will er ein Bad in der Menge nehmen. Ha! Hatte es 2005 in Mainz nicht gegeben! Da wurden für Bush Menschen, Mülltonnen und Briefkästen beseitigt, der Verkehr inklusive Flughafen wurde lahm gelegt, 1300 Gullys zugeschweißt. So war das damals mit Schröder. Mit Merkel ist alles anders. Ihr vertraut Bush. Er weiß, in Stralsund ist das Unmögliche möglich, hier bei Angela ist er Mensch, hier darf er’s sein. In Stralsund gibt es tatsächlich mehr Menschen wie Merkel, Menschen, die zweifelsohne das Zeug zur Bundeskanzlerin haben und eine Aversion, über Frisuren oder andere Äußerlichkeiten zu sprechen. Die Sprechunlust geht bei manchen Hansestädtern allerdings so weit, dass gar nichts mehr kommt außer: Lod de annern snakken. Ik heff nix hüürt. Plötzlich schnappen sie sich eine Angel, bleiben stumm wie ein Fisch und loben sich ihre fast vollständig erhaltene Stadtmauer, die sie vor schnellem Fortschritt und Fremden beschützt.
Angela ist seit 1990 keine Fremde mehr. Sie macht sich die Stralsunder Mentalität zunutze: Wir machen das nun mal immer so!, und holt damit regelmäßig über 40 Prozent der Stimmen in ihrem Wahlkreis.
Mit 17 erschienen mir Stralsunds Möglichkeiten noch reichlich begrenzt, inzwischen weiß ich, hier gibt’s nichts, was es nicht gibt.
Der »Spiegel« braucht gar nicht so schnippisch zu fragen, wo Bush überhaupt landen soll. Natürlich gibt es einen Landeplatz für ihn. Wenn Königin Silvia hier heile runterkam, dann kann George Bush das auch gelingen. Im Stadion der Freundschaft , wo mich Heuschnupfen vor allerhand 60-Meter-Sprints bewahrte und die Wende vor dem Granatenweitwurf, soll ein Helikopter den Präsidenten absetzen. Von der wesentlich interessanteren Frage in diesem Zusammenhang weiß der »Spiegel« nichts: Wie kommt George W. Bush vom Stadion der Freundschaft zum Rathaus? Ab 21 Uhr wird so ein Vorhaben in Stralsund nämlich zu einem logistischen Problem. Da fahren keine Busse mehr, und jemand müsste ihn 60 Minuten vor der Landung für ein Anrufsammeltaxi (AST) anmelden, das ihn für 3,50 Euro von der Bushaltestelle abholt und zum Alten Markt bringt. Etwas aufwändig, aber nicht unmöglich. Unmöglich blieb bisher eigentlich nur der Versuch des Bürgermeisters Harald Lastovka, die Stralsunder Sparkasse zu privatisieren. Im Alleingang hätte der Bürgermeister zu gern die deutsche Bankenlandschaft reformiert, wurde aber nichts draus.
Auf dem Alten Markt angekommen, ist die Bush-Reise auch schon geschafft. Auf diesen Ort soll sich der Aufenthalt beschränken. Während die ehemaligen Feinde ganz in der Nähe mit dem Bau der Ostseepipeline begonnen haben, wird der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika durchs Stralsunder Rathaus stolzieren. So wie ich vor zwanzig Jahren als Blumenmädchen, in eine blau-weiß karierte Tischdecke gehüllt, von der alle anderen behaupten, es wäre ein Kleid gewesen. Anschließend wird sich Bush im Blitzlichtgewitter einmal um die eigene Achse drehen. Harald Lastovka wird das Medieninteresse genießen und sich vorstellen, es gelte ihm. Die Leiterin der Tourismuszentrale Birgit Wachs erklärte bereits im Vorfeld, in diesem Augenblick werde Stralsund auf einen Schlag weltbekannt. Sie wird den Weltpräsidenten darauf hinweisen, dass es doch wahnsinnig lustig sei, dass Stralsund 1234 – 1-2-3-4 – das Stadtrecht bekam. Bush wird fragen: Oh really?, Wachs antworten: Absolutely!, und Lastovka wird – nervös wegen der schwindenden Aufmerksamkeit – zum letzten Mal (endlich) das sagen, was vorher schon ausnahmslos jeder Reporter von ihm zu hören bekam: 1628 wurde Stralsund schon einmal belagert, und zwar von Wallenstein und seinen Truppen. Damals sind wir siegreich aus der Belagerung hervorgegangen! Dann wird er bedeutungsschwanger in die Journalisten- und Secret-Service-Runde gucken und grinsen. Der andere Harald, Ministerpräsident Ringstorff, wird nicht grinsen, sondern verstohlen zu seinen drei PDS-Kabinettskollegen rüberlinsen, die ihre Drohung wahr gemacht haben und in der ersten Reihe der Anti-Bush-Proteste stehen.
Hinter den Protestierenden drücken sich die Cafébetreiber rund um den Markt die Nasen an ihren Schaufenstern platt und halten den Bescheid in den Händen, der ihnen aus Sicherheitsgründen die Freisitze untersagt hat, natürlich unter dem Vorwand, die paranoiden Amis würden darauf bestehen. Tatsächlich will man sie nur vor sich selbst beschützen. Stralsund könnte wirklich auf einen Schlag weltbekannt werden, wenn es Bush mit seinem Milchkaffee so ähnlich ginge wie mir neulich. Ich sagte: Entschuldigung, der Kaffee schmeckt wirklich seltsam. Die Bedienung wusste zumindest sofort, wovon ich rede: Ja, die Milch ist auch schon so lange offen, aber ich hab bestimmt eine halbe Minute daran gerochen. In anderen Touristenstädten unmöglich, in Stralsund kann man offen darüber reden. Bush wird statt eines Kaffees also das lokale Störtebeker probieren müssen – das Bier der Gerechten, so der Werbeslogan – und dann mit loser Zunge Bundeskanzlerin Merkel aus Versehen »My Girl« nennen.
Hanni Höppner wird derweil in ihrer ältesten Hafenkneipe Europas allein mit dem berüchtigten Fährwasser sitzen, weil am Ende die ganze Stadt nämlich doch abgesperrt ist, das Bad in der Menge ins Wasser fällt und Bush gar nicht über Douglas ins Bett plumpst, sondern sich schleunigst wieder aus dem Staub macht. Traurig bleibt die Empfangsdame des Baltic-Hotels zurück, die noch bis zum Schluss fest damit gerechnet hatte, dass der hohe Besuch in einem ihrer Exklusivzimmer übernachtet – für 152 Euro, zwei Waschbecken, Bodylotion und Badeschlappen inklusive.
Das Problem sind nicht die Betten, sondern die Schaulustigen
Am Abend werde ich die »Tagesschau« einschalten. Während Bush für den Bruchteil einer Sekunde vor meinem Rathaus zu sehen sein wird, werde ich hektisch die Schaulustigen nach einem bekannten Gesicht absuchen. Wenn es gut läuft, erwischt die Kamera einen ehemaligen Lehrer oder besser noch die ehemalige Fleischerfrau aus dem Konsum, die ich schon 18 Jahre nicht mehr gesehen habe. Merkel gibt den gleichen Kommentar wie zur WM-Eröffnungsfeier ab: Das war schon ’ne bewegende Minute.
Parallel läuft auf Vox die fünfte Wiederholung der »Spiegel-TV-Reportage«, in der eine Hand voll schwitzender StralsunderInnen an der ersten Deutschen Saunameisterschaft teilnimmt. Die zweite findet übrigens nur wenige Wochen nach dem Bush-Besuch in Stralsund statt.
Apropos Schaulustige. Von wegen, die Betten in der Hansestadt wären am 14. Juli komplett belegt. Ein Appartement in Hafennähe bietet 3 Nächte (13. bis 15. Juli) für 850 Euro, inklusive Endreinigung, mit folgendem Zusatz: Da Frau Merkels bevorzugte Stralsunder Sightseeing-Tour durch das Johanniskloster direkt zu Mien Hüsing führt, ist damit zu rechnen, dass der Zugang stundenweise nicht möglich ist.
Das ist Stralsund: clever, gastfreundlich, informativ – Unmögliches wird möglich. Dabei sind die Betten nicht das Problem. Eher die Schaulustigen. Als kürzlich der schwedische Ministerpräsident zu Gast war, schrieb die »Ostseezeitung«: Vor dem Rathaus bittet der Oberbürgermeister Lastovka (CDU) die wenigen Schaulustigen, nicht wegzulaufen.
Dr. Angela Merkel, die Frau aus dem Osten, will den Menschen hier etwas von dem Vertrauen zurückgeben, das man ihr entgegenbringt. Natürlich durfte sie damals im Jakobi die zwei Bockwürste vom Büfett für die Rückfahrt einpacken, als sie darum bat. Im Gegenzug für dieses Vertrauen (das Jakobi ist inzwischen pleite) schleppt sie neuerdings einen Staatsgast nach dem anderen nach Vorpommern. Die Polizisten, Handwerker, Lokalreporter, sie alle bekommen ihren Großeinsatz: Vorfahrt für Arbeit! Sie tut wenigstens was. Diesmal aber machen die Stralsunder keine gute Miene zum bösen Spiel. Nur Fidel Castro, Valentina Tereschkowa und German Titow haben wir mit ungeteilter Freude begrüßt. Wir werden gehörig auf den Bush klopfen, drohen die kühlen Norddeutschen.
Ach, wahrscheinlich wird das ganze Spektakel wieder so enttäuschend wie Silvester, sagt meine Oma. Wie viele andere hatte sie mit Spannung die groß angekündigte Lasershow im Hafen erwartet. Und als es so weit war, war da nichts weiter als
zwei Lichtstrahlen ohne Sinn und Verstand.
*
Ariane Grundies wurde 1979 in Stralsund geboren. Vor zwei Jahren erschien ihr Erzählband »Schön sind immer die anderen«, im Herbst veröffentlicht sie ihren ersten Roman. Die kursiv gesetzten Zitate sind der Stralsunder Lokalpresse und dem dortigen Volksmund entnommen
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- Datum 28.6.2006 - 06:31 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 29.06.2006 Nr. 27
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für soviel heiteres wortgeprassel, gewürzt auch mit der richtigen prise ironie, fragt sich bei diesen versuchen immer, braucht es nicht auch die politisch gemeinte eigene markierung oder handelt es sich nur um janahenselschesgequatsche, um auf dem fast beliebig gewordenen markt der Marke "jugendbewegungsschriftsteller in deutschland" anzukommen - die im übrigen aus den gründen ihrer ostdeutschen herkunft heraus keiner jugendbewegung angehört haben können? reicht hier nur die beobachtungsgabe? nach dem motto: ich schreibe nur, was ich sehe und bin - dann wie viele andere auch - in der lage dazu? was also macht - wie wir aus den fußballkommentaren heute lernen - den unterschied aus?
trotzdem ein gut zu lesender artikel und ein fortschritt zu janahenselsch...
Ariane Grundies kann wenigstens schreiben. Sie hebt sich damit sehr von dem heute üblichen Kauderwelsch der meisten Medien und auch Kommentarschreiber ab. Mit ihrer Ironie bezieht sie an den entscheidenden Stellen einen Standpunkt. Wenn das nicht politisch ist, was ist dann politisch?
kleiner hinweis: sicher steht auch in ihrem browser oben links
ZEIT.DE >> LEBEN
wenn sie vordergründig und leicht erkennbar politisches wünschen, sollten sie darauf achten, dass dort
ZEIT.DE >> POLITIK
steht. bei den texten in dieser rubrik müssen sie nicht mühsam suchen nach gedankenschweren und hochpolitischen äusserungen -- und uns bleiben vielleicht solche vergrätzten und schwer verständlichen kommentare erspart.
Verehrte Autorin!
Wie wärs, wenn Sie erst einmal ihre Leichen aus Stralsunds Kellern holten? Soviel mauliges Gejammer lässt leider nur pubertäre Widerspenstigkeit mit anhaltendem Kater vermuten, der den Blick über die Grenzen des eigenen Ego verstellt. Schade, haben Sie doch übersehen, dass Stralsund gerade in den vergangenen Jahren wieder jünger, bunter, kreativer geworden ist und dies dank Leuten, die sich des Lebens im wahren Sinne des Wortes erfreuen und nicht nur ein Stelldichein in In-Out-In-Spots geben wollen. Um dieser Erkenntnis willen braucht es keine weitgreifende Recherche. Eher ist es ein angenehmer Zeitvertreib, gelegentlich mal um Stralsunds Backsteingotik zu ziehen, zu gucken, zu schnacken und neugierig zu sein. Und ein Mehrwert wäre Ihnen sicher: keine verdrehten Zitate oder journalistisch überhöhten Kommentare, keine verzehrten Charaktere und im Übrigen auch die richtige Schreibweise von Namen. Und ganz nebenbei würden Sie feststellen, dass Eselsbrücken nicht mit Sarkasmus zu verwechseln sind, Ironie auf Fakten baut, und Sie als siebenjähriges Blumenmädchen doch schon ein bisschen zu altklug gewesen sind. Aber da haben die Leute wohl gesagt: Lod de annern snakken. Wie war es gewesen?
Und dies alles schreibt Ihnen eine Stralsunderin, die mit 18 in die Welt gezogen ist und seitdem aus aller Welt berichtet. Und die zuweilen mit dem Gedanken spielt, wieder an den Sund zu ziehen, weil dort am Ende wie meine norwegische Grossmutter zu sagen pflegte vieles ebenso gut möglich ist.
Astrid Kohl, Jahrgang 1969, Kiew
Im Gegensatz zu Ihnen, habe ich das Augenzwinkern der Autorin durchaus in dem hervorragenden Artikel erkennen können. Obwohl ich auch Stralsunder bin, hat mir mein Lokalpatriotismus nicht den Spaß genommen. Ein gelungener Artikel mit der richtigen Portion Ironie und liebevoller Beobachtung. Herzlichen Dank!
Nur so kann man Ariane Grundies Stralsund-Verriss verstehen, die ihr Nest anscheinend zu genau kennt. Da kommt ihr der "große Bush" zum Ausklopfen gerade recht. Fazit: Nach Wallenstein, Krieg und Sozialismus wird man auch den ostalgischen Texaner am Sund überstehen. Cui bono? bleibt die Frage. Mit (Staats-)Sicherheit touristische Bekanntheit. Reicht das nicht?
Die Frage sei erlaubt, liebe Kollegin Grundies: Warum dreschen Sie zo zornig auf die alte Hansestadt ein? Haben Sie, wie die Stralsunder Kollegin Astrid Kohl aus Kiew vermutet, möglicherweise doch "Leichen im Keller" Ihrer Geburtsstadt, an der Sie sich jetzt "Zeit"-gemäß rächen wollen?
Zur Ironie gehört im übrigen auch ein bestimmtes Maß an Sachlichkeit. Da hauen Sie in Ihrem Rundumschlag ziemlich daneben. Denn das UNESCO-Prädikat ist Stralsunds mittelalterlicher Stadtanlage völlig legal und zu Recht verliehen und nicht etwa "erschlichen" worden (unterstellen Sie das Wismar gar auch?). Eine nicht nur bösartige, sondern auch komplett falsche Behauptung!
In Ihrer Recherche sind Sie auch nicht sauber: Das Tourismus-Chefin Birgit Wacks (mit "ch" und nicht mit "ck"!) unterstellte Zitat stammt übrigens vom städtischen Pressesprecher.
Bush wird auch nicht im "Stadion der Freundschaft" landen, sondern auf dem Flugplatz der Marine-Technik-Schule in Parow.
Die letzten Fragen wie immer zum Schluss: Glauben Sie wirklich, dass Ihre Botschaft von allen Lesern "richtig" interpretiert wird? Wem wollen Sie damit eigentlich eins auswischen? Oder steht mir als Neu-Stralsunder "Wessi" darüber kein Urteil zu? Ich fühle mich hier seit der Wende jedenfalls ganz wohl, trotz rosa angemalter Häuser (da hätten Sie mal beim Denkmalschutz nachhaken müssen!), Sparkassen-Affäre und "Bier der Gerechten". Andernfalls wäre ich schon längst - wie Sie - aus der kleinen, altehrwürdigen Stadt am Sund geflüchtet. Bei aller Kritik, die auch ich hin und wieder übe.
In meinem Kommentar habe ich den Namen von Tourismuschefin Birgit Wacks richtig mit "ck" geschrieben, in Parenthese jedoch "ch" und "ck" leider verdreht. Sorry dafür!
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