DieZEIT bat Norbert Klusen und Volker Leienbach zum Gespräch. Klusen ist Chef der Techniker Krankenkasse und bekannt als streitbarer Vertreter der Sache der gesetzlichen Kasse. Leienbach ist Direktor des Verbandes der privaten Krankenversicherung
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DIE ZEIT: Herr Klusen, ist Herr Leienbach für Sie der Repräsentant einer verfehlten Zwei-Klassen- Medizin?

Norbert Klusen: Überhaupt nicht. Die private Krankenversicherung bietet keine bessere Versorgung als die gesetzlichen Kassen. Es gibt zwar Unterschiede im Service; die Privatpatienten bekommen eher das Einzelzimmer im Krankenhaus oder die Chefarztbehandlung. Aber der medizinische Leistungskatalog ist bei den Privaten schmaler als bei uns. Deshalb stehen Herr Leienbach und seine PKV bestimmt nicht für eine Versorgung erster Klasse.

ZEIT: Herr Leienbach, hätten wir eine bessere Gesundheitsversorgung, wenn es statt gesetzlicher Kassen wie der Techniker Krankenkasse von Herrn Klusen nur private Krankenversicherungen gäbe?

Volker Leienbach: Auf jeden Fall wäre das ganze System zukunftsfester, weil die privaten Versicherungen seit langem Rückstellungen bilden, um auf die Alterung der Gesellschaft zu reagieren. Die Versicherten und die Versicherungen hätten mehr Freiheiten, und auch die Ärzte wären in ein weniger enges gesetzliches Korsett eingebunden. Momentan entwickelt sich das Gesundheitssystem leider in die entgegengesetzte Richtung.

Klusen: In einem idealen Gesundheitssystem gäbe es weder die PKV noch die GKV, wie wir sie heute kennen. Zwar könnte die Krankenversicherung von privaten Unternehmen getragen werden; allerdings nicht nach dem Muster der heutigen privaten Versicherungen. Ihre PKV, Herr Leienbach, ist kein Modell für eine flächendeckende Versorgung, sondern kann nur in einer Nische existieren…

ZEIT: …in der sie sich auf gesunde, gut verdienende Versicherte konzentriert?