»Nicht ruhig und nicht stabil« – so lautet die Kurzbeschreibung der Sicherheitslage in Afghanistan, wo derzeit rund 2800 deutsche Soldaten ihren Beitrag leisten, damit den Menschen in einem von Krieg gezeichneten Land ein Neuanfang gelingt. Erst vor kurzem sind einige unserer Soldaten im Norden des Landes einem Anschlag nur deshalb entgangen, weil die Panzerung ihres Fahrzeugs einer Minendetonation standhielt. Doch nicht immer ging es so glimpflich aus. Seit 1990 haben 64 Soldaten ihr Leben im Auslandseinsatz verloren; seit ihrer Gründung im Jahr 1956 sind mehr als 2600 Angehörige der Bundeswehr im Dienst ums Leben gekommen. Gewiss, über mangelnde öffentliche Anteilnahme können sich die Angehörigen nach Unglücksfällen nicht beklagen. Doch bald darauf folgt die Routine, und es fällt auf, dass ein zentraler Gedenkort fehlt. Sarg eines bei einem Anschlag in Kabul getöteten Oberstleutnants BILD

Dies unterscheidet uns von unseren Partnern in Nato und EU. Dort gehört das ehrende Gedenken an Soldaten, die für ihren Einsatz mit dem Leben bezahlt haben, zur kulturellen Identität. In Paris etwa finden im Dôme des Invalides, dem zentralen Gedenkort, nach Todesfällen im Auslandseinsatz Gottesdienste statt. Italienische Soldaten, die ihr Leben im Einsatz verloren haben, werden alljährlich am Altare della Patria in Rom geehrt. Die Neue Wache in Berlin haben wir in Deutschland als zentrale Gedenkstätte ausgestaltet, die den »Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft« gewidmet ist. Heer, Luftwaffe und Marine gedenken ihrer toten Soldaten an den Ehrenmalen in Koblenz, Fürstenfeldbruck und Laboe. Was indes bis heute fehlt, ist ein zentrales Ehrenmal, an dem in würdiger Form der Toten der Bundeswehr gedacht werden kann.

Ein Besuch im Feldlager der Bundeswehr in Kabul Ende vergangenen Jahres hat mir gezeigt, dass unsere Soldaten ganz unbefangen den Wunsch verspüren, die ums Leben gekommenen Kameraden vor dem Vergessen zu bewahren. In eigener Initiative haben sie dort ein Ehrenmal errichtet. »Den Toten zu Ehren« steht auf einem großen Gedenkstein, und nicht nur der Kommandeur versicherte mir wiederholt: »Das Ehrenmal liegt uns besonders am Herzen.«

Aus diesen Gründen habe ich entschieden, ein zentrales, öffentlich zugängliches Ehrenmal der Bundeswehr errichten zu lassen. Es wird dem Gedenken an alle getöteten Soldaten und zivilen Angehörigen der Bundeswehr gewidmet. Die Bundeswehr ist fest in unserer Gesellschaft verankert; sie weiß um ihren Platz in unserem Gemeinwesen und braucht auch in Zukunft den uneingeschränkten Rückhalt. Der Dienst in der Bundeswehr ist nie ohne Gefährdungen gewesen, der Einsatz des Lebens ist das höchste Gut, das wir haben. Soldaten dienen. Für viele ist dies heute ein altertümliches Wort.

Es wäre ein Missverständnis, aus dem Ehrenmal einen besonderen Anspruch der Soldaten ableiten zu wollen. Soldaten sind keine besseren Menschen. Doch wie in kaum einem anderen Beruf wird vom Soldaten der Einsatz des eigenen Lebens gefordert. Auf der Grundlage unserer Verfassung, die dem Schutz der Menschenwürde eine herausragende Bedeutung zuerkennt, sind Recht und Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Wer dabei sein Leben verliert, darf nicht vergessen werden.