Helmut Schmidt hat Recht: Die Bebauung des Domplatzes in Hamburg droht ein städtebauliches Desaster zu werden.

Leider argumentiert er mit angeblichen ästhetischen Traditionen (Backstein gut, weil traditionell, Glas und Stahl schlecht, weil modern). Richtig ist: In den zitierten Bauten der zwanziger Jahre des Kontorhausviertels wurde ein nur für diese Zeit typischer Stil entwickelt. Davor und danach wurde anders gebaut. Dem Genius Loci als Standort der ersten Burg wäre demnach ein Pfahlbau angemessen. Eine ganz andere Tradition ist, dass Hamburg schon immer abgerissen hat, was nicht mehr brauchbar war. Das gilt auch für den Dom an dieser Stelle. Speicherstadt und Kontorhausviertel entstanden auf Abrissflächen, sind Beispiele aber auch für etwas anderes: Dass man dann bauen sollte, wenn es für eine bestimmte Art der Bebauung einen Bedarf gibt. Dieser schafft auch eine Identität für die Bebauung, was dann mit Recht als gelungen empfunden wird.

Bisher wurde mit der Würde dieses Ortes argumentiert. Jetzt kommt diese "traditionelle" Argumentation der pfeffersäckischen Tradition des Dranges zur Verwertbarkeit ins Gehege. Das ist auch der Schlüssel für das Scheitern der Architektur: Für das Grundstück wird eine viel zu hohe und absolut banale Nutzung (vom Senat) vorgegeben. Diese muss dann mit einer modischen Kraftprotzerei irgendwie bedeutungsvoll angeschminkt werden. Der Würde des Platzes angemessen wäre es, zu warten, bis eine Nutzung mit Bedeutung zu baulichem Ausdruck drängt (ein Parlamentsbau oder Regierungssitz für einen Nordstaat?).

Darüber könnte dann weniger konfus argumentiert werden. Und wenn banale Nutzung, dann bitte auch gute "Gebrauchsarchitektur", gleich ob in Stein oder Glas. Das wäre hamburgische Tradition.

DipL.-Ing. Peter Erler, Hamburgvormalig Präsident der Hamburgischen Architektenkammer und der Bundesarchitektenkammer