IntegrationGut angekommen

Die Kinder spanische Einwanderer hatten in den 70er Jahren ähnliche Probleme wie die türkischen heute. Doch heute sind sie die Gewinner der Integration von Spiewak

Den Arbeitern aus dem Süden war in Deutschland vieles fremd: Sprache, Mentalität, Kultur. Ihre Kinder brachten schlechte Zeugnisse nach Hause, hatten Ärger mit den Lehrern. Am Ende ihrer Schulzeit konnten viele weder richtig Deutsch noch die Sprache ihres Heimatlandes. Die Probleme spanischer Schüler Anfang der siebziger Jahre klingen vertraut. Dennoch gelten Spanier heute als Gewinner der Integration. Weit mehr als die Hälfte schafften es auf das Gymnasium oder die Realschule. Und kaum ein spanischer Schüler verlässt die Schule ohne Abschluss.

Dass um die Nachfahren der Migranten aus España kaum noch Aufhebens gemacht wird, ist ihrem Erfolg zu verdanken. Die meisten von ihnen sind Deutsche und längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen: als Facharbeiter und Restaurantbesitzer, Ärzte oder Ingenieure. Was heute niemanden mehr überrascht, ist »in Wirklichkeit eine enorme Leistung«, sagt Dietrich Thränhardt, Sozialwissenschaftler der Universität Münster. Denn die Männer und Frauen aus Andalusien, Galicien oder Kastilien waren nicht reicher oder gebildeter als ihre Kollegen aus der Türkei oder Italien. Im Gegenteil, der Anteil der ungelernten Arbeitskräfte war unter den Spaniern sogar höher. Thränhardt schreibt dem Aufstieg der Spanier ihrer »Selbsthilfekraft« zu.

»Wir sagten uns: Wenn wir in diesem Land bleiben wollen, müssen unsere Kinder Deutsch lernen«, erinnert sich Manuel Romano-García, langjähriger Vorsitzender der spanischen Elternvereinigungen. Mit Hilfe von Studenten und der katholischen Kirche organisierten die Einwanderer Hausaufgabenhilfen und Deutschkurse. Für die Eltern boten sie Wochenendkurse an, in denen das hiesige Schulsystem erklärt wurde. Bei den deutschen Behörden drängten sie darauf, die Nationalklassen für Spanier – eine Art Sonderschulklassen – abzuschaffen und ihre Kinder in den normalen Unterricht zu integrieren. Und nachmittags schickten die Eltern ihren Nachwuchs in den Spanischkurs. Als politische Klammer galt vielen Eltern die gemeinsame Opposition gegen das Franco-Regime.

Völlig anders verlief die Entwicklung bei den italienischen Einwanderern. Sie blieben oft untätig und der Schule fern. Wenn überhaupt, engagierten sie sich in konkurrierenden politischen Vereinigungen: in rechten und linken, katholischen oder kommunistischen. Viel stärker als die Spanier bleiben sie ihrer alten Heimat verbunden, gefördert vom römischen Staat, der seine Auswanderer als Stimmbürger niemals vergaß.

Bis heute steht die »Pendelmigration« (ein halbes Jahr diesseits, ein halbes Jahr jenseits der Alpen) bei Italienern hoch im Kurs. Kein Wunder, dass ihre Nachfahren als Sorgenkinder des deutschen Bildungssystems gelten. Keine andere Herkunftsnation hat so viele Kinder auf Haupt- und Sonderschulen in Deutschland wie Italien. Die Probleme italienischer Migranten gleichen damit bis ins Detail jenen, die sich nun bei Türken wiederholen. Spi

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Schlagworte Katholische Kirche | Eltern | Gymnasium | Integration | Mentalität | Nachwuchs
    Service