Ach, das Fähnchen, wie neckisch es flattert über den Autodächern, den Shopping-Paradiesen, den Dixi-Klos! Das wackere Schwarz-Rot-Gold. Das Einzige, das sie 1949 unversehrt aus den Trümmern der hundertjährigen deutschen Nationalgeschichte herausgefischt haben. Ist ja mal die Trikolore einer Revolution gewesen. Die Farbe einer Nacht, als in Berlin Arbeiter und Bürger auf den Barrikaden standen und das Hohenzollernregime zum Tanzen brachten. BILD

Vergessen. Vergessen wie der Held jenes Jahres 1848, Robert Blum. Der Mann aus Köln – armer Leute Kind, Autodidakt, Theaterenthusiast, Journalist und Verleger, Abgeordneter der Paulskirche – war einst, bevor Bismarck kam und mit ihm das schwarz-weiß-rote Verhängnis, der geliebteste Politiker der Deutschen. Ein Demokrat, ein Kämpfer. Ein Idol (unsere Abbildung zeigt es). In Wien wurde er, als Habsburgs Debilokratie zurückschlug, standrechtlich ermordet. Am 9. November 1848. Es ist der erste 9. November der deutschen Geschichte, und es ist dieser 9.November, aus dem sich alle weiteren 9. November ergeben, bis 1989.

Vergessen, vergessen. Nicht einmal Finanzminister Steinbrück (angeblich SPD), der Herr der Sonderbriefmarken, will zum 200. Geburtstag Blums im nächsten Jahr auf ein paar Quadratzentimeterchen diesen Mann würdigen, der für Einigkeit und Recht und Freiheit sein Leben gab …

Immerhin: Rastatts Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte zeigt jetzt eine Ausstellung des Bundesarchivs über Robert Blum. Dazu ist ein fabelhafter Begleitband erschienen, der Auskunft gibt über Blums bewegtes Leben, seine Politik, auch sein Engagement für einen reformierten Katholizismus, über seine letzten Tage als Freiheitskämpfer. Und über sein schmähliches, sein heroisches Ende. B.E.

Information:
Die ursprünglich aus Rastatt stammende Wanderaustellung zum 200. Geburtstag von Robert Blum ist vom 19.09. bis 11.11.2007 im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig zu sehen.