Beim Thema Heroin kommt Margrit Weißbach ins Schwärmen. Ginge es nach dem Willen der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU im Frankfurter Römer, dann würde nicht lange diskutiert. »Unser Projekt hat sich bestens bewährt. Es muss weitergehen«, sagt die Christdemokratin, die, wie sie einräumt, früher anders dachte und erst in der Auseinandersetzung mit den Drogenproblemen in der Stadt die ideologische Wende vollzog. In der Drogenambulanz in Frankfurt werden neben Heroin saubere Spritzen ausgegeben BILD

Weißbach bedauert, dass ihre Parteifreunde auf Bundesebene »leider« in dieser Frage dogmatischer argumentieren als in Frankfurt. Die Berliner hatten, vor der Sommerpause mit offensichtlich dringenderen Problemen beschäftigt, der Basis schon vorher signalisiert: Kommt uns jetzt ja nicht noch mit Heroin!

Also hängen die Frankfurter weiter in der Warteschleife, ebenso wie die anderen Städte, die seit etwa vier Jahren in einem Modellversuch die kontrollierte Heroinvergabe für eine kleine Gruppe therapieresistenter Schwerstabhängiger testen – außer Frankfurt sind das noch Hamburg, Hannover, Köln, Bonn, Karlsruhe und München.

Offiziell ist die rund 30 Millionen Euro teure Heroinstudie Ende Juni ausgelaufen. Ein Ergebnis liegt vor, das niemanden überrascht, weil ganz ähnliche Versuche in der Schweiz und in den Niederlanden schon vor Jahren zu ganz ähnlichen Ergebnissen geführt hatten: Regelmäßige Heroingaben verbessern den Gesundheitszustand der Versuchsteilnehmer; sie sind sozial besser integriert und begehen deutlich weniger Straftaten.

Nur eine Frage bleibt: Was tun mit den Teilnehmern des Versuchs, nun, da die Ergebnisse vorliegen? Sollen sie zurück auf die Straße? Bislang hat das niemand gefordert. Um die Behandlung fortzusetzen, andererseits, müssten jene Maßnahmen ergriffen werden, die zu prüfen Sinn des Versuchs war: Heroin müsste zum verschreibungspflichtigen Medikament erklärt werden, was eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes erfordern würde. Doch da sträubt sich die Union. Daher wollen Kommunen und Länder einstweilen so tun, als gäbe es weiteren Forschungsbedarf; sie haben den Versuch, dessen Ergebnis ja vorliegt, auf eigene Kosten verlängert.

»Für mich als Mediziner ist nicht nachvollziehbar, warum die Politik noch weitere Langzeitergebnisse fordert«, sagt Wilfried Köhler, der Leiter der Frankfurter Drogenambulanz. »Das ist ein Spiel auf Zeit«, vermutet er. Sei die Ambulanz erst einmal geschlossen und ihr Personal in alle Winde zerstreut, werde niemand mehr »den Kraftakt für einen Neustart« auf sich nehmen.

In der Schweiz wundert man sich über das Schneckentempo im Nachbarland. »Wie viele Studien wollt ihr denn noch machen?«, fragt Barbara Mühlheim, Leiterin der Drogenambulanz in Bern, die den Frankfurtern bei der Vorbereitung ihres Versuchs vor vier Jahren geholfen hat.