Ferienbeginn 20 Fragen an den Sommer
Warum die Wanderdüne wandert und Kühltaschen immer türkis sind
Hält die Sommerliebe kürzer?
Rein biochemisch betrachtet, sind an der Sommerliebe zwei Momente interessant: ihr Anfang und ihr Ende. Der Anfang der Sommerliebe hängt damit zusammen, dass der Hypothalamus auf Touren kommt. Es handelt sich dabei um ein verdächtig kleines, etwa 15 Gramm schweres, fünfcentstückgroßes Läppchen, das im unteren Bereich des Zwischenhirns hängt. Von außen betrachtet, eine Handbreit über dem Haaransatz im Nacken. Der Hypothalamus ist die Schaltstelle eines der beiden ausschlaggebenden Nachrichtensysteme des menschlichen Körpers, Nervensystem und Hormonsystem. Der Hypothalamus besitzt das Produktionsmonopol über Letzteres. Dieses winzige Läppchen bringt ein knappes Dutzend Hormone hervor. Unter anderem das Hormon Gn-RH. Dieses wird an die Hypophyse weitergeleitet und da wird es dann ernst. Denn Gn-RH regt die Hypophyse zur Ausschüttung von zwei Sexualhormonen an, dem FSH und dem LH. Das ist jetzt alles laienhaft dargestellt. Biochemikern stehen vermutlich bei solchen Zusammenfassungen die Haare zu Berge. Wie auch immer, Tatsache ist: Die komplexe Angelegenheit, die den geschlechtsreifen Menschen in gewissen Abständen zapplig macht, nach dem anderen oder dem eigenen Geschlecht schielen lässt, ist Biorhythmen unterworfen. Wenns draußen kalt und düster ist, wenn die Sonne schon am frühen Abend untergeht, wird vom Hypothalamus her weniger gezappelt. Aber: Wenn die Bienen wieder durch die Luft schwirren, die Freibäder geöffnet werden und nachts die Schlafzimmerfenster sperrangelweit, herrscht bei FSH und LH Hochbetrieb. So manches menschliche Wesen gibt der entstehenden Betriebsenergie leichter und gedankenloser nach, als es unter den Bedingungen der Adventszeit der Fall wäre. So kommt es zu Ereignissen, die den Namen »Sommerliebe« tragen. Ein Name, der den jahreszeitlich bedingten, episodischen, also: befristeten Charakter dieser Liebe anpeilt. Ihr Programm muss hier nicht weiter referiert werden. Campari trinken, schwimmen bei Sonnenuntergang und noch mal Campari trinken. So in der Art eben. Es kann statt Campari auch Weißwein sein. Richtig interessant wird die Sommerliebe erst, wenn sie ihr natürliches Ende erreicht, wenn der Hypothalamus signalisiert: So Kinder, das reicht jetzt, wir haben Ende September. Könnt ihr euch vielleicht mal beruhigen?. Wenn, kurz gesagt, für FSH und LH die Nebensaison anfängt. Was jetzt geschieht, kann, im Ausnahmefall, Folgendes sein: Die Sommerliebenden sind einfach nicht gewillt, sich dem Hypothalamus zu unterwerfen. Sie begehren auf gegen die biochemische Gängelei. Hormone hin, Hormone her, sie denken an ein gemeinsames Weihnachtsfest. Sie fühlen nicht mehr episodisch, sondern darüber hinaus. So hat gerade die Sommerliebe, die im Ruf steht, die oberflächlichste der Liebesformen zu sein, die Chance, zu beweisen, wie viel die Seele vermag.
Ursula März
Trägt Mann noch Achselhaar?
William Hein Plesker war der erste heranreifende Mann in unserer Klasse, dem unter den Achseln Haare gewachsen waren. Und offensichtlich bereitete es William Hein Plesker deutlich Probleme. Die Schweißstellen unter seinen Armen glichen riesigen Plakaten, die sich auf beiden Seiten fast bis zur Hüfte hinunterzogen. Den anderen Schülern war das egal, mir war es nicht egal, denn ich saß ausgerechnet und unmittelbar neben William Hein Plesker, der seine Unterarme immer akkurat nebeneinander auf den Tisch legte, sodass die Plakate nicht nur deutlich zu sehen, sondern auch deutlich zu riechen waren. Unser Bio-Lehrer erklärte uns, dass Achselhaare in Form, Farbe und Dichte sehr unterschiedlich sein können und auch die Entsendung von Sexuallockstoffen verstärken. Ich dachte mir: Wenn seine Theorie wirklich stimmen sollte, würde ich auf Sex gerne verzichten, denn verlockend war das nicht, was ich sechs lange Schulstunden täglich zu ertragen hatte. Es führte sogar so weit, dass ich mein Achselhaar fortan abrasierte, ja, richtigen Ekel beim Anblick jeglicher Körperhöhlenwolle entwickelte. Heute schlage ich einen Branchenreport auf und stelle zufrieden fest, dass sich inzwischen 40 Prozent der deutschen Männer unter den Achseln rasieren. Man möchte nicht leugnen: Es gibt Männer, bei denen sieht Achselhaar tatsächlich sehr sexy aus. Herrn Clooneys Ausstrahlung zum Beispiel könnte kein Achselhaar trüben. Allgemein gilt jedoch: Männer, weg mit dem Gestrüpp! In einem Internet-Forum entdeckte ich übrigens die Frage eines gewissen William: »Sollte Mann sich die Achselhaare wegrasieren?« Ein gewisser Rudi antwortete: »William, du wilder Hase, mach Dich nackich, nicht nur oben rum!« Ich fragte mich, ob es William Hein Plesker war.
Tomas Niederberghaus
Warum rauscht die Muschel?
Man soll sich von Schweizern vieles, aber nicht das Meeresrauschen erklären lassen. Denn auch der Schweizer Schriftsteller Gottfried Keller folgt in einem (übrigens von Brahms vertonten) Gedicht der hübschen Legende, dass es sich beim Rauschen um das Geräusch des eigenen Blutkreislaufs handelt; dass man also sich selbst in der Muschel hört. In dem Liedtext können »alle Ratsherrn der Stadt und alle Weisen der Welt« einem »milchjungen Knaben« nicht die Frage nach dem Leben beantworten, weshalb der Dichter rät: »Eine Meermuschel liegt auf dem Schrank meiner Bas. Da halte dein Ohr dran, dann hörst du etwas.« Zwar holprig gereimt, doch gedanklich hübsch: das Muschelrauschen als Motiv der Selbstfindung. Leider aber physikalisch ebenso unhaltbar wie der (etwas einfältige) Glaube, dass sich in der Muschel das Meeresrauschen als Urlaubssouvenir versteckt hält. In Wahrheit handelt es sich bei dem merkwürdigen Muschelrauschen um ein Resonanzphänomen: Wie in einem Blasinstrument befindet sich in der Muschelschnecke eine Luftsäule, die eine bestimmte Eigenfrequenz besitzt und also mit einer eigenen Geschwindigkeit hin und her schwingt. Außerhalb des Schneckengehäuses gibt es eine Vielzahl von Umweltgeräuschen, die oft so leise sind, dass wir sie gar nicht wahrnehmen. Der Hohlkörper der Muschel aber verstärkt diese Geräusche zu einem Rauschen, wobei nur jene Töne, die in der Nähe der Luftsäulenfrequenz liegen, verstärkt werden. Die Form der Luftsäule hängt von der Form des Hohlkörpers ab. Das ist der Grund dafür, dass jedes Gehäuse anders klingt beziehungsweise dass eine kleine Muschel anders als eine große rauscht. Sehr ernüchternd ist obendrein die Tatsache, dass man auch in Konservendosen, Jogurtbechern, Gläsern, ja sogar in der hohlen Hand des Meeres Rauschen erzeugen kann. Ja, das Rauschen lässt sich sogar mit einem Mikrofon aufnehmen, ohne dass sich ein Mensch in der Nähe der Muschel befindet, womit eben auch die Legende vom hörbar gemachten eigenen Blutkreislauf widerlegt ist. Ach, diese Akustiker unter den Physikern! Erteilen jenen poesievollen Menschen eine Abfuhr, die in ihrem Strandsouvenir das Meer oder doch zumindest sich selbst zu hören vermeinen. Da glauben wir ja doch lieber Gottfried Keller. Bei ihm klingts einfach schöner: das Rauschen der Muschel und die Erklärung dafür.
Pascal Morché
Warum schmeckt Urlaubswein zu Hause nicht mehr?
Bei mir steht eine kleine Kiste mit Rotwein in der Speisekammer. Waren mal sechs Flaschen drin, jetzt sind es noch fünf. Seit ein paar Jahren sind es fünf. Wir haben diese Kiste aus Italien mitgebracht, wir hatten diesen Wein jeden Abend während eines Urlaubs in einem Ferienhaus in der Toskana getrunken, irgendwo zwischen Siena und Florenz. Der Wein war großartig, was für ein Wein. Wir mussten einfach eine Kiste mitnehmen, wenn das Auto größer gewesen wäre, hätten wir sieben mitgenommen. Nun, und dann kam der Abend zu Hause in Deutschland, an dem wir ihn tranken. Irgendwie schmeckte er nach gar nichts. Plötzlich. Der gleiche Wein. Wie kann das sein?
Nach langen Recherchen bin ich auf eine Antwort gestoßen. Ich hörte sie aus einem sehr professionellen Mund, von Monsieur Deiss, einem sehr renommierten Winzer im Elsass. Ich hatte den Abend zuvor einen seiner Weine getrunken, großartig, nun wollte ich eigentlich eine Kiste mit nach Hause nehmen. Ich erzählte ihm von meinem Italienproblem. Seine Reaktion war durchaus überraschend. Ja, sagte er, genau dieses Problem habe ihn sein Leben lang beschäftigt: Warum schmeckt der gleiche Wein in Straßburg, aber nicht in Paris? Er sagte, deshalb fuhr und fährt er mit seinen Weinen auf die Autobahn Richtung Paris, und alle fünfzig Kilometer hält er an einem Rastplatz an und trinkt ein Schlückchen. Schmeckt er noch? Damit es auch ja funktioniert, nimmt er drei Mittrinker mit, interessanterweise zwei Frauen und einen Mann (»Wussten Sie nicht, dass Frauen anders Wein trinken als Männer?«). Monsieur Deiss schwört, auf diese Weise herausgefunden zu haben: Es gebe einige wenige Weine, die veränderten ihren Geschmack, plötzlich, sie vertrügen das Gerüttel im Auto nicht. Diese Weine nehme er aus dem überregionalen Vertrieb. Den Wein allerdings, den ich jetzt möchte, könne ich unbesorgt mitnehmen. Der liebe geradezu das Reisen. Natürlich glaubte ich ihm. Ich kaufte, trank, und der Wein schmeckte bestens. Monsieur Deiss hat im Übrigen noch gesagt, italienischen Weinen könne man im Prinzip nicht trauen.
Stefan Lebert
Warum wandert die Wanderdüne?
Die Frage ist eigentlich nicht, warum die Wanderdüne wandert. Sondern eher, warum eine Düne mit dem Wandern aufhört. Eine Sanddüne entsteht, wenn in einem sandreichen Gebiet das kann eine Wüste sein, aber auch ein eiszeitliches Urstromtal oder eine Meeresküste ein ordentlicher Wind weht. Der nimmt den Sand auf und bläst ihn so weit, bis er an einer Erhebung in der Landschaft hängen bleibt. Ist der Wind stark genug und der Sand trocken, baut sich eine Düne auf. Vom Luvrand der Düne wo der Wind angreift wird gleichzeitig Sand Richtung Lee geweht. Die Düne beginnt mit der Wanderschaft.
An den Rändern der Düne weht mehr Wind als in der Mitte. Die Ränder sind folglich flacher und schneller. Es entsteht so der häufigste Dünentypus, die Sicheldüne. Typisch etwa für die Sahara, wo sie fünf Meter hoch wird und gut 20 Meter im Jahr vorankommt. In feuchteren Gegenden können allerdings die »Hörner« der Sichel bewachsen sein. Dann ist die Mitte schneller, es entsteht eine Parabeldüne. Wird der Bewuchs stärker, kann eine Wanderdüne ausgebremst werden. Im 11. Jahrhundert war zum Beispiel das heutige niederländische Naturschutzgebiet Hoge Veluwe ein heikler Ort zum Wohnen; überall zogen Dünen herum. Man machte die Wanderdünen später sesshaft, indem man sie etwa mit Kiefern bepflanzte. Eine einzige große Wanderdüne ist dort heute noch unterwegs: der Kootwijzerzand, eine der größten Wanderdünen Westeuropas.
So wurden fast überall in bewohnten Gegenden aus normalen Wanderdünen träge Sandhügel. Oder sie verschwanden ganz, weil ihr Sand als Baumaterial verbraucht wurde. Wie an der Elbe bei Magdeburg, wo man die Dünen nach dem Krieg zum Wiederaufbau abtrug. Letzte Wanderdünen findet man noch bei List auf Sylt oder in Leba/Polen, wo man von der Polska Sahara spricht und im Rücken der 42 Meter hohen Lacka-Gora-Düne die vor einem halben Jahrhundert verschlungenen Bäume wieder auftauchen. Diese Düne ist immerhin zehn Meter pro Jahr schnell. Europas schönste und größte Wanderdüne ist die Dune du Pyla bei Arcachon in Südfrankreich: 117 Meter hoch. Die mit 300 Metern höchsten Dünen der Welt gibt es in der Namib-Wüste in Namibia die roten Dünen im Sossusvlei sind ein bekanntes Touristenziel. Übrigens singen Dünen beim Wandern. Besser: Sie brummen. Wer einen basstauglichen Kopfhörer hat, kann mal zuhören unter
www.pmmh.espci.fr/~andreotti/SongOfDunes.html
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Burkhard Strassmann
Macht Zugluft krank?
Wenn Sie schon unbedingt bei offenem Fenster lesen müssen, dann machen Sie wenigstens die Tür zu. Es zieht. Wieso eigentlich? Nun ja, das wurde wissenschaftlich genau untersucht. Zugluft entsteht zum Beispiel bei 24 Grad Celsius ab einer Luftgeschwindigkeit von 0,2 Metern pro Sekunde. Bei 22 Grad macht schon ein trägeres Lüftchen Schluss mit der Behaglichkeit.
Und Zugluft ist nicht gleich Zugluft. Der eine Luftstrom kommt breitflächig daher, der andere schmal, einer fließt kontinuierlich, ein anderer wirbelt durch den Raum. Erhard Mayer vom Institut für Bauphysik in Holzkirchen hat die Auswirkungen unterschiedlicher Luftströme an einem beheizten Metallkopf untersucht. Bei hoher Luftgeschwindigkeit, starken Turbulenzen und niedriger Temperatur ist das Ungemach am größten, lautet das Fazit des Wissenschaftlers. Dabei entsteht Zugluft nicht nur durch offene Fenster und Türen, sondern vor allem durch schlecht eingestellte Klimaanlagen, denen Menschen in Büroräumen, Autos, Flugzeugen ausgesetzt sind.
Liest man, welche Folgen die kalte Luft für die Gesundheit haben kann, möchte man am liebsten alles verriegeln, die Klimaanlage verschenken und sich im eigenen Mief einrichten. Kalte Füße können zu einer Blasenentzündung führen, die Zugluft schmerzt manchen sogar an den Zähnen. Aber der Reihe nach. Zunächst kommt es zu einer lokalen Abkühlung der Haut, zum Beispiel im Nacken. Fällt die Temperatur unter etwa 34 Grad, beginnen jene Nervenenden in der Haut elektrische Impulse auszusenden, die für das Kälteempfinden zuständig sind. Die Muskeln unter der kühlen Haut verspannen sich. Das kann zu Schmerzen führen, die in den Kopf ausstrahlen.
Auch die Blutgefäße der Nasenschleimhäute reagieren auf das unerwünschte Lüftchen. Sie ziehen sich zusammen, die Temperatur im Nasalbereich sinkt, die Produktion der Abwehrstoffe nimmt ab, und der Mensch erkältet sich. Besonders bei Kontaktlinsenträgern können die Bindehäute der Augen austrocknen und sich entzünden. Und wenn Zugluft Füße unterkühlt, werden Harnblase und Nieren weniger durchblutet, sodass Bakterien sich munter vermehren und die Harnwege infizieren.
Darum gilt es, lokale Abkühlung zu vermeiden. Der Physiker Mayer aus Holzkirchen trägt im Theater stets Kniestrümpfe, die er bei Bedarf einfach auf die Knöchel herunterzieht. »Bei Zugluft im klimatisierten Büro sollten Arme und Nacken mit einem leichten Stoff bedeckt sein«, rät Peter Kröling, Klimamediziner an der Uni München. Oder noch besser: »Man ruft einfach den Techniker an.«
Astrid Viciano
Sind Flipflops sexy?
Kommt drauf an. Kommt wirklich drauf an. Flipflops können so sexy sein wie die schärfsten Highheels. Und so tödlich wie die Apparate, die sich Gesundheitstreter nennen. Aber: Die eine Wirkung liegt hautnah neben der anderen. Kleine und kleinste Details sind hier ausschlaggebend. Und eben das macht die banalen Dinger, die das Wort Schuhwerk kaum verdienen, auf Wühltischen in Massen herumliegen, ab 1,99 Euro zu erwerben sind, als Anschauungsobjekte erotischer Morphologie so interessant. Wenn, beispielsweise, die Farbe der Flipflops eine Spur zu grell ist oder, noch schlimmer, die Sohle ein wenig zu breit, breiter eben als der Fuß, der auf ihr liegt, sind Flipflops nichts anderes als quietschende Badelatschen und überall dort, wo nicht gebadet wird Supermarkt, Restaurant, Fußgängerzone etc. , so sexy wie eine Schnapsfahne beim Frühstück. Nun nehmen wir aber mal an, die Badelatschen haben eine angenehme Farbe, im besten Fall Schwarz, eine mit dem Fuß deckungsgleiche Sohle und eine eher zierliche, nicht wulsthafte Gesamtform, dann sieht die Sache schlagartig anders aus. Wir sehen vor uns: lässigen Minimalismus. Und vernehmen seine aufreizende Botschaft: Mehr brauch ich nicht. Ein kleiner Fußstriptease also, der sich kokett als Sparsamkeit ausgibt. Flipflops sind, im sexysten Fall, der Tanga der Füße und wie dieser extrem heikel in der Wirkung. Denn diese steht und fällt mit der angemessenen Proportion der fleischlichen Umgebung, die durch das Riemchen der Flipflops in zwei Hälften geteilt wird. Der schmale Zeh kann in Flipflops noch schmaler aussehen. Der dicke aber noch dicker. Schmale Fesseln, gut geformte Beine kommen in Flipflops gerade dadurch zur Geltung, dass sie augenscheinlich darauf verzichten können, ihre Form zu betonen. Wie ein Gesicht, das ohne Make-up auskommt. Heißt das nun, dass Menschen mit etwas festerem Unterbau auf Flipflops verzichten sollten? Kann man so nicht sagen. Dabei kommt es wiederum auf die Rocklänge an. Auch auf die Gangart. Schlurfen plus Übergewicht plus Flipflops ist ein Graus. Federn statt schlurfen lässt auch bei etwas Übergewicht auf ein sattes Körpergefühl schließen. Es kommt bei Flipflops wirklich drauf an. Sicher ist eigentlich nur eins: Stolpern in Flipflops, was ja nahe liegt, ist nicht richtig sexy.
Ursula März
Hilft Gin-Tonic gegen Malaria?
Sonnenuntergang auf der Veranda einer angenehmen Lodge inmitten afrikanischer Wildnis. Das Gespräch kreist um Löwen, Fleischbeilagen und die beunruhigend grassierende Malaria. Schnell ein Griff zum großen Glas Gin-Tonic. Der Alkohol desinfiziert, das süße Tonicwater bringt den Zuckerspiegel ins Lot, der Schnitz Limone verhindert Skorbut, und das Chinin im Getränk soll vor Malaria schützen. Welch ein beruhigend gesundes Getränk. Oder?
Es stimmt, Extrakte aus der Rinde des Chinarindenbaumes können die Malaria in Schach halten. Dieses Wissen der südamerikanischen Ureinwohner entdeckte 1633 in Peru auch der Augustinermönch Antonio de Calanch. Allerdings dürfte die Gin-Tonic-Prophylaxe nur schwerlich gelingen. Ein paar Freiwillige haben es vor ein paar Jahren ausprobiert. Sechs durstige Probanden schluckten in 15 Minuten 500 bis 1000 Milliliter klebriges Tonicwater (der Gin wurde leider weggelassen). Nach ein bis zwei Stunden lag die Chininkonzentration im Blut der Tonic-Trinker tatsächlich in einem Bereich, der dem Malaria-Erreger Plasmodium falciparum den Garaus hätte machen können. Das Problem aber ist, dass das Chinin im Blut sehr schnell abgebaut wird. 67 Liter pures Tonicwater, errechneten Experten, müsste jemand täglich schlucken, um gegen Malaria gefeit zu sein. Zusammen mit Gin genossen, dürfte dieses Prophylaktikum den Probanden noch weit vor der Malaria dahinraffen.
Nein, so geht es nicht. Aber vielleicht hilft eine andere, unorthodoxe Form des Tonic-Konsums. In neueren Studien zeigte sich, dass Chinin, rektal verabreicht, sehr viel leichter vom Körper absorbiert wird. Sollte sich in einem Testlauf belegen lassen, dass mit dieser Methode suffiziente Chininspiegel erreichbar sind, dürfte der abendliche Sundowner auf der Lodge-Veranda demnächst ungewöhnlich ausfallen. Im Korbsessel versunken, lässt sich die versammelte Safarimeute einen mächtigen Einlauf aus dem Cocktail-Eimer verpassen.
Harro Albrecht
Was macht der Hund an den Hundstagen?
In trüben Zeiten, wenn es Bindfäden regnet (Engländer sagen: cats and dogs), möchte man keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken und vor die Tür jagen. Des Menschen treuester Gefährte durchnässt wie ein Wischmopp? Ein seelenloser Grobian, wer so etwas auch nur in Betracht zieht. Die klassische Zeit der Hunde, das sind die ganz heißen Tage, da liegen unsere Bellos behäbig blinzelnd im Schatten unter der Gartenbank, während die Sonne brütet und brutzelt. So ähnlich war es schon in fernen pharaonischen Epochen, bevor im Sommer die Nilschwemme einsetzte: Die Hofastrologen peilten, gelangweilt wie verwöhnte Möpse, in Ägyptens wolkenlosen Nachthimmel, bis sie endlich des Sternes Sirius ansichtig wurden, der sich immer bis Anfang Juli versteckt hielt. Dann hub ein großes Freudengetanze an, weil nun Gewissheit herrschte, dass der alte Vater Nil bald wieder über die Ufer treten und mit seinem Schlamm Fruchtbarkeit über die trockenen Felder bringen würde. Auf den Sirius war Verlass. Und weil er der Hauptstern des Sternbilds Großer Hund ist, hatte die Periode der ärgsten Hitze ihren Spitznamen weg. Inzwischen haben sich die Dinge leicht geändert, zumindest im Land von Pharao Mubarak. Gewaltige Dämme gebieten den aus Zentralafrika nordwärts schwappenden Flussfluten Einhalt, und auch der Sirius ist kein verlässlicher kosmischer Anhaltspunkt mehr. Gewisse Änderungen der Erdrotation haben nämlich über die Jahrtausende eine scheinbare Verschiebung der Gestirne bewirkt. Der Hundestern tritt in der Folge, von Kairo aus betrachtet, erst Ende August ins Blickfeld. Das aber ist ein anderes Thema vielleicht eins für die Saure-Gurken-Zeit.
Christiane Schott
Warum ist der Strandkorb so deutsch?
Die deutsche Idylle (1,60 Meter hoch, 1,25 breit und 0,82 tief) knirscht und wackelt: der Strandkorb. 50.000 Mal gibt es diese komfortable Kiste für Einsamkeit und Zweisamkeit an Ost- und Nordseeküste. Sie begann als Sonderanfertigung des Rostocker Hof-Korbmachermeisters Wilhelm Bartelmann für die ältere, von Rheuma geplagte Dame Elfriede Maltzahn vor gut einhundertzwanzig Jahren, indem der Korbmacher einen seiner Wäschekörbe als Windschutz senkrecht stellte. Daraus entwickelte sich 1897 der zweisitzige »Halblieger«, dessen Rückseite sich bis heute um 45 Grad zurückklappen lässt. Außerdem wurde ein Vorhang zum Umkleiden an den Bügel der Markise montiert. Inzwischen ist dieser Tribut ans Schamgefühl überflüssig. Damals aber war das Strandleben ein gesellschaftliches und kein geschlechtliches Ereignis. Man trug am Strand Leinenanzüge und keine String-Tangas; man las den neuesten Gogol oder Turgenjew; man genoss »Sommerfrische«.
Des Deutschen Hang zur Perfektionierung konnte sich am Strandkorb austoben: Polsterung, Markise, zwei Klapptischchen, ausziehbare Beinstützen, die schon unter dem Gewicht leichter Füße im Sand versinken, sowie ein zaunähnlicher Verschluss zur Abwehr anderer Badegäste. Denn, hat jemand seinen Strandkorb bezogen, grenzt er sich ab. Auf die Latten des ausgehängten Zauns steckt er seine Schuhe, hängt Strandtaschen daran, macht es sich mit Bier, Zeitungen, Büchern und Badetüchern im Korb wohnlich und zeigt: Hier bin ICH. Abgrenzungsbemühungen, die weitestgehend funktionieren und nur von Möwen ignoriert werden, wenn sie präzis aufs Dach kacken. Der Strandkorb, eine Kiste deutscher Innerlichkeit, soll zwar der Entspannung dienen, beschäftigt seinen Bewohner aber permanent: Er will immer wieder in die richtige Position zu Wind und Sonne gedreht und auf dem sandigen Untergrund möglichst fest justiert werden. Mitunter hat der Strandkorb auch das Landesinnere erobert und wurde schon auf Terrassen und in Wintergärten, neben Pool und Buchsbaum im Chiemgau und am Tegernsee gesichtet. Dabei gehört er in eine Welt ohne Türen, an den Strand, in die Freiheit. In der aber können wir Deutschen uns wohl nur schwer ertragen, weshalb wir Strandkörbe aufstellen: Familienfestungen und deutsche Zeugungsorte. Denn »nicht immer, wenn ein Strandkorb wackelt«, so ein Vermieter auf Sylt, »ist es der Nordwest«.
Pascal Morché
Gibt es den Sommer auch auf dem Mond?
Eine Art Sandstrand (wenn auch ohne Meer davor) ist schon mal da. Die Mondoberfläche ist mit feinkörnig-pulvrigem Material bedeckt. Man nennt es Regolith. Millionen von Meteoriteneinschlägen haben das Gestein in immer kleinere Teile zertrümmert. Sonnenschein ist auch da, jede Menge. Wenn auf dem Mond die Sonne aufgeht, bleibt sie über einen Zeitraum von über 13 irdischen Tagen an dessen Himmel. Die Temperatur am Mondäquator klettert tagsüber auf 123 Grad. Nachts ist es etwas frischer, durchschnittlich sind es minus 153 Grad.
Aber ist viel Sonnenschein unter einem stets wolkenfreien Himmel schon ein Sommer? Nur wenn es dazu einen Winter gibt. Jahreszeiten erklären sich aus dem Unterschied zu anderen Jahreszeiten. Dass wir auf der Erde saisonale Vielfalt genießen, verdanken wir einem Winkel von 23,5 Grad. Um so viel ist die Rotationsachse unseres Planeten geneigt. Da sie nicht senkrecht zur Erdbahnebene verläuft, ändert sich im Jahresablauf die scheinbare Bahn der Sonne am Himmel. Wenn das Zentralgestirn während einiger Monate hoch über Europa steht, trifft das Licht steil auf die Erdoberfläche auf, der Energieeintrag pro Quadratmeter ist höher als im Januar Deutschland befindet sich im Sommer.
Im Prinzip verhält es sich mit dem Mond nicht anders. Auch auf seine Landschaften fällt das Sonnenlicht mit wechselnden Winkeln. Denn erstens befindet sich der Mond selbst auf der schiefen Bahn: Diese ist 5 Grad geneigt gegenüber unserer Bahn um die Sonne. Zweitens rotiert der Mond (eine Umdrehung in knapp einem Monat) nicht in einer senkrechten Achse zu seiner Umlaufbahn um die Erde sondern um 1,3 Grad geneigt. Es kommt daher vor, dass der Mond gegenüber der Bahn um die Sonne um bis zu 7,9 Grad geneigt ist. Damit erfüllt sich die Bedingung für Jahreszeiten.
Ein Mann im Mond könnte eine wechselnde Bahn der Sonne an seinem Himmel beobachten je nach Saison, wie auf Erden. Allerdings müsste er sehr genau hinsehen. Die »Jahreszeiten« unterscheiden sich kaum. Wäre auch die Erdachse bloß um 8 statt um 23,5 Grad geneigt, die Winterklamotten sähen aus wie die Sommerklamotten; deutlicher unterschieden sich der Pyjama und das Hemd für den Nachmittag.
Das Sömmerchen auf dem Mond ist im Übrigen eine triste Angelegenheit. Der Trabant hat keine eigentliche Atmosphäre, nur eine Exosphäre. Ein bisschen Helium, Neon, Wasserstoff und Argon zu wenig für ein schönes Sommergewitter.
Urs Willmann
Schmerzen Stringtangas zwischen den Pobacken?
Man kann es nur im Selbstversuch herausfinden. Schmerz ist nicht das richtige Wort, Schmerz schneidet, Schmerz ist ein Messer. Dieses hier ist eher eine Bürste, ein Schubbern, etwas unerhört Lästiges, permanent Kneifendes. Gewiss, man würde sich im Ernstfall daran gewöhnen, aber praktisch oder auch nur behaglich trägt der Tanga sich nicht, dauernd droht unten etwas herauszufallen, was man in unserem Kulturkreis öffentlich nicht gerne unten herausfallen lässt. Warum benutzen Menschen so etwas?
Bei den Stringtangas fällt auf, dass sie am Strand besonders häufig von älteren, nicht gerade perfekt gebauten Männern getragen werden. Bei den Frauen dagegen kommt der Tanga vor allem bei jungen und drahtigen Exemplaren zum Einsatz. Ich habe, sonntags im Strandbad Wannsee, fast nie einen durchtrainierten jungen Mann oder eine schwergewichtige ältere Dame im Tanga zu Gesicht bekommen, so etwas gibt es nicht, immer sieht man es umgekehrt. Ein Tanga bringt zum Ausdruck, dass man so viel wie möglich (und gesetzlich erlaubt) vom eigenen Körper zeigen möchte. Ein Tanga macht eine deutlich direktere erotische Aussage als völlige Nacktheit. Ein Tanga zeigt äußerste Paarungsbereitschaft. Wenn ich am Wannsee die vielen hundert dicken Männer im Tanga sehe, bewundere ich ihre Kühnheit, ich denke dann, ja, wir Männer sind Jäger und gehen auch dann auf die Jagd, wenn die äußeren Umstände widrig zu sein scheinen. Wir werben mit unseren Körpern, auch wenn sie unvollkommen sind, nein, gerade dann. Soll die Frau als Erstes lernen, unsere Defizite zu lieben. Unsere schöne Seele, unseren Esprit und unsere dicke Brieftasche enthüllen wir ihr erst nach und nach. Nur so können wir ihrer Gefühle sicher sein, denn nachdem sie uns erst einmal im Tanga gesehen hat, kann es zwischen uns beiden nur besser werden. So kann Liebe beginnen, zum Beispiel mit einem Kneifen am Po.
Harald Martenstein
Wie kommt das Salz ins Meer?
Die interessantere Frage ist eigentlich: Wie kommt das Salz aus dem Meer wieder raus? Aber der Reihe nach: Schon der Regen, der auf die Erde fällt, ist nicht frei von Salzen. Regentropfen bilden sich in den Wolken an so genannten Kondensationskeimen, das sind Staubteilchen, die in der Luft schweben und sich im Wasser lösen. Dann versickert das Regenwasser im Boden und löst auf seinem Weg die verschiedensten Substanzen aus dem Gestein, bevor es irgendwo als Quelle wieder herauskommt. Dass Quellwasser eine Menge Salze enthält, auch wenn es nicht salzig schmeckt, sieht man am Kleingedruckten auf jeder Mineralwasserflasche.
Die Flüsse tragen diese Salzfracht ins Meer jährlich etwa 2,75 Milliarden Tonnen. Dazu kommen noch Salze aus den vulkanischen Aktivitäten am Meeresboden. Der Wasserkreislauf schließt sich, wenn das Meerwasser verdunstet und in der Atmosphäre neue Wolken bildet. Nur beim Verdunsten bleibt das Salz im Meer zurück. Trotzdem bleibt seine Konzentration konstant bei 3,5 Prozent, zumindest im offenen Ozean ein Salzstreuer voll pro Liter Wasser. Warum wird das Meer nicht ständig noch salziger?
In der Vergangenheit stieg der Salzgehalt tatsächlich kontinuierlich das sieht man zum Beispiel daran, dass in unserem Blut nur wenige Promille Salz enthalten sind, das war die Konzentration, als unsere Vorfahren aus dem Wasser an Land gingen.
Seit etwa 250 Millionen Jahren aber ist der Salzpegel der Meere nicht mehr gestiegen. Wie kommt das Salz nun wieder heraus? Ein Teil verlässt das Wasser über salzhaltige Gischt, die an Land geweht wird. Ein weiterer Teil wird direkt am Meeresboden sedimentiert. Für den größten Salzverlust aber sorgen die Meereslebewesen, die die Salze in ihr Skelett einbauen und später mit ins Grab nehmen. Im Laufe der Jahrmillionen hat sich ein Gleichgewicht zwischen Salzzufuhr und Salzverlust eingependelt.
Christoph Drösser
Gehört Bier aufs Grillfleisch?
Geheimtipps, die jeder kennt, sind von vornherein verdächtig. Einer davon bezieht sich auf das sommerliche Grillen, und er lautet wie folgt: Zur geschmacklichen Veredelung des Fleisches begieße man dasselbe gegen Ende des Grillvorgangs mit einem Schuss Bier. Wie praktisch, denkt sich der Grillmeister, das hatte ich sowieso gerade zur Hand; und was mir bekommt, kann meinem Kotelett ja nicht schaden. Also gib ihm! Und wie lustig das zischt! Psychologisch ist das Ganze leicht zu durchschauen: Je weniger der Koch zum Gelingen einer Speise beiträgt, umso wichtiger ist es für sein Selbstwertgefühl, ihr mit einem letzten Kniff seinen Stempel aufzudrücken. Was dem Konservenaufwärmer das dekorierende Petersilienblättchen, das ist dem Griller sein Bier.
Aber schmeckt es wirklich besser? »Das untersucht man schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts«, sagt Armin Mosandl, Lebensmittelchemiker an der Uni Frankfurt. Na gut, nicht exakt unser Grillproblem. Aber immerhin die Maillard-Reaktion, vulgo: Bräunung. Die nämlich erfolgt, wenn man eine wässrige alkoholische Lösung mit komplexen Kohlenhydraten (Bier) unter Hitzeeinwirkung auf eine organische Oberfläche (Kotelett) aufbringt. Die Kohlenhydrate reagieren mit den Aminen vom Fleisch, und es entstehen etliche Substanzen, die vorher nicht da waren. »Was dabei genau passiert«, sagt Professor Mosandl, »ist bis heute nicht ganz geklärt. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass durch die zuckerfreie Karamellisierung der Oberfläche eine geschmackliche Verbesserung eintritt.«
Nun dosiert freilich der Griller das Bier nicht mit der Pipette. Im Gegenteil, er schüttet mit feurigem Schwung, damit zisch! die anderen von seinem Kunstgriff auch Kenntnis nehmen. Daraus folgt, dass ein Teil des Bieres sein Ziel, das Kotelett, zunächst verfehlt. Es verdampft in der glühenden Holzkohle und erzeugt eine Wolke aus Wasser und Asche, die dem Fleisch von unten zusetzt. Ergebnis: »Das Grillgut nimmt eine unerwünschte Räucherung an.« Im schlimmsten Fall, dann nämlich, wenn die Bierwürze nicht sauber verbrennt, bilden sich polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Und sind leider gar nicht aromatisch, sondern Krebs erregend.
Man sieht, es hat alles seine zwei Seiten. Vom Verzehr der unteren raten wir ab.
Michael Allmaier
Macht Hitze müde?
Der Mensch ist ein homöothermes Wesen. Ohne Unterlass ist sein Organismus mit Thermoregulation beschäftigt, damit er die für alle Organfunktionen optimale Temperatur von 37 Grad bewahren kann. Nur solange die Prozesse der Wärmebildung und der Wärmeabgabe im thermischen Gleichgewicht balancieren, findet Homo sapiens Einlass in die Komfortzone. Dieses Wechselspiel ist den Prozessen der körperlichen Liebe (Sex) nicht unähnlich. Auch sie geht manchmal wie von selbst, und manchmal ist es Arbeit und macht müde.
Um die 23 Grad ist der Organismus frei von thermischen Belastungen. Ab 26 Grad beginnt der Wärmestress, der unangenehmer ist als der Kältestress, weil man, wenns kalt ist, immer noch was anziehen, wenns aber heiß ist, irgendwann nichts mehr ausziehen kann. Dann passiert Folgendes: Um die Temperaturdifferenz zwischen Körperkern und Außentemperatur auszugleichen, transportiert das Blut die Wärme zur Haut. Die einsetzende Schweißbildung respektive die Verdunstung kühlt das Blut und somit den Organismus. Je heftiger die Hitze, desto stärker die Blutzirkulation des Herz-Kreislauf-Systems und das Schwitzen, um die Kerntemperatur zu halten. Man hört sein Herz dann pochen. Gleichzeitig kann der Blutdruck absinken. Tut er dies, erhält das Hirn nicht mehr genug Blut, um voll funktionsfähig zu sein, und reagiert, wenn es gut gelaunt ist, nur mit Müdigkeit, später mit Erschöpfung. Hat das Hirn einen schlechten Tag, können Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Krämpfe hinzukommen.
Sommer-Völker umgehen die thermischen Wirkungskomplexe und ihre Unabänderlichkeit mit grandioser Einfachheit: Sie verkriechen sich in ihre Häuser und legen sich schlafen, wenn der Tag am heißesten wird. Das hat etwas Sympathisch-Paradoxes; der durch Hitze bedingten Müdigkeit zu entfliehen, indem man sich schlafen legt.
Es ist nicht ganz klar, wer die Siesta erfunden hat, aber wahrscheinlich waren es keine Tagediebe, und die Hitze spielte erstaunlicherweise keine Rolle. Die meisten Quellen wähnen ihren Anfang in den Zeiten nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936 bis 1939), als die Iberer zwei Arbeiten brauchten, um zu überleben. Eine von 6 bis 14, die andere von 17 bis 22 Uhr. Dazwischen aßen die Dauererschöpften, zeugten Kinder und legten sich schlafen.
Nun droht der Siesta das Aus, weil eine stundenlange Pause am Nachmittag nicht mehr zum Tempo des modernen Wirtschaftskreislaufes passen soll. Es gibt bereits Studien, die behaupten, eine lange Siesta sei gefährlich für den Körper, von drohendem Bluthochdruck wird gesprochen, von Hirnschlag und Herzinfarkt. Nur Power-Napping (bis 30 Minuten) sei okay. Aber wenn das wirklich zuträfe, wäre halb Südeuropa ein riesiger Friedhof.
Die weiße Nacht, wie die Griechen zur Siesta sagen, hat einen weiteren Vorteil: die nächtliche Müdigkeit schlägt später zu. Man fragt sich, ob Deutschland eine Siesta brauchen könnte, angesichts seiner lahmen Nächte, der Armut und der Zweitjobs. Andererseits ist man auch ganz froh, dass Deutschland abends auf dem Sofa sitzen bleibt.
Michael Bahnerth
Woher kommt das Sonnenöl?
Aus dem Drogeriemarkt. Aber das war nicht immer so. Denn während die Sonne seit Menschengedenken lodert, musste das Drogeriewesen erst einmal erfunden werden. Vor allem aber musste der Sonnenbrand erfunden werden. Noch im 19. Jahrhundert galt Blässe als vornehm. Nur, wer zur Ernte, zum Fischen oder sonst zur Arbeit unter freiem Himmel gezwungen war, wurde unschön braun.
Die Erfindung des Sonnenbrandes erforderte den schnellen Ortswechsel in eine strahlenreichere Umgebung, also mit der Eisenbahn ans Wasser oder auf die Höhe. In den ersten Seebädern ging es um 1850 hochgeschlossen zu; Hüte mit gewaltigen Krempen waren der Lichtschutzfaktor schlechthin. Erst im Gebirge gelang es endlich: Der Gletscherbrand machte manches Bergvergnügen zunichte.
So waren es die bleichen Reichen, die sich röteten und auch die Mittel hatten, ihren Schmerz zu lindern. Eine Annonce für »Nivea-Sonnenbrand-Creme« um 1925 zeigt eine sportliche Frau beim Tennis im langen Kleid.
Bis 1960 war alles Creme, erst dann floss das Öl in Strömen, und die goldene Zeit des Wirtschaftswunders und der Weltentdeckung schimmert heute noch im Gattungsbegriff, selbst wenn das transparente Öl längst aus der Mode ist, verdrängt von der milchigen Lotion.
Passend zur Jahrtausendwende stürmt das Spray auf den Markt: keine backsigen Finger mehr, der Körper wird aus der Distanz lackiert wie des Deutschen liebstes Kind. Seither greifen selbst Männer zur Flasche, und die Hersteller freuen sich über den wachsenden Absatz. Ist es denn gar so schlimm, eingecremt zu werden?
Kinder sagen ja, sie mochten auch das Gesprühe nicht, bis der bunte Nebel kam: Türkis leuchten die benetzten Kleinen. Darauf musste das Marketing erst mal kommen: zum Schutz vor Verfärbung die Haut zu verfärben!
Frage an den Pharmazeuten Heiner Gers-Barlag, der sich bei der Firma Beiersdorf in Hamburg seit 15 Jahren allem Ultravioletten entgegenstemmt: Wohin geht das Sonnenöl? Werden wir in zehn Jahren Lichtschutzfaktor 100 haben? Nein, lächelt er, bei »50 plus« sei Schluss. Darauf habe sich die Industrie weltweit geeinigt. So lang scheine die Sonne ja auch gar nicht.
Das Innovationspotenzial liegt anderswo. Im Kundenwunsch nach der einmaligen Anwendung, die den ganzen Tag überdauert. Oder in der Melanin-Pille, die man nimmt, damit die Haut sich selber schützt. Was dann noch fehlte, wäre ein Apparat, der über einem gutes Wetter macht.
Ulrich Stock
Warum machen Italiener das beste Eis?
Die Italiener sind schon seit einer halben Ewigkeit die Eismachernation Nummer eins. Die erste Eisdiele überhaupt hat im Jahre 1660 ein Francesco Procopio in Paris eröffnet. Einerseits hängt diese Dominanz damit zusammen, dass Marco Polo ein Italiener war. Marco Polo, der große Entdecker, hat in China, neben den Spaghetti, angeblich auch die Technik des Speiseeisherstellens entdeckt und nach seiner Rückkehr in Italien herumerzählt, wie es geht. Andererseits saßen in Sizilien lange Zeit die Araber, und die Araber konnten ebenfalls Eis machen. Drittens hat Katharina von Medici das italienische Eiswesen stark gefördert. Verschiedene Schulen der Eisherstellung entstanden, unter anderem die venezianische und die piemontesische Schule. Es war schwierig. Eis schmilzt nämlich schnell. Im alten Italien mussten Eisherbeiholer auf eilige Weise ständig neues Eis herbeiholen, aus dem Hochgebirge. Die Gebirgler begriffen, dass Eis wertvoll sein kann.
Im heutigen Deutschland gibt es etwa 4000 Eisdielen oder Eiscafés. 3000 davon werden von Italienern geführt. Von diesen 3000 Eis-Italienern stammen wiederum drei Viertel aus einem einzigen, nicht allzu großen Tal, dem Val di Zoldo am Rand der Dolomiten. Das Val di Zoldo war um 1850 herum bitterarm, la povertà, so, wie es sich für ein Alpental dieser Zeit gehörte. Da haben sie sich aufs Eismachen konzentriert, gelati, la soluzione. 1906 wurde in der Stadt Wien die elektrische Eismaschine erfunden, jetzt ging der Boom los. Viele Eismacher aus dem Zoldotal begaben sich also nach Deutschland, warum eigentlich, nun, vielleicht deswegen, weil Deutschland gleich drüben auf der anderen Alpenseite lag und die Deutschen selber nicht gut waren im Eismachen. Vor allem in den zwanziger Jahren eröffneten in Deutschland überall Eisdielen. Die italienische Eisdiele gehört zu den kulturellen Errungenschaften der Weimarer Republik.
Irgendwo in den Dolomiten muss sich folglich der Gelatipfad befinden, jener Weg, auf dem die kühnen, geschmackssicheren Männer vom Zoldotal hinüber sind nach Deutschland, um dort ihr eisiges Glück zu finden. Der Gelatipfad gehört zu den unbekannten europäischen Sehenswürdigkeiten.
Harald Martenstein
Sind kurze Hosen zeitgemäß?
Natürlich. Am Strand. Beim Laufen im Park. Beim Pflanzen einer neuen Hecke. Im heimischen Badezimmer bei geschlossener Tür. Selbstverständlich auch auf offener Straße, sofern das ein letzter verzweifelter Versuch ist, Beachtung zu finden. Oder die Hausaufgabe für das Selbstbewusstseins-Seminar.
Sonst, ganz ehrlich, sollte Mann es lassen. Vor allem im Job könnte das eigene Selbstbild stark in Zweifel gezogen werden: Wie gut passen kalkweiße, behaarte Beine in farbenfrohen Bermudas zu einem angeblich erfolgreichen Banker? Geht ein Kreativer heute noch als kreativ durch, wenn er in einer abgeschnittenen Jeans herumläuft? Warum wohl empfiehlt man Taxifahrern in ein und derselben Verordnung, weder die Notdurft zu dicht am Fahrzeug zu verrichten noch die Fahrgäste in Shorts zu chauffieren? Selbst in Berufen, bei denen Geschmacksverirrungen Pflicht sind, kann die Kurze zum Fallstrick werden: Unlängst wurde einem französischen Informatiker und Kurzhosenträger gekündigt, weil seine Firma angesichts der Beinkleider um ihr Image fürchtete.
Denn die kurze Hose ist fast nie eins der schicken, vielleicht sogar mit Nadelstreifen versehenen Exemplare, wie sie optimistische Modemacher verzweifelt feilbieten. Die meisten Männer kramen jedes Jahr wieder dieselben alten Shorts aus dem Schrank. Mag sein, dass sich die seit Kindheitstagen kaum verändert haben. Aber Mann selber hat sich verändert.
Wer seit Jahren leidenschaftlicher Kurzhosenträger ist und das nicht wahrhaben will, erst recht nicht, wenn es um ungezwungene Freizeit- oder Urlaubsgestaltung geht, sollte sich andere Kurzhosenträger einmal so unvoreingenommen ansehen, als sähe er sie zum ersten Mal. Er wird schnell feststellen, dass offenbar folgende Faustregel gilt: Je dicker Bauch und Beine, desto stärker der Drang, mit möglichst knapper kurzer Hose davon abzulenken ähnlich wie bei den Schamkapseln, mit denen degenerierte Höflinge im 16. Jahrhundert krampfhaft versuchten, ihre Geschlechtsteile zu betonen. Abschließend sollte man seine eigene geliebte Kurze anlegen, ins Badezimmer gehen, die Tür schließen, allen Mut zusammennehmen und vor den Spiegel treten. Das wird reichen.
Mark Spörrle
Warum sind alle Kühltaschen türkis?
Die Frage hat eine gewisse Verwandtschaft mit dem berühmten Zauberwürfel, in dessen Farbflächen Ordnung zu bringen einfach erscheint, was sich aber schnell als unlösbar erweist. Zunächst scheint die Antwort klar: weil auch Schwimmbäder türkis sind, weil Badezimmer der älteren Art türkis gekachelt waren, weil überhaupt alles, was kühl aussehen soll, türkis sein muss. Die Hersteller von Kühltaschen gehorchen der klassischen Bauhaus-Doktrin, wonach die Form der Funktion zu folgen hat. Am Türkis soll man erkennen, dass die Kühltasche keine Wärmedecke ist. Tatsache ist allerdings, dass Kühltaschen oft gut warm halten und nach längerem Gebrauch überhaupt eher dem Ideal des Heißgetränkes gewogen scheinen. Warum bleiben sie trotzdem türkis und wechseln nicht ehrlicherweise die Farbe, zum Beispiel ins Ziegelrote?
Die Wahrheit ist: Sie wollen, nicht anders als ihre Besitzer, vor allem auffallen. Da sie ihre Funktion nicht erfüllen, möchten sie wenigstens stören. Touristen haben ja auch keine Funktion in der Natur, stören aber wirkungsvoll. Ziegelrote Taschen würden sich allzu gut ins Ambiente fügen, selbst unter Blättern und Gräsern elegant aussehen. Nur Türkis stört immer und überall und beißt sich zuverlässig mit jedem botanischen Grünton. Aufmerksamkeit ist das knappste aller Güter in der Mediengesellschaft, und die Kühltasche ist ihr heimlicher Wegbereiter. Genau genommen, ist die größte aller Kühltaschen gar keine Kühltasche, sondern die Boulevardpresse. Der Nutzen liegt im Ärgernis, das ist des Rätsels Lösung.
Jens Jessen
Wie blau ist der Himmel?
der himmel ist anilin
blau
aral
blau
aquamarin
blau
äther
blau
atlas
blau
augen
blau
band
blau
bebi
blau
bayrisch
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blass
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blauehände
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blauestunden
blau
blau
gefroren blaustich
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blau
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violett brillant
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blumen
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das-blaue-vom-himmel-lügen-
blau
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dunkel
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eis
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enzianblaufahl
blau
flammen
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gerede
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grau
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grün
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hell
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hinterden
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indigo
blau
ins-blaue-schießen-
blau
iris
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blau
zwetschgen
blau
Peter Roos
- Datum 26.07.2006 - 07:55 Uhr
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warum ist dem autor nix mit q eingefallen?
..reiche quendelblau nach..
schönen sommer noch mit vielen blauen stunden!
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