Stimmt's? Lied der Deutschen
In den vergangenen Wochen ist wieder viel über das Deutschlandlied diskutiert worden. Dessen dritte Strophe ist die Nationalhymne. Dürfen öffentlich auch die ersten beiden Strophen des Liedes gesungen werden, oder ist dies verboten? Norbert Mazurowicz, Mainz
Man kann in Deutschland fast alles öffentlich singen. Verboten aber ist zum Beispiel das Horst-Wessel-Lied, es zählt zu den »Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen«. Schon wer die Melodie summt, macht sich strafbar. Das Deutschlandlied dagegen darf jeder mit allen Strophen singen.
Das war kurzzeitig einmal anders. Nach dem Zweiten Weltkrieg verboten die Alliierten das »Lied der Deutschen« für kurze Zeit – die erste Strophe (»Deutschland, Deutschland über alles…«) bildete ja zusammen mit dem Horst-Wessel-Lied die Hymne des Nazi-Staates. Die Verfassung der neuen Bundesrepublik sagte zwar etwas über die Fahne, aber nichts über die Hymne. Der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, bemühte sich vergeblich, den Bundesbürgern eine alternative Hymne schmackhaft zu machen. 1952 gab er schließlich dem Drängen Adenauers nach, und in einem Schriftwechsel zwischen den beiden wurde das »Hoffmann-Haydn’sche Lied« rehabilitiert mit der Zusatzvereinbarung: »Bei staatlichen Anlässen soll die dritte Strophe gesungen werden.«
Das Ganze war kein Gesetz und zudem nicht sehr eindeutig formuliert – 1990 kam das Verfassungsgericht zu dem Schluss, das ganze Deutschlandlied stelle die Hymne dar.
Das änderte sich erst im wiedervereinigten Deutschland. Zwar gibt es auch heute keine gesetzliche Grundlage für die Nationalhymne. Aber in zwei neuen Briefen zwischen Präsident und Kanzler wurde Klarheit geschaffen. Richard von Weizsäcker schrieb im August 1991 an Helmut Kohl über das »Lied der Deutschen«: »Die 3. Strophe des Liedes der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben mit der Melodie von Joseph Haydn ist die Nationalhymne für das deutsche Volk.« Die anderen beiden Strophen kann man ungestraft singen – aber dann singt man nicht die Nationalhymne.
Christoph Drösser
Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder
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Audio:
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- Datum 06.07.2006 - 06:38 Uhr
- Serie Stimmt's
- Quelle DIE ZEIT, 06.07.2006
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Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Will eigentlich irgendwer ernsthaft behaupten, dass es politisch korrekt ist diese Gebiete und Flüsse als deutsche Grenzen zu sehen?
Schlagt mal einen Atlas auf.
Die Maas fließt ganz eindeutig durch Frankreich, Belgien und die Niederlande, aber nirgendwo durch Deutschland.
Die Memel fließt durch Weißrussland, Litauen und Russland. Also ebenso wenig durch Deutschland wie die Maas.
Die Etsch wiederum ist ein Fluss in Italien. Sie entspringt in in Ötztaler Alpen und mündet in die Adria. Was hat sie mit Deutschland zu tun, zumal zwischen der deutschen Grenze und der Etsch noch Gebiete der Republik Österreich liegen.
Und der Belt ist eindeutig in Dänemark, also genau so wenig deutsch wie vorgenannten Flüsse.
Was zeigt uns der Text des Liedes dann?
Doch nur eindeutig deutschen Imperialismus, der nach der Befreiung Europas vom Nazijoch, dank der siegreichen Alliierten, 1945 überwunden worden ist, und mit dem das heutige Deutschland nichts mehr zu tun hat.
Daher ist dieser Text heute bloß ein eindeutiges Symbol für Revisionisten, Nazis und sonstige ewiggestrige Komiker.
Dieser Text gehört ebenso eindeutig auf den Müllhaufen der Geschichte, wie der Text des "Gott erhalte..", oder der Text "Sei gesegnet ohne Ende..." von Kernstock, die ebenfalls zur gleichen Melodie von Joseph Haydn gesungen wurden.
Als der "liebe Kaiser Franz" noch römisch-deutscher Kaiser war - bevor er erst einige Jahre später die deutsche kaiserkrone niederlegte und dafür zum Herrscher des neugegründeten österreichischen Kaisertums wurde - gehörten die übrigen deutschen Länder und Österreich noch zusammen, so dass Hydns Lied durchaus nicht nur vom heutigen Österreich, das bekanntlich 1918 die Habsburger aus dem Lande verjagt hat, beansprucht werden kann.
Ab 1815 bis 1865 gehörten die deutschen Länder und Österreich wiederum, diesmal im "Deutschen Bund" unter Führung Österreichs zusammen. Damals gehörte Südtirol zu Österreich, und nach dem damaligen Verständnis zu Deutschland.
Das Herzogtum Geldern gehörte bis zu den napoleonischen Kriegen ebenfalls zum Kaiserreich, nach 1815 wurde es geteilt in einen westlichen niederländischen, und einen östlichen preussischen Teil. Die Grenze verlief entlang der Maas, allerdings kam deren östliches Ufer mit einem schmalen Streifen Land ebenfalls an die Niedelande.
Die Memel durchfloss damals das nördliche Ostpreussen (Tilsit), kurz vor der russischen Grenze. Allerdings gehörte Ostpreussen rechtlich nicht zum Heiligen Römischen Reich - nur deshalb konnte der Kurfürst von Brandenburg sich zum "König in Preussen" krönen lassen.
Verschiedene Meerengen in Nordeuropa tragen den Namen "Belt": der Grosse Belt, der "Kleine Belt", aber auch der "Alsen-Belt" und der "Fehmarn-Belt". Letzterer bildet auch heute noch eine natürliche Grenze zwischen der deutschen und schleswig-holsteinischen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland. Bis 1920 bildete ähnlich der "Alsen-Belt" eine natürliche Grenze zwischen der damals schleswig-holsteinischen und deutschen Insel Alsen und der dänischen Insel Fünen.
Hoffmann von Fallersleben konnte also 1845 durchaus von einem Deutschland zwischen Maas (Geldern), Memel (Ostpreussen), Etsch (Südtirol) und Belt (Schleswig-Holstein) sprechen, ohne die poetische Freiheit allzusehr zu beanspruchen.
Dass derselbe Text heute völlig veraltet ist, und ein wenig imperialistisch klingt, liegt an den bekannten zwischenzeitlichen geschichtlichen Ereignissen, in deren Ergebnis Deutschland beträchtlich kleiner geworden ist. Deshalb ist eben die dritte Strophe die deutsche Nationalhymne, und nicht die erste und die etwas merkwürdige zweite.
Die Unkenntnis historischer Tatsachen ist aber noch lange kein Grund, sich wutschneubend über mangelnde "politische Korrektheit" und angeblichen "Imperialismus" zu erregen. Im übrigen haben es viele Nationaldichtungen so an sich, nicht gerade politisch korrekt zu sein. Oder ist etwa "Rule Britannia" ein beschieden-häusliches Lied?
Als der "liebe Kaiser Franz" noch römisch-deutscher Kaiser war - bevor er erst einige Jahre später die deutsche kaiserkrone niederlegte und dafür zum Herrscher des neugegründeten österreichischen Kaisertums wurde - gehörten die übrigen deutschen Länder und Österreich noch zusammen, so dass Hydns Lied durchaus nicht nur vom heutigen Österreich, das bekanntlich 1918 die Habsburger aus dem Lande verjagt hat, beansprucht werden kann.
Ab 1815 bis 1865 gehörten die deutschen Länder und Österreich wiederum, diesmal im "Deutschen Bund" unter Führung Österreichs zusammen. Damals gehörte Südtirol zu Österreich, und nach dem damaligen Verständnis zu Deutschland.
Das Herzogtum Geldern gehörte bis zu den napoleonischen Kriegen ebenfalls zum Kaiserreich, nach 1815 wurde es geteilt in einen westlichen niederländischen, und einen östlichen preussischen Teil. Die Grenze verlief entlang der Maas, allerdings kam deren östliches Ufer mit einem schmalen Streifen Land ebenfalls an die Niedelande.
Die Memel durchfloss damals das nördliche Ostpreussen (Tilsit), kurz vor der russischen Grenze. Allerdings gehörte Ostpreussen rechtlich nicht zum Heiligen Römischen Reich - nur deshalb konnte der Kurfürst von Brandenburg sich zum "König in Preussen" krönen lassen.
Verschiedene Meerengen in Nordeuropa tragen den Namen "Belt": der Grosse Belt, der "Kleine Belt", aber auch der "Alsen-Belt" und der "Fehmarn-Belt". Letzterer bildet auch heute noch eine natürliche Grenze zwischen der deutschen und schleswig-holsteinischen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland. Bis 1920 bildete ähnlich der "Alsen-Belt" eine natürliche Grenze zwischen der damals schleswig-holsteinischen und deutschen Insel Alsen und der dänischen Insel Fünen.
Hoffmann von Fallersleben konnte also 1845 durchaus von einem Deutschland zwischen Maas (Geldern), Memel (Ostpreussen), Etsch (Südtirol) und Belt (Schleswig-Holstein) sprechen, ohne die poetische Freiheit allzusehr zu beanspruchen.
Dass derselbe Text heute völlig veraltet ist, und ein wenig imperialistisch klingt, liegt an den bekannten zwischenzeitlichen geschichtlichen Ereignissen, in deren Ergebnis Deutschland beträchtlich kleiner geworden ist. Deshalb ist eben die dritte Strophe die deutsche Nationalhymne, und nicht die erste und die etwas merkwürdige zweite.
Die Unkenntnis historischer Tatsachen ist aber noch lange kein Grund, sich wutschneubend über mangelnde "politische Korrektheit" und angeblichen "Imperialismus" zu erregen. Im übrigen haben es viele Nationaldichtungen so an sich, nicht gerade politisch korrekt zu sein. Oder ist etwa "Rule Britannia" ein beschieden-häusliches Lied?
Diese Texte sind Bestandteil der Musik- und Literaturgeschichte und damit des Kulturgutes des deutschen Sprachraumes. Jene also auf den Müll befördern zu wollen, erinnert mich stark an eine gewisse Zeit, in der unbequeme Bücher, Personen u.a. "aussortiert" wurden. Haben wir das nötig?
Als der "liebe Kaiser Franz" noch römisch-deutscher Kaiser war - bevor er erst einige Jahre später die deutsche kaiserkrone niederlegte und dafür zum Herrscher des neugegründeten österreichischen Kaisertums wurde - gehörten die übrigen deutschen Länder und Österreich noch zusammen, so dass Hydns Lied durchaus nicht nur vom heutigen Österreich, das bekanntlich 1918 die Habsburger aus dem Lande verjagt hat, beansprucht werden kann.
Ab 1815 bis 1865 gehörten die deutschen Länder und Österreich wiederum, diesmal im "Deutschen Bund" unter Führung Österreichs zusammen. Damals gehörte Südtirol zu Österreich, und nach dem damaligen Verständnis zu Deutschland.
Das Herzogtum Geldern gehörte bis zu den napoleonischen Kriegen ebenfalls zum Kaiserreich, nach 1815 wurde es geteilt in einen westlichen niederländischen, und einen östlichen preussischen Teil. Die Grenze verlief entlang der Maas, allerdings kam deren östliches Ufer mit einem schmalen Streifen Land ebenfalls an die Niedelande.
Die Memel durchfloss damals das nördliche Ostpreussen (Tilsit), kurz vor der russischen Grenze. Allerdings gehörte Ostpreussen rechtlich nicht zum Heiligen Römischen Reich - nur deshalb konnte der Kurfürst von Brandenburg sich zum "König in Preussen" krönen lassen.
Verschiedene Meerengen in Nordeuropa tragen den Namen "Belt": der Grosse Belt, der "Kleine Belt", aber auch der "Alsen-Belt" und der "Fehmarn-Belt". Letzterer bildet auch heute noch eine natürliche Grenze zwischen der deutschen und schleswig-holsteinischen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland. Bis 1920 bildete ähnlich der "Alsen-Belt" eine natürliche Grenze zwischen der damals schleswig-holsteinischen und deutschen Insel Alsen und der dänischen Insel Fünen.
Hoffmann von Fallersleben konnte also 1845 durchaus von einem Deutschland zwischen Maas (Geldern), Memel (Ostpreussen), Etsch (Südtirol) und Belt (Schleswig-Holstein) sprechen, ohne die poetische Freiheit allzusehr zu beanspruchen.
Dass derselbe Text heute völlig veraltet ist, und ein wenig imperialistisch klingt, liegt an den bekannten zwischenzeitlichen geschichtlichen Ereignissen, in deren Ergebnis Deutschland beträchtlich kleiner geworden ist. Deshalb ist eben die dritte Strophe die deutsche Nationalhymne, und nicht die erste und die etwas merkwürdige zweite.
Die Unkenntnis historischer Tatsachen ist aber noch lange kein Grund, sich wutschneubend über mangelnde "politische Korrektheit" und angeblichen "Imperialismus" zu erregen. Im übrigen haben es viele Nationaldichtungen so an sich, nicht gerade politisch korrekt zu sein. Oder ist etwa "Rule Britannia" ein beschieden-häusliches Lied?
man kann es wirklich nicht oft genug sagen :-)
man kann es wirklich nicht oft genug sagen :-)
man kann es wirklich nicht oft genug sagen :-)
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